Schutzengel II

von Afaim
GeschichteDrama, Mystery / P16 Slash
Regulus Arcturus Black Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
11.07.2019
08.10.2019
31
71332
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1. Kapitel: Wachträume



„Wirklich reich ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat, als die Wirklichkeit zerstören kann.“ – Hans Kruppa



„Regie, sag mal, kann man vielleicht irgendwie in die Träume seines Schützlings eindringen ohne sich dazu auf die Erde zu begeben?“, wollte Sirius wie nebenbei von seinem Bruder wissen, als sie gerade miteinander Schach im Jenseitigen Garten spielten. Sirius hatte seinem jüngeren Bruder vielleicht in der Absicht aufgelauert ihm genau diese Frage zu stellen und benutzte das Schachspiel nur als Tarnung für seine wahre Absicht, aber vielleicht war das ja auch nicht der Fall, vielleicht wollte er einfach nur mal wieder Schach spielen und gleich zwei Fliegen mit einem Zauber verbrennen. Doch sein Bruder durchschaute seine geheuchelte Unschuld natürlich sofort, wie es zu erwarten gewesen war.

„Wieso? Was genau geht jetzt schon wieder zwischen dir und Severus vor?“, wollte er wissen.

„Das weiß ich nicht so genau, das ist ja mein Punkt“, erwiderte Sirius, „Ich will nur auf Nummer Sicher gehen und ihn erreichen, wenn er ohne Bewusstsein ist und …. zugänglicher…“

„Du willst ihn überfallen, wenn er gerade verletzlich ist. Manche Dinge ändern sich nie, was? Es ist als wären wir alle immer noch auf Hogwarts“, stellte Regulus kopfschüttelnd fest.

„So ist es das gar nicht!“, beharrte Sirius schnell. Er wusste ja selber, dass er nicht gerade der netteste Teenager gewesen war, besonders wenn es um Severus Snape ging, aber er fand dass die Leute langsam aber sicher damit aufhören könnten ihm das ständig unter die Nase zu reiben. Und dass sie anerkennen könnten, dass er sich geändert hatte und nicht mehr derselbe dumme Junge von einst war. Oder dass er zumindest versuchte nicht derselbe dumme Junge von einst zu sein. „Ich will nur sicher gehen, dass er mir auch zuhört, verstehst du?“

Regulus seufzte. „Nun, es ist möglich in die Träume deines Schützlings von hier aus einzudringen, wenn man über gewisse Fähigkeiten verfügt“, erklärte er dann. Er musste nicht dazu sagen, dass er der Meinung war, dass Sirius über diese Fähigkeiten nicht verfügte, das war offensichtlich. „Aber du kannst es zumindest mal versuchen. Allerdings erfordert es … Meditation. Und eine Menge Konzentration.“

Das war’s. Damit bin ich erledigt. Das schaffe ich niemals. Das konnte er aber natürlich nicht zugeben. Er könnte es ja trotzdem ausprobieren. Immerhin, mehr als schiefgehen konnte es ja nicht, oder? Also ließ er sich von Regulus die Einzelheiten erklären und machte sich dann auf um zu versuchen in Snapes Träume zu kommen ohne zur Erde zu gehen.

Er suchte sich einen verlassenen Ort im Jenseitigen Garten, platzierte sich dort unter einem großen grünen Busch mit lila Blüten – Ich frage mich, ob das Grünzeug hier das gleiche wie auf der Erde ist oder ob jenseitiges Grünzeug irgendwas anderes ist – setzte sich im Lotus-Sitz nieder und schloss seine Augen. Er streckte seine Hände von sich, formte Os mit seinen Fingern, und versuchte seinen Geist von allen ablenkenden Gedanken – vor allem solche, die die Natur der Flora des Jenseitigen Gartens betrafen – zu säubern und konzentrierte sich auf Snape.

Natürlich passierte erst einmal nichts. Regulus hatte ihm erklärt, dass sein Schützling natürlich gerade schlafen und träumen müsste, damit das hier funktionierte, und da Sirius nicht wusste, welche Tageszeit auf der Erde gerade war oder was Snape gerade tat, könnte es Stunden dauern bis das überhaupt der Fall wäre, und bis dahin wäre es um Sirius‘ Konzentration vermutlich geschehen, aber ihm blieb keine andere Wahl als einfach auf das Beste zu hoffen und so konzentriert wie möglich zu bleiben.

Vor seinem geistigen Auge bildete sich eine lila Blüte. Und dann musste er niesen. Und schon war es um seine Konzentration geschehen. Das kann doch nicht wahr sein. Bin ich auf diese lila Dinger etwa allergisch? Das hätte ihm ja gerade noch gefehlt!

Er musste noch einmal niesen, und dann begannen seine Augen auch noch zu tränen, doch er hielt sie solange er konnte stur geschlossen und weigerte sich zuzulassen, dass er von etwas so banalen wie einer allergischen Reaktion besiegt wurde. Er war Sirius Black, verdammt, und das hier waren nur lila Blüten. An die er nicht aufhören konnte zu denken, weswegen er gleich wieder niesen musste.

Erbost sprang Sirius auf, rang nach Luft, und setzte sich dann unter einen anderen Busch, diesmal einem mit weisen Blüten. Diese schienen ihn zumindest nicht sofort zum niesen zu bringen, also lief es besser. Nur, dass wieder nichts passierte. Vermutlich war auf der Erde gerade Morgen, und Snape war gerade erst aufgewacht. Oder du bist einfach nicht fähig diesen Trick durchzuführen, meldete sich eine verräterische Stimme in seinem Kopf zu Wort, die verdächtig nach Regulus klang.

Nein, was Regulus kann, kann ich schon lange. Ich bin der ältere bessere Bruder, es wäre doch gelacht, wenn ich nur wegen ein wenig Konzentrationsschwäche versage. Ich habe Zeit, viel Zeit, bis zum Limit meiner Wachphase habe ich Zeit …. Verdammt, wie lange bin ich schon wach? Wann sind die vier Tage um? Panisch schlug er die Augen wieder auf. Wenn er während der Meditation einschlafen würde, was würde dann passieren?

Er beschloss diesem Problem zuvor zu kommen, indem er jetzt gleich schlafen ging und dann in ausgeruhtem Zustand einen neuen Versuch Snapes Träume zu erreichen zu starten. In diesem neuen Szenario hätte er dann ganze vier Tage Zeit Snapes Träume zu erreichen, und vier Tage sollten doch wohl ausreichen, oder nicht?

Sirius begab sich also zu den Schlafkojen und fiel in einen unruhigen Schlaf, aus dem er bald wieder erwachte. Er fühlte sich unausgeruht und unruhig. War er es, der sich so fühlte, oder waren das Snapes Gefühle? Er konnte es nicht sagen, aber er war sich ziemlich sicher, dass sie sich beide im Moment ähnlich fühlten.

Nachdem er ausgiebig gefrühstückt hatte um seine Nerven zu beruhigen, was nichts besser vollbrachte als der süße Geschmack des Pseudo-Ambrosia, den sie hier alle immer zu sich nahmen, ging er wieder zu dem Busch mit den weißen Blüten und stellte fest, dass dieser besetzt war, und nicht nur das, unter ihm lagen ein männlicher und ein weiblicher Schutzengel und machten miteinander herum, zumindest hoffte Sirius, dass sie nur das taten. Igitt, und das so früh am Morgen! Das wollte ich wirklich nicht sehen! Ist so was hier überhaupt erlaubt? Bisher hatte sich Sirius darüber aus offensichtlichen Gründen keine Gedanken gemacht.

Er war also gezwungen sich einen anderen ruhigen Ort zu suchen, an dem er ungestört wäre. Das war gar nicht so einfach. Offenbar hatten die meisten Schutzengeln gerade frei. Ist heute ein jenseitiger Feiertag, oder was ist los?, wunderte sich Sirius verärgert und ging den Garten weiter ab, bis er einen etwas unbelebteren Bereich erreichte, in dem ein weidenartiger Baum stand. Sieht ein wenig wie die peitschende Weide aus, stellte er fest, Nun gut, warum nicht?

Sirius setzte sich unter dem Baum, verschränkte seine Beine ineinander, streckte seine Arme von sich, legte seine Daumen auf die Fingerkuppen der anderen Finger, schloss seine Augen, atmete tief durch, und versuchte sich zu konzentrieren. Und zu entspannen, denn der Ärger über die anderen Schutzengel machte ihm das nicht so einfach, wie erhofft. Doch schließlich wurde er ruhiger, und sein Geist wurde leerer, und er schien in tatsächlicher Meditation zu versinken. Er konzentrierte seine Gedanken auf Snape und hoffte, dass dieser gerade schlief und hoffentlich auch träumte, und dann….

….schlug Sirius die Augen auf und war in Spinner’s End. Für einen Moment war er verunsichert. War er unabsichtlich zur Erde gewuscht ohne es mitzubekommen? Doch das Haus wirkte dunkel und furchteinflößend, und von Snape war zunächst nichts zu sehen. Vermutlich war das hier doch eher ein Traum von Snape und nicht sein realer Aufenthaltsort. Er konnte Gepolter hören und eine brüllende männliche Stimme und folgte den Geräuschen, die ihn in ein kleines Zimmer führten, indem ein großer dunkelhaariger Mann seinen Gürtel schwing und diesen auf einen kleinen Jungen einprasseln ließ. Sirius erstarrte einen Moment lang entsetzt, als er die Szene sah, doch dann trat er vor und umfasste den Arm des Mannes, gerade als er noch einmal zuschlagen wollte. „Das reicht jetzt“, meinte er streng. Der Mann blickte ihn verwirrt an, und Sirius hätte eigentlich Snapes Vater erwartet, doch das Gesicht, das ihm unter den dunklen Haaren entgegen blickte, war das von Albus Dumbledore.

Nun, immerhin schreckt auch er nicht davor zurück Kindern weh zu tun. Ihm fiel wieder ein, was Snape ihn erzählt hatte, als er ihn verbannt hatte. Dass Dumbledore wollte, dass Harry starb, damit sie Voldemort besiegen konnten. „Ich muss mit Severus reden“, erklärte Sirius, „Verschwinde von hier.“ Der Mann sah ihn nachdenklich an und löste sich dann von einem Moment auf den anderen in Luft auf.

Sirius wandte sich dem Jungen zu. Der war soweit er konnte gegen die Wand gerutscht, war in sich zusammengesunken, hatte die Beine an seinen mageren Körper gezogen, und hielt den Kopf gesenkt. Sirius kniete sich vor ihm um nicht bedrohlich zu wirken. „Severus“, sagte er langsam, „Severus, ich bin’s.“ Der Junge blickte mit tränenverschleiernden Blick zu ihm auf, schien ihn aber nicht erkennen.

„Severus“, sagte Sirius, „Ich weiß, du willst mich nicht um dich haben und denkst ich hätte dich im Stich gelassen, und du hast ja auch recht. Ich habe dich enttäuscht. Aber ich verspreche dir, dass das nicht noch einmal vorkommen wird. Von jetzt an bin ich für dich da. Du musst nichts mehr alleine machen, nie wieder. Ich werde dir helfen. Und diesmal wirklich. Weder Dumbledore noch Voldemort können mich davon abhalten.“

Der Junge blinzelte ihn stumm an.

„Du hast keine Ahnung, wovon ich rede, oder?“, vermutete Sirius. Vielleicht war Snape zu tief in diesem Traum versunken um ihn zu erkennen oder sich an sein reales Leben außerhalb seiner Traumwelt zu erinnern.

„Komm hoch.“ Sirius hielt dem Jungen die Hand hin, und dieser nahm sie zögerlich in die seine und ließ sich auf die Beine helfen. Die ganze Zeit behielt er Sirius dabei mit einem misstrauischen Blick unter seinen schwarzen Haaren heraus im Auge. „Warum tut er das? Dich mit den Gürtel schlagen, meine ich?“, wollte Sirius dann von dem Jungen wissen.

„Weil ich ein böser Junge bin“, erklärte der kleine Snape leise und sah zu Boden.

Bei Merlin, Severus ….. „Du bist kein böser Junge, Severus, das ist Unsinn“, meinte Sirius heftig, „Er ist ein böser Mann, wenn er dich schlägt.“

Klein-Severus zuckte die Schultern. „Ich bin ein Freak“, erklärte er, „Wenn ich da bin, dann passieren böse Dinge. Ich tue böse Dinge. Ich will ja es ja gar nicht, aber selbst wenn ich versuche gute Dinge zu tun, dann kommen böse dabei heraus.“ Er wich Sirius‘ Blick aus, als er das sagte.

Sirius dachte an Lily und James, an Dumbledore und an Harry, und daran, wie es sein musste ein Undercover-Agent bei Voldemort zu sein. „Manchmal“, meinte er langsam, „Passieren böse Dinge einfach, egal ob man es will oder nicht. Aber deswegen sollte man nicht damit aufhören stattdessen gute Dinge zu tun.“

Klein-Severus blickte nun doch zu ihm auf und sah ihn fragend an. „Nein?“, wunderte er sich.

„Nein“, bestätigte Sirius, „Denn selbst wenn man scheitert und böse statt gute Dinge dabei herauskommen, kann man nachher wenigstens sagen, dass man es versucht hat.“ Er versuchte den kleinen Jungen auf aufmunterndes Lächeln zu schenken, doch dieser starrte ihn nur mit unbewegter Miene an, und dann….

…. löste sich alles um ihn herum auf, und Sirius fand sich im Jenseitigen Garten unter der Weide wieder. Severus Snape war, wie es schien, aufgewacht.



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