His Smile

GeschichteRomanze / P18 Slash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
11.07.2019
13.07.2019
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Das erste Mal sah John ihn, als er nach den Sommerferien in die Umkleidekabine seiner Schule kam. Er musste neu sein, denn John war sich absolut sicher, dass er jemanden, der so aussah nicht so schnell vergessen würde. Er war ungefähr in Johns Alter, war jedoch groß und ungewöhnlich schlank. Schon fast zu schlank, wie John in den nächsten Monaten, in denen er ihn immer wieder sehen würde, feststellen würde. Er hatte dunkelbraune, kurze Locken und ein Gesicht, das John nie wieder vergessen würde. Es war schön und gleichzeitig fremdartig. Anmutig und anders.

John wandte seinen Blick wieder von dem wunderschönen Körper ab und ging weiter bis zu seinem Schließfach, dessen Tür er ausfliegen ließ. Er atmete auf und fing methodisch an seine Kleidung auszuziehen. Aus den Augenwinkeln beobachtete er interessiert, wie auch der Neue sein Sweatshirt über den Kopf zog, die Converse Sneaker unzeremoniell in sein Fach warf und die dunklen Jeans von den langen Beinen schälte. Ohne sich auch nur darum zu scheren, ob er von jemandem gesehen wurde, zog er die schwarzen Pants aus und stand mit einem Selbstvertrauen, das John sich nicht erklären konnte, nackt in der Umkleidekabine.

John fragte sich, warum der Junge sich ganz ausgezogen hatte. Für die meisten Sportarten konnte man seine Unterhose anlassen. Gerade als John versuchte zu erraten, welchen Sport der andere betrieb, zog er eine enge schwarze Schwimmhose aus seiner Tasche und streifte sie sich über. Er griff nach einem Handtuch und einer Badekappe, die er mit finsterer Miene betrachtete und war im nächsten Augenblick verschwunden.

John stand noch immer in Jeans und ohne T-Shirt da und starrte auf den Punkt, wo Sekunden vorher noch der Junge gewesen war. Er schüttelte den Kopf und wandte sich wieder seinem eigenen Fach zu und zog sich rasch um.

Während dem Training schweiften Johns Gedanken immer wieder zu dem neuen Jungen ab. Er konnte nicht sehr viel jünger als John sein, doch er musste mindestens einen Jahrgang unter ihm sein, denn sonst hätte John gehört, dass ein Neuer in die Klasse kam. Die Schule, an die er ging, war groß genug, dass es in jedem Jahrgang nur fünf Klassen gab, und was außerhalb des eigenen Jahrganges passierte sprach sich kaum herum.

Als sich John nach dem Training umzog, war nichts von dem anderem Jungen zu sehen und John war gleichzeitig enttäuscht und erleichtert.

*

Sherlock. John hatte sich so gut es ging umgehört, bis er erfahren hatte, wer der Neue war. Er war tatsächlich ein Jahr unter John und hatte zwischen den Schuljahren die Schule gewechselt, da seine Eltern aus London aufs Land gezogen waren. Er schien nicht sonderlich gut mit Menschen auszukommen, denn jeder, mit dem John sprach, verzog das Gesicht als sie auf Sherlock zu sprechen kamen. Er verbesserte die Lehrer wann immer es ging, war arrogant und enthüllte die Geheimnisse aller, die es wagten sich ihm in den Weg zu stellen. Keiner, mit dem John sprach, konnte ihm sagen, wo Sherlock wohnte, ob er gern schwamm oder was er in seiner Freizeit tat.

Doch all das ging John auch überhaupt nichts an. Er sah Sherlock, Sherlock sah ihn, sie ignorierten sich weitestgehend. Vier Tage die Woche teilten sie sich die Umkleidekabine. Manchmal schwamm Sherlock, bevor Johns Training startete. Dann war er entweder in der Dusche, wenn John in die Umkleide kam oder er war noch nass vom Wasser, Locken mit den Händen glatt nach hinten gestrichen. John fragte sich manchmal, ob Sherlock merkte, dass er angestarrt wurde. Er musste es merken, denn John spürte jeden einzelnen Blick, den Sherlock in seine Richtung warf wie Feuer auf seiner Haut.  Auch wenn die Blicke nur sehr selten und sehr kurz waren.

Sie sprachen nie. Hin und wieder schnappte Sherlocks Blick nach oben, wenn die Tür zur Kabine aufging, doch sobald er John erkannte, wandte er sich genauso rasch wieder ab und fuhr mit der Bewegung fort, die er gerade im Stande war zu tun. Manchmal versuchte John ihn anzulächeln. Doch Sherlock wandte so schnell seinen Blick ab, als wäre er nach langer Dunkelheit in die Sonne getreten. Er lächelte nie zurück.

*

Regen strömte vom Himmel auf das nasse Feld, das mehr Schlamm war als Gras. Mit jedem Schritt spritze nasse Erde gegen Johns Beine, hinauf bis auf sein T-Shirt. Es war bitterkalt, doch keiner der Jungen auf dem Spielfeld fror; die Bewegung hielt sie warm. Normalerweise ging das Training zwei Stunden lang, doch heute pfiff ihr Coach schon zwanzig Minuten zu früh ab und schickte die nassen Jungen nach Hause. John und die anderen gingen auf die Umkleiden zu und trennten sich nach der ersten Tür auf. Da auch John erste zwei Jahre später als alle anderen an die Schule gewechselt war, hatte er kein Fach mehr in der Umkleide der anderen Spieler mehr bekommen. Normalerweise war seine Umkleide leer, oder er teilte sie sich mit Schülern aus den niedrigsten Jahrgangsstufen. Oder, seit neustem mit Sherlock.

John schälte sich aus seinen nassen Sachen und warf sie in seine Tasche. Er griff nach seinem Duschgel und dem Shampoo und machte sich auf den Weg in die Dusche. Er duschte sich schnell und effektiv und wickelte sich danach in sein Handtuch ein. Gerade als er aus der Dusche kam, ging die Tür zur Umkleide auf und Sherlock trat ein. Er schenkte John nur einen kurzen Blick und ging dann auf sein Fach zu. Er setzte sich auf die Bank und fing an seine Locken mit dem Handtuch trockenzureiben. Auch John ging schweigend zu seinem Fach und fing an, sich anzuziehen.

Er versuchte, Sherlock so wenig wie möglich zu beachten. Sie hatten eine Routine gefunden. Sie sprachen nicht, sie sahen sich allenfalls an, sie gingen sich aus dem Weg. John wusste noch nicht einmal, wie seine Stimme klang. Wie immer beobachtete er Sherlock aus dem Augenwinkel. Als er mit seinen Haaren fertig war, stand er auf und schob langsam seine Schwimmhose von seinen Beinen. Er drehte sich um und begann, seinen Körper abzutrocknen. John beobachtete, wie das Handtuch den Weg über Sherlocks  Körper fand. Er fuhr sich über die Arme und Beine, beugte sich an vorn, um auch seine Waden zu erreichen. Ihm schien völlig egal zu sein, welchen Anblick er John damit bot. Als er mit dem Handtuch zwischen seine Beine fuhr um sich Penis, Hoden und Po abzutrocknen, musste John auf einmal schlucken. Er spürte, wie ihm das Blut in die Wangen schoss und sein Penis sich mit Blut füllte.

Er wandte die Augen ab und drehte sich um, um sich so schnell wie möglich seine Pants anzuziehen und schlüpfte in seine Jeans. Er versuchte nicht darüber nachzudenken, warum er hart wurde. Er sah Jungen nicht so. Noch nie hatte er damit Probleme gehabt, seinen Blick von einem männlichen Körper abzuwenden. Doch heute zog es seine Augen immer wieder zu Sherlock, der sich mittlerweile anzog. John schüttelte den Kopf und konzentrierte sich darauf seinen Pullover richtig herum anzuziehen.

Er verließ vor Sherlock die Umkleide.

*

Ich kenne dich nicht. Ich habe keine Ahnung, wie du vollständig heißt, wie alt du bist, was du gern in deiner Freizeit tust. Und doch sehe ich dich jeden Tag nackt. Ich sehe deinen Penis, deine Hoden, deinen Hintern, alles. Ich weiß genau, wie du dich ausziehst. Wie du deine Converse in dein Fach stopfst, wie du dir mit dem Handtuch durch die Haare reibst, bis sie sich nur noch leicht feucht auf deinem Kopf locken. Wie du jeden Tag deine Schwimmkappe angewidert anschaust, bevor ein Ausdruck der Resignation auf dein Gesicht tritt und du sie widerwillig mit in die Schwimmhalle nimmst.

Ich weiß, dass du hin und wieder duschst nach dem Training um den Chlorgeruch aus deinen Locken zu waschen. Ich weiß genau, wie du danach dein Handtuch um deine Hüfte schlingst, und ich weiß, dass du für diesen einen kurzen Moment, den ich jedes Mal ersehne, wenn ich die Umkleide betrete, dein Handtuch auf die Bank fallen lässt und nackt nur zwei Meter von mir entfernt stehst. Selbst wenn ich dich nicht ansehe, liebe ich zu wissen, dass du nackt neben mir stehst, liebe mir vorzustellen, dass du willst, dass ich dich nackt sehe.

Ich weiß, dass du dich nach diesem winzigen Augenblick wieder anziehst, auf einem Bein stehst um deine Schuhe zu binden. Und ich bin mir sicher, dass du wissen musst, dass ich mich so sehr nach deinem Körper sehne, dass ich mich jeden Tag bemühe, dich nicht anzusehen, dass ich dich nicht ansehen will, nicht ertappt werden will beim dich ansehen. Du musst es wissen.

Du dagegen, schaust nie auch nur in meine Richtung. Weder in der Umkleidekabine, noch in der Schule. Deine Augen streifen den Raum, erkennen mich, und setzen ihre Reise fort, ohne mich auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Wir ignorieren einander. Du lächelst nie zurück. Ich wünschte du würdest zurücklächeln.

*

Das Wetter blieb schlecht. John duschte jetzt immer nach dem Training um die Kälte aus der Mitte seines Körpers zu vertreiben. Das erste Mal, dass John mit Sherlock die Dusche teilte, war an einem besonders kalten Tag. John stand unter dem heißen Wasserstrahl und wartete darauf, dass das Zittern, das seinen Körper schüttelte, nachließ. Er hörte die Tür der Umkleide nicht und erschrak, als Sherlock nackt in die Dusche trat. Er stellte sich unter eine Dusche diagonal von John. Er drehte sich weg, weil er seinen Augen nicht trauen konnte. Er wusste, dass er Sherlock ansehen wollte und er war sich sicher, dass sein Körper auf eine gewisse Weise reagieren würde. Er seifte sich ein und versuchte angestrengt nicht auf die Geräusche zu hören, die hin und wieder von den Fliesen wiederhallten und zu seinen Ohren drangen.

John drehte sich wieder in Sherlocks Richtung, ohne dass er seinem Körper die Erlaubnis gegeben hatte. Seine Augen begegneten silbrigen und die Welt schien für einen kurzen Augenblick still zu stehen. Sie sahen einander in die Augen, keiner von beiden willens seinen Blick abzuwenden.

Sherlock schloss die Augen und tippte den Kopf nach hinten um das Shampoo aus seinen Locken zu waschen.

Das war das erste Mal, dass John das Gefühl hatte, dass Sherlock ihn sah.

*

John versuchte Sherlock aus dem Weg zu gehen. Er konnte sich selbst nicht trauen. Er wusste nicht mehr, was er denken sollte, was er denken konnte und schon gar nicht war er sich darüber sicher, was Sherlock von ihm dachte. Er stellte sich gern vor, dass Sherlock ihm genauso hitzige Blicke zuwarf, wie John ihm, wie er sich genauso danach sehnte, die zwei Schritte bis zu John zu überbrücken, sich hinter ihn zu stellen, das Kinn auf Johns Schulter zu legen und die langen Arme um ihn zu schlingen. John sehnte sich nach dem Gefühl von Sherlocks Brust gegen seinen Rücken, seines Penis zwischen seinen Pobacken.

Genau das war der Grund, warum John versuchte Sherlock aus dem Weg zu gehen. Wenn es ging, ließ er sich so viel Zeit nach dem Training wie möglich um Sherlock entweder völlig zu verpassen oder nur noch zu sehen, wie er seine Converse anzog und verschwand.

Doch die Distanz brachte ihn um. Sein Körper verlangte so sehr danach Sherlock zu sehen, dass er nachts schweißgebadet aufwachte und die Laken wechseln musste.

Noch dazu schien John ihn in letzter Zeit häufiger in der Schule zu sehen. Sie liefen sich in diesen Wochen öfter im Gang über den Weg, als in den ganzen Monaten vorher. Sherlocks Augen schienen dabei jedes einzelne Mal die seinen zu finden und John wandte den Blick ab, da er das Blut in seine Wangen steigen spürte. Immer wenn er dann wieder aufblickte, um Sherlocks Blick mit dem seinen zu kreuzen, waren seine Augen überall, doch nicht auf ihm. Sherlock schien, sobald er John hatte einordnen können, das Interesse zu verlieren und richtete seinen Blick auf interessantere Dinge in den Gängen ihrer Schule.

*

John hielt es nicht ganz einen Monat aus, bevor er wieder zu seinen üblichen Zeiten in die Umkleide kam. Das erste Mal, als er wieder in den Raum trat und Sherlocks Kopf nach oben wippte um zu sehen, wer die Umkleide betreten hatte, hob er fragend eine Augenbraue, doch wandte sich genauso schnell wieder von John ab.

Das war das erste Mal, dass Sherlock ihn anlächelte. Als er nach dem Training in die Dusche kam und John dort stehen sah, schenkte er ihm ein winziges Lächeln. John wusste nicht weshalb, doch dieses eine Zucken seiner Mundwinkel brachte John dazu sich selbst zu versprechen, dass er dieses Lächeln ab jetzt öfter auf Sherlocks schönes Gesicht bringen wollte. Er sah noch weitaus besser aus, wenn er lächelte, als sonst.

So wurde es zur Normalität, dass John duschte, auch wenn sie beim Training kaum etwas getan hatten und er nicht geschwitzt hatte. Denn jedes Mal, wenn Sherlock John in der Dusche erblickte, lächelte er ihn schüchtern an. John lächelte immer zurück und sie schauten sich einen Moment lang an, bis einer von beiden den Blick verlegen senkte und so tat, als würde dieses eine Lächeln und dieser eine Blick nicht der Lichtblick ihrer gesamten Woche sein.

John begann Sherlock anzulächeln und kurz zuzunicken, auch wenn er in die Umkleide kam. Anfangs ignorierte Sherlock ihn genauso wie sonst auch, bis er eines Tages im Frühling zurücklächelte.

*

Ich kenne dich nicht. Ich weiß noch immer nichts über dich. Und doch kenne ich dich in und auswendig. Ich weiß nichts über dich und doch weiß ich mehr über dich als über irgendjemanden sonst. Ich meine, dich schon mein ganzes Leben lang zu kennen. Du bist mir so vertraut, dein Körper ist mir so vertraut, als hätte ich ihn jeden Morgen und jeden Abend meines Lebens berührt, obwohl ich weiß, dass du mir nicht vertrauter sein solltest, als jeder andere Mann, mit dem ich je eine Umkleide geteilt habe.

Ich sehe dich. Jeden Tag. Und jeden Tag bist du mir etwas vertrauter, obwohl ich noch nie auch nur ein Stück deiner Haut berührt habe. Und doch fühlen sich meine Träume so real an, dass ich meine, die exakte Struktur eines jeden Zentimeters deines Körpers zu kennen.

Wenn du dich bückst um dein Handtuch vom Boden aufzuheben, weiß ich genau, wie weit du dich bücken musst, damit man durch die Lücke zwischen deinen Beinen deine Hoden sieht. Und ich weiß genau, dass du nicht, wie anfänglich gedacht, nur wenige Haare auf den Beinen hast, sondern sich rasierst. Ich weiß genau, dass du dich immer am Wochenende rasierst, denn montags seinen deine Beine und Achseln immer am glattesten zu sein. Und ich weiß auch, dass du dich überall rasierst außer im Schritt, wo kurze braune Locken ein Nest um deinen Penis bilden und ich bin seltsamer Weise froh darüber, denn ich muss feststellen, dass ich es lieber mag, wenn Frauen oder Männer ihre Haare behalten.

Wir führen ganze Gespräche, du und ich, auch wenn ich noch nie ein Wort aus deinem Mund gehört habe. Ich habe das Gefühl so viel durch einen Blick von dir zu erfahren, wie mit eintausend Worten nicht möglich wäre.

*

John ging grinsend aus der Umkleide und machte sich auf den Weg nach Hause. Reflexartig griff er an seine hintere Hosentasche um sich zu vergewissern, dass sein Handy am gewohnten Platz war. Er hielt inne und blieb stehen. Er legte den Kopf in den Nacken und atmete tief ein und aus. Er hatte es in seinem Fach in der Umkleide vergessen.

Schwungvoll drehte sich John um und ging zurück in die Umkleide. Als er die Tür öffnete, sah er Sherlock, mittlerweile angezogen, auf der Bank sitzen. Er hatte den Kopf in die Hände gestützt und starrte auf den Boden.

John hielt inne und schaute ihn an. Er sah traurig aus. Oder erschöpft.

„Hey. Alles okay?“, fragte John und stellte erst einen Moment später fest, dass das die ersten Worte waren, die er je an Sherlock gerichtet hatte.

Sherlocks Kopf wippte nach oben und er starrte John an. Er öffnete den Mund wie um etwas zu sagen, schloss ihn wieder.

„Ja. Nur erschöpft.“, erwiderte er irgendwann und John erschauderte beim Klang seiner Stimme. Ein Junge in ihrem Alter sollte nicht eine solche Stimme besitzen. Tief und elegant. John konnte hören, dass er in London auf einer Privatschule gewesen war.

Doch da sie noch nie miteinander gesprochen hatten, war sich John nicht sicher, ob es willkommen sein würde, wenn er ein Gespräch initiierte. Also nickte er nur und ging zu seinem Fach. Er holte sein Handy hervor, steckte es ein und lächelte Sherlock zum Abschied zu. Er lächelte zurück.

*

John hatte immer angenommen, dass Sherlock nur zu den Zeiten trainierte, wenn sie die Umkleide teilten. Doch als er eines Abends an der Schwimmhalle vorbeilief, bemerkte er, dass noch Licht brannte. Er trat ein paar Schritte näher um durch die verglaste Wand ins Innere zu spähen.

Er sah einen schlanken Rücken, starke Arme und braune Haare. Selbst wenn Sherlock etwas völlig anderes getragen hätte als sonst, hätte John ihn erkannt. Überall würde er diesen Rücken erkennen, den er jeden Tag sah und hätte berühren können, hätte er nur den Mut gehabt, seine Hand auszustrecken.

Sherlock glitt durch das Wasser wie ein Fisch. Er war allein, was erklärte, warum er seine Schwimmkappe nicht trug. John schaute ihm zu, wie er eine Runde nach der anderen schwamm. Irgendwann hielt er in der Mitte des Beckens an und ließ sich auf dem Rücken treiben. Er hatte die Arme ausgebreitet und starrte an die Decke. Er sah so einsam aus.

*

Die Blicke schlichen sich in ihre Routine ein, wie das Lächeln. Wann immer sie sich begegneten, schauten sie sich einen Augenblick an. In der Schule, der Dusche, der Umkleide. Manchmal zogen sich ein paar Schüler aus den unteren Jahrgangsstufen mit ihnen um. Immer wenn einer von den Jungen etwas besonders unintelligentes sagte, sah John wie Sherlock mit den Augen rollte. Hin und wieder trafen sich dann über die Köpfe der jüngeren Schüler hinweg ihre Blicke und sie schienen genau dasselbe zu denken. Sherlock wandte immer zuerst den Blick wieder ab und lächelte in sich hinein.

Es wurde immer häufiger, dass sie gemeinsam duschten. John versuchte weitestgehend seine Augen bei sich zu behalten, doch hin und wieder, wenn das Verlangen Sherlock anzuschauen zu strak wurde, ließ er seinen Blick am Körper des anderen entlangwandern. Nicht selten traf sein Blick schließlich auf Sherlocks, der John genauso unverblümt anstarrte, wie er ihn.

Die Blicke wurden häufiger, auch wenn immer einer von ihnen wegsah um die Illusion aufrecht zu erhalten, dass es ein Versehen war, wenn sich ihre Blicke trafen.

John war sich nicht sicher, was es meinte, dass sie sich so ansahen.

*

In den Ferien war kein Training. John hatte jedoch über die Jahre hinweg gelernt, dass es besser war, sich über die Wochen fit zu halten, als dann im neuen Schuljahr wieder von vorn beginnen zu müssen. Das Wetter war seit Wochen schlecht, John hatte noch nie einen so nassen Sommer erlebt. Da es ausgeschlossen war im Wald oder auf Feldwegen laufen zu gehen, entschied sich John an einem Abend der ersten Ferienwoche dafür, auf dem Sportplatz der Schule seine Runden zu drehen.

Es war kalt und nass und John hörte nach einer Stunde auf. Zitternd ging er in die Umkleide. Er hielt inne, denn er kannte das unverkennbare Geräusch der laufenden Dusche. Er hatte niemanden sonst auf dem Sportplatz gesehen, doch es gab sicher noch andere Schüler, die auch in den Ferien trainieren wollten.

Mit was er nicht gerechnet hatte, war Sherlock in der Dusche zu sehen. Als John die Gemeinschaftsdusche betrat, drehte er sich herum und schaute John an. Er lächelte ihm kurz zu und wusch sich dann weiter die Haare.

John ging zu seiner üblichen Dusche und ließ das heiße Wasser seine ächzenden Muskeln beruhigen. Er wusch sich die Haare und ließ seinen Blick immer wieder zu Sherlock schweifen, während er den Schaum aus seinen Haaren wusch.

John bemerkte erst, dass er Sherlock anstarrte, als dieser sich leise räusperte. Er hatte seinen Blick über Sherlocks Körper streifen lassen, seine Beine, die Hüften, seinen Penis, die Brust, den Hals. Sein Blick schnappte nach oben und begegnete Sherlocks. John spürte, wie ihm das Blut in die Wangen schoss. Doch Sherlock wandte den Blick nicht ab. Er schaute John in die Augen und ließ dann seinen Blick nach unten über Johns Körper wandern. Er musste wissen, dass John ihn dabei beobachtete, wie er jeden Zentimeter von ihm ansah.

John konnte seinen eigenen Blick nicht von ihm abwenden. Sherlock benetzte mit der Zunge seine Lippen und als er Johns Blick wieder begegnete, lag etwas darin, das John erschaudern ließ.

Es war als wäre die Welt ein kleines Stück gekippt. Wo sie früher beschämt die Augen wieder abgewandt hatten, schauten sie sich nun unverhohlen an. John studierte all die Details von Sherlocks Körper, die er vorher noch nicht gewagt hatte anzusehen. Er bemerkte nur am Rande, wie er hart wurde und es war ihm gleichgültig, denn er konnte sehen, wie auch Sherlocks Körper sich auf die gleiche Weise veränderte.

Als Sherlocks Augen diesmal auf Johns trafen, lag ein flehender Ausdruck darin und John hatte die Distanz zwischen ihnen überbrückt, bevor er auch nur darüber nachdenken konnte. Er drängte sich gegen Sherlock, der seine Arme um ihn schlang. John ließ ihre Lippen aufeinander krachen und küsste Sherlock mit allem, was er hatte. Er schob seine Finger in Sherlocks Haar, strich durch die seidigen Locken. John löste sich wieder von Sherlock um ihn anzusehen, seine Zustimmung einzuholen.

John schaute auf und Sherlock nickte kaum merklich. Er beugte sich herab zu John und legte seine Lippen wieder auf seine. John öffnete seine Lippen einen Spalt und ließ seine Zunge über Sherlocks Unterlippe wandern. Sie öffneten gleichzeitig ihre Münder und ihre Zungen umspielten einander.

John spürte Sherlock überall. Seine Erektion rieb gegen seinen Bauch und John erschauderte, als er die Hüften leicht gegen Sherlocks Oberschenkel rollen ließ. John presste sich ein wenig näher an Sherlock, der daraufhin etwas in die Knie ging und damit ihre Erektionen auf die gleiche Höhe brachte. Als sie sich das erste Mal berührten, stöhnte Sherlock leise auf.

John hatte keine Ahnung was es zu bedeuten hatte, dass sie sich gerade küssten, als hänge ihr Leben davon ab. John war sich noch nicht einmal sicher, ob Sherlock wusste, wie er hieß. Sie hatten kaum ein Wort miteinander gewechselt, sie wussten nichts über den anderen. John wusste nicht, ob Sherlock genauso fasziniert von John war, wie er von Sherlock oder ob es nur eine einmalige, praktische Angelegenheit für ihn war.

Doch eigentlich wollte John überhaupt nicht darüber nachdenken. Er würde alles nehmen, was Sherlock in seine Richtung warf und wenn es dieses eine Mal war, dann sollte es so sein.

Also ließ er seine Hände an Sherlocks Seiten hinabwandern. Mit der einen zog er Sherlock näher an sich und mit der anderen nahm er Sherlocks Penis in die Hand. Er schaute auf und wartete auf Sherlocks Einverständnis. Er nickte wieder kurz und John stellte sich erneut auf die Zehenspitzen um ihn zu küssen.

John drängte Sherlock etwas weiter nach hinten, aus dem Wasserstrahl heraus, gegen die Wand. Er stützte seine Hand, die nicht auf Sherlock war, gegen die Wand. Sherlock löste sich sanft von ihm und stupste Johns Hand mit seiner eigenen beiseite. Er schlang die langen Finger um ihre beiden Erektionen und als er sie mit etwas Druck das erste Mal pumpte dachte John gleich das Bewusstsein verlieren zu müssen.

John küsste sich an Sherlocks Hals entlang nach unten und spürte, wie das Blut durch Sherlocks Adern pumpte. Er saugte leicht an seiner Halsschlagader und Sherlock ließ den Kopf nach hinten gegen die Wand fallen. Er stöhnte auf und pumpte sie schneller.

John strich dunkelbraune, nasse Locken aus Sherlocks Gesicht und schmiegte seine Hand an seine Wange. Sherlock öffnete leicht seine Augen und schaute John unter schweren Augenlidern hervor an.

Sie sahen einander in die Augen, als sie kamen. Zuerst Sherlock, ein paar Momente später John. Er hatte noch nie etwas so intimes erlebt. Sie sahen sich in die Augen und John schien es, als würde Sherlock in seine Seele schauen können. Er strich mit den Fingern über Sherlocks Wangenknochen und mit dem Daumen über seine Unterlippe.

„Okay?“, fragte John mit heiserer Stimme.

„Ja.“, war Sherlocks einfache Antwort.

John lächelte Sherlock an und küsste ihn leicht auf den Mund. Er ging zurück unter seine eigene Dusche und spülte den verbliebenen Schaum von seinem Körper. Sie zogen sich an wie immer. Sie sprachen nicht miteinander und es war okay.

John hatte keine Ahnung, was in der Dusche gerade geschehen war, doch er war ziemlich sicher, dass es das Beste gewesen war, was er jemals erlebt hatte. Vielleicht würden sie nie wieder ein Wort miteinander wechseln, doch auch das war okay.

„Ich-“, Sherlock brach ab und deutete mit dem Daumen über seine Schulter in Richtung Ausgang.

„Okay.“, sagte John und lächelte ihn an. Er lächelte zurück.



-tbc-

A/N:
Zuerst einmal: Danke MANFRED für die unglaubliche Inspiration.

Eine kurze Geschichte diesmal. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es noch ein oder zwei Kapitel werden. Lasst euch einfach überraschen.
Wenn ihr wollt könnt ihr mir bitte, bitte eine Rückmeldung dalassen.
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