His Smile

GeschichteRomanze / P18 Slash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
11.07.2019
13.07.2019
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Über die Ferien hinweg sahen sie sich immer wieder in der Umkleide und nichts geschah. Sie sahen sich an, sie lächelten sich an. Hin und wieder wechselten sie das ein oder andere Wort.

Es dauerte eine Weile bis sie herausgefunden hatten, wann der andere in den Ferien trainierte. Natürlich hätten sie einander fragen können. Doch sie fragten einander nicht und es dauerte zwei lange Wochen, bis sie in eine bequeme Routine gefallen waren. Vielleicht weil sie irgendwann anfingen einfach zu den Zeiten zu kommen, in denen sie auch im letzten Jahr immer trainiert hatten.

John ahnte, dass Sherlock sich genauso sehr nach John sehnte, wie er sich nach ihm. Doch er hatte auch das Gefühl, dass Sherlock gern länger schwimmen wöllte als er draußen rannte. Hin und wieder kam er später in die Dusche als John und lächelte entschuldigend. John lächelte zurück, wie um ihm zu versichern, dass er auch gern länger trainieren konnte, wenn er wollte und sich nicht von ihm zurückhalten lassen solle.

Obwohl zwischen ihnen nichts nennenswertes passierte, sehnte sich John jede Sekunde, in der er Sherlock nicht sah, so sehr nach den wenigen Minuten am Tag, die er mit ihm verbringen konnte. Er würde gern mehr Zeit mit ihm verbringen.

In der vierten Ferienwoche war John mit dem Training fertig und von Sherlock war keine Spur zu sehen. Er musste noch in der Schwimmhalle sein, denn er hatte sich vorher gemeinsam mit John umgezogen. Also ging John allein duschen. Er versuchte sich so viel Zeit wie möglich zu lassen, doch Sherlock kam nicht. Resigniert trocknete sich John ab. Als er an Sherlocks Fach vorbei lief, schaute er bemüht gleichgültig hinein. Sherlocks Sachen waren alle noch da, er musste also tatsächlich noch in der Schwimmhalle sein.

Also zog sich John an, nahm ein Buch aus seiner Tasche und setzte sich auf die Bank um auf Sherlock zu warten. Eine halbe Stunde später erschien ein gehetzt aussehender Sherlock in der Tür und starrte John verwundert an.

„Du bist noch da.“, stellte er fest. John war überrascht, dass er überhaupt etwas sagte und nicht die Tatsache, dass John auf ihn gewartet hatte, als gegeben annahm.

„Ja.“, sagte John simpel und faltete sein Buch zusammen.
„Warum?“

„Du schienst mehr Zeit in der Schwimmhalle verbringen zu wollen.“

Sherlock lächelte, nickte und ging in die Dusche. John wartete bis Sherlock herauskam. Er sehnte sich danach ihm hinterher zu gehen. Ihm in die Dusche zu folgen und ihm zu sagen, dass er immer auf ihn warten würde und dass Sherlock nie wieder allein sein müsse. Doch er blieb auf seiner Bank sitzen und wartete geduldig, bis Sherlock wieder die Umkleide betrat.

Er sah zu, wie Sherlock nackt bis auf ein Handtuch um seine schmalen Hüften aus der Dusche kam. Er sah zu, wie er John einen Blick über die Schulter zuwarf und sein Handtuch fallen ließ. John sah weg. Es war lächerlich wegzuschauen. Die meisten Stellen an diesem Körper hatte er bereits berührt, doch das Wissen, dass Sherlock tatsächlich wollte, dass John ihn sah, war überwältigend.

John sah aus dem Augenwinkel, dass Sherlock erneut über seine Schulter blickte. Er musste sehen, dass John ihn nicht mehr anschaute, denn er wandte sich ab und schlüpfte schnell in seine Kleidung.

„Du hast Recht. Ich würde gern länger schwimmen.“, kam Sherlocks Stimme leise.

„Okay.“ Sherlock wollte wohl John doch nicht genauso sehr sehen, wie er ihn. Doch komischerweise war das völlig in Ordnung. Wenn Sherlock schwimmen wollte, würde John der letzte sein, der ihn davon abhielt.

„Du- ich meine- du kannst nach dem Laufen gern in die Schwimmhalle kommen und dort lesen. Dort ist es wärmer als hier drin.“ Er deutete vage auf ihre Umgebung und sah John erwartungsvoll an.

„Gern.“
„Okay.“, sagte Sherlock und lächelte John an, bevor er seinen Blick abwandte und lächelnd nach draußen ging.

*

Für den Rest der Ferien wurde es Routine, dass John nach dem Laufen in die Schwimmhalle ging um Sherlock zuzuschauen. Offiziell war er hier zum Lesen, doch sie wussten beide, dass das nicht wirklich wahr war, denn John kam kaum eine Seite weit, während er mit den Augen Sherlocks schlanke Form verfolgte.

Sherlock schwamm immer sechs der Fünfzig Meter Bahnen am Stück und machte dann kurz Pause. Er starrte meist durch die Glaswand nach draußen auf den Wald. Am Anfang setzte sich John auf die Zuschauerränge, doch mit jedem Mal setzte er sich etwas weiter nach unten, bis er sich eines Tages einfach in die Nähe der Bahn, in der Sherlock bevorzugte zu schwimmen, auf den Boden setzte.

Das erste Mal als es draußen regnete, zog sich John nicht mit Sherlock zusammen um. Er erntete sich dafür einen neugierigen Blick, doch keinen Kommentar. Als sich Sherlock dann auf den Weg zur Schwimmhalle machte, schaute er John noch einmal verwundert an.

„Es regnet.“, erklärte John.

„Und du bist hergekommen, nur um mit in die Schwimmhalle zu kommen?“, fragte ihn Sherlock und zog die buschigen Brauen zusammen.

John zuckte nur mit den Schultern. „Ich genieße gute Gesellschaft beim Lesen. Ich dachte dir geht es vielleicht nicht anders.“

Sherlock lächelte, nickte und ging weiter. Das war das erste Mal, dass sich John im Schneidersitz direkt vor die Bahn setzte, in der Sherlock schwamm. Sie wechselten hin und wieder ein paar Worte.

*

Manchmal stellte Sherlock John eine Frage. Wo wohnst du? Warum hast du Zeit jeden Tag mit mir hier her zu kommen? Welche Art Hund hast du? Warum lebst du mit deiner Mutter und Schwester allein? Was liest du da? Was findest du überhaupt an dieses ganzen alten Romanen?

Irgendwann hörte John auf, sich darüber zu wundern, woher Sherlock all das über ihn wusste. Manchmal fragte er nach, weil er seine Neugier nicht zurückhalten konnte. Dann ratterte Sherlock endlose Erklärungen herunter, wie er auf diesen oder jenen Fakt über John gekommen war, sodass John irgendwann völlig aufhörte, sich darüber zu wundern, wenn Sherlock etwas so persönliches über ihn wusste.

Immer wenn Sherlock eine Frage stellte, fragte auch John etwas und erfuhr so immer etwas mehr über Sherlock. Er hieß vollständig William Sherlock Scott Holmes und wusste auch nicht, warum ihn seine Eltern trotzdem immer nur Sherlock genannt hatten. Er hatte einen älteren Bruder, den er verabscheute. Er liebte Hunde und seine Augen fingen an zu leuchten, als John ihm davon erzählte, seit wann er einen Hund hatte und dass er in nächstes Jahr in eine Wohnung ziehen wollte, in die er ihn mitnehmen konnte. Sherlocks Eltern waren oft im Ausland und er war oft allein. Er rasierte sich die Beine nicht aus Eitelkeit, sondern um so wenig Reibung im Wasser zu verursachen wie möglich und er hasste es. Er liebte Chemie. Er liebte Experimente, über die er, nach etlichen Nachfragen und sanfter Ermutigung, ausschweifend zu erzählen begann.

Manchmal fühlte sich John schuldig, weil Sherlock an manchen Tagen kaum zum Schwimmen kam, weil sie miteinander redeten. Doch ganz langsam konnte John dabei zusehen, wie sich der schüchterne Junge, den er an diesem ersten Tag in der Umkleide gesehen hatte, öffnete und etwas Wunderbares zum Vorschein kam.

Sherlock lächelte mehr als jemals zuvor und jedes Mal setzte Johns Herz einen Schlag aus.

*

Es war einer dieser vielen regnerischen Tage. John ging in die Umkleide und wartete auf Sherlock, der noch nirgendwo zu sehen war. Er fragte sich kurz, ob es möglicherweise seltsam war, dass er in der Umkleide auf Sherlock wartete, auch wenn er sich selbst nicht umziehen würde. Er fragte sich, ob Sherlock es nicht langsam leid war, von John beim Umziehen beobachtet zu werden.

Doch sobald er in der Umkleide ankam, verflogen diese Gedanken. Sherlock lächelte John zu und sagte nichts, wie üblich. Es dauerte meist bis John Sherlock zum Reden bekam. Also zog sich Sherlock um und sie gingen gemeinsam in die Schwimmhalle, wo John sein Buch aufschlug. Er hatte nicht vor auch nur eine Seite zu lesen, doch das war okay. Er hatte viel zu viel Zeit zu Hause, die er totschlagen musste also würde er nicht die wenigen kostbaren Minuten mit Sherlock verschwenden um ein Buch zu lesen, das sein ganzes Leben auf ihn warten würde.

Es war einer der Tage wo Sherlock sehr zurückgezogen wirkte. Wenn John eine Frage stellte oder etwas sagte, bekam er zwar eine Antwort, jedoch immer nur eine kurze. Sherlock schaute ihn an und lächelte traurig, nur um im nächsten Moment weiter zu schwimmen.

John gab sich damit zufrieden Sherlock beim Schwimmen zuzuschauen. All die Bewegungen zu studieren, die so natürlich für Sherlocks Körper zu sein schienen. Jedes Mal war er wieder fasziniert von der Grazie, mit der Sherlock durch das Wasser glitt.

Sherlock schwamm in den Ferien immer ohne Schwimmkappe, da er nicht mochte, wie seine Haare sich unter der Kappe anfühlten. Er hatte John erzählt, dass er seine Haare gern etwas länger tragen würde, damit die Locken auch über seine Stirn fielen, doch es aufgrund der Schwimmkappe nur noch unangenehmer wäre. Sherlock liebte schwimmen und er hatte gesagt er könne sein ganzes Leben noch längere Haare tragen, wenn er das wöllte.

Immer wenn Sherlock nur ein paare Zentimeter von John entfernt Pause machte und er sich am Beckenrand abstützte, strich er sich die dunkelbraunen Haare zurück, damit sie ihm nicht auf der Stirn klebten. Er schaute dann immer John unter langen Wimpern hervor an, an denen das Wasser glitzerte und John wollte nichts mehr, als ins Wasser neben Sherlock zu sinken und das Chlor auf seiner Haut zu schmecken. Doch sie sahen sich nur an, während Sherlock seine Atmung beruhigte und wenn er mit seinem Puls zufrieden war, rollte er sich wieder ins Wasser und schwamm weiter.

Manchmal waren sie nicht lang in der Schwimmhalle, da Sherlock früh zu Hause sein musste, oder noch etwas vorhatte, doch heute schwamm er fast drei Stunden lang. Er wäre noch länger im Wasser geblieben, wenn John nicht in der letzten halben Stunde beobachtete hätte, wie er immer langsamer geworden war. John überzeugte ihn irgendwann, dass er langsam aufhören musste, wenn er noch die Kraft haben wollte um nach Hause zu laufen.

Sherlock zitterte als er auf wackligen Beinen aus dem Wasser stieg. John folgte ihm schweigend zur Umkleide und wartete, während Sherlock duschte. Als er noch immer feucht wieder die Umkleide betrat, wusste John, was gleich passieren würde. Er hatte diesen Ausdruck seit Wochen nicht mehr in Sherlocks Augen gesehen, doch in diesem Moment wusste er, was er zu bedeuten hatte. Er stand auf und drehte sich zu Sherlock, der die zwei Schritte bis zu ihm überbrückte und ihn gegen die Schließfächer in Johns Rücken drückte.

John hatte nicht damit gerechnet, dass Sherlock jemals wieder etwas in der Art initiieren würde. Er hatte Sherlock nach einer Freundin oder einem Freund gefragt und hatte keine Antwort erhalten. Als er ihn nach früheren Partnern gefragt hatte, hatte ihn Sherlock nur angesehen und nach ein paar Augenblicken mit den Kopf geschüttelt. John hatte angenommen, dass Sherlock entweder solche Dinge normalerweise nicht tat und dieses eine Mal in der Dusche nur eines seiner Experimente gewesen war.

Seit dem sie angefangen hatten miteinander zu reden, hatte John die Möglichkeit, Sherlock auch sexuell näher zu kommen völlig aufgegeben. Er wollte lieber die Freundschaft, die sich erst langsam entwickelte und die versprach wunderschön zu werden, erhalten und nichts zerstören, was noch nicht einmal richtig begonnen hatte.  

Doch jetzt hatte Sherlock seine langen Finger um Johns Gesicht gelegt und küsste ihn leidenschaftlich und wenn John es nicht besser wüsste, würde er sagen, dass Sherlock jedes Gefühl in seinem Körper in den Kuss legte. John küsste ihn zurück

Sie küssten sich langsam und innig, wie sich ein Ehepaar nach Jahren gemeinsamer Nächte küssen würde. John wunderte sich darüber. Er hatte erneut etwas Schnelles, Unkompliziertes erwartet. Doch sie küssten sich lange und berührten sich mit der Sanftheit mit der ein Liebhaber einen anderen berührt.

Die Zeit schien zu fliegen, Sekunden wurden zu Stunden und John hätte nicht sagen können, wie lang sie schon in der kalten Umkleide standen, als Sherlocks Hand von Johns Wange glitt. Er ließ sie zu Johns Hosenknopf wandern und löste seine Lippen von Johns um schweigend nach seiner Zustimmung zu bitten. John nickte.

Sherlock öffnete den Knopf, zog den Reißverschluss nach unten. Er löste sich erneut von John und schaute auf ihn herab. Sie sahen sich in die Augen als Sherlock schweigend auf die Knie sank und Johns Hose etwas nach unten zog. Als er seine Lippen über Johns Penis stülpte, ließ John den Kopf nach hinten gegen die Fächer fallen.

Sherlock fühlte sich so gut an, wie noch kein Partner zuvor. Er fühlte sich an, als wäre er für John gemacht und für das was sie taten. John fragte sich kurz abwesend, ob vielleicht Menschen doch füreinander gemacht wurden, wie zwei Puzzlestücke, die vielleicht auch gut mit anderen Stücken zusammenpassen, doch nur mit dem Einen wirklich ein Bild ergaben.

Sherlock ließ seine Zunge über seinen Penis tanzen, kostete von dem Präejakulat, das aus dem Schlitz trat. Er schaute auf, blickte John in die Augen, als er anfing seinen Penis aus seinem Mund hinaus und wieder hineingleiten zu lassen. John ließ seine Hand zu Sherlocks Wange wandern, berührte sie liebevoll, strich mit den Fingerspitzen über Sherlocks Lippen und den Übergang zwischen ihnen und seinem eigenen Fleisch.

John hielt nicht lang aus, bis er in Sherlocks Mund kam. Er hatte an seinen Haaren gezogen um ihn zu warnen, dass er kommen würde, doch Sherlock hatte ihn nur tiefer in den Mund genommen.

John stand da und starrte auf die gegenüberliegende Wand. Noch nie hatte er so etwas erlebt. Sie hatten kein Wort miteinander gewechselt und doch schien es, als wüsste Sherlock, was John dachte. Sie bewegten sich so vertraut gegeneinander als hätten sie seit Jahren ein Bett miteinander geteilt und würden einander mittlerweile auswendig kennen.

John schaute nach unten, wo Sherlock noch immer auf dem kalten Fliesenboden kniete. Er hatte das Handtuch um seine Hüften gelöst und pumpte seinen Penis, während er John noch immer in die Augen sah. Sie sahen sich einen Augenblick an, dann sank John neben ihm auf den Boden. Er schob sanft Sherlocks Hand beiseite und strich sanft über Sherlocks Penis, seine Hoden, sein Perineum. Hin und wieder stöhnte Sherlock leise auf und John fühlte sich so machtvoll, dass er Sherlock diese leisen Töne entlocken konnte. Er wusste, dass Sherlock wahrscheinlich lauter wäre, wären sie vertrauter miteinander, doch er wollte nicht von ihm verlangen, sein Innerstes so offenzulegen vor jemanden, den er kaum kannte.

Sherlock kam über John Hand, über seinen eigenen Bauch, das Handtuch, den Boden. Er ließ seine Stirn gegen Johns Schulter sinken und atmete heftig ein und aus. Doch er war ein Sportler, hatte seinen Puls und seine Atmung gut unter Kontrolle und erholte sich schnell.

John schaute Sherlock an, auf dessen Gesicht ein Lächeln erschien. Sherlock nickte kurz, wischte mit dem Handtuch die Spuren so gut wie möglich auf und zog sich dann schweigend an. Sie sagten nichts während sie aus der Umkleide gingen und verabschiedeten sich wie immer nur mit einem Wort und einem Nicken. Doch Sherlock lächelte, als er sich wegdrehte.

*

Manchmal bist du noch immer so still und ich weiß nicht warum. Vielleicht bist du schüchtern, vielleicht langweile ich dich auch einfach nur. Doch manchmal fängst du an, über dich zu erzählen und ich kann meine Augen nicht von den deinen Abwenden, denn was du sagst, erzählt mir so viel über wer du bist, dass ich nicht möchte, dass du je wieder schweigst.

Ich habe das Gefühl dich besser zu kennen als mich selbst. Ich weiß so viel über dich, dass ich nicht mehr sagen kann, was du mir tatsächlich erzählt hast und was ich geträumt habe. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, als wir noch kein Wort miteinander gewechselt haben und ich dachte, ich würde dich kennen, würde ich am liebsten über mich selbst lachen. Denn jeden Tag, wenn ich etwas Neues über dich erfahre, kommt es mir so lächerlich vor, dass ich am Tag zuvor davon ausgegangen war, dich zu kennen.

Ich weiß nicht, ob du etwas für mich fühlst. Doch ich weiß, dass ich mich langsam in dich verliebe. Ich bin mir sicher, dass es nicht klug ist, mir vorzustellen wie ein Leben mit dir sein könnte, doch immer wenn ich nachts im Bett liege, scheinen meine Gedanken ohne meine Erlaubnis jedes einzelne Mal zu dir zu wandern. Meine Gedanken kreisen um dich, selbst wenn ich dich gerade eben noch gesehen habe.

Und es kommt mir vor wie eine Grenzüberschreitung dir in die Augen zu schauen, während du dich selbst berührst, da auf dem Boden zu meinen Füßen. Ich weiß, dass es etwas über Vertrauen aussagt, dass du mir in die Augen siehst, wenn du dich anfasst. Es ist ein so unschuldiger und doch so intimer Anblick dich so zu sehen. Du legst alle Facetten nieder, entblößt sich vollständig und lässt mich dich sehen.

Und dann, wenn wir eigentlich etwas sagen sollten, lächelst du mich an und die ganze Welt scheint in Ordnung zu sein, nur wegen diesem Lächeln. Es scheint mir das wichtigste auf der Welt zu sein, dich zum Lächeln zu bringen.

*

Die Schule begann wieder und stellte sie auf eine völlig neue Herausforderung. Sie hatten das Schuljahr mit der Erwartung begonnen, einen ähnlichen Zeitplan zu haben, wie im letzten Jahr, doch wurden enttäuscht als sie feststellen mussten, dass sie sich kaum sahen. Sherlocks Training war entweder vor oder nach Johns und an dem einen Tag in der Woche, wo sie zur gleichen Zeit trainierten, zogen sich Schüler aus der sechsten Klasse mit ihnen um.

John wollte seine Frustration mit der Situation nicht zeigen, denn Sherlock schien es kaum etwas auszumachen, dass sie sich auf einmal kaum noch sahen, nachdem sie in den Ferien so viel Zeit miteinander verbracht hatten. Er lächelte und nickte John noch immer zur Begrüßung zu, doch lud John nicht noch einmal ein, ihn in die Schwimmhalle zu begleiten und für John fühlte es sich zu sehr wie eine Überschreitung einer still vereinbarten Grenze an, wenn er selbst das Wort ergreifen würde. Also sagte er nichts und schaute Sherlock sehnsüchtig nach, wann immer der die Umkleide verließ.

Doch manchmal trafen sich ihre Blicke, während sich fünfzehn kleine Jungen mit ihnen umzogen und John sah in Sherlocks Augen, dass er sich genauso nach körperlicher Nähe sehnte, wie John. Sherlock ließ seinen Blick ungeniert an Johns Körper entlangwandern und warf ihm daraufhin solch hitzige Blicke zu, dass seine Knie ganz weich wurden.

Wahrscheinlich waren sie beide nicht mutig genug um den ersten Schritt zu tun, doch so gingen sie sich die ersten Wochen des neuen Schuljahres aus dem Weg, da sie beide nicht zerstören wollten, was sie vielleicht irgendwann aufbauen könnten.

Sie sprachen nicht miteinander. Vielleicht, so dachte John, waren die Gespräche in den Ferien neues Territorium, das sie beide nicht zu betreten wagten, seitdem die Schule wieder begonnen hatte.

*

John hatte beinahe vergessen, wie seine Stimme klang, als er sie das erste Mal seit Monaten wieder hörte. Es war bereits Herbst und draußen war es windig und kalt.

„Es ist kalt draußen.“, bemerkte Sherlock an diesem Nachmittag, an dem sich John nach dem Training umzog und Sherlock ihm unverhohlen dabei zusah. John wusste, dass Sherlock es mochte, ihm zuzusehen.

„Stimmt.“, sagte John und schaute zu Sherlock auf, während er seine Schuhe band.

„Möchtest du mit in die Schwimmhalle kommen?“, fragte Sherlock und blickte zu Boden. John kam es seltsam vor, dass er ihm nicht in die Augen sah, während er eine Frage stellte, auf die John ganz offensichtlich seit Wochen gewartet hatte, doch er seine Augen nicht abwandte, während er Johns Penis in seinen Mund gleiten ließ.

„Ja.“ Sherlock blickte auf und lächelte. John lächelte leicht zurück und folgte ihm in die Schwimmhalle.

Sherlock trainierte nicht allein. Es waren noch fünf andere Schwimmer im Becken, die von der harschen Schwimmlehrerin angetrieben wurden. John wandte nicht einmal den Blick von Sherlock ab, als dieser versuchte sich an sein Limit zu treiben und darüber hinaus.

„Sherlock, du bist zu langsam.“, blaffte seine Lehrerin mit osteuropäischem Akzent. John ballte die Fäuste neben sich, als er zusah, wie Sherlock ergeben nickte und versuchte noch schneller zu schwimmen. Sie behandelte alle Schwimmer gleich, verteilte Lob weitaus weniger als Kritik und John konnte sein Herz brechen spüren, als er Sherlocks gequälten Gesichtsausdruck sah.

Er stand am Beckenrand, als sich Sherlock aus dem Wasser stemmte und hielt ihm sein Handtuch hin. Sherlock sah ihn an und lächelte das erste Mal, seitdem sie die Schwimmhalle betreten hatten.

Sie gingen schweigend nebeneinander her bis zur Umkleide. Sherlock verzog keine Miene, als John begann sich auszuziehen, als Sherlock sich für die Dusche fertig machte. John folgte ihm nackt in die Dusche und drückte ihn gegen die geflieste Wand.

Sie küssten sich verzweifelt, jeder um die Oberhand ringend. John löste sich nach ein paar Minuten von Sherlock und legte eine Hand an seine Wange. Er schaute zu ihm auf.

„Denk niemals, dass du nicht perfekt bist, Sherlock. Egal, ob du nicht schnell genug schwimmst, ob du schlechter oder besser bist als die anderen in deinem Team. Denk niemals, dass du nicht unsagbar wertvoll bist.“, flüsterte John und küsste ihn wieder. Er fühlte Sherlock gegen seine Lippen lächeln und das war alle, was John erreichen wollte.

*

Sie redeten nicht darüber. Wenn es Johns Zeitplan zuließ, begleitete er Sherlock in die Schwimmhalle und meistens endeten sie zusammen in der Dusche. Sie verloren nie ein Wort darüber und das war in Ordnung.

Sie gingen nie weiter als bei den ersten beiden Malen. Sie berührten sich gegenseitig, hin und wieder sank einer von beiden vor dem anderen auf die Knie. Doch nie gingen sie weiter.

Im November wurde John krank. Die Grippezeit hatte noch nicht einmal richtig begonnen, als er eines Morgens aufwachte und sich kaum bewegen konnte. Er hatte in den letzten Jahren kaum in der Schule gefehlt und es war völlig neu gleich zwei Wochen am Stück zu Hause zu verbringen. Doch selbst die Schmerzen in seinen Gliedern waren fast erträglich im Gegensatz zu der Sehnsucht, die ihn jedes Mal zu übermannen drohte, wenn er an Sherlock dachte.

Seine Gedanken waren Tag und Nacht bei ihm. In den letzten Wochen hatte sich auch Johns Körper an den regelmäßigen Sex gewöhnt, was Johns Verlangen, Sherlock zu sehen, von Tag zu Tag verschlimmerte.

Als er Anfang Dezember wieder in die Schule kam, fühlte er sich wie ein Verhungernder. Doch als er Sherlock in der Umkleide sah, hielt er sich aus irgendeinem Grund, den er selbst nicht benennen konnte, zurück. Sie warfen sich wieder Blicke zu und John sah den verletzten Ausdruck auf Sherlocks Gesicht.

Als John ihn nach dem Training wieder sah, hatte Sherlock nicht auf ihn mit dem Duschen gewartet. Er zog sich bereits an, als John die Umkleide betrat.

„Ich war krank.“, sagte John leise, während er sich auszog.
„Oh.“ Sherlocks Antwort war leise, unsicher.

„Nur falls du dich gefragt hast.“, sagte John.
„Okay.“

Sherlock folgte ihm nicht in die Dusche, doch wartete auf ihn, bis er fertig war. Als John gehen wollte, hielt ihn Sherlock am Handgelenk fest und gab ihm einen kleinen Zettel. John schaute darauf hinab und sah, dass es eine Handynummer war.

„Nur falls du wieder einmal krank sein solltest.“, sagte Sherlock und wandte sich ab zum Gehen. Er war zu nervös um zu lächeln.

*

Sie schrieben nicht. Nur hin und wieder informierten sie einander, wenn sie nicht zum Training kommen konnten, anderweitig verhindert oder krank waren.

Doch sie sprachen wieder miteinander. Manchmal blieben sie etwas länger in der Umkleide um Fragen zu stellen und persönliche Dinge über den anderen zu erfahren. Sherlock wurde langsam wieder ungezwungener und John konnte sehen, wie gern er über seine Experimente berichtete.

An einem Nachmittag hatte Sherlock ihm erzählt, dass er nie gut mit Menschen ausgekommen war und keine Freunde hatte. John hatte gesagt, er wäre sein Freund. Sherlock hatte nicht geantwortet, doch hatte gelächelte und langsam genickt, so als würde er erst beginnen etwas zu verstehen.

Sie hatten noch immer nicht darüber geredet, dass sie sich fast jede Woche in der Dusche wie zwei Verhungernde küssten. Doch noch schlimmer waren die Wochen, wo keiner von beiden wagte, den ersten Schritt zu tun. Sie standen da und sahen sich an, doch keiner von beiden brachte den Mut auf, die zwei Schritte zu überbrücken und den anderen in die Arme zu nehmen. Und immer wenn dies passierte, fragte sich John, ob Sherlock vielleicht endlich bemerkt hatte, dass John und er nicht zusammenpassten, da er so wunderschön, ungewöhnlich und perfekt war und John eben nur John. Langweiliger und gewöhnlicher John.

Doch in der nächsten Woche würde es wieder so einfach wie atmen sein. Als würde man dem Drang nachkommen Luft in die Lungen zu ziehen. Sie würden ohne Zögern in die Dusche gehen, einander in die Arme nehmen und sich zum Orgasmus bringen.

Manchmal lächelte Sherlock wenn er seine Finger durch das Ejakulat auf seinem Abdomen gleiten ließ, das sie beide dort hinterlassen hatten.

*

Mit jedem Tag lerne ich dich etwas besser kennen und ich bin mir sicher, dass ich mich in dich verliebt habe. Ich liebe dich von deinen perfekten Locken bis zu deinen langen Zehen. Und ich weiß, dass ich alles für dich tun würde, denn irgendetwas sagt mir, dass du die Liebe meines Lebens bist.

Selbst wenn wir manchmal kaum miteinander reden und einander kaum in die Augen blicken, selbst wenn du meine Gefühle nie erwidern würdest, weiß ich, dass ich nie wieder jemanden auf die gleiche Weise lieben werde wie dich.

Und im Nachhinein betrachtet weiß ich, dass ich damals Recht hatte. Nie zuvor und nie wieder seitdem habe ich jemanden geliebt wie ich dich geliebt habe.

Vielleicht war es, weil wir so unverkennbar zusammenpassten. Du und ich passten gegeneinander ohne eine Lücke zu hinterlassen. Wenn ich darüber nachdenke wie es mit jemandem anderes sein würde, die gleichen Dinge zu tun, die wir getan haben, kann ich mir nur verwirrende Bilder vorstellen.

Doch auch wenn wir immer öfter  miteinander reden, wirst du ruhiger. Du sagst immer weniger, lässt mich stattdessen reden. Oft nickst du nur, wenn ich etwas sage und du lächelst immer weniger. Doch ist habe mir geschworen, dieses Lächeln so oft auf dein Gesicht zu bringen wie möglich. Ich kann es kaum ertragen, dass du weniger lächelst. Ich frage mich, ob es an mir liegt oder ob deine Gedanken woanders sind.


-tbc-


A/N:
Hey.  Seid ihr eher für ein happy end oder etwas bittersüßes? Ich bin mir noch nicht sicher. Als Fanfiction Leser bin ich absolut für ein happy end, doch als Autor hätte ich unglaublich Lust etwas ttrauriges zu schreiben. Lasst mich eure Meinung wissen.
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