Die Schattenseiten

von Daschwo
KurzgeschichteFantasy, Sci-Fi / P16 Slash
10.07.2019
10.07.2019
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Mit einem toten Ausdruck in den blinden Augen sieht er in die Richtung des leblosen Körpers seines letzten Gefährten, nicht verstehend, was gerade eben passiert ist. Es war ein Schuss direkt ins Herz. Nichts hätte ihn noch retten können.
Er starrt geradewegs in das blasse, faltige Gesicht des Toten, umrahmt von dunkelgrauen, gepflegten Haaren. Er kann es nicht fassen, dass sein ärgster Widersacher und zugleich sein einziger Freund nun tot sein soll. Als ob er das eben passierte verneinen möchte, schüttelt er den Kopf und fällt neben dem toten Körper seines ehemaligen Feindes auf die Knie. Der Alte drückt mit den Händen auf die blutende Wunde. Mit zitternder, leiser Stimme murmelt er immer und immer wieder einen Heilzauber.
„Komm schon!“ ,zischt er aufgebracht und wiederholt sein Gemurmel, obwohl sein Verstand ihm sagt, dass es hoffnungslos ist. Plötzlich streift ihn etwas an der linken Schulter, ein fehlgeleiteter Pfeil, der seinen Mantel, das Hemd und die Haut darunter zerfetzt und ihn von dem toten Körper wegreißt. Doch er spürt es kaum, es holt ihn nur in die Wirklichkeit zurück.
    Warum haben die Kämpfe um ihn herum nicht aufgehört? Der alte, blinde Hochelf horcht in die Umgebung hinein, um zu erkennen, was gerade passiert. Er hört Schüsse von Kanonen und Handfeuerwaffen, das Klirren von Schwertern und Äxten, die qualvollen Schreie von Verwundeten und Sterbenden. Er spürt das Beben des Erdbodens unter sich, die Anspannung in der Luft um ihn herum. Doch man scheint ihn vergessen zu haben. Ihn und den Schattenelfen, der tot neben ihm auf dem Boden liegt.
Der Alte packt die eiskalte Hand des Toten, drückt sie in seinen eigenen, blutverschmierten Händen und lehnt die Stirn daran. Bittersüße Erinnerungen an ihre erste Begegnung kommen ihm in den Sinn. Er war als König des Stammes der Hohen zur Krönungszeremonie des neuen Schattenelfenkönigs eingeladen gewesen. Die erste Begegnung war ein reiner Höflichkeitsbesuch, ein paar nette Worte und einige Glückwünsche, mehr nicht.
Der damals junge Schattenelf wurde erst dann zum Widersacher, als sie sich um den Thron des Hochkönigs stritten. Drei der sieben Könige waren für den Hochelfen, vier für den der Schattenelfen. Der Hochelf verzieh ihm das nie und schmiedete von da an Pläne, um den Stuhl des Hochkönigs zu untergraben.
    Und jetzt kniet er neben dem Toten, dem ehemaligen Hochkönig, im vom Blut eingeweichten Boden des Kriegsschauplatzes. Der blinde, alte Mann spürt, das ihn in wenigen Minuten ein ungezielter Pfeil durchbohren wird. Er flüstert zwei Worte und der Pfeil findet einen neuen Platz in der Kehle eines Menschen. Der Elf mit den weißen Haaren lacht hysterisch auf. Von Minute zu Minute sieht er weniger von der Zukunft. Obwohl der Gott, der den Handel mit ihnen beschlossen hat, vernichtet wurde, gilt immer noch das alte Gesetz: Ein von Elfenhand getötetes Menschenleben lässt die Macht der Hellseher schwinden.
Ein Gesetz, das die Menschen vor den Elfen schützen sollte und umgekehrt die Elfen vor den Menschen. Der Wille dieses Ewigen war es, die Elfen für ihre Schandtaten mit der Auslöschung durch die Menschen zu strafen. Um dem zu entgehen, gelobten die alten Könige ihre Kronen und damit die Königswürde abzulegen und das neue Volk vor Ihresgleichen zu bewahren. Damit sie diese Aufgabe ausführen konnten, gab ihnen dieser der Allmächtigen die Macht der Voraussicht, gebunden an diese eine Regel. Und wenn die Seher erblinden, dann würden die Stämme sterben, im letzten Krieg zwischen allem Leben.
    Hier ist er nun, am Ende der Zeit. Er wird nicht mehr lange leben, das weiß er.  Er wird bald seinen Freund wiedersehen, den Schattenelfen, den er so viele Jahre verabscheut hatte. Wenn er nochmal die Zeit zurückdrehen könnte, wenn er gewusst hätte, dass es so enden würde.
Aber er hatte es ja gewusst. Der Alte war sich immer im Klaren darüber, was passieren würde, als er diesen Weg in seinem Leben einschlug, um Rache für ein Unrecht zu nehmen, das ihm nie angetan wurde. Er hatte damals nur seine Macht als König verloren, mehr nicht! Warum schlug es ihn also auf diesen Pfad?
Der König der Hohen kann diese Frage nicht beantworten. Er merkt nur, wie das Bild einige Millisekunden nach dieser Zeit immer unschärfer und dunkler wird. Das tote Gesicht seines Freundes verschwindet immer mehr im Nebel, der alles umfängt.
Doch seine eigene, körperliche Blindheit rührt nicht daher. Sie hat einen anderen Ursprung, den er nie für möglich gehalten hatte, als er auf seinem Weg wanderte. Immer schon hat er die Folgen falsch eingeschätzt, ein ums andere Mal. Immer wieder.
    Er war es gewesen, der den Sohn seines ärgsten Widersachers, dem Schattenelf, gegen seinen Vater aufgebracht hatte. Er hatte dem Jungen eingeflüstert, er hätte ein König werden können, wären die Menschen nicht gewesen, wäre sein Vater nicht gewesen. Und dieser dumme Junge hatte es geglaubt, mit Folgen, die die Welten und ihn selbst veränderten.
Es war seine Schuld gewesen. Es war alles seine Schuld gewesen. Doch hätte er den ehemaligen König der Schattenelfen nie auf diese Weise kennengelernt, wie er ihn als erblindeter Gefangener im Turm des Jungen kennengelernt hatte.
Sie hassten sich bis aufs Blut und konnten dennoch nie mehr ohne einander leben. Nach ihrer Befreiung waren sie ein Herz und eine Seele gewesen, für den Rest der Zeit. Bis hier hin. Bis zu dem Schuss, der das Leben seines Freundes nahm.
    Mit einem Mal erkennt er, was er zu tun hat. Er kann auf seinem Weg nicht mehr umdrehen, er ist schon zu weit gekommen. Doch er kann den Schaden, den er angerichtet hat in allen sieben Welten, begrenzen. Der Hochelf sieht es genau vor sich, jeden einzelnen Schritt, den er noch gehen muss.
Die Schlacht wütet noch immer. Doch er kann es beenden. Er kann sie alle töten. Jeden einzelnen, der sich in einer Welt aufhält, in die er nicht gehört. Er kann die Verbindung der Götterwesen, der Elfen und der Monster kappen. Er muss nur die Tore zerstören.
Langsam steht er auf, lässt die erstarrte Hand des Verstorbenen los und richtet sich mit knackenden Knochen auf, was in dem ihn umgebenden Lärm untergeht. Der metallische Geruch vom Blut hängt in der Luft, Schweiß, Schießpulver, Fäkalien. Der Tod stinkt. Der Mann rümpft angeekelt die Nase und dreht sich um, in Richtung des Waldes, in dem die Weltentore stehen. Schwer schluckend macht er sich auf den Weg. Das Klirren der Schwerter, das impulsartige Knallen der Pistolen, das andauernde Rattern der Maschinengewehre und das hochfrequente Zischen der Pfeile. All das hilft ihm, sich zu orientieren und den Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Bedacht und vorsichtig setzt er einen Schritt vor den anderen, er will nicht ausrutschen oder stolpern und womöglich zertreten werden. Er will heraus. Einfach nur heraus aus diesem Lärm, dem Gestank und dem Tod.
    Niemand hält ihn auf, einige bemerken ihn. Er erkennt es an dem kurzen Verstummen der Waffen, dem kurzen, ruhigen Moment, im den die Erde nicht so stark vibriert. Einige rufen ihn um Hilfe, wahrscheinlich denken sie, er sei ein Heiler.
Er kann darüber nur noch lachen, wie es jemand tut, der weiß, das er der Henker aller sein wird.
Ohne die Lebenden und die Sterbenden um sich herum zu beachten, setzt er seinen Weg fort, während sich sein Leben wie ein sehr schneller Film vor seinen Augen abspielt.
    Seine ersten Schritte, seine ersten Worte. Sein erster Zauber, sein erster Unterricht. Er war ein Naturtalent in Sachen Magie gewesen, immer schon. Seine Ernennung zum Prinzregent, die Beerdigung seines Hohen Vaters wenige Tage später. Der weiße Tod, eine seltene Krankheit, hatte der König zu sich geholt. Seine Krönung zum Hochelfenkönig einige Wochen später. Sein erstes Verhältnis mit einer Dame, seine ersten geschäftlichen Aufgaben als König. Obwohl er sich immer als einen guten König gesehen hatte, kommen ihm nun Zweifel.
Mochten seine Untertanen ihn überhaupt? Oder war er nur ein weiterer König von den vielen Vorgängern? Waren sie froh, dass die Monarchie abgeschafft wurde oder trauerten sie ihm nach? Darüber hatte er nie nachgedacht. Warum kommen solche Gedanken gerade in diesem Augenblick?
    Der alte Elf bereut es, nie eigene Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Wie fühlt es sich an, einen Neugeborenen in den Händen zu halten? Zu sehen, wie seine Kinder wachsen und stärker werden? Mitzuerleben, wie sie heiraten und selbst Söhne und Töchter bekommen?
Eines der beiden Kinder, mit denen er in seinem Leben zu tun hatte, hatte er zur Waffe gegen den Hochkönig umfunktioniert. Das andere Kind war ein Halbelf, dem er jährlich ein Geschenk zum Geburtstag mitbrachte, als wäre er der Großvater des Kindes.
Er erinnert sich auch noch an die Augen-OP, als wäre es gestern gewesen. Sein Freund und er trugen vom Sohn des Schattenelfen Narben davon, die sie körperlich erblinden ließen. Als sie dann endlich befreit wurden, suchten sie einen Menschen auf, der ihnen die Narben wegoperiert hat. Natürlich haben sie ihn nie dafür bezahlt! Sie haben die Erinnerungen des Unglücklichen sofort danach gelöscht.
    Er betritt Waldboden, was er sofort an dem Rascheln der Blätter erkennt, die er mit seinen Füßen aufschiebt. Er erkennt es am Geruch der Bäume und Blätter, am sanften Säuseln des Windes, das durch die Baumkronen flüstert.
Der Lärm der Schlacht hinter ihm wird immer leiser, doch die Zeit rennt ihm davon. Er muss schneller zu den Toren gelangen! Nicht mehr lange und das Stundenglas ist voll. Nicht mehr lange und genug Menschenleben sind vernichtet worden, um auch die Elfen zu vernichten.
Die aufkommenden Erinnerungen verdrängend, beschleunigt er seine Schritte, lässt sich leiten von dem letzten bisschen, dass er in der Zukunft noch erkennen kann. Der Alte wird immer schneller, schließlich läuft er zu den Toren. Zielsicher setzt er einen Fuß vor den anderen, diesen Weg ist er schon so oft in seinem Leben gegangen. Er kennt den Wald wie seine eigene Westentasche.
    Die Tiere des Waldes sind schon geflohen oder haben sich tief im Boden verkrochen. Kein Vogel singt, kein Fuchs huscht vorbei. Der Hochelf rennt noch schneller. Die Zeit drängt. Der Wind, der durch seine Geschwindigkeit entsteht, rauscht in seinen Ohren. Sein Herz pocht in der Brust. Die Beine werden immer schwerer, der Atem geht nur noch stoßhaft. Kurz berührt ein fremder Geist seine Seele.
Wann ist er das letzte Mal wirklich gerannt? Er weiß es nicht mehr. Es ist auf jeden Fall viel zu lange her. Plötzlich wird es wieder heller um ihn herum. Er weiß, dass er auf der Lichtung angelangt ist. Besorgt sieht er in die Zukunft. Gerade noch so kann er erkennen, dass Wolfselfen ihm nacheilen. Scheinbar hat einer der Gedankenleser bemerkt, was er vorhat. Diese Krieger sollen ihn aufhalten, ihn töten. Sie verstehen nicht, warum er das hier macht.
    Der Blinde grinst zuversichtlich. Er weiß genau, über welche Fähigkeiten er verfügt. Und er weiß, was sein Freund ihm während ihrer Gefangenschaft beigebracht hatte. Er zieht seinen Anzug gerade und holt ein Säckchen mit Silberstaub aus seiner Manteltasche. Der ehemalige König verteilt das Metall mit einer geübten Handbewegung in die Form einer Rune auf den Waldboden und das Gras, welches unter den herabgefallenen Blättern durchscheint und geht über dieses Symbol.
Augenblicklich erscheint eine helle Kuppel über der Lichtung, die Andere wirkungsvoll davon abhält, ihm zu folgen, indem sie sie bei der Übertretung in den Wald zurückschleudert werden. Er geht auf die Tore zu, die in dieser Welt wie sechs hohe Bäume aussehen.
    Er kennt die Zauber und die Runen, die diesen Ort vernichten können. Er hofft nur, dass seine Magie ausreicht, dass er stark genug ist, die Tore zu zerstören. Er beginnt mit dem Verteilen der benötigten Runen auf den Grasboden um die Weltentore herum, während hinter ihm bereits die ersten Wolfselfen gegen die Kuppel prallen und in den Wald zurückgeworfen werden.
Er erlaubt sich ein befriedigtes Glucksen und fährt mit seiner letzten Aufgabe fort.
„Huxony! Huxony!“ ,eine verärgerte, knurrende Stimme reißt ihn aus Gedanken: „Hört sofort mit diesem Unsinn auf, ich befehle es Euch!“ es ist die Stimme eines jungen Mädchens, der Nichte des neuen Anführers dieses Elfenstammes. Sie klingt leicht bellend, dennoch ist es die Stimme eines Mädchens, das gerade zur Frau wird.
Der Hochelf mit dem Namen Huxony übergeht es geflissentlich und fährt mit seiner Mission fort. „Huxony! Ich weiß, dass Ihr Euren Partner verloren habt! Doch das müsst Ihr nicht tun! Ihr solltet lieber auf dem Schlachtfeld stehen und die Leute abschlachten, die Euren Freund töteten!“ ,sagt die Kriegerin mit jedem Wort lauter und eindringlicher: „Zudem werdet Ihr nie genug Macht besitzen, das durchzuführen, was Ihr vorhabt! Die Tore kann man nicht zerstören! Niemand kann das!“
„Dann werde ich Niemand sein müssen.“ ,murmelt der Alte leise. Es fühlt sich komisch an zu reden. Er hat seit Stunden kein Wort mehr gesagt. „Huxony!“ ,brüllt die Wolfselfe wütend. Huxony sieht sie nicht an. Er will keinen von ihnen sehen. Er kann sie auch schon fast nicht mehr sehen. Sie sind nur noch Schemen, mehr nicht.
    „Herrin? Wir können zwar nicht hindurch, aber unsere Waffen.“ ,flüstert einer der anderen Soldaten dem Mädchen zu und wirft zum Beweis einen Dolch in den Bannkreis. „Holt die Waldelfen, sie sollen ihn erschießen.“ ,meint sie mit einem Blick auf den Abstand von ihnen zum Hochelfen und der Größe der Lichtung. Der Krieger verwandelt sich in einen riesigen Wolf und rennt den Weg zurück.
Huxony hat davon nichts mitbekommen. Er muss hiermit fertig werden, bevor es zu spät ist. Als die letzte Rune endlich auf dem Erdboden prangt, wirft er das leere Säckchen weg. Es hat gerade so gereicht. Innerlich aufatmend setzt er sich im Schneidersitz vor die sechs Bäume und legt die klebrigen, mit Blut verschmierten Hände mit den Handflächen nach oben auf die Knie. Leise murmelnd beginnt er die Wörter aufzusagen, die die Magie in ihm und in dem Ort um ihn herum beschwören. Der Mann redet immer schneller und lauter im Rausch der Macht, welche plötzlich mit aller Wucht durch seine Adern fließt. Als er merkt, dass genug dieser Energie durch jede Faser seines Körpers fließt, beginnt er mit dem eigentlichen Zauber zur Zerstörung der Lichtung und der Tore, die sich darauf befinden.
    „Erschießt den Wahnsinnigen.“ ,sagt die junge Anführerin der Truppe ohne eine Spur der Trauer, als die Bogenschützen der Waldelfen eintreffen. Diese tun, wie ihnen befohlen war und nocken die Pfeile ein. „Muss ich jetzt echt noch Feuer Frei sagen?!“ ,faucht die Frau mit den buschigen, braunen Haaren erbost. Die Schützen blicken leicht verunsichert drein und schießen dann auf den alten Herren. Doch die Pfeile zerreißen nur den Anzug, weiter kommen sie nicht. Die Aura, die um den Blinden herum entstanden ist, bremst die Schüsse ab. „Schießt weiter! Wir müssen ihn von seinem Tun abbekommen, sonst sind wir alle tot!“ ,knurrt sie und zeigt auf den Rücken des Alten.
    Dieser ist inzwischen soweit, dass er sich im Takt vor und zurück wiegt und den Kopf nach unten gesenkt hält. Die Worte machen die weitaus jüngeren Elfen nervös. Sie wissen was diese Worte bedeuten, was hier gleich geschehen wird, sollten sie versagen. Doch der Beschuss durch die Pfeile zeigt weiterhin keinerlei Wirkung.
    Plötzlich hebt der Hochelf die Hände hoch zum Himmel, die Handflächen leuchten wie kleine Sterne. Mit einem Mal stößt er die Handflächen auf den Boden und ein weißer Schein durchfährt die auf dem Boden aufgemalten Runen wie eine Welle. Die junge Frau ist entsetzt, wie wenig Zeit der Blinde für so viele Runen brauchte, der im Moment abermals die Handflächen nach oben in den Himmel hält und immer lauter wird.
„Zielt auf seine Hände! Zielt auf die verfluchten Hände!“ ,schimpft die Wolfselfe: „Muss man euch denn alles sagen?!“ wütend tigert die Wolfselfe vor dem Bannkreis auf und ab. Sie will den Verrückten endlich tot sehen! Er wird sie alle töten! Jeden einzelnen, wenn er so weitermacht!
    Zwei Pfeile treffen die Handflächen, jeder Pfeil eine. Doch das scheint den Hochelfen nicht zu interessieren. Die Wellen, die die Runen am Boden durchfluten, kommen immer häufiger und immer intensiver. Langsam geht das Leuchten der Handflächen auf die Arme über und von dort aus verteilt es sich auf den ganzen Körper des Elfen, bis er nur noch aus reinem Licht zu bestehen scheint. Mittlerweile brüllt er seinen verheerenden Zauber mit einer Klangfarbe, die nicht natürlich ist.
Die Brünette sieht sich um. Der Boden, der von den Wellen immer wieder durchflutet wird, wird nach der Welle langsam wieder dunkler, doch die Runen leuchten weiterhin wie Symbole des sicheren Untergangs. Sie sieht nach oben in den verfinsterten Himmel. Auch dort erleuchten silberne Impulse die Dunkelheit, synchron zu denen am Boden der Lichtung. Die Elfe hat noch nie einen so mächtigen Zauber gesehen, auch ihre Mitstreiter nicht, den entsetzten Gesichtsausdrucken nach zu urteilen.
Mit einem Mal erlöscht der Bannkreis. Das Mädchen weiß, was das bedeutet. Der Hochelf ist fast fertig mit seinem Zauber, er braucht nur noch ein Quäntchen mehr Macht.
Sie verliert keine Zeit mehr und beachtet die anderen um sie herum nicht. Sie läuft auf ihn zu und denkt an ihre andere körperliche Form. Ihr sprießen Haare auf dem ganzen Körper, die Rüstung wird förmlich vom Fell des Tieres verschluckt. Ihre Arme und Beine werden länger und muskulöser. Ihr Ohren wandern nach oben und werden große, mit Fell bedeckte Wolfsohren mit Pinseln an den Spitzen. Ihre Wirbelsäule verlängert sich und ein buschiger Schwanz entsteht. Innerhalb weniger Millisekunden ist sie ein ausgewachsener Wolf, der auf die Gestalt zurennt, die im Begriff ist, sie alle mit der Zerstörung der Tore zu töten.
    Sie reißt bereits ihr weites Maul auf, um den Körper des Todgeweihten zu packen und zu zerfleischen, als der alte Mann „Zu spät.“ flüstert und ein ein letztes Mal die Handflächen, gespickt mit Pfeilen, auf dem Boden aufprallen lässt.


Hallo erstmal,

vielen Dank für das Lesen des einigen Kapitels und ich hoffe, es hat dir gefallen.
Wenn du ein Review dalassen möchtest, freue ich mich jetzt schon :D

Viele Grüße
Daschwo