Die Sache mit den Haaren

von Saphi1308
OneshotFamilie, Freundschaft / P6
11.07.2019
11.07.2019
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Sherlock Holmes war in seinen Augen ein ganz normaler Junge. Er liebte es im Garten zu spielen und zwar am allerliebsten Pirat! Im Sommer auf Schatzsuche gehen und seinen nervigen Bruder Mycroft von der "Planke" springen lassen. Ja das war toll. Besonders hilfreich war ihm dabei sein geliebter Hund Redbeard. Mit ihm konnte er stundenlang durch den Wald jagen, Schätze suchen, und auf Spurensuche gehen. Was er bei diesen Suchen finden möchte, wusste er selbst nicht genau.

Sein allerbester Freund war John Watson. Sie lebten in der gleichen Straße, sogar genau nebeneinander. Befreundet waren die beiden schon so lange, dass sie sich garnicht vorstellen können, wie es ohne den Anderen wäre. John war einfach großartig! Er war der tollste Junge, den Sherlock kannte.

Und er kannte einige... Phillip war immer gemein zu ihm und hat ihm letztens im Kindergarten ein Auto an den Kopf geworfen. Das tat sehr weh, doch sein Freund John ließ das nicht auf ihm sitzen.  
Er war gerade mit ihm in der Verkleidungsecke einen Piratenhut am aufsetzen, als Phillip um die Ecke lief und laut rief: "Sherlock du bist so doof!" und ihm ein rotes Spielzeugauto entgegenwarf. Sherlock drehte sich beim hören seines Namens um und sah das Auto natürlich nicht kommen. So flog es ihm prompt ins Gesicht, gegen die Stirn. "AAAUUUHAAA", weinte Sherlock laut los. John war daraufhin so sauer, dass er sich auf Phillip stürzte und ihn zu Boden riss.

Die Kindergärtnerin Mrs. Hudson ging sofort dazwischen und schimpfte mit John. Aber warum? In Sherlocks Augen hatte er nichts falsch gemacht. Im Gegenteil, er nahm seinen Freund in Schutz! Er sollte gelobt statt ermahnt werden. In Sherlock bereitete sich ein schlechtes Gewissen aus. Er wollte nicht, dass sein Freund Ärger wegen ihm bekam.  Doch als John ihm einen aufmunternden Blick zuwarf, waren alle Sorgen schon vergessen.

Jim war genauso blöd. Der schaute ihn immer so merkwürdig mit großen Augen an, manchmal blinzelte er über eine Minute nicht und schaute dem Anderen einfach nur an. Als würden sie einen Anstarrwettbewerb machen von dem nur Jim selbst wusste.

Es war Mittwoch und John war erkältet, deswegen saß er alleine am Maltisch und bastelte ihm gerade eine Gute-Besserungs-Karte. Da hörte er, wie Jim zusammen mit Sebastian und Irene gemeine Sachen über ihn erzählen. Angeblich wären seine Haare aufgeklebt und nicht echt, deswegen würden sie so dreckig, schwarz und zerzaust aussehen und so stinken. Nachdem er das hörte, ging Sherlock in den Waschraum und schloss sich in eine Toilettenkabine. Er fuhr sich mit den Fingern durch seine Haare und roch danach an ihnen... hmm riecht doch eigentlich nur nach dem neuen Shampoo, das mir Mama gekauft hat. Stinkt das für Andere? Was, wenn John den Geruch auch nicht mag und nicht mehr mit mir spielen will? Nein! Das durfte niemals passieren!

Er ging aus der Kabine und trat an ein Waschbecken. Er stellte das Wasser an und hielt seinen Kopf unter den Wasserstrahl. Er versuchte seine Haare durchzuschrubben, und bemerkte nicht, dass das Wasser ihm schon an seinem Hals herunterlief und sein T-Shirt durchnässte. Gerade als er das Wasser ausstellte kam Sally rein und blickte ihn angewidert an. "IIIhhgit! Was machst du da, du FREAK!! Habt ihr etwa zuhause kein Wasser mit dem du dich waschen kannst? Kein Wunder, dass du so stinkst!" Sally zeigte mit dem Finger auf ihn "JIM! Du hattest Recht! Sherlock ist echt ein Freak"

Die Kinder kamen alle nacheinander die Tür durch und fingen an ihn lauthals auszulachen. Sherlock spürte wie ihm die Tränen in die Augen schossen. Er wollte es den anderen doch nur Recht machen. Nun stand er da mit klitschnassen Haaren und wollte sich nur noch im hintersten Ecken verstecken. Mrs. Hudson, die den Aufruhr erst jetzt mitbekam, stand perplex in der Tür und blickte auf den Jungen herab.

"Aber Sherlock! Was machst du denn da?" fragte sie, ohne eine Antwort zu erwarten. "Na los, alle ab zurück ins Zimmer!" Sie scheuchte die Kinder zurück ins Zimmer und ging zum Schrank, indem Handtücher lagen. Sie nahm eins und legte es Sherlock über seinen Kopf. Sie wuschelte seinen Kopf um die Haare zu trocknen. "NICHT! Sie zerzausen mir meine Haare, jetzt war alles umsonst", jammert er los. "Aber Sherlock, wenn ich dir die Haare nicht trockne und sie nass bleiben, erkältest du dich." "Gut.. ich will auch garnicht hier bleiben! Mir ist langweilig und ich will nach Hause!" Mrs Hudson verstand und sah ihn mitleidig an. "John müsste morgen wieder kommen, dann könnt ihr wieder zusammen spielen". Na immerhin etwas, dachte sich Sherlock etwas versöhnlicher.

John war am nächsten Tag wieder im Kindergarten und verstand nicht was er verpasst hatte, das plötzlich alle so gemein zu seinem Freund waren.

„Hey Sherlock“ grinste ihm John entgegen. „Meine Mama hat mir deine Karte gegeben! Danke, die ist so cool! Mit welcher Farbe, hast du denn den Diamanten von dem Piratenkönig ausgemalt? Das sieht echt stark aus!“

Sherlock musste grinsen. Er freute sich, dass er seinem Freund eine Karte gebastelt hatte, die ihm scheinbar gefiel. „Komm mit, ich zeigs dir“ Er griff nach Johns Hand und ging mit ihm zum Maltisch. „Wäääähhhh John! Fass Sherlock nicht an. Das ist ja eklig!“ rief Sally, als sie die beiden aus der Lego- Ecke sah. „Warum soll das eklig sein?“ fragte John. Sherlock wollte aber nicht, dass Sally irgendetwas zu John sagte, das ihn verschreckte, also zog er ihn einfach weiter zum Tisch.

„Hier guck mal! Die Farbe da nennt sich Aquamarin. Wenn man ganz zart damit auf dem Blatt malt, und danach mit der Weiß darüber malt kommt so eine schöne Farbe raus. Ich habe nämlich etwas experimentiert, um den Diamant so aussehen zu lassen. Ich wollte, dass er schön für dich aussieht.“

„Er sieht wunderschön aus! Ich finde es toll, dass du immer so schlaue Einfälle hast“ rief John begeistert und drückte seine Hand mit beiden Händen.
Sherlocks bekam rote Wangen und er freute sich John Watson als Freund zu haben.

Es war Freitag. Heute durfte John nach dem Kindergarten mit zu ihm nach Hause kommen und bei ihm übernachten. Er liebte es, wenn John bei ihm übernachten durfte. Mycroft kam sie zusammen mit seinem Freund Greg abholen und fuhr sie nach Hause. Die beiden rannten direkt in Sherlocks Zimmer und fingen an zu spielen.

Als Mycroft mit Greg um 18 Uhr in das Zimmer seines Bruders kam, staunten sie nicht schlecht. Das Zimmer hatte sich in eine einzige Deckenhöhle verwandelt. Sie hatten den kompletten Boden frei geräumt, und die verschiedensten Decken von der einen Zimmerseite auf die andere hängen lassen. Gleichzeitig verriet ein Blick in Sherlocks Bett, dass die Matratze sich nicht mehr dort befand, sondern scheinbar irgendwo unter der Höhle als kuscheliger Untergrund diente.

„Sherlock, John! Das Abendessen ist fertig!“ Einen kurzen Augenblick später schlüpften zwei kleine Köpfe aus der vermeidlichen Tür der Höhle. „Wir kommen!“ riefen sie gleichzeitig und mussten sich darüber kaputt lachen. „Gott die zwei sind so süß“ schmunzelte Greg und stand ganz nah hinter Mycroft. Dieser musste grinsen, ergriff Gregs Hand und lief mit ihm nach unten.

„Dürfen wir bitte in unserer Höhle schlafen Mama?“
„Oh bitte, wir haben uns so viel Mühe gegeben!“

bettelten die beiden, als sie mit Abendessen fertig waren und sich gerade umgezogen und die Zähne geputzt hatten.

„Na schön, warum eigentlich nicht“ grinste Mrs. Holmes.
Die beiden strahlten um die Wette und liefen „Gute Nacht“-rufend nach oben.

Sherlock und John krabbelten in ihre Höhle. Sie war gemütlich und kuschelig. Nicht so viel Platz wie im eigenen Bett, weshalb sie etwas näher beieinander lagen als sonst. Sie lagen jeweils auf der Seite einander zugewandt. Sherlock wollte die Decke nach oben ziehen um sich und John zuzudecken, als John plötzlich anfing zu kichern.

„Warum lachst du?“ fragte Sherlock mit einem eigenen Grinsen im Gesicht.
„Hihi...Deine Haare haben mich gekitzelt“ lachte John und zeigte auf Sherlocks Haare, die ihn wohl im Gesicht gekitzelt hatten, als er sich nach unten beugte.

Erschrocken, weil ihm die Bemerkungen der Kinder aus dem Kindergarten wieder eingefallen sind rutschte er ein Stück von John weg. Er wollte wirklich nicht, dass John ihn nicht mehr mochte. „Tttut mir leid“ nuschelte er beschämt.

„Macht doch nichts, hat sich witzig angefühlt.“ kicherte John und griff ohne darüber nachzudenken in Sherlocks Haare. Er fuhr mit seinen Fingern hindurch und ließ einzelne Strähnen aufzwirbeln

„Ich mag deine Haare. Sie sind so weich und schön. Und sie riechen so gut.“ Sherlocks Herz schlug schneller und er war froh, dass es dunkel war und John nicht sehen konnte wie rot er geworden ist. Sein Freund John mochte seine Haare! Er fand nicht, dass sie stinken oder dreckig oder eklig sind.

Ein riesiger Stein fiel ihm vom Herz. John fand seine Haare sogar schön!
Er wollte John NIE niemals als Freund verlieren.
Er rutschte wieder etwas näher an John ran und schloss die Augen. John spielte immernoch mit seinen Haaren und seine Bewegungen wurden immer langsamer, bis er schließlich mit seiner Hand auf Sherlocks Kopf einschlief. Sherlock musste kichern und dabei rutschte die Hand auf Sherlocks Schulter. Es fühlte sich an wie eine Umarmung und er rutschte noch ein Stück an seinen Freund dran und legte seine Hand ebenfalls um John herum.

So schliefen beide mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.