Was, wenn es nie Hass war?

KurzgeschichteFreundschaft / P6
Draco Malfoy Hermine Granger
11.07.2019
12.07.2019
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„Fürchte Dich nicht vor einem großen Schritt, wenn dieser nötig sein sollte.
Eine Schlucht kannst Du auch nicht mit zwei kleinen Schritten überwinden.“
(David L. George)

* * *
 


Endlich war es soweit, endlich konnte er die Tarnung aufgeben. Das Gefühl der Erleichterung durchflutete ihn, doch er wusste, er würde erst richtig glücklich sein können, wenn er alles geregelt hatte.

Mit zielstrebigen Schritten lief der Blonde aus der Großen Halle und stellte sich neben die große Flügeltür die hinein führte. Er lehnte sich gegen die Wand und wartete – irgendwann würde sie ja ebenfalls aus der Halle treten und dann würde er endlich das richtige tun können, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen.

Ein  Lächeln umspielte seine Lippen, während er an sein Vorhaben dachte.


Er warf einen flüchtigen Blick auf seine Uhr, nur um noch fest zu stellen, dass es wohl noch ein wenig dauern würde, bis sie ebenfalls aus der Halle kommen würde. Sie brauchte immer knapp eine halbe Stunde am Frühstückstisch, außer sie musste noch einmal in die Bibliothek um etwas zu recherchieren.

Er schmunzelte bei diesem Gedanken kurz. Er hatte noch genug Zeit um sich die richtigen Worte zurecht zu legen, denn in knapp 25 Minuten würde Hermine aus der großen Halle kommen und das in Begleitung von Potter und Weasley. So wie er die beiden kannte, würden die beiden alles versuchen, damit er wieder wie der böse da stand.

Sie würden nichts unversucht lassen, damit er kein Wort an Hermine richten konnte und das nur, wegen der Tarnung, die die beiden für ihre Freundschaft geschaffen hatten – zu Hermine's Wohle.




~ Flashback ~


Sie legte eine Hand auf seinen Arm und sah besorgt zu ihm auf. Er sah kurz auf, ehe er den Kopf wieder hängen ließ und seufzte. Er steckte tief in der Zwickmühle.

Grade hatte er erfahren, dass das zierliche Mädchen neben ihm eine Muggelgeborene war und so war es ihm nicht möglich sich wirklich mit ihr anzufreunden.

„Was ist los, Draco?“, fragte sie mit leiser Stimme und beugte sich noch ein Stückchen vor. Ihre weichen Locken strichen über sein Gesicht, als er langsam den Kopf wieder hob und sie bedrückt ansah.

„Wir können nicht mehr befreundet sein, Minchen.“, sagte er mit langsamer und leiser Stimme. Er hörte wie sie kurz schluckte. „Aber.. wieso nicht?“, fragte sie und er hörte das Zittern aus ihrer Stimme, woraufhin er das Gesicht verzog.

„Mein Vater wird es nicht dulden, dass wir befreundet sind. Weil deine Eltern nicht-magisch sind.“, erklärte er ihr leise. „Er mag solche Menschen nicht. Er meint, ihr wärt nicht so viel wert wie wir reinblütigen Zauberer. Aber ich verstehe ihn nicht. Du bist doch nicht anders als wir, nur weil deine Eltern nicht zaubern können!“, sagte er und wurde mit jedem Wort etwas lauter, ehe er mit der Hand leicht auf das Gras neben sich schlug.

Traurig lächelte die Elfjährige neben ihm ihn an. „Das ist lieb, dass du so denkst. Aber was willst du jetzt machen?“, fragte sie und biss sich leicht auf die Unterlippe, ehe sie den Blick kurz abwandte und auf den schwarzen See sah, der sich vor ihnen erstreckte.

„Willst.. willst du die Freundschaft jetzt beenden?“, fragte sie leise.

Stumm schüttelte er den Kopf, was sie jedoch nicht sah, da sie ihren Blick immer noch auf den See gerichtet hielt. Er beugte sich leicht vor und griff nach der Hand der jungen Hexe. „Nein, will ich nicht. Und werde ich auch nicht. Aber ich weiß, dass mein Vater mir schlimme Dinge antun könnte, falls ich mich seinem Befehl widersetze, dass macht er auch immer bei meiner Mutter..“, fing er an und schluckte kurz, ehe er den Blick auf ihr Gesicht richtete, dass inzwischen wieder ihm zugewandt war.

„Ich will aber auch nicht, dass er dir oder deine Familie etwas antut, falls ich mich widersetze und er dann merkt, dass er mit seinen Strafen bei mir auch nicht weit kommt.. ich will nicht, dass dir wegen mir etwas zu stößt.. Aber ich möchte unsere Freundschaft auch nicht aufgeben.“ Er machte eine kurze Pause und biss sich auf die Unterlippe.

„Egal, was er sagen oder tun wird, ich lasse nicht zu, dass er dir etwas antut oder aussucht mit wem ich befreundet sein darf und mit wem nicht.“, sagte er mit fester Stimme, auch wenn er innerlich schon Angst hatte. Doch er meinte es Ernst. Egal, wie viel Angst er vor seinem Vater auch hatte, er würde deswegen nicht das einzige Mädchen gehen lassen, dass nicht wegen seinem Namen und dem Geld seiner Familie mit ihm befreundet ist.

Die Braunhaarige lächelte den Blonden traurig an, während sie seine Hand leicht drückte. „Das ist lieb von dir, Draco. Aber ich möchte nicht, dass dir etwas passiert. Gibt.. gibt es nicht eine andere Möglichkeit? Eine, bei der wir befreundet sein können und keinem von uns etwas zu stößt?“, fragte sie und er zuckte leicht mit den Schultern. „Mir fällt leider keine ein..“, gab er dann nach einigen Sekunden zu. Sie nickte kurz und presste die Lippen leicht auf einander, ehe sie ihren Blick wieder auf den See richtete. Einige Minuten herrschte Stille zwischen ihnen und Draco hatte schon Angst, dass sie entscheiden würde, nicht mehr mit ihm befreundet zu sein, doch dann..


„Ich habe eine Idee.“, sagte sie und strahlte ihn an, während sie sich zu ihm drehte. Gespannt sah er die junge Hexe an und war dementsprechend auch ziemlich überrascht, als sie ihm seine Idee erläuterte: „Es ist ganz einfach. Dein Vater will nicht, dass du mit Muggelgeborenen befreundet bist.. dann wirst du es in der Öffentlichkeit auch so aussehen lassen, als würdest du seinem Befehlen folge leisten. Du wirst mir gegenüber gemein sein, sodass deine Mitschüler aus Slytherin keinen Verdacht schöpfen und dich irgendwie verpetzen.. aber insgeheim bleiben wir weiter befreundet! Wir treffen uns einfach heimlich, auch wenn es schwierig wird. Aber ich möchte genauso wenig wie du, dass wir unsere Freundschaft beenden müssen, aber vor allem will ich nicht, dass er dir etwas antut!“

Mit offenem Mund sah Draco das Mädchen an, ehe er leicht grimmig guckte. „Ich will unsere Freundschaft nicht verstecken!“, sagte er und blickte trotzig zum See. Sie lächelte, dass sah er aus dem Augenwinkel, und kurze Zeit später spürte er ihre Arme um sich und ihren Kopf an seiner Schulter, weswegen er seinen Kopf leicht gegen ihren lehnte.

„Ich weiß. Ich will das auch nicht, aber so können wir dich – und deiner Ansicht auch mich – am Besten schützen. Ich möchte nicht, dass du wegen mir Ärger bekommst.“, sagte sie. „Und wie gesagt, ich weiß, dass es schwer wird. Aber wir schaffen das. Gemeinsam schaffen Freunde alles.“, fügte sie hinzu und er hörte die Hoffnung, die in ihrer Stimme mitschwang.

Er seufzte leise und nickte dann. „Na gut. Aber sobald ich älter bin und von meinem Vater ernst genommen werde.. dann werde ich alles dran setzen, damit wir unsere Freundschaft nicht länger verstecken müssen, Minchen!“, sagte er und legte dann einen Arm um ihre Schultern, bevor er sie sanft an sich drückte.


~ Flashback Ende ~



Traurig lächelte Draco, als er die Bilder der Erinnerung vor seinem geistigen Auge vorbeilaufen sah. Es war wirklich schwierig gewesen, aber sie hatte Recht behalten. Sie hatten es geschafft, ihre Freundschaft geheim zu halten und ihnen war nichts passiert. Natürlich hatte er schon mehrmals mit seinem Vater reden wollen, doch dann kam die Auferstehung von dem Dunklen Lord und ab da ging es nur noch mehr darum Hermine zu schützen. Aber jetzt war es vorbei – der Dunkle Lord war vor ein paar Monaten von Potter vernichtet worden.

Jetzt würde er die Freundschaft zu Hermine nicht weiter verstecken müssen. Es drohte nun auch keine Gefahr mehr und die Angst vor seinem Vater war auch weg. Sollte er doch denken, was er wollte. Draco war es egal, schließlich ging es um ihn und sein Leben – nicht um das seines Vaters.

Er wollte diese Maske nicht mehr tragen, die er sich über die Jahre hinweg aufgesetzt hatte. Er wollte endlich zeigen, dass er nicht so war, wie er vorgegeben hatte und er wollte endlich zeigen, dass Hermine Granger seine beste Freundin war.


Er warf wieder einen Blick auf seine Uhr und lächelte, während er seinen Blick auf die Flügeltür neben sich wandte.

Jeden Augenblick würde es soweit sein, dann würde Hermine durch die Tür kommen und er konnte endlich diesen großen Schritt machen, denn er seit fast 8 Jahren machen wollte. Und tatsächlich, wenige Sekunden später trat sie aus der Halle mit Potter und Weasley an ihrer Seite.

Draco musterte die Braunhaarige von oben nach unten, bevor er mit wenigen Schritten hinter sie trat. „Granger.“, sagte er, denn er wollte schon einen kleinen Überraschungseffekt auslösen. Die drei Gryffindors drehten sich um. Potter und Weasley sahen ihn voller Abscheu an, doch Hermine tat dies nicht. Sie versuchte nicht allzu interessiert zu wirken, dass sah er sofort an ihrem Gesicht.

Er lächelte.

„Es ist endlich soweit.“, sagte er dann nur und hielt ihr seine Hand hin, wobei er Potter, Weasley und die vielen Schülern, die sich um sie versammelt hatten, unbeachtet ließ. Alle warteten auf eine große Szene, doch wegen seiner Worte und seiner ausgestreckten Hand sahen sich alle nur verwirrt an.

Ihre Augen wurden etwas größer und ihr Mund formte sich zu einem kleinen 'o', als sie begriff, sodass sie ebenfalls zu lächeln begann.

Sie trat einen Schritt vor und hob ihren Arm um seine Hand zu ergreifen.

Sie hatte, wie er, ewig auf diesen Moment gewartet. Endlich war es soweit und ein neues Kapitel konnte beginnen.
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