Was, wenn es nie Hass war?

KurzgeschichteFreundschaft / P6
Draco Malfoy Hermine Granger
11.07.2019
12.07.2019
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„Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere
Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.“

(Joanne K. Rowling)

* * *

Er hatte sie überrascht. Sie hatte auf diesen Tag ebenso lange gewartet wie er und jetzt, jetzt war er endlich da!

Ein Lächeln zierte ihre Lippen, als sie einen Schritt auf den Blonden vor sich trat und ihren Arm hob, um endlich nach seiner Hand zu greifen und zu zeigen, dass er ihr bester Freund war. Nur er. Nicht Harry, nicht Ron. Nein, nur Draco. Sie konnte es selber nicht mehr ertragen, dass alle dachten Harry und Ron wären ihre besten Freunde.

Natürlich, die beiden gehörten auch zu ihrem Freundeskreis, dass würde sie auch nie bestreiten, aber die beiden Jungs waren nicht ihre besten Freunde, dass waren sie nie gewesen. Inzwischen waren sie zwar mehr wie Brüder geworden, besonders Harry, doch sie waren niemals beste Freunde gewesen. Das wussten sie alle drei, jeder von ihnen sah in dem anderen eher ein Familienmitglied.

Hermine hatte von Anfang an klar gestellt, dass sie nur einen besten Freund hatte und haben wird, auch wenn sie ihnen nie verraten hat, wer es war. Sie hatte ihnen auch nie etwas über die Freundschaft zu Draco gesagt, dass hätte die beiden nie verstanden und sie hatte es ihnen auch nicht erzählen wollen.

Das war nur ihr und Draco's Geheimnis, dass ging sonst niemanden etwas an. Sie wusste aber auch, dass die beiden ebenso Geheimnisse vor ihr hatten, wie sie vor ihnen. Doch das störte sie nicht.


Grade als sie die Hand von Draco ergreifen wollte, wurde sie leicht unsanft zur Seite gedrückt, bevor sie auf einmal einen Rücken vor sich sah. Sie hob den Blick ein wenig mehr und erkannte das rote Haar von Ron.

„Was willst du von ihr, Malfoy? Wieder ein paar Gemeinheiten loswerden, um das neue Jahr in Hogwarts zu beginnen, obwohl du eigentlich in Azkaban sein müsstest?“, hörte sie Ron's scharfe Stimme und sie wusste, dass Draco nun bestimmt noch blasser geworden war als sowieso, denn diese Bemerkung war unnötig gewesen - immerhin hatte Draco ihnen in der Schlacht mehr als einmal geholfen.

„Geh mir aus dem Weg, Weasley. Das hat nichts mit dir zu tun, also misch dich nicht in Dinge ein, die du nicht verstehst.“, hörte sie Draco's schneidende Stimme, die er sich in den letzten paar Jahren selber bei gebracht hatte. Die braunhaarige Gryffindor löste sich aus dem unsanftem Griff von Ron, welcher sie hinter seinem Rücken festgehalten hatte – in dem Glauben, sie zu beschützen.

Sie rieb sich kurz über ihr Handgelenk, ehe sie an ihm vorbei ging und sich neben Draco stellte, welchen sie kurz anlächelte, bis sie sich zu Ron drehte, der sie geschockt ansah. „Ron, ich weiß sehr wohl, dass du mich nur beschützen willst – aber das musst du nicht. Er wird mir nichts tun.“, sagte sie mit ruhiger Stimme und sah ihm in die Augen.

Neben Ron stand Harry, der sie ebenso geschockt, aber auch besorgt und überrascht ansah.

„Er hat dich Jahrelang beleidigt und gedemütigt und du stellst dich einfach hin und sagst, er würde dir nichts tun? Verdammt, in unserem zweiten Schuljahr hat er sich sogar gewünscht, dass du von dem Basilisken getötet wirst!“, rief Ron laut auf und langsam färbten sich seine Ohren rot.

Genervt rollte Hermine mit den Augen und sie seufzte, ehe sie Ron leicht grimmig ansah.

„Falsch, ich habe das gesagt, weil Hermine mir vorher Bescheid gegeben hat, dass ihr kommen würdet und ich musste  meine Tarnung aufrecht erhalten.“, sagte Draco und grinste  verschmitzt. Hermine kannte ihn gut genug um zu wissen, dass es ihm einen Heidenspaß machte Ron jetzt vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Der Rothaarige war bei Draco's Worten inzwischen bleich geworden und sah, noch geschockter als vorher, zwischen Hermine und Draco hin und her. „Bitte was? Was soll das heißen? Hermine?“, mischte sich nun auch Harry ein, der auch leicht böse guckte. Hermine fing an zu lächeln und sah direkt in Harry's Gesicht.

„Harry? Ron? Darf ich euch meinen besten Freund seit fast acht Jahren vorstellen?“, sagte sie und wies auf Draco.


Den beiden Gryffindors fielen die Kinnladen herab, während sie zwischen Hermine und Draco hin und her glotzen. Die anderen Schüler, die immer noch um sie herum standen, fingen an zu tuscheln.

„Erklär uns das, Hermine!“, rief Ron, der inzwischen wieder rote Ohren hatte und wütend auf sie herab blickte, während er sich vor ihr aufbaute. Die Braunhaarige hob eine Augenbraue leicht an und musterte ihn.

„Weißt du, im Endeffekt geht es dich nichts an. Das ist eine Sache zwischen mir und Draco, aber da ich weiß, dass du und Harry nicht locker lassen werdet..“ Sie brach kurz ab und überlegte, wobei sie sich kurz auf die Unterlippe biss.

„Nun gut, hier die Kurzform: Draco und ich hatten uns in den ersten Wochen hier in Hogwarts kennen gelernt, lange bevor wir uns angefreundet haben. Ich habe schon einige Male davor damals deine Bemerkungen mit bekommen und mich dementsprechend auch mehr als einmal zurück gezogen und geweint, weil es mir damals sehr nahe ging. Eines Tages fand Draco mich am See – und hat mir geholfen.“, fing die junge Gryffindor an.



~ Flashback ~

Zusammengerollt lag das Mädchen am Boden, neben dem Stamm der großen Eiche, die in unmittelbarer Nähe des Ufers stand. Sie wischte sich immer wieder mit dem Ärmel über die Augen, aus denen ununterbrochen Tränen traten.

Sie wollte nicht weinen, nicht mehr. In den kurzen Wochen, die sie bisher hier in Hogwarts verbracht hatte, hatte sie mehr geweint, als in ihrem ganzen Leben insgesamt. Sie hatte so sehr gehofft, dass es hier anders werden würde als in der Schule, die sie vorher besucht hatte in ihrer Welt – aber es hatte sich nichts verändert. Nach wie vor wurde sie gemieden, viele sprachen böse über sie, nur weil sie mehr lernte und sich gute Noten verdienen wollte.

Was war denn so schlimm dabei? Vor allem, weil sie doch auch damit viele Hauspunkte für Gryffindor holte. Verstand denn niemand, dass sie ihre Selbstsicherheit nur aus dem Wissen zog, dass sie sich in der kurzen Zeit angeeignet hatte als sie erfahren hatte, dass sie eine Hexe war?

Und dann dieser blöde Ron.. sie hatte ihm doch nichts getan! Wieso redete er dann so schlecht über sie? Merkte er denn nicht, wie verletzend er war? Er hatte doch genau gesehen, dass sie direkt vor ihm aus dem Unterricht lief, waru
m konnte er sich dann nicht zurück halten? Sie war keine „Klugscheißerin“, wie er gesagt hatte.. sie versuchte doch nur, den anderen zu helfen.

Was war daran denn so schlimm?


Ganz in Gedanken vertieft merkte die Braunhaarige nicht, wie sich von langsam eine kleine Person näherte. Sie bemerkte es erst, als er neben ihr stand und somit die Sonnenstrahlen unterbrach, die bis eben noch auf ihr Gesicht gefallen waren.

Abermals wischte sie sich die Augen mit den Ärmeln ab, während sie langsam aufblickte und den Jungen erkannte. Es war dieser blonde Slytherin, der am Tag ihrer Ankunft Ron beleidigt hatte und Harry Potter die Freundschaft angeboten hatte. Sie wandte ihren Blick schnell wieder ab und sah stattdessen auf's Wasser hinaus, während sie sich langsam aufrichtete und versuchte ihre Atmung unter Kontrolle zu bringen und mit dem Weinen aufzuhören.

Sollte er doch sagen, was er wollte. Schlimmer als jetzt konnte es für sie sowieso nicht mehr werden.

„Hey, was ist los?“, hörte sie ihn dann nach einigen Sekunden fragen, nachdem er sie eingehend gemustert hatte. Er ließ sich vorsichtig neben sie fallen und sie hob ihren Blick wieder an, wobei sie seinen Gesichtsausdruck musterte. Im ersten Moment war sie überrascht, dass er sie so nett behandelte – damit war er der Erste, abgesehen von Neville Longbottom, seit ihrer Ankunft in Hogwarts.


„I-ich..“, sie überlegte kurz, ob sie es ihm erzählen sollte. Sie kannte ihn schließlich nicht  und vielleicht wollte er sich auch nur über sie lustig machen? Wieder wanderte ihr Blick über sein Gesicht, doch sie konnte ehrliches Interesse in seinem Blick sehen, weswegen sie schnell eine Entscheidung traf.

Sie seufzte kurz, bevor sie fortfuhr zu reden: „I-ich wäre am liebsten gar nicht mehr hier..“ Leise verließen diese Worte ihren Mund und sie blickte auf ihre Füße, nachdem sie ihre Beine an ihre Brust gezogen, die Arme um diese gelegt und ihren Kopf auf ihre Knie gelegt hatte.

„Wieso denn das? Ich habe dich schon oft hier gesehen und jedes Mal hast du geweint.. du solltest nicht weinen. Hogwarts ist doch so ein schöner Ort und Mädchen sollten nicht weinen. Meine Mutter sagt immer, wenn ein Mädchen weint, dann hört mit jeder Träne ein Stern im Himmel auf zu
leuchten.“, sagte der Junge und sah sie immer noch fragend an.

Hermine lächelte kurz traurig. „Für mich ist es hier nicht wirklich schön.. alle meiden mich und die aus meinem Haus.. naja, einer sagt immer so doofe Sachen über mich, obwohl er mich nicht einmal kennt..“, sagt sie leise, ehe sie ihren Kopf leicht dreht, sodass sie ihn betrachten kann. Inzwischen hatte sie es wirklich geschafft, ihre Tränen versiegen zu lassen.

„Aber ich möchte auch nicht, dass Sterne wegen meinen Tränen aufhören zu leuchten..“, fügte sie dann leise hinzu. Der Junge sah sie leicht besorgt an, ehe er sich leicht vorbeugte und sie anlächelte. Es war ein echtes Lächeln, dass sah sie sofort.

„Hör mal, wenn der so doofe Sachen über dich sagt, ohne dich zu kennen.. dann ist der selber doof!
Was auch immer er sagt, es stimmt bestimmt nicht. Ich habe dich ja in einigen Unterrichtsstunden schon gesehen und auf mich wirktest du immer wie ein nettes, starkes und schlaues Mädchen. Also lass dich von dem nicht unterkriegen, ja? Der verdient es gar nicht, dass du wegen dem weinst, wer auch immer er ist.“, sagte er und durch seine Worte zog sich ein leichtes Lächeln auf die Lippen der Braunhaarigen.

Sie löste ihre Arme von ihren Beinen und strich sich die Haare aus dem Gesicht. „Das ist lieb, dass du das sagst. Das ist das erste nette, was mir gesagt
wurde, seitdem wir hier sind. Jedenfalls von einem Schüler. Du bist der erste, der nett zu mir ist und nicht meine Hilfe braucht.“, sagte sie und spürte ein warmes Gefühl in sich aufsteigen.

Zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich nicht alleine, nicht einsam. Sie genoss dieses Gefühl in vollen Zügen, denn sie wusste nicht, ob sie es jemals im Leben wieder fühlen würde, wenn ihr Leben so weitergehen würde wie zuvor. „Danke.“, fügte sie noch hinzu und lächelte ein wenig breiter. „Dafür doch nicht. Aber bitte versprich mir, dass ich dich hier nicht noch einmal beim Weinen sehe, ja?“, sagte er und blickte sie an. Sie nickte kurz.

„Versprochen.“, antwortete sie ihm. „Kleiner-Finger-Schwur?“ - „Kleiner-Finger-Schwur!“


Der blonde Junge hielt ihr seinen kleinen Finger hin, welchen sie mit ihrem ergriff. Die beiden verhakten die beiden Finger ineinander und besiegelten so ihren kleinen Schwur.

„Ich bin übrigens Draco, Draco Malfoy.“, sagte der Slytherin dann.

„Ich bin Hermine. Hermine Granger. Freut mich, dich kennen zu lernen, Draco.“, antwortete sie.

„Mich freut es ebenfalls, Hermine.“


Ohne es zu wissen, hatten die beiden mit ihrem Fingerschwur eine bedeutende Freundschaft begonnen.

~ Flashback Ende ~



Sie überlegte kurz, wie sie ihnen den Anfang ihrer Freundschaft mit Draco erklären sollte.

Ein Seufzen verließ ihre Kehle, bevor sie ihren Blick wieder leicht anhob und direkt in das Gesicht von Ron sah.

„Nun, er hat mich weinend gefunden und mich getröstet. Daraufhin habe ich ihm versprochen, nicht mehr zu weinen. So fing das an. Wir hätten unsere Freundschaft wohl auch weiterhin für jeden sichtbar gezeigt, aber Draco's Vater wäre nun mal nicht damit einverstanden gewesen und deswegen trafen wir die Abmachung mit der Tarnung. Er sollte mich so behandeln, wie er mich behandelt hat und ich würde so handeln, wie ich gehandelt habe – trotz dessen haben wir uns oft heimlich getroffen, geredet und manches zusammen erlebt, zusammen überstanden und und und. Aber mehr musst du nicht erfahren, Ronald. Wie gesagt, es geht dich im Endeffekt nichts an.“, beendete sie ihre kleine Rede und ließ dabei unbeachtet, dass Ron bei jedem weiteren Wort zwischen blasser wurde, aber immer wütender wirkte. „Ich habe euch von Anfang an gesagt, dass es für mich nur einen besten Freund gibt und immer geben wird – dass ist nun mal Draco. Ich erwarte jetzt auch nicht von euch, dass ihr die Jahre des Hasses zwischen euch jetzt einfach ausblendet. Und du kennst mich, Ron. Du weißt ganz genau, dass ich weiß was ich mache und meine Entscheidungen alleine treffen kann – also stelle meine Entscheidungen wegen Draco nicht in Frage.“

Sie machte eine kurze Pause. „Aber ich hoffe doch sehr, dass dies nichts an der Freundschaft von uns dreien ändert.“, fügte sie dann hinzu und sah aufrichtig von Ron zu Harry. „Jetzt entschuldigt uns bitte erst einmal. Ihr könnt euch heute Abend noch alles genauer von Hermine erklären lassen, jetzt müssen wir beide aber erst mal einiges nachholen, dass wir in den letzten acht Jahren nicht erleben konnten, wegen der Tarnung.“, sagte Draco und griff nun nach Hermine's Hand.

Sie spürte, wie er ihre Hand leicht drückte und sie erwiderte diesen Druck, bevor sie nickte. „Wir sehen uns später!“, rief sie den beiden noch zu, bevor sie sich von Draco nach draußen ziehen ließ. Hinaus an die frische Luft, weg von tuschelnden Menge, weg von Harry und Ron und rein in die neue Zukunft ihrer Freundschaft.

Hin zu ihrem Lieblingsplatz am See, an welchem sie vor knapp acht Jahren erst ihre Freundschaft begonnen hatten und einige Monate später auch die Tarnung ihrer Freundschaft ausgearbeitet und angefangen hatten.


Hermine wusste, dass sie den beiden Jungs und wahrscheinlich allen anderen Gryffindor's nachher noch genauer Rede und Antwort stehen musste, doch das war ihr egal. Sie musste ihre Freundschaft mit Draco nun nicht mehr verstecken und das war das Wichtigste für sie. Sie wusste auch, dass die Jungs sauer auf sie waren und enttäuscht sind, aber sie würden ihr verzeihen. Sie wusste, dass sich deswegen nichts zwischen ihnen ändern wird und mit ihren Worten diesbezüglich, wollte sie Harry und Ron nur auch noch einmal daran erinnern.

Für den Moment machte sie sich aber auch keine weiteren Gedanken darüber. Jetzt wollte sie erst mal die Zeit genießen, die sie nun öffentlich und ohne Versteckspiel mit Draco verbringen konnte – ohne Angst zu haben, dass man sie erwischt. Ohne die Angst im Nacken, dass sein Vater ihm oder ihr etwas antun konnte. Ein befreiendes Glücksgefühl machte sich in ihr breit und sie wusste, dass es bei Draco genauso war. Sie wusste, dass er die Maske gehasst hat, die er in den letzten Jahren hatte tragen müssen, doch dies war jetzt vorbei.

Sie würden endlich alles hinter sich lassen können und allen zeigen können, wie nahe sie sich standen. Und mit jedem weiteren Tag den sie gemeinsam verbringen konnten, würde sie ihm zeigen, wie dankbar sie ihm war.

Dankbar deswegen, weil sie sich wegen ihm nie mehr einsam gefühlt hatte und es wohl auch nie wieder würde.


* * *

(A/N von dem vorherigen Hochladen, ca 2015?)

Hier ist schon wieder Schluss! Ich hoffe doch, euch hat dieser Two-Shot gefallen.


Vielleicht werde ich hin und wieder ein weiteres Kapitel hinzufügen, dass sich auf andere Erinnerungen der beiden bezieht (falls ihr das möchtet), aber das wird sich ja zeigen.
Liebe Grüße, Liessa. :)

* * *


A/N 12. Juli 2019:

Hier der zweite und letzte Part meines Two-Shots! Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und der ein oder andere mir vielleicht eine Rückmeldung da lässt. :)

Liebe Grüße und schönes Wochenende,
Deathly Hallow <3
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