Broken Inside

von Kura Sayo
GeschichteAngst / P16
Ango Sakaguchi Chuya Nakahara Dazai Osamu Mori Ougai Sakunosuke Oda
11.07.2019
29.09.2019
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Eine Woche. Eine ganze Woche hatte Dazai in der Dunkelheit einer engen, schmutzigen und übelriechenden Zelle verbracht. Nur gelegentlich hatte er ein menschliches Gesicht zu sehen bekommen, in Form eines Mannes im schwarzen Anzug der den Auftrag bekommen hatte nach dem Rechten zu sehen oder einem armen, verängstigten Laufburschen der ihm frisches Wasser und einen Teller mit Essen bringen musste.

In den ersten beiden Tagen hatte er sich noch geweigert, auch nur einen einzigen Bissen zu sich zu nehmen. Mori hatte schließlich einige bullige Mafioso damit beauftragt, die Nahrungsmittel seine Kehle hinunter zu zwingen. Nicht gerade angenehm, weswegen er am dritten Tag beschlossen hatte, zumindest ein paar Happen zu sich zu nehmen. Gerade genug damit der Boss zufrieden war.

Es war schon amüsant. Für gewöhnlich war er derjenige, der durch die Eisenstäbe hindurch auf die Gefangenen herabsah. Welch wunderbar verkehrte Welt.

Doch kommen wir zurück zu dem Fakt, dass er eine Woche in dieser Zelle hatte verbringen müssen. Der Grund dafür war ein ganz einfacher. Mori hatte ihn hier hinein gesteckt, angeblich damit er einen kühlen Kopf zurück erlangen konnte. Seinem Mentor hatte es überhaupt nicht gefallen, dass Dazai seine Freundschaft mit Odasaku als Wichtiger eingestuft hatte, als das befolgen des einzig logischen Plans, welcher der Organisation nichts als Vorteile einbringen würde.

Leise, bedacht gesetzte Schritte ließen den jungen Unterboss an diesem Tag vom Betonboden aufblicken. Eigentlich ignorierte er alle seine „Besucher“ geflissentlich, doch an diesen Schritten war etwas anderes. Sie waren ihm wohlvertraut.

Niemand geringeres als der Anführer der Port Mafia höchstpersönlich, Mori Ougai, stand vor seiner Zelle und blickte auf seine Gestalt in der hinteren rechten Ecke hinab. Wie so oft lag die Andeutung eines Lächelns auf den Lippen des Älteren, während er die Arme hinter dem Rücken verschränkte und das Wort an seinen Schüler richtete: „Wie geht es dir Dazai-kun?“

Als würde es ihn wirklich kümmern, wie es Dazai ging. Für Mori war es nicht wichtig, ob der Teenager sich körperlich oder seelisch wohl fühlte. Alles was zählte war, dass Dazai funktionierte. Das er in der Lage war seinen Aufgaben und Pflichten nachzukommen und gute, nein, herausragende Ergebnisse erzielte.

„Mir ist so langweilig, Mori-san!“, jammerte der Braunhaarige, jedes Wort extra langziehend. „Du hättest mir wenigstens meine Spielkonsole hierlassen können!“

Mori kicherte in sich hinein und schenkte seinem Schützling einen belustigten Blick. „Wenn du die ganze Zeit an deinem Spiel gesessen hättest Dazai-kun, hätte die Strafe nicht die gewünschte Wirkung gehabt. Sag, hast du eingesehen, dass dein Verhalten kindisch und unlogisch war?“

Das hatte er nicht. In seinen Augen gab es nichts Kindisches an seinem Wunsch Odasaku zur Seite zu stehen. Doch das war nicht die Antwort, die Mori von ihm hören wollte. Nach kurzer Überlegung und der Abwägung des Für und wider entschied sich Dazai die Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten: „Wo ist Odasaku?“

Mori würde es niemals offen zugeben, doch es überraschte ihn wie sehr Dazai an Oda Sakunosuke zu hängen schien. Bereits an jenem Tag in seinem Büro als Dazai ihm - gebadet im Licht der langsam untergehenden Sonne - gesagt hatte das Odasaku sein Freund war, hatte er für einige winzige Sekunden die Luft angehalten.

Nun fragte er sich ob er diese spezielle Freundschaft noch auf anderem Wege für seine Zwecke benutzen könnte. Nicht nur um Dazai - die im Moment größte Bedrohung für sein Leben und seine Position an der Spitze der Mafia - aus der Organisation zu vertreiben, sondern vielleicht auch um seine Kontrolle über den Jungen zurück zu erlangen. Falls ihm dies gelänge, wäre dies ein noch viel glorreicherer Sieg, als er zunächst angenommen hatte.

Dazais Fähigkeiten waren wertvoll. No Longer Human war eine einzigartige Begabung, die der Mafia bisher stets gute Dienste erwiesen hatte. Nicht zu vergessen Dazais schier grenzenloser Intellekt. Seine Begabung wirkungsvolle Strategien zu entwickeln und diese auch umzusetzen, ebenso wie sein Talent den Verlauf der kniffligsten Situationen perfekt vorherzusehen.

Doch eben diese Talente die Dazai zu einem unentbehrlichen Werkzeug werden ließen waren es auch, die Mori solches Kopfzerbrechen bereiteten. Darum hatte er diesen Plan überhaupt erst auf diese Art ausgeführt. Und vielleicht würde Oda Sakunosuke nun ein weiteres Mal zum Trumpf in seinem Blatt werden, auf andere Art als gedacht. Sein Ass im Ärmel.

“Ich fürchte Oda-kun wird nicht zurückkehren. Er ist tot.“

Eine Lüge, oder zumindest nur ein Teil der Wahrheit. Mori wusste nicht, was aus Oda geworden war. Eine Leiche hatte man nicht gefunden und auch sonst keine Spur seines Verbleibs. Doch das musste sein Schüler nicht wissen.

Die Worte schienen Dazai tiefer zu treffen als erwartet. Noch nie hatte der Untergrundarzt so viel Emotion im Gesicht des Jüngeren gesehen. Da waren Unglauben, Schock und sogar Trauer in der sonst so apathischen Mimik.

Mori wusste, er spielte mit dem Feuer, als er die Zelle betrat. Die Chance das Dazai sich gegen ihn wenden würde, war vorhanden. Der Braunhaarige benötigte keine Waffe um einen Menschen zu töten. Und in seiner Wut und Trauer könnte er gut in der Lage sein, ihn zu überwältigen.

Dazai bewegte sich aber nicht einmal. Er starrte auf einen alten, eingetrockneten und verblassten Blutfleck einige Meter vor sich. Seine Augen waren bar jeglicher Gefühle, leer.

Ein Lächeln stahl sich auf Moris Lippen. In diesem Moment erinnerte Dazai ihn das erste Mal seit Jahren an diesen kleinen, abgemagerten Jungen, welcher mehr tot als lebendig ausgesehen und in einem viel zu groß aussehenden Krankenbett gesessen hatte. Der Junge, dessen Selbstmordversuch er mit ansehen hatte dürfen. Den er zurück ins Leben gerissen hatte, um eine Schachfigur aus ihm zu formen. Ein versteckter Diamant, welchen er zu vollem Potenzial geschliffen hatte.

Mori fasste grob in das weiche, ungezähmte Haar seines Schützlings, zwang ihn so ihn anzusehen und riss ihm dabei ein paar Strähnchen aus. “Dazai-kun, ich dachte du hättest bereits verstanden, dass emotionale Bindungen nichts als Schmerz bringen. Sieh die letzten Ereignisse als Erinnerung, als eine Lektion.“ Er löste seinen Griff, half dem Unterboss auf die Beine.

In beinahe väterlicher Manier schloss er ihn in die Arme, kommentierte weder das leichte Zittern das den schlaksigen Körper schüttelte, noch die Feuchte die sich auf seiner Schulter ausbreitete, ausgelöst von Tränen die über blasse Wangen liefen. Er tätschelte den jungen Mann, dieses verlorene Kind. “Alles wird gut, Dazai-kun. Befolge nur meine Befehle und ich sorge dafür, dass du niemanden mehr verlieren musst!“

Die Worte - Wenn du tust was ich von dir verlange, nehme ich dir niemanden mehr weg der dir etwas bedeutet. - blieben unausgesprochen.

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Also vermutlich habt ihr es schon am Prolog erkannt und am Genre, aber diese Geschichte wird voll sein mit Angst und Drama und ich hasse mich selbst für diese Idee. Also schon mal sorry für alles was noch kommt. :-)

Lasst mir vielleicht ein Review da falls es euch bisher gefällt und dann sieht man sich hoffentlich im nächsten Kapitel wieder.

LG eure Kura

P.S.: Mori ist so ein -BEEP-
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