Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Drama / Hasunohana

Hasunohana

von Nereya
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18
11.07.2019
11.07.2019
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Ich bin ein schlechter Mensch.
Darum hab ich auch Abstand genommen, nachdem es wieder anfing.
All der Schmerz, der Hass, die Trauer... alles kam wieder hoch.
Alles kam einfach wieder hoch und trieb mich in den Wahnsinn.
Trieb mich in absolute Verzweiflung und Einsamkeit.
Trieb mich dazu, mir selbst wieder wehzutun.
Menschen, die ich absolut gebraucht hatte, konnte ich nicht mehr ansehen.
Ich habe sie alle enttäuscht, getäuscht...
Nach und nach verließ mich jeder. Aufgrund meiner Art, meiner Krankheit, meines Verhaltens.
Alles davon ist einzig und allein meine Schuld.
Die Trauer und der Schmerz trieben mich in eine endlose Dunkelheit voller Einsamkeit, Pein, Selbstzweifel und bösen Gedanken.
Ich hatte es nicht anders verdient. Nicht, wenn ich die wichtigsten Menschen in meinem Leben aus purer Angst einfach wegwerfen konnte. Dabei wollte ich das nicht.
Mein Herz schrie. Voller Schmerz. Ich wollte das genaue Gegenteil. Sie bei mir behalten, sie um Hilfe und Beistand beten.
Doch was tat ich? Richtig. Ich stieß alle von mir weg, ignorierte sie und hoffte, dass alles von alleine irgendwie wieder gut werden würde.
Doch alleine schaffe ich das nicht. Das weiß ich jetzt auch.
Das ist auch der Grund, weshalb ich mich sechs Monate lang in eine Klinik bringen ließ.
Mit der Hoffnung, dass alles besser werden würde, hatte ich sechs Monate lang Zeit, meine inneren Dämonen und Ängste noch näher kennenzulernen. In manchen Nächten waren sie mir so nah, dass ich ihren kalten Atem und die scharfen Klauen auf meiner Haut spüren konnte.
Am nächsten Morgen fand ich blutige Kratzer auf meinen Armen und Beinen. Diese musste ich mir wohl in völliger Verzweiflung und Einsamkeit während meiner Panik zugefügt haben.
Bei jeder Wunde dachte ich an sie. Jeder Tropfen Blut erinnerte mich daran, was ich getan hatte.
Wie sehr ich ihr wehgetan hatte, wie glücklich ich mit ihr war. Wie wahnsinnig glücklich unsere Momente immer waren. In guten wie in schlechten Tagen, man konnte sich stets auf sie verlassen. Und wenn es ihr mal nicht gut ging war ich da, um sie aufzufangen, um ihr zu helfen.
All das habe ich mit Füßen getreten.
All das habe ich weggeworfen.
Und wofür?
Damit ich nicht mit den Schuldgefühlen leben musste, wenn sie meine Wenigkeit um sich herum hatte.
Ich war nicht gut für sie, bin es wohl immer noch nicht.
Ich habe sie ohne Erklärung einfach alleine gelassen mit all ihren Problemen und Sorgen.
Dabei hatte ich mir geschworen, immer für sie da zu sein. Solch einen Menschen findet man sehr selten und wenn man ihn hat, sollte man ihn nie wieder gehen lassen.
In den dunkelsten Stunden stand sie mir bei, war mein einziges Licht und meine Hoffnung. So oft hat sie mir unbewusst das Leben gerettet.
Ich werde ihr das nie vergessen.
Ich werde sie nie vergessen.

Was ich getan habe, tut mir so unendlich leid. Ich kann es nicht in Worte fassen, ich bin selbst sprachlos über meine Taten...
Um meinem Schmerz zu entfliehen und ihr nicht auch noch wehzutun, bin ich davon gerannt.
Und habe alles nur noch schlimmer gemacht.
Ich habe den wichtigsten Menschen in meinem Leben enttäuscht, verletzt und alleine gelassen.
Das werde ich mir niemals verzeihen.

Es tut mir leid, Ýeréques...
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