Wenn Gut und Böse sich vereinen

von Arkyko
OneshotKrimi, Romanze / P12
Antonia Ahrens Erik Fritsche
11.07.2019
12.08.2019
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ANTONIA AHRENS ließ sich im Kreuzsitz auf der braunen Ledercouch ihrer WG nieder. Sie nahm ihren Laptop auf den Schoß und klappte ihn mit angespannten Gesichtsausdruck hoch. Es war noch ein Polizeibericht fällig, den sie an ihre Vorgesetzte schicken musste. Es sollte nur eine Zusammenfassung der Informationen sein, die sie bereits über das Drogenkartell gesammelt hatte.
     Ihre Konzentration ließ jedoch wieder abrupt nach. Die Situation mit V-Mann Erik Fritsche entglitt langsam ihrer Kontrolle. Sie fasste sich an die Stirn und überlegte. Sie nahm das Handy in die Hand und rang abermals damit, ihre Vorgesetzte direkt anzurufen und sich abziehen zu lassen – in der Hoffnung all ihre Probleme damit sofort lösen zu können. Erneut hatte Eric sie in der Öffentlichkeit geküsst, um sich aus einer schwierigen Situation zu mogeln, in der sie zusammen gesehen wurden.
     Zu allem Unglück auch noch vor Shirin und Erics Bruder hatte ihre Beziehung herausposaunt. Jetzt waren sie dazu gezwungen vor ihrem Umfeld ein Paar zu spielen. Ihr Herz fing an wie wild zu rasen bei dem Gedanke was passieren würde, wenn das ganze auffliegt.
     Die Klingel riss sie plötzlich aus ihren ganzen Horror Szenarien, die gerade in ihr aufkochten. Sie nahm erst einen Hörer von ihrem Headset ab und lauschte, doch es schien niemand in der WG anwesend zu sein, um die Tür zu öffnen. Die Kriminalpolizistin nahm ihr Head-Set nun gänzlich ab und legte den Laptop zur Seite. Als sie auf die Tür zuging, erkannte sie bereits eine in Rot gekleidete Silhouette hinter dem Glas der Eingangstüre. Ihre Hand glitt zum Türgriff aber sie hielt kurz inne.
      Die Tür ging auf und Eric stand mit finsterer Miene - gepaart mit einem Hauch von Unsicherheit – plötzlich vor ihr. Wenn man vom Teufel spricht. Wie in einer Schockstarre stand sie erst einmal vor ihm. Die Frau mit dem feuerroten Haar blickte sich jedoch langsam verstohlen um und zog ihn am Ärmel sofort in die Wohnung.
      „Was machst du hier?“ zischte es wütend aus ihr heraus. Er machte einen großen Schritt auf sie zu und sein Gesicht kam ihr dabei immer näher. Antonia zuckte schon innerlich zusammen und wollte schon fast die Augen zusammenkneifen, jedoch ging sein Mund in die Nähe ihres Ohrs.
      „Ick hab‘ neue Infos, mein Rotschopf, “ flüsterte er ihr entgegen und Antonia hatte ihre Fassung wieder.
Als Antonia niemanden in ihrer Nähe wahrnahm fasste sie ihren Mut zusammen um ihn zur Rede zu stellen und das so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen.
„Also gut, “ erwiderte sie und nahm ihn bei der Hand und zog ihn Richtung Couch. Sie bedeutete ihm mit einem Nicken, sich zu setzen.
     Innerhalb der letzten Stunde während sie mit ihrem Head-Set am Laptop verbrachte, hatte sie kaum mitbekommen, wer in der WG aus- und eingegangen war und blickte sich immer wieder um. Ein Gefühl der Unsicherheit hüllte die Polizistin regelrecht ein.
    Es wäre eine Option gewesen, direkt in ihr Zimmer zu gehen, aber ihr widerstrebte es, in dieser ganzen Sache die ohne hin schon an einem seidenem Faden hing einen Schritt zu weit zu gehen. Draußen würde sie eher mitbekommen, falls jemand kommt.
    Sie hielt abermals kurz inne, um ihre Konzentration wieder zu finden. Eric blickte sie schon ganz eindringlich an.
       „Ist alles in Ordnung?“ hakte der ehemals Inhaftierte nach.
Die ganze Situation brachte Toni ständig aus der Fassung und es kochte ständig ein Gefühlschaos in ihr auf. Vor allem die Angst vor dem Worst-Case ließen sie innerlich zittern.  Sie musste die Fassade wahren und dufte vor allem ihre Angst nicht zeigen.
      Sie tat den ersten Schritt und kam ihm etwas näher und begann einen Dialog.
      „Also, was hast du für Infos?“
       „Es sieht so aus, als würde wieder ein Treffen stattfinden, soll darum gehen, wo sie ihr Zeug als nächstes versticken wollen.“ Plauderte er in seinem üblichen berlinerischen Akzent heraus. Antonias Interesse schien geweckt und sie fingen an energisch miteinander zu flüstern.
      Die beiden waren plötzlich so vertieft dass niemand das Poltern im Hintergrund wahrgenommen hatte. Antonia machte schon fast den Ansatz loszustürmen und ihn aus der WG zu jagen, jedoch hielte Eric es für wichtig, den Dialog zu Ende zu führen und lag ohne zu Zögern seinen Arm um seine vermeintliche rothaarige Flamme. Die Situation wurde Antonia immer unbehaglicher, jedoch ließ die Polizistin es zu und legte ihren Kopf auf seine Schulter und rückte noch mal ein Stückchen näher.
Toni war ganz Ohr und wartete darauf, was er gleich flüstern würde.
       „Ick wees aber noch nich jenau, ob’s wieder das übliche Crystal Meth Zeug is oder ob se diesmal noch was Übleres planen, irgendwas mit Waffen oder so“
       „Und?“ unterbrach Toni ihn mit leicht genervtem Unterton. „Wird dein Bruder bei diesem Treffen dabei sein?“ hakte sie dabei nach.
       „Weeß ick noch nicht jenau, aber ich denke…“
       „Was?“ raunte sie ihn an und wurde dabei etwas lauter. „Geht’s noch ungenauer? Was soll ich damit anfangen? Warum kommst du wegen sowas gleich hierher? Das war wieder unnötiges Risiko“, brauste die Polizistin dabei immer mehr auf.
      Eric zuckte zusammen. Er wusste ja irgendwie - auch wenn sie jetzt offiziell zusammen waren – dies immer ein Risiko barg, direkt zu ihr zu kommen. Schon allein wegen Shirin.
Er war jedoch selbst damit ein wenig überfordert, wie er jetzt damit umgehen sollte und jemanden wie sie, die in alles eingeweiht war, in seiner Nähe zu haben, mit dem er wenigstens darüber reden konnte, gab ihm ein Stückchen Sicherheit.
      Er sah sie mit flackernden Augen an und wollte sich wütend von ihr entreißen aber in dem Moment platzte Sunny plötzlich in den Raum. Damit es nicht so aussah als würden sie sich streiten unterbrach er die Polizistin abrupt indem er sie schon wieder anfing ungefragt auf den Mund zu küssen.
      Eric setzte ab und schaute ihr tief aber etwas hilflos in die Augen.
Antonia war ebenso einfach nur unbeholfen in der Situation und fing ihn ebenfalls zu küssen. Sie hatte kaum Erfahrung in diesen Dingen aber ihr Herz pochte wie wild in ihrem Brustkorb.
Da sie seinen Kuss erwiderte ließ Eric sich ein wenig fallen und legte eine Hand auf ihren Schenkel und die beiden tauschten abermals Küsse aus.
      Toni versuchte dabei Sunny im Blick zu behalten und öffnete immer wieder die Augen um zu beobachten, was sie genau machte. Dabei entglitt ihr im Feuer der aufkommenden Leidenschaft plötzlich die Hand und rutsche etwas unter sein Hemd. Doch Eric fasste ihre Hand und hielt sie kurz fest. „Was wirdn das Feuermelderchen?“ flüsterte er ihr zu und konnte dabei ein schelmisches Grinsen nicht unterdrücken.
      Bevor Antonia etwas sagen konnte knallte Sunny energisch die Kaffeekanne auf den Tresen. „Sagt mal könnt ihr euch kein Zimmer nehmen?“ raunte sie die beiden genervt an und rauschte mit der Kaffeetasse in der Hand nervös aus dem Zimmer.
       „Grins nicht so!“ Zischte die überforderte Polizistin diesen Mann an und schubste ihn etwas von ihr weg. Eric zog die Hände ganz perplex zu einer beschwichtigenden Geste hoch.
       „Entschuldige, aber da gehören immer zwei dazu!“ versuchte er sich herauszurden.
„Komm nicht wieder hierher, ich möchte nicht, dass Shirin uns sieht und kontaktiere mich, sobald du brauchbare Informationen hast“. Kopfschüttelnd aber mit einem Lächeln im Gesicht verzog sich Eric zur Eingangstür. Ein Gesichtsausdruck von Entsetzen und Überraschung war Toni wie ins Gesicht geschrieben. Eric zwinkerte ihr frech zu und ließ seine Polizistin so stehen.
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