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Before The Dawn Heals Us

von c-3m1o-n
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 Slash
Class Grenayde Pi Stoffers
11.07.2019
22.02.2020
2
2.106
 
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11.07.2019 1.196
 
Es war kühl, aber nicht zu kalt. Düster, aber nicht zu dunkel. Ich fühlte mich jünger, als ich glaubte zu sein, und doch älter, als ich es tatsächlich war.
Der Vollmond schien über uns und war eine kleine Lichtquelle, abgesehen von den unendlich vielen Sternen am Nachthimmel. Ich liebte es. Keinen Moment dieser Nacht würde ich jemals vergessen, könnte ich jemals vergessen. Alles war wie ein Traum. Ein schöner Traum. Es war eigentlich nur eine normale Sommernacht, wir waren alle zusammen etwas trinken gegangen und Pi und ich wollten eigentlich nur kurz draußen etwas frische Luft schnappen. Und dann rannte er los.

„Warte!“, rief ich Pi hinterher, der so schnell in die nächste Straße einbog, dass ich ihm gar nicht mehr hinterherkam, und der einfach nicht stehenblieb. „Wo willst du denn hin?“
„Weg!“, antwortete er nur. „Etwas präziser musst du dich schon ausdrücken...“, meinte ich und lachte leicht. „Ich will irgendwohin, wo ich alles vergessen kann. Einfach alles“, sagte er und blieb schließlich doch stehen, drehte sich zu mir um.
Als ich kurz darauf neben ihm zum Stehen kam, bemerkte ich, dass seine Augen glänzten. Nicht etwa, weil sich Tränen darin sammelten, sondern einfach, weil er glücklich war. Und es machte mich ebenfalls glücklich. Denn wenn man eines in den letzten Wochen in seinen Augen hatte lesen können, dann, dass er alles andere als glücklich war. Es freute mich eben, dass es ihm nun besser zu gehen schien.
Er lächelte. „Klaas...?“ Ich lächelte zurück. „Pi?“
„Ich bin betrunken“, nuschelte er und kicherte. „Kaum zu glauben“, erwiderte ich und grinste schief. Auch ich war nicht gerade nüchtern.
„Hast du dir den Weg gemerkt?“, fragte er nach ein paar Sekunden. „Hast du ihn dir nicht gemerkt?“, fragte ich leicht panisch zurück. „Nein...?“ In meiner Jackentasche kramte ich nach meinem Handy, um daraufzuschauen und zu sehen, dass ich hier keinen Empfang hatte. „Na toll, es ist halb drei Uhr nachts, wir sind hier irgendwo im Nirgendwo, du hast dir den Weg nicht gemerkt, den du hergerannt bist und ich habe keinen Empfang“, zählte ich auf und musste lachen. „Beste Nacht meines Lebens.“ Nun lachte auch Pi.
„Danke, dass du mitgekommen bist“, meinte er und ich lachte auf. „Du bist einfach besoffen weggerant, eine andere Wahl hatte ich gar nicht, irgendwer muss ja schließlich sicherstellen, dass dir nichts passiert!“
Er trat einen Schritt näher an mich, war nun so nah, dass es irgendwie komisch wäre, ihm ins Gesicht zu sehen, also schaute ich nach unten und sah, wie er meine Hand nahm. Seine eigene war eiskalt und ich fragte mich, ob das gesund war. Wahrscheinlich nicht. Deshalb nahm ich sie zwischen meine Hände und versuchte, sie irgendwie aufzuwärmen. „Ist dir kalt?“, fragte ich und schaute nun doch in sein Gesicht, aber Pi schüttelte nur den Kopf. Daraufhin ließ er sich zu Boden sinken und zog mich irgendwie mit, da ich ja seine Hand hielt. Etwas unsanft kam ich dann dort auf und sah ihn verwirrt an.
Das schien Pi allerdings wenig zu kümmern, denn er saß auf dem dreckigen Bürgersteig als wäre es sein Sofa. Ich drehte meinen Kopf zu ihm und genau im gleichen Moment drehte er auch seinen zu mir. Wir sahen uns einfach an und irgendwie fühlte es sich komisch an, allerdings wusste ich nicht einmal, was genau sich komisch anfühlte. Ich empfand eine Art Zuneigung für Pi, vor der ich fast schon Angst hatte. Weil es neu war. Das alles war so neu. Und Menschen fürchten sich vor Neuem.
Ich hatte Angst, dass er mich nicht mehr mögen würde, dass die anderen - und vor allem er selbst - es nicht akzeptieren würden, was ich für ihn empfand.

„Ist alles okay?“ Pi riss mich aus meinen Gedanken und ich wusste nicht ganz, was ich antworten sollte, denn einerseits war das hier die schönste Nacht, die ich seit sehr langer Zeit erleben durfte, aber andererseits war da diese Angst und aus der Angst wurde noch mehr Angst. Angst, etwas falsches zu sagen, zu tun, und noch mehr Angst, nichts zu sagen und nichts zu tun. Ich nickte, genau im richtigen Moment, sodass es nicht zu früh war und auch nicht zu spät, eben so, dass er es glaubte.
Er drehte seinen Kopf, schaute nach oben, wo man zwischen den ganzen Häusern die unzähligen Sterne nur erahnen konnte. Und ich - ich schaute einfach weiter ihn an.
Irgendwann schloss er seine Augen und sah aus irgendeinem Grund noch schöner aus als vorher, sodass es fast schon wehtat, ihn anzusehen und ihn nicht berühren zu können. In seinem Gesicht spiegelten sich Ruhe und Zufriedenheit, er sah glücklich aus und automatisch fragte ich mich, ob ich der Grund dafür war. Wahrscheinlich nicht, aber es war eine schöne Vorstellung.
„Jetzt mal ehrlich, Klaas: woran denkst du die ganze Zeit?“
‚An dich‘ wollte ich sagen, konnte mich gerade so zurückhalten und antwortete stattdessen: „An Gott und die Welt. An die Hölle, den Himmel, an Liebe, an Hass.“ Denn das alles war er für mich. Ich liebte ihn. So sehr, dass ich ihn fast schon verehrte, so sehr, dass er die ganze Welt für mich war, so sehr, dass es mich beflügelte und so sehr, dass es schrecklich und grausam war und mich auf den Boden der Tatsachen zurückbrachte, vielleicht auch noch tiefer.
Er würde niemals das Gleiche für mich fühlen. Alle meinen immer, man könne sich nicht sicher sein, wenn man nicht mit der Person darüber sprach, aber ich war mir sicher. So wie Pi aussah, könnte er jede Frau auf dieser Welt haben, wahrscheinlich auch jeden Mann und jeden Anderen. Wieso sollte er dann ausgerechnet mich wählen?
„Du spinnst doch!“, meinte er lachend, etwa so als würde ich es nicht ernst meinen, und ganz kurz wünschte ich mir, ich hätte doch einfach nur ‚An dich‘ gesagt.
Da es einfacher war, als ihm zu erklären, dass das mein vollkommener Ernst gewesen war, lachte ich einfach mit ihm mit.

„Vielleicht sollten wir ja trotzdem irgendwie versuchen, den Weg zurück zu finden... die Anderen machen sich bestimmt schon Sorgen.“, meinte ich und Pi nickte nur. Allerdings hatte er seine Augen noch immer geschlossen und machte keine Anstalten, diesen Plan wirklich umsetzen zu wollen. Erst jetzt fielen mir unsere Hände auf, die nach wie vor ineinander verschlungen waren. Ich ließ es unkommentiert, wollte nicht, dass Pi seine wegnahm.
Von plötzlicher Müdigkeit überfallen, legte ich meinen Kopf auf seine Schulter und seufzte leise. Da ließ der Gitarrist meine Hand los, sprang ruckartig auf und antwortete auf meinen Vorschlag von eben: „Du hast recht, wir sollten zurückgehen.“
Und schon lief er schnellen Schrittes los, so als wüsste er den Weg genau.
„Pi! Warte!“, rief ich ihm wieder einmal hinterher und diesmal blieb er zum Glück gleich stehen. „Was ist?“, fragte er leicht patzig, ohne sich auch nur zu mir umzudrehen. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was auf einmal los war oder wie ich ihm jetzt antworten sollte, also sagte ich einfach nichts und joggte ihm schnell hinterher.

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Hey :)
Das war der erste Teil der Geschichte, es wird wahrscheinlich ein Two- oder Threeshot werden. Ich versuche natürlich, so schnell wie möglich weiterzuschreiben (falls das überhaupt jemand lesen möchte) und würde mich über jede Menge Reviews freuen :D
Lg, c <3
 
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