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Memories

von -Ruri
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Sayer
11.07.2019
11.07.2019
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2.053
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An etlichen Tagen, wenn ihre schweren und melancholischen Gedanken an vergangene Zeiten sie wieder in alte Erinnerungen entführten und verblasste Szenarien abermals vor ihrem inneren Auge abgespielt wurden, da konnte sie geradezu seinen warmen Körper dicht an ihrem spüren; so als wäre er im Moment bei ihr.
Seine trügerische Umarmung. Ja, sie könnte schwören, dass selbst sein Geruch bis heute ihr noch manchmal in der Nase lag; ganz so, als würde er sie jetzt gerade halten.
Um sie zu trösten. Um sie zu beruhigen. Um sie zu manipulieren. Um sie wieder ein Stück mehr für sich und seine Ziele zu gewinnen.
Ihr Herz bebte.
Das war nicht, was sie wollte, aber wiederrum doch. Sie wollte ihn, aber nicht was er in ihr sah. Nicht, wie er mit ihr umgegangen war. Wiederrum sehnte sie sich mit Leib und Seele doch danach.
Qualvolle Experimente. Duelle. Das war die Art von Aufmerksamkeit, die er ihr meist gegeben hatte. Wie er wohl reagiert hätte, wenn sie stattdessen nach noch mehr Umarmungen gebeten hätte?
Hätte er ihr gegeben, was sie wollte? Oder hätte er womöglich kaltherzig abgelehnt? Solche sogenannten ,,Umarmungen‘‘ hatte sie nie gekannt. Es war wie eine süße Droge, die er ihr damals eingeflossen hatte und bis heute verlangte sie danach. Jedoch hatte sie nun Freunde.
Diese gaben ihr manchmal freundschaftliche Umarmungen. Sie war dankbar; sehr.
Aber sie wollte seine Körpernähe. Seine toxische Körpernähe. Seine verführerische und charmante Stimme in ihren empfindlichen Ohren, mit der er ihr Befehle erteilte oder sie wieder einmal versuchte manipulativ in seinem Bann zu ziehen.
Er wusste, dass er bloß ein wenig mit seiner koketten Stimme ihr ins Ohr säuseln musste, um sie vollkommen zu betören.
Es gab Tage, da war sie sogar bereit, sich von ihm komplett verführen zulassen. Aber das war nie die Art von Beziehung, die er mit ihr wollte.
Die Beziehung, die er mit ihr hatte? Sie wusste es bis heute nicht.
,,Werkzeug‘‘, - ,,Mittel zum Zweck‘‘.
Das waren die Bezeichnungen, die Außenstehende den Leuten gaben, die damals unter seine Fittiche standen. Einerseits hatten diese Unwissenden ja Recht. Einerseits. Das wusste sie.
Aber ob sich nicht viel mehr dahinter verbarg? Oder war es ihr Wunschdenken? Dass sie und die anderen Psi-Duellanten, die er damals unter seiner Kontrolle hatte doch viel mehr waren, als bloße seelenlose Werkzeuge, die er zu seinen Zweck einsetzte?
Sie wusste von seinen grausamen Taten.
All die Menschen, die er auf dem Gewissen hatte.
Trotzdem wollte sie ihn. Sie hasste seine Taten. Seine fehlenden Moralvorstellungen. Manchmal hatte sie sogar kleinlaut und unsicher dieses Thema angesprochen. Dass sie sich nicht wohl mit alledem fühlte. Sie wollte niemanden verletzen, auch wenn sie nicht verleugnen konnte, dass auch sie wann und dann mal einen Gedanken daran verschwendet hatte, wie sie es den Leuten vergelten konnte, die das junge Mädchen damals aufgrund ihrer Kräfte verstoßen und verletzt haben.
Auch sie musste mit Ausgrenzung, Antipathie und Lieblosigkeit kämpfen.
Doch trotz allem konnte und wollte sie nie jemanden etwas zu Leide tun. Wäre sie in dem Fall dann besser, als ihre Peiniger gewesen? Wohl kaum. Aber immer wieder redete diese begehrenswerte Person ihr bloß immer gut zu, sobald sie ihm ihr Anliegen erzählte.
Gekonnt würde er sie gespielt überhüten.
Dass er bloß eine Welt für die erschaffen wollen würde, die es ebenfalls nicht gut mit dieser kalten und tristen Gesellschaft getroffen hatten. Trotz Missfallen hat sie sich immer wieder mit diesen gottgleichen und ehrenhaften Worten abspeisen lassen. Nein, nicht nur diese Worte haben ihr ihre Sorgen genommen.
Sanft hatte er ihr immer übers kastanienbraune schulterlange Haar gestrichen.
Ermutigend seine großen und warmen Hände auf ihre zierliche Schultern gelegt.
Unausbleiblich wurde sie auch so immer geradezu dazu gezwungen in seine idyllischen Augen zu blicken. Seine mysteriösen grünlichen Seelenspiegel; die fast schon aufreizend auf sie wirkten.
Mit fester, aber sanfter Stimme sprach er zu ihr; wohl wissend, dass sie sie es genoss von ihm so einfühlsame Berührungen zu erfahren, auch wenn diese nur flüchtig geschahen. Ja, sie war sich sicher, dass er durchaus mitbekommen hat, wie sehr sie es liebte, wenn er ihr Aufmerksamkeit schenkte.
Seine Menschenkenntnisse waren schließlich exzellent. Gewiss hatte er bemerkt, wie sehr sich sein ,,Schützling‘‘ nach ihm verzehrte. Aber ihr war klar, dass diese wundervolle Aufmerksamkeit nicht nur ihr galt.
Wahrscheinlich berührte und sprach er auf diese Art und Weise mit nahezu jedem seiner Rekruten seiner visionären Armee bestehend aus Menschen mit besonderen Kräften, die nichts als Leid und Unrecht in dieser Welt erfahren haben; insbesondere wenn es um die weiblichen Mitglieder der Bewegung ging.
Das galt insbesondere einer Person.
Aki war ihr Name.
Den Namen dieses sonderbaren Mädchens hatte sie einst zufällig aufgeschnappt, als sich einige der ihr bekannten Mitglieder über sie unterhalten haben. Persönlich hatte sie nie Kontakt mit ihr gehabt.
Die Schönheit mit den weinroten Haaren. Ohne jeglichen Zweifel war sie die liebste Schachfigur dieses heimtückischen anziehenden Mannes gewesen. Aber dies war auch nicht weiter verwunderlich, wenn man mal über die beeindruckenden und erstaunlichen Kräfte der Braunäugigen nachdachte mit denen sie selbst nicht mithalten konnte.
Natürlich würde sie da begehrenswert für ihn sein.
Er verbrachte viel Zeit mit ihr.
Oh, wie sich jedes Mal ihr gläsernes Herz vor Schmerzen zusammengezogen hatte, wenn sie beobachtet hatte, wie Aki und dieser Mann miteinander sprachen, interagierten oder einfach nur stumm nebeneinander standen.
Zeitweise schrie ihre Seele vor Schmerzen und Sehnsucht nach ihm oft so sehr, dass ihre Kräfte mehrmalig kurz davor waren überhandzunehmen und erheblichen Schaden anzurichten, wo es doch auch ohne diese seelenstarken Sinnesreize genug Fälle gab, in denen sie und ihre Mitmenschen ihren Kräften bedingungslos ausgeliefert waren.
Sie hasste die 16-Jährige nicht, nein, keinesfalls. Im Gegenteil:
Von dem, was die Brünette gehört hatte, war Aki noch viel kärglicher als sie dran gewesen. Auch sie wurde gefürchtet und verstoßen, keine Frage. Aber Akis Schicksal übertraf ihr Elend nochmal. Für jenes Mädchen empfand sie viel Bewunderung. Ihre Duellfähigkeiten. Ihr Auftreten. Einfach alles an ihr war definitiv wertvoller und ansprechender für jemanden wie ihn.
Divine. Sein Name schickte jedes Mal, sobald dieser ihr in den Sinn kam, einen schmerzhaften, seelischen Schock durch ihren Körper. Ohne Ausnahme.
Sie wusste noch ganz genau, als er sich ihr zum ersten Mal annäherte und eines Nachts auf einem Schrottplatz, ihrem einziger Zufluchtsort und Zuhause damals, plötzlich unerwartet vor ihr stand.
Es nieselte und er stand dort in seinem braunen und eleganten Mantel, während sie mit zerrissenen Lumpen und einer alten Decke auf einem weggeworfenen demolierten Bett vor sich hinkauerte und am ganzen Leibe, wie Espenlaub im Wind, zitterte. ,,Ich möchte dir helfen‘‘, - ,,Vertraue mir, vor mir muss man keine Angst haben. ‘‘
Die Worte, die er damals zu ihr sagte, um sie und ihr missbrauchtes Vertrauen für sich zu gewinnen, hallen ihr wieder und wieder durch ihren Kopf. Wie so gut, wie alles, was er tat und von sich gab.
Seine Statur. Sein Gesicht. Sein liebenswerte Lächeln ihr gegenüber, auch wenn es wohl eine einzige Fabelei war. Seinen Mantel hatte er darauf zu jener Zeit sanft und vorsichtig über ihren schutzlosen, fragilen Körper gelegt, nachdem er sich ihr vorsichtig genähert hatte; wohlwissend, dass sie immerzu geflohen war, sobald sich ihr jemand genähert hatte.
Doch er tastete sich beinahe spielerisch an sie heran. Innerhalb von Minuten hatte er es geschafft, plötzlich direkt vor ihr zu stehen. Sie selbst erkannte sich nicht einmal in der Situation wieder.
So viele Leute haben versucht, mit ihr zu reden, gut und bös gleichermaßen. So viele Leute haben versucht ein Duell mit ihr zu beginnen, um sich zu beweisen.
Aber nicht eine einzige Person hatte es geschafft, sie zu erreichen.
Nur er hatte Erfolg dabei gehabt. Dieser Mann hatte es sogar noch in derselben Nacht geschafft, sie von diesem dunklen Ort wegzuzerren, gänzlich ohne Gewalt, und sie zu überreden, in seiner Arcadia-Bewegung einzuziehen.
Natürlich war es ihr auch möglich, einige nette Menschen in dieser Bewegung kennenzulernen, die Ähnliches erlebt hatten, wie sie. Die den gleichen Schmerz teilten. Sie hatte ein richtiges Zuhause gefunden. Freunde. Alles nur dank ihm.
Er hat sie aus ihrer finsteren Misere gerettet. Er brach das Eis in ihr, damals in dieser kalten  und erbarmungslosen Nacht.
Sie war ihm dankbar, trotz seiner Fassade und die Tatsache, dass er sie eigentlich lediglich ausnutzen wollte.
Wie könnte sie das nur je in Worte fassen?
Sogar damals bei diesem Vorfall fing er nicht an, sie zu hassen.
Selbst als sie versuchte hatte, sich einst das Leben zu nehmen, als sie sich immer noch nicht ganz von ihrer Vergangenheit erholt hatte und ihr Herz  erneut zu zerbrechen drohte, blieb er sanftmütig und hütend ihr gegenüber. Während einige andere Mitglieder ihr anbrannten, bloß Aufmerksamkeit erregen zu wollen.
Er verurteilte sie nicht wegen ihrer Kräfte, die sie selbst immer so sehr gehasst und verachtet hatte. Sie konnte und wollte nicht glauben, dass all das bloß Lügen waren;  bloß eine heuchlerische Maskerade. Er war schließlich, wie sie und all die anderen Psi-Duellanten, nicht wahr?
Aber allerlei Recherchen und materielle Beweise ließen sie die grausame Realität nicht vergessen. Oder war es wirklich eine grausame Realität? War es für sie eventuell denn nicht in Ordnung, von ihm ausgenutzt zu werden?
Für den, den sie liebte vom Nutzen zu sein? Eine wertlose, aber dienliche Schachfigur? Solange er im Gegenzug seine Aufmerksamkeit voll und ganz ihr widmete?
Was dachte sich ihr dürftiges und gekränktes Herz bloß dabei?



Ein plötzliches Klingeln.



Erschrocken sprang sie in ihrem Schreibtischstuhl auf.
Ihr Blick wanderte in die Richtung, aus der das Geräusch kam, das sie aus ihren Gedankenstrudel gerettet hatte.
Ihr Smartphone auf ihrem cremefarbenen hölzernen Schreibtisch.
Zögerlich warf sie einen Blick darauf.
Eine Nachricht von einer ihrer Freundinnen. Ein Mädchen, das sie im Krankenhaus kennegerlernt hatte, nachdem das Gebäude der Arcadia-Bewegung eingestürzt war und alles was ihr lieb war, verloren gegangen war.
Diese Person war eine der ersten Schritte gewesen, die sie in eine wärmere und hoffnungsvollere Gegenwart brachte.
Die Brünette schluckte schwer, stand auf und blickte auf ihre saphirfarbene Duel Disk, die ebenfalls auf ihrem Schreibtisch lag. Daneben ihr geliebtes Deck, das ihr bis heute hilft, jede Schwierigkeit und jeden Kummer zu überwinden. Genauso wie die vielen verschiedenen Personen, die sie nach und nach kennengelernt hatte nach all diesen Erlebnissen.
Die Welt hatte sich ihr letztendlich doch als einen freundlichen und glückverheißenden Ort offenbart.
Sie schaute sich in ihrem kleinen Haus um. Ihrem eigenem Zuhause. Nun, es war eher ein Häuschen und glich wohl viel mehr einer Elfenwohnung, so grünlich und rein es hier wirkte mit all den Pflanzen und weißen Möbeln, aber sie liebte es hier. Insbesondere da ihre liebgewonnenen neue Freundinnen ihr damals geholfen haben, es auszustatten.
Durch diese hat sie wiederrum neue Leute getroffen.
Ihr Leben wurde nun anscheinend von einem hellen Glücksstern erleuchtet. Hatte sie wirklich so viel verdient?
Hatte sie überhaupt noch das Recht Divine nachzutrauern? Jetzt, wo sie es doch nicht hätte besser haben können?
Tiefes Herzweh hatte sie erfasst, als die Arcadia-Bewegung einstürzte; dem Untergang geweiht war.
Depressionen erblickten bei ihr das Tageslicht, als sie ins Krankenhaus kam und dort für die ersten Tage auf der Intensivstation verbringen musste, während sie darüber nachdachte, dass ihr Erretter mit schwarzem Umhang es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lebend aus dieser ganzen Sache raus geschafft hatte.
Das war noch bevor sie die Wahrheit über diese Person wusste und ihr alles erzählt wurde. Doch ungefähr eine Weile danach, konnte sie es im Fernsehen sehen und hören.
Seine Festnahme.
Er wurde festgenommen. Er hatte wohl überlebt. Und eine ganze Weile lief er noch frei herum, bevor er für seine Taten endlich büßen musste.
Sie wusste, es musste so sein. Es war das Richtige.
Aber vielleicht. Vielleicht würde sie ihn doch wiedersehen. Vielleicht ergab sich doch eines Tages die Gelegenheit, ihm wieder zu begegnen. Jetzt, wo sie reifer und erwachsener geworden war. Vielleicht könnte sie ihn nun nach all der Zeit gegenüber treten und dieses Mal seine verletzte und verbitterte Seele heilen. Kurz streckte sich die 24-Jährige genüsslich, dann wanderte ihr Blick rüber zu eins ihrer Fenster. Sie erblickte die weite fruchtbare Wiese vor ihrem Haus; die Morgensonne beleuchtete liebevoll ihr Häuschen samt Möblierung und ihren schmächtigen Körper; küsste sanft ihre Haut. Zauberte ein liebenswürdiges Lächeln auf ihren schmalen, blassen Lippen. Tagträume, ihre melancholischen Gedanken und ihre neuen geliebten Mitmenschen würden ihr bis dahin helfen, an sich selbst zu arbeiten, eine liebevolle Person zu werden und ihren Kummer und Gram zu entfliehen.
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