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The Games we play

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
10.07.2019
02.09.2021
54
317.099
155
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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02.02.2020 10.327
 
Selbst die zuversichtlichsten Gesichter – und Katherine zählte ihr eigenes dazu – fielen nach und nach in sich zusammen, als die Jugendlichen ausgestiegen und im Haupthaus versammelt worden waren. In besagtem Haupthaus, das von Anya im Vorbeigehen als besserer Container bezeichnet worden war, standen sie wild im Raum verteilt und lauschten mit den verdrossenen Mienen unausgeschlafener Teenager ihrer Einführung.

"Glaubst du, die haben hier warmes Wasser?", hörte sie Angel nicht weit von sich gehässig flüstern und verdrehte die Augen. So furchtbar war der Platz nicht, und auch nicht heruntergekommener als andere Örtlichkeiten, in denen sie auf Schülerreisen schon übernachtet hatten. Er war höchstens ... rustikal. Sie selbst konnte sich damit gut arrangieren, aber vor ihrem inneren Auge sah Katherine bereits, wie Angel und Konsorten sich ihre riesigen glänzenden Urlaubskoffer schnappen und das nächste Taxi zurück nach Kalispell verlangten.

Neben dem Aufenthaltsraum, der auf einer Seite Tische und Sitzgelegenheiten zum Essen enthielt und auf der anderen eine in die Jahre gekommene Ansammlung von Sofas und Sesseln, befanden sich im Haupthaus auch die Duschen. Wenn man der Treppe nach unten folgte, fand man außerdem Besuchertoiletten, abgeschlossene Büroräume und etwas, was von den Veranstaltern als ‚Gesellschafts- und Partyraum' bezeichnet wurde. Katherine hatte die Bilder auf der Website gesehen, und da war es ein trübe beleuchtetes Zimmer mit drei Stühlen, einem Tischkicker und alten Filmpostern an den Wänden.

Das Gelände selbst war schön – heißt, so schön, wie Montana sein konnte. Sie waren umgeben von dichten, hohen Nadelwäldern, Bergketten und dem McDonald-See mit seinen leuchtend bunten Steinbetten quasi direkt vor der Haustür. Neben den Blockhütten, in denen sie aufgrund der Temperaturen übernachten würden, gab es eine große, wilde Wiese, an deren Enden jemand improvisierte Fußballtore aufgebaut hatte, einen kümmerlichen Versuch eines Volleyball-Feldes und drei Feuerstellen, die sich sogar sehen lassen konnten.

„-haben schon viele Kurse und Tagungen für Teamstärkung vorbereitet, zum Großteil für Firmen, aber auch für Schulklassen, also kann man behaupten, dass ihr bei uns in den besten Händen seid." Neben den ihren Aufsichtslehrern sahen sich die Schüler mit den Veranstaltern ihres ‚Teambuilding-Workshops' konfrontiert. Die Leiterin war eine energische, beleibte Schwarzhaarige in ihren Vierzigern, und ihre beiden Assistenten schienen im College-Alter. „Um uns, eh, richtig einlassen zu können auf uns, und unsere Umwelt und Mitmenschen, wollen wir mal alles hinter uns lassen, was unseren Alltag normalerweise bestimmt. Das heißt einerseits kein Schulstress, aber auch kein WLan, kein Fernsehen, keine Spiele und keine Social Media. Tut einfach mal so, als könnte man mit anderen Menschen richtig von Angesicht zu Angesicht reden ... um weiteren Fragen nach dem WiFi-Passwort Mal vorzubeugen." Der Blick der Leiterin streifte dabei die Ecke mit Angels Freundinnen. Von mehreren Schülern konnte Katherine entsetztes Gemurmel hören, aber ihr selbst gefiel der Gedanke. Katherine, die stolzer Anti-Yu.Spacer war, meinte, dass es auch dem Rest nicht weh tun würde, sich mal ein paar Tage lang von oberflächlichen Onlineprofilen loszusagen.

„Das ist Menschenrechtsverletzung!", flüsterte eines der Mädchen aus besagter Clique etwas hitziger, aber die Worte gingen unter, als die Frau mit ihrem unverrückbaren Lächeln weitersprach. „Über den Verlauf der Woche haben wir mehrere Aktivitäten geplant, mit denen wir alle hier uns selbst besser kennenlernen und auch die Beziehung zu unseren Mitmenschen verbessern wollen. Heute Abend aber beginnen wir mit – eh, ja, der junge Mann dahinten?" Gemeinsam mit einigen anderen drehte Katherine sich zu Devon um, der die Hand gehoben hatte.

„Ich muss mal pissen." Hinter sich könnte Katherine jemanden Seufzen hören. Womöglich Angel, die sich an der Wortwahl störte.

„Einmal die Treppe runter." Devon löste sich aus der Schülergruppe, gefolgt von Nero und, nachdem der kurz gezögert hatte, Ethan, und die Frau hatte ihren Faden rasch wiedergefunden. „Sowas, und zu meiner Zeit kannte man das nur von den Mädchen... Also, heute Abend beginnen wir mit Lagerfeuer, da wollen wir auch den Wochenplan erläutern und Gruppen einteilen, aber bis dahin habt ihr noch frei. Seht euch um, packt aus, tut, worauf auch immer ihr Lust habt. Wir sehen uns um 18 Uhr. Bis dahin!"



Ace befand sich ganz hinten im Raum, gegen die Wand gelehnt, und fühlte sich verloren. Die ganze Fahrt über hatte er das Gefühl nicht abschütteln können, dass er neben sich stand. Er fühlte sich müde und einsam, und gleichzeitig klopfte sein Herz zu schnell, um Schlaf und Ruhe zu finden. Ihm war nicht einmal bewusst, woher diese Nervosität kam. Sein Kopf fühlte sich eigenartig still an, während seine Hände vor Unruhe zitterten und er keine zwei Minuten still sitzen konnte.

Katherine hatte ihn am Busplatz noch mit freudiger Überraschung begrüßt, aber im Bus hatten sie sich getrennt, weil er unbedingt ganz vorne sitzen wollte. Ihm war ein Sicherheitsabstand von etwa zwanzig Metern zwischen ihm und Nero ganz recht. Wenn das hieß, dass er sich fernab von allen Menschen auf den ersten Plätzen zusammenrollte, dann war er gerne bereit, diesen Preis zu zahlen.

Als die Worte der Veranstalterin ihr Ende fanden und die anderen Schüler aus dem Raum strömten, wurde er von Mrs. Hill aufgehalten. Heute sah sie noch ein wenig alternativer aus als sonst. Ihr Outfit mit all den bunten, verschiedenartig gemusterten Stoffen weckte Assoziationen an Leute, die sich darüber unterhielten, welches reinkarnierte Tier in ihrer Seele wohnte. „Ace! Ich hatte gehofft, dich noch zu erwischen!" Und er hatte gehofft, er wäre hier weg, bevor Nero und seine Freunde von ihrem Toiletten-Tratsch-Ausflug zurückkehrten.

Ace hob den Blick, gab einen fragenden Laut von sich und versuchte nicht allzu ängstlich auf die Treppe zu gucken.

„Also ... deine Anmeldung in letzter Sekunde hat die Sache ein klein wenig erschwert-"

„Ich kann gerne wieder nach Hause zurück", warf Ace hastig ein und versuchte, dabei nicht zu klingen, als wäre das die Erfüllung seiner innigsten Träume.

„Was? Nein, Ace, das meine ich doch gar nicht..." Sie lachte etwas unangenehm berührt. „Ich wollte nur sagen, dass dein Name in den Zimmerbelegungen fehlte, als wir die Anmeldung gemacht haben, darum stand die Frage im Raum, wo wir dich zum Schlafen unterbringen. Aber zum Glück hat sich das selbst geklärt, du kriegst einfach den Platz von Jose." Er blinzelte und versuchte dieses komprimierte Informationspaket zu verarbeiten.

„Ich dachte, Jose darf sowieso nicht mitfahren?"

„Jaja, das ist richtig, aber in der Datenbank war sein Name noch drin, und jemand kam auf die Idee, ihn mit in eines der Zimmer zu stecken. Weil der Platz jetzt ohnehin frei ist, meinte Miss Goldstein, wir legen dich einfach dahin, okay?"

„Sicher, das klingt gut." Ace lächelte, als wäre es ihm nicht ohnehin scheissegal. Als würde er sich nicht allein und Fehl am Platz fühlen, und als würde er sich darauf freuen, den Rest der Woche mit seinen Klassenkameraden und Zimmergenossen zu verbringen. Zumindest bewahrte ihn das fehlende WLan davor, weiterhin mit Nero zu schreiben und sich zu verhalten, als wüsste er von nichts. Zwanzig Meter. Die sollten ausreichen, seine geistige Gesundheit zu wahren.

„Ach, und, Ace…“ Mrs. Hill schien einen Moment mit sich zu ringen, ehe sie anfügte: „Die Schulleitung wünscht natürlich ausdrücklich, dass wir nicht für irgendwelche Schüler Partei ergreifen, und darum möchte ich nur noch einmal anfügen, dass ich dich … wenn einer von den anderen Jungs dir Probleme machen will… natürlich nicht bevorzugt behandeln werde und du auch auf keinen Fall erwähnen solltest, dass sie sich von ihren Creditpunkten im Literaturkurs verabschieden dürfen, wenn ich höre, dass du Schwierigkeiten hast.“ Und sie zwinkerte. Ace fühlte sich ganz kurz vor den Kopf gestoßen. Solche Worte von Mrs. Hill? Mrs. ‚Setzen wir uns doch alle mal in einen Kreis und reden ganz offen über unsere Konflikte, und sind die Täter nicht auch irgendwie Opfer?‘-Hill? War sie während ihrer Krankschreibung ausgetauscht worden?

Die Lehrerin wuselte schon wieder davon, und Ace wusste nicht, ob es für Vorbereitungen war oder weil ihr das Thema unangenehm wurde. Er schüttelte nach kurzem Überlegen den Kopf. Es war nett, dass sie die helfende Hand ausstrecken wollte, aber irgendwie bezweifelte er, dass das jetz noch ausreichte.



„Und?" Ethan stand neben der Holztür, und seine Augen flackerten unruhig den Gang entlang, als würde er vor Fort Knox Wache stehen und nicht etwa nur einem miserabel gesichertem Büro.

Nero unterdrückte ein Gähnen, ließ sein Handy seinen Fingerabdruck scannen und schloss die Tür hinter sich. „Hing in nem laminierten Schild direkt neben der Tür, unter den Notfallnummern." Das abfotografierte Passwort leuchtete auf seinem Bildschirm auf, sobald das Gerät ansprang.

Der Veranstalter hatte sich die Mühe gemacht, die mobile Datenübertragung für das Areal vom Netzanbieter selbst sperren zu lassen – was gerade in Urlaubsgebieten keine Seltenheit mehr war, nachdem die Hotels begriffen hatten, dass man bloßen Internetzugang als Zusatzleistung anbieten konnte – aber das machte keinen Unterschied, solange der Risikofaktor Mensch dafür sorgte, dass man das Passwort irgendwo für die Mitarbeiter einsehbar deponieren musste.

„Oh nein, heißt das etwa, kein Angesicht zu Angesicht für uns?" Ethan feixte, zum Teil, weil seine Woche gerade ein klein wenig weniger furchtbar zu werden schien, und zum Teil, weil er sich wohl endlich wieder in die Nero-Devon-Unternehmungen eingebunden fühlte.

„Ich geb der Guten gleich mal persönlich ins Angesicht..." Nero hielt das Handy in die Höhe, so dass der Code gut sichtbar war, und Ethan tippte noch ab, als Devon aus den Toilettenräumen kam.

„Fündig geworden?" Sein Blick flackerte zur Tür, die inzwischen wieder geschlossen war, und er hob die Brauen fast anerkennend. Dafür, dass Devon wusste, wie man fremde Motorräder kurzschloss, schien er jedes Mal von kindlicher Faszination ergriffen, wenn er jemanden irgendwelche Tricks ausüben sah, von denen er persönlich nichts verstand.

„Kennst uns doch", bestätigte Ethan stolz, als wäre er für all das verantwortlich, und sie begannen in Richtung des Treppenaufgangs zu trotten. Während die beiden anderen Jungen schon dabei zu erörtern, wie man die Woche weniger furchtbar gestalten konnte, begannen Neros Gedanken träge abzuschweifen.

Eigentlich hatte er gehofft, dass die paar Tage bis zur Enthüllung ihm etwas Abstand bringen würden – genug, um seine Gedanken zu ordnen. Nero hatte das Wochenende über so gut wie nicht gut geschlafen, und bei jedem Blick in einen Spiegel, der ihm die dunklen Schatten unter seinen Augen offenbarte, hatte er Begründungen gesucht. Ich werde schlafen können, wenn ich mich mit dem Gedanken abgefunden habe, wer Icy wirklich ist. Ich werde schlafen, sobald ich weiß, wie ich die Situation angehe. Ich werde schlafen können, sobald ich irgendeinen warmen Menschenkörper habe, der sich an mich schmiegt.

Und schließlich, als er neben einer schlafenden Quinn lag und missmutig an die Decke starrte: Ich werde Ruhe haben, sobald ich 40 Meilen von dieser Katastrophe entfernt bin und Ace keine Gelegenheit mehr bekommt, durch meinen Kopf zu spuken. Den Jungen diesen Montag an der Bushaltestelle zu sehen, hatte ihn alles andere als glücklich gestimmt.

„-glaube aber nicht, dass die zulassen werden, dass wir einfach den ganzen Tag lang Fußball spielen und uns abends alle bei Angel treffen. Sagte die Olle nicht irgendwas von wegen Ausgangssperre nach 23 Uhr, und keine Kerle in den Blockhütten der Mädchen? Und zu ein paar dieser Pflichtveranstaltungen sollte man vielleicht schon gehen..."

„Wieso?", erkundigte Ethan sich fast erbost. „Ich meine, was wollen sie noch machen, wenn ich nicht hingehe? Mich gleich noch für jede andere Sportart sperren, für den Rest des Schuljahrs?" Sein Gesicht färbte sich einen Moment hitziger, dann schnaubte er nur. „Aber hey, was für ein glücklicher Zufall, der kleine Wichser, der für all diese Scheiße verantwortlich ist, ist mit uns hier ... Wie genau wollen die die Gruppen nochmal einteilen?" Nero horchte auf, ohne es zu wollen. Soviel zu seinem Versuch, den Gedanken an... an Ace weit von sich zu schieben.

„Als ob du dich wirklich in die Spastengruppe einteilen lassen willst, nur um Fuckface mal in ne Pfütze schubsen zu können, wenn keiner hinguckt."

„Sag ich ja gar nicht... aber hey, man könnte ihn ja auch rein zufällig in unsere eigene Gruppe wählen…“

„Man könnts auch lassen“, meinte Nero und unterbrach Ethans Rache-Träumereien. Der verdrehte die Augen.

„Man, West, geh du lieber mal schlafen. Kann doch nicht sein, dass du’n Wochenende mit Quinn durchvögelst und hinterher trotzdem deine Periode hast“, flachste er, aber das Thema Ace schien zumindest für den Moment vergessen.

Sie trotteten die Treppe hinauf, bewegten sich vorbei an durchgesessenen Sofas und dem abgeschlossenen Küchenbereich, und traten aus dem Hauptgebäude hinaus. Draußen erwartete sie ein grauer Wolkenhimmel und verstreute Blockhütten, die in abblätternder bunter Farbe bestrichen waren.

„Mit wem seid ihr eigentlich im Zimmer?“, erkundigte sich Ethan, der das zurückgewonnene Internet schon wieder zu nutzen schien, um seine Yu.Space-Bekanntschaften mit Bildern des Camps zu versorgen. Nero, der die Planung von Anfang an in Devons Hände gedrückt hatte, warf dem einen fragenden Blick zu, und ihr Quarterback grinste schief.

„Nur zu zweit. Ich hab da ne Eigenheit im System gefunden, die man nutzen konnte, und bis jetzt hat sich kein Lehrer beschwert, also … Glück für uns.“ Ethan merkte sofort an, dass dann wohl ihre Hütte für Großgruppen-Besäufnisse benutzt werden sollte, Devon diskutierte, er wolle nicht jeden zweiten Tag Kotze aufwischen, und Nero schaltete geistig ab. Nicht einmal unbedingt freiwillig – inzwischen war er nur an einem Punkt angelangt, an dem sein Körper versuchte ihm mitzuteilen, er solle sich gefälligst irgendwann hinlegen, oder sein Gehirn würde von selbst dichtmachen. Ein trüber Schleier lag über seiner Wahrnehmung, und wenn sich die ungefragte Quasi-Begegnung am Busplatz nicht in seinen Kopf eingebrannt hätten, hätte er vermutlich schon auf der Fahrt Schlaf gefunden.

Gleich, sagte Nero sich. Oder irgendwann in einer Viertelstunde, wenn er sein Bett bezogen und sich mit allen beunruhigenden Flecken darauf abgefunden hatte.



Ethan war rasch zu seiner eigenen Unterkunft mit Chris und Sean verschwunden, und es blieb Nero und Devon allein überlassen, ihr Gebäude zu finden. Während Devon noch unüberzeugt brummend die Sportfelder betrachtete, sah Nero sich bereits in seligen Sekundenschlaf abdriften, und beide schwiegen, bis sie Hütte Nummer neun erreichten, bestrichen in etwas, was einmal Minzgrün gewesen sein könnte.

Als Devon die Tür der Hütte öffnete, hielt er einen Moment inne. Nero runzelte die Stirn, trat an ihm vorbei, und gemeinsam starrten sie auf die Gestalt bei Bett Nummer drei, die in der Planung eigentlich nicht enthalten war. Für wenige Sekunden schien keiner der Jungen die Stille wirklich brechen zu wollen, bis Nero sich schließlich räusperte.

„Fuckface, ich bin mir sehr sicher, dass das hier nicht deine Hütte ist.“

Ace saß zusammengesunken auf dem dritten Bett, umgeben von gefalteten Klamotten, und seinem Blick nach schien er sich nicht sicher, ob ihm Angriff oder Flucht lieber war. Schließlich senkte er den Kopf, als könne er sich so tiefer in seinem Hoodie verkriechen, und knurrte ein unschlüssiges: „Mrs. Hill sagte, ich soll Joses Bett nehmen.“

„Und ich sage, dass du das nicht willst und eigentlich nichts lieber möchtest als tauschen mit…“ Nero runzelte die Stirn und kam zu dem Schluss, dass im Grunde alles besser war. „…wem auch immer.“ Er trottete zum Bett am anderen Ende des Zimmers und schmiss nonchalant seine Tasche darauf, als wäre alles wie immer. Als würde es ihm hervorragend gehen, und als würde die bloße körperliche Anwesenheit von Nicht-Icy ihn nicht in zurück in Verwirrung stürzen. Devon, der komplett blind schien gegenüber allem, was die Körpersprache seiner zwei Zimmergenossen in den Raum schrie, seufzte tief.

„Ich geh mal mit ihr reden. Nero, ich kann euch allein lassen, ohne dass am Ende einer tot ist?“

„Ich geb mein Bestes.“ Ace beobachtete sie um Worte verlegen. Nero fragte sich im Stillen, ob sich das Gehirn des Jungen irgendwo aufgehängt hatte, doch als Devon sich der Tür näherte, sprang er von seinem Bett auf, als hätte er sich in einen Ameisenhaufen gesetzt und es gerade eben erst bemerkt. Der Gedanke, mit Nero allein zu bleiben, klang für Ace wohl genauso wenig verlockend wie andersrum.

„Ich… muss auch mal … raus“, stammelte er zusammen, ohne dass es an jemand bestimmten gerichtet schien, und huschte aus dem Zimmer, noch ehe die Tür hinter Devon richtig zugefallen war. Seine Jacke hing immer noch an der Garderobe, aber Nero bezweifelte, dass Ace zurückkehren würde, um sie zu holen. Er atmete tief ein, ließ sich ächzend auf sein Bett fallen und rieb sich mit den Knöcheln über die Stirn, entschied sich aber schließlich, die Klärung dieses Missverständnisses Devon zu überlassen.



Ace hatte die Arme um den Körper geschlungen, als könnte das ausreichender Ersatz für seine vergessene Jacke sein, und die Beine angezogen. Er saß auf der Holzbank nahe der Hütte, in die er keinen Fuß setzen wollte, solange sie Nero-kontaminiert war… aber im Grunde wusste er, dass früher oder später nichts daran vorbeiführte. Und sei es nur, um sein Gepäck zu holen und endlich zu anständigeren Mitbewohnern umziehen zu können.

Als er Devon den Weg herantrotten sah, beeilte er sich aufzustehen und zu ihm aufzuschließen. Auch wenn Ace mit Sicherheit nicht gerne mit ihm redete, war er zumindest im Moment weniger angsteinflößend als Nero – aber wie auch? Es gab nichts, was ihm momentan schlimmer schien als das, was ‚Para‘ die letzten Wochen abgezogen hatte. Sowas war schwer aufzuholen für den regulären Schulmobber.

„Und? Wohin soll ich?“ Er bemühte sich, fest zu sprechen, was zumindest ein klein wenig leichter war, solange Devon ohne seine Kumpels unterwegs war. Der Blonde ächzte leise und rieb sich über den Nacken, mit einem Gesichtsausdruck, der Ace kein gutes Gefühl bescherte.

„Sagen wirs so, ich hab versucht, auf sie einzureden…“

„Nein!“ Ace sprach nicht einmal besonders laut, aber sein Entsetzen hatte seine Stimme wohl trotzdem eindringlich genug gefärbt, und Devon schaffte es, ihn komplett falsch zu verstehen.

„Doch, ich hab mir echt Mühe gegeben! … Aber das ist halt die Hill, die hats nicht so mit Sportlern. Meinte nur, dass Nero und ich uns zusammenreißen und nett zu dir sein sollen, und dass es Stress für die Lehrer bedeutet, da nochmal umzuplanen – und sie eh keinen Finger rühren wird, solange sie die Beschwerden nur von mir hört.“

„Also heißt das, ich sollte nochmal selbst…?“

„Kein Plan, man. Versuch dein Glück.“ Devon öffnete die Tür zur Hütte, und Ace schlüpfte hinterher, um im Sichtschutz dessen Körpers seine Jacke zu schnappen, aber den Aufwand hätte er sich wohl sparen können. Nero, der reglos auf einem der Betten ausgebreitet lag, machte nicht den Eindruck, als sei er gerade zu irgendwelchen Gemeinheiten aufgelegt. Devon lachte nur, als er vorüberstrebte, schnappte sich seine eigene Tasche und begann darin herumzuwühlen, bis er einen Football herausbeförderte. Ace, der etwas verloren an der Tür stand, schien für ihn schon gar nicht mehr von Interesse und wurde kaum eines Blickes gewürdigt, als er an ihm vorbei nach draußen schlenderte. Und kaum fiel die Tür ins Schloss, war seine Anspannung zurück.

Länger, als er hätte zugeben wollen, stand Ace verloren in der Diele des kleinen Bungalows, lauschte dem Klopfen seines Herzens und versuchte, seinen Kopf zur Ruhe zu bringen. Dabei machten seine Gedanken gerade nicht einmal viel her – stattdessen schien sein Kopf gefüllt von angespanntem, weißen Rauschen und der Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Selbst, wenn sie so winzig waren wie ‚Vielleicht sollte ich irgendwann mal einen Fuß vor den anderen setzen‘. Schließlich versuchte Ace sich zusammenzureißen und bewegte sich weiter in den Raum hinein. Ihm war selbst nur am Rande bewusst, was er hier eigentlich suchte.

Du solltest zu Mrs. Hill gehen und sie anbetteln, dass sie sich um neue Zimmerbelegung kümmert, erklärte eine sachliche Stimme in seinem Kopf. Immerhin hat sie doch durchsickern lassen, dass sie auf deiner Seite ist. Also los. Lauf. Lauf davon, verschwinde zu anderen Leuten, die dich wahrscheinlich auch nicht ausstehen können, schieb die unvermeidliche Konfrontation noch ein paar Tage hinaus… Himmel. Er fühlte sich so gänzlich fehl am Platz. Allerdings lag das nicht nur am Ort; Vermutlich hätte er sich gerade überall auf der Welt allein und aufgeschmissen gefühlt. Seine Zimmerbelegung war nur das Sahnehäubchen auf einer Lawine aus dummen Entscheidungen, Pech und Katastrophen.

Aces Blick flackerte auf zur Gestalt des schlafenden Jungen, und sein Magen krampfte sich zusammen, in einer Mischung aus Abscheu und unbestimmter Traurigkeit. Er trottete näher, und seine Gliedmaßen fühlten sich schwerfällig an, klumpig und fremd.

Wieso?

Ace schluckte schwer, immer noch mit der seltsamen Trauer, die weit hinten in seiner Kehle saß. Seine Hände, die noch um seine Jacke geschlungen waren, verkrampften sich für einen kurzen Moment.

Wieso hatte er das getan?

Der friedlich schlafende Nero war ein irritierender Anblick. Er sah gar nicht so sehr aus wie der sadistische, verhaltensgestörte Bastardspross Satans, der er war, sondern einfach wie ein Junge. Ein gutaussehender Junge, wie Ace sich mit leisem Stechen im Magen eingestand. Wenn er ihn nicht kennen würde… wenn ihre Vorgeschichte nicht wäre, er hätte auf dieses Gesicht hereinfallen können, wie es so viele andere taten. Und er hätte sich in die Schlange derjenigen einreihen können, die ein wenig mit sich spielen ließen, nur um am Ende das Herz gebrochen zu bekommen, denn wenn man gut genug aussah und beliebt genug war, war ‚Gefühle verarschen‘ anscheinend eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung. Anders konnte Ace sich nicht erklären, warum die Footballer es so oft taten.

Seine Zähne pressten sich zusammen, und Ace verkrampfte den Kiefer, ohne dass er es selbst ganz merkte. Er hob das Kinn, als würde ihm der Ausdruck trotzigen Stolzes irgendeine Art von Schutzmauer bieten vor dem bösartigen Gefühlsmischmasch, der in ihm hochkochte, je länger er Nero anstarrte.

Warum ich?

Warum…

Warum ich, warum ausgerechnet ich, warum hast du es dir so zur Aufgabe gemacht, mir mein Leben zur Hölle zu machen, was habe ich dir jemals getan, warum –

Warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen, du verdammter –

Sein Herz schlug heftig gegen seine Brust, wütende, hysterische Tränen sammelten sich an seinen Augenwinkeln, und Ace ballte immer noch die Hände. Seine Fingernägel gruben sich ins Fleisch, während er innerlich tobte.

Die ganze Welt mag dich, du hast alles, alles, was man sich wünschen kann, aber das genügt dir nicht, weil du nicht glücklich bist, wenn du nicht auch andere leiden sehen kannst, du dummer egoistischer sadistischer Scheißkerl, du-!

Was muss ich tun, damit es endlich aufhört? Warten, bis du deine Information veröffentlicht hast? Warten, bis du und deine Freunde und die ganze Schule fertig sind, sich über sich zu amüsieren? Warten, bis sich die Wogen wieder legen, bis ich hier endlich weg bin, bis ich am anderen Ende des Landes wohne und jedes Mal heulen muss, sobald ich irgendwas sehe, was mich an Kalispell erinnert, bis –?

Ich hasse dich, Nero West.

Ace schniefte, mit schwammigem Kopf, und er fühlte sich unreal. Als wäre er nicht einmal ganz da, und das einzige, was ihn noch mit der Wirklichkeit verband, war die Wut, die ihn an seine Realität und an Nero band. Er dachte kaum noch nach, als er näher trottete und die Hände auf den Kopfrand des Bettes stützte.

Ich hasse, hasse, hasse dich, ich wünschte, dich würde es nicht geben, du wärst niemals geboren, ich wünschte, du würdest einfach verschwinden, hier und jetzt, ich wünschte, ich hätte Jose gesagt, er soll dich abknallen, ehe du mir so wehtun kannst, ich –

Ich wünschte, ich wäre einmal im Leben nicht der feige Loser, der ich bin, und würde mein Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

Verletzte Wut tobte durch ihn, in einer unbekannten, unnachahmlichen Heftigkeit, während Ace sein Blut rauschen hörte. Er wollte sich zur Ruhe rufen, aber es war, als hätte sein Kopf immer noch nicht gelernt, dass jede seiner Impulshandlung ihn am Ende noch tiefer in die Scheiße ritt.

Ich wünschte, ich könnte dir zeigen, wie sehr du mich verletzt hast. Ich könnte dir alles heimzahlen.

Ace schnappte sich eines der Kissen von der Bettseite und drückte es aufs Gesicht des schlafenden Jungen.



Es brauchte ungefähr zwei Sekunden, bis ihm durch seinen Schleier aus Wut hindurch klar wurde, wie unglaublich bescheuert das war. Einmal abgesehen von all den Schwierigkeiten, in die ihn das bringen würde, war er niemand, der Menschen wehtun wollte. Nicht einmal diesem Menschen. Nicht einmal –

Der Körper unter ihm bewegte sich, und Aces Fähigkeit, klare Gedanken zu formen, setzte kurzzeitig aus.

Er stand da wie ein erstarrtes Tier im Scheinwerferlicht, lauschte dumpfen Grollen, sah zu, wie Neros Hände fahrig nach oben tasteten und sich der ganze Körper anspannte, sobald sie das Kissen erreichten. Die nächste Sekunde schien sich vor ihm zu dehnen wie zäher Kaugummi, und Ace war immer noch nicht auf den Gedanken gekommen, sich überhaupt zu bewegen, als sich die Hände unerwartet kräftig um seine Unterarme schlossen und Nero ihn mit einem Ruck nach vorne riss. Ace konnte den stechenden Schmerz spüren, als sein Schienbein im Fallen gegen den Bettrahmen krachte, und das Gebilde quietschte protestierend, während sein Kopf noch verarbeiten wollte, warum der Bettbezug auf einmal so nahe gekommen war, dass er sein ganzes Blickfeld ausblendete.

Er zappelte, versuchte sich aufzurichten, und im selben Moment wurde er auf die Matratze zurückgedrückt, während jemand seinen Arm nach oben drehte. Diesmal war Ace froh über all die Wut, die in ihm tobte. Solange er wütend war, musste er keine Angst haben vor den Gedanken, wie sehr Nero ihm diesmal wehtun würde.

Ace atmete hastig, hasserfüllt, bebend, und seine Tränen schmierten über das Laken, während sein Körper und Geist sich wie ein Schlachtfeld anfühlten. Nach einigen Sekunden lockerte sich Neros Griff. Der Junge, der gerade noch dicht über ihm geschnauft hatte, schien sich aufzurichten, ohne wirklich loszulassen. Aces Arm war immer noch den Rücken heraufgedreht, und Neros andere Hand drückte seine Schultern nach unten, aber der Schmerz drang nur am Rande zu ihm. Vielmehr wurde Ace die Wärme der fremden Haut bewusst, die gegen seine Haut brannte, und der bloße Gedanke wollte ihn unwillkürlich abstoßen.

Er versuchte sich unter dem Griff hervorzuwälzen. Das Bett ließ wenig Platz für Bewegung, und nur die Tatsache, dass Nero seine Abneigung gegen Nähe gerade zu teilen schien, gab Ace die Möglichkeit, unvermittelt zu strampeln und sich zu winden. Er kam wenige Zentimeter weit, als Nero seinen Arm wieder nach oben schob und Ace in einer Mischung aus Fluchen und Wimmern auf die Matratze zurücksackte. Soviel zu seinen Fluchtversuchen. Er schnaufte und ließ den Kopf erschöpft auf das Laken sinken, während er den Blick des größeren Jungen suchte. Wie war das gleich, Para konnte keine Gefühle wahrnehmen? Nun, Ace hatte eine ganze Menge davon, und für den Anfang hatte er nichts dagegen, ihm zu zeigen, wie Hass aussah.

Einen Moment lang begegneten sich ihre Blicke, während Aces Brustkorb sich immer noch hektisch hob und senkte. Mit einer Mischung aus Abscheu, Verzweiflung und dem Beigeschmack jahrelanger Demütigung blickte er hinauf in braune Augen, in denen sich gar nichts regte, wo hinter ein wenig Farbe und Lichtreflexen nur noch Dunkelheit zu herrschen schien. Hilflose Wut brandete bis in seine Kehle. Ace biss die Zähne zusammen, und ihre Stille schien sich unangenehm in die Länge zu ziehen, bis Nero das Schweigen brach.

„Tja, eh… fünf für die Idee, und… einen Mitleidspunkt für die Ausführung?“

Die Worte klangen trocken, aber Ace machte sich keine Illusionen, wie viel Wut dahinter gerade verborgen sein mochte. Im Klassenzimmer hatte Neros Miene schließlich auch nichts preisgegeben. Aces Mundwinkel zuckten, mehr grimmig als belustigt, und er versuchte zu blinzeln, als er wieder die Tränen an seinen Augenwinkeln aufquellen spürte. So sehr er sich auch zwingen wollte, ruhig zu sein, hing das Beben in jedem seiner Atemzüge.

Natürlich wusste er, dass er das bereuen würde. Vielleicht jetzt, vielleicht im Laufe des heutigen Tages, aber ihm war klar, dass es nicht nur bei ein paar drohenden Blicken und verdrehten Armen bleiben würde. Nicht nach dieser Aktion. Aber Ace war zu wütend für Panik, und in dieser Sekunde gefiel es ihm, Nero einen Teil von dem vermitteln zu können, was in ihm vorging.

„Kann ich dich loslassen, ohne dass du mir gleich wieder an die Gurgel gehst?“ Ace verengte die Augen, atmete tief ein und biss die Zähne zusammen.

„Versuch es doch.“ Und die Arme verschwanden.

Er versuchte die Verblüffung wegzublinzeln. Den Teil hatte sich Ace eigentlich schwieriger vorgestellt. Dann richtete er sich vorsichtig auf und drehte sich zum anderen Jungen. Nero war auf angenehme zwei Armlängen Abstand zurückgesunken, hatte sich gegen die Wand gelehnt und fuhr sich mit einer Hand durch die zerknautschten Haare, während sein Blick unbewegt auf Ace ruhte. Sein Magen rumorte wütend, nervös, angespannt, irgendwo zwischen Abneigung und steigender Furcht, und er hoffte nur, dass das kein Zeichen war, dass er dieses Gefühlswirrwarr gleich auf Neros Bett erbrechen würde.

„… Dich bringt auch gar nichts aus der Ruhe, oder?“ Die Worte schmeckten bitter auf Aces Zunge, und Nero schien abzuwägen.

„Doch. Gelegentlich.“ Ace zog die Beine an, verschränkte die Arme darauf und suchte nach weiteren Worten, die er ihm ins Gesicht speien konnte, aber alles in seinem Kopf und Herzen schien plötzlich stumm, als hätte es sein Feuer in den letzten Tagen verbraucht, in Diskussionen, die er allein in seinem Kopf geführt hatte. Schließlich legte er nur den Kopf zur Seite.

„Warum hast du das gemacht?“ Nero zog die Brauen zusammen.

„Warum ich mich gewehrt habe, als du versucht hast, mich mit einem Kissen zu ersticken?“

„Nein.“ Ace biss sich auf die Lippe. „Hätte ich eh nicht, wir wissen beide, ich bin zu blöd dafür … Das davor. Alles davor. Para und so. Und lüg mich bloß nicht an, denn sonst kannst du dir die Worte auch gleich sparen.“ Sein Gegenüber schwieg, scheinbar aus dem Konzept gebracht, ehe er nach einer Weile die Schultern zuckte.

„Aus denselben Gründen wie alles, was ich tue. Mir war langweilig, ich wollte meine Zeit vertreiben, ich hab alte Lieblingsspiele besucht, wo ich Leute kennenlernte.“ Unwillkürlich ballte Ace die Faust ein wenig. Musste man ihm jedes Wort aus der Nase ziehen?

„Und dann?“ Nero lächelte, als wäre er begriffstutzig.

„Was, und dann?“

„An welchem Punkt hast du beschlossen, mir so richtig eins reinzuwürgen? Lol, brechen wir dem schwulen Jungen doch mal das Herz, das fehlt mir noch in meiner Pokemonsammlung, 2000 Likes auf fucking YU.Space, ich hab ja sonst nichts zu tun!“ Nero stieß langsam Luft durch die Nase aus, mit einem Hauch von Gereiztheit, den Ace zu ignorieren beschloss.

„Hältst du dich tatsächlich für so wichtig, dass ich einen dermaßen großen Teil meiner Freizeit dafür opfere, dich zu verarschen?“

„Nein!“ Ace ballte die Fäuste und hieb auf die Matratze. „Aber offenbar hast dus ja getan, und ich will verdammt nochmal wissen, wieso!“

„Du hast doch nen eigenen Kopf. Benutze ihn mal. Was ist die naheliegendste Erklärung dafür, dass ich getan habe, was ich getan habe?“ Noch nie in seinem Leben hatte Ace ein Gesicht gesehen, dass so sehr danach verlangte, einen Schlag abzubekommen. Allmählich hatte er das Gefühl, er verstand, wie gut es sich für Nero und den Rest anfühlen musste, auf jemanden einzuprügeln.

„Keine Ahnung. Vielleicht wolltest du auch gar nicht mich persönlich damit treffen. Vielleicht war dir nur gerade danach, mit irgendeinem dahergelaufenen schwulen Jungen zu spielen … wenn er deinen Namen nicht kennt, kann er dir ja nicht auf die Nerven gehen, wenns plötzlich langweilig wird. Vielleicht wolltest du gucken, wie gut du wirklich manipulieren kannst. Wahrscheinlich bist du tatsächlich n‘ Psychopath und das war nichtmal gelogen.“

„Soziopath.“ Nero hob die Brauen. „Und nein. War es nicht.“

„Super.“, hörte Ace sich knurren. „Das erklärt wirklich ne Menge. Und, liege ich auch mit dem Rest richtig, Mister Nicht-Monster-Sondern-Apex?“

„Nein.“ Nero zuckte mit keiner Wimper. „Ich habe aber auch das Gefühl, als würdest du es nicht wirklich versuchen.“

„Oh, verzeih.“ Ace hob die Hände und sprach in grimmigen Zynismus weiter. „Ich meine natürlich, du bist zufällig über einen vollkommen fremden Jungen gestolpert, hast ihn von Beginn an belogen, damit er sich keine Sorgen machen muss-!“

„Warte, klär mich auf … An welcher Stelle habe ich gelogen?“, erkundigte sich Nero ruhig, und Ace blinzelte erbost.

„Du hast gesagt, du bist 16, damit ich mir keine Sorgen mache!“

„Und jetzt? Willst du tatsächlich eine Geburtsurkunde sehen oder wie?“ Einen Moment hatte Ace das Gefühl, dass ihm noch ein Teil seiner Argumentationskette entglitt.

„Nie im Leben bist du 16!“ Er hatte das Gefühl eines Deja-Vus.

„Du kriegst echt nicht viel um dich herum mit, oder? ... Ich hatte Glück mit der Pubertät. Es ist nichtmal ganz n‘ Jahr her, da war ich noch kleiner als du-“ Nero hielt inne und zog die Brauen zusammen. „– Auch wenn ich nachvollziehen kann, warum deine Erinnerung dahingehend verzerrt ist.“

Ace schnaubte leise, dann setzte er von Neuem an. „Okay. Dann bist du halt ein sechzehnjähriger Soziopath, der in einem Onlinespiel irgendein dummes Opferkind kennenlernt, dass er im realen Leben schon hundertmal kopfüber in die Mülltonne getunkt hätte, aber natürlich entschließt er sich aufgrund des tollen Charakters des Jungen, dass er ihn doch irgendwie mag, und natürlich beginnt er Sympathiegefühle ihm gegenüber zu entwickeln, weil der dumme kleine Junge der einzige ist, der ihn wirklich kennt.“ Die spöttische Stimme machte es einfacher. Solange Ace sich von den eigenen Worten distanzierte, konnte er reden, ohne wieder loszuheulen.

„Und weil verschlossene, paranoide Opferkinder halt so sexy sind, beginnt er sich immer mehr für ihn zu interessieren, auch wenn er versucht, das vor sich kleinzureden. Und dann – weil wir ja in einer blöden Telenovela leben – beginnen diese Gefühle ins romantische abzugleiten, denn wie wir alle wissen, gibt es nichts, was abgefuckte Psychos anziehender finden als anonyme dumme, naive, hässliche sexualbehinderte Spasten, und entgegen aller Erwartungen ist es der kleine Junge, dem es gelingt, das Herz des großen, bösen Nero zu erweichen, denn genauso funktioniert die Realität ja!“ Die letzten Worte spie Ace ihm fast entgegen, ehe er innehielt und schnaufte. Sein Körper bebte wieder, aber diesmal vor Wut.

Nero wackelte abwägend mit den Fingern. „Fast richtig, aber das Melodrama kannst du ein bisschen runterfahren. Und sag nicht ‚Herz erweichen‘ – kurzfristiger Hirntumor trifft es besser.“

„Na dann, entschuldige meine Worte.“ Ace knurrte noch, aber er spürte, wie sein Magen und seine Kehle sich zusammenkrampften, und diesmal wollte er sich selbst dafür hassen. Das fühlte sich an wie Hoffnung, was da in ihm anklang, und die konnte er gerade weder nachvollziehen noch gebrauchen. „Du willst mir nicht wirklich so eine dämliche Geschichte auftischen, oder?“

Jetzt war es wieder an Nero zu schweigen, mit seinem unangenehm fixierenden Blick, und als er sich nach vorne beugte, zuckte Ace unwillkürlich zusammen. Statt ihn zu berühren, griff Nero allerdings an ihm vorbei, und als er sich wieder zurücklehnte, hielt er sein Handy in der Hand. Ace blinzelte verdutzt, noch mehr, als Nero es entsperrte und ihm in die Hand drückte.

„Geh auf die Netop-App.“

„Äh…“ Aces Augen flackerten überfordert über den Bildschirm, bis er das Symbol gefunden hatte und draufdrückte, um eine nicht minder unübersichtliche Bedienoberfläche aufzurufen.

„Bist drin?... Geh auf Remote-Control und dann auf Home.“ Er hatte ein wenig Mühe zu folgen, insbesondere, weil es keinesfalls an unverständlichen weiteren Auswahlmöglichkeiten auf jedem Bildschirm mangelte. Ein Passwort wurde verlangt, und Ace hielt das Handy fragend in die Höhe, während Nero kurz etwas eintippte.

Als er den Bildschirm wieder zu sich drehte, war die Handyoberfläche verschwunden und er hatte das Gefühl, er sah einen sehr übersichtlichen Desktop vor sich, mit einer handvoll Anwendungen und irgendwelchen kryptisch benannten Dingen, die zum Zwischenspeichern darauf lagen. Das Hintergrundbild war das Artwork aus irgendeinem der Battle-Royale-Spiele, die Ace nie anrührte, und mit zusätzlichen Effekten versehen.

„Warte… ich dachte, Internet ist hier nicht-?“

„Gibt’n Passwort dafür. Kann ich dir später geben.“ Nero schien sich nicht lange damit aufhalten zu wollen, sondern leitete ihn weiter, durch ein verwirrendes Geflecht aus Ordnern und Unterordnern, eine weitere Passwortabfrage, und schließlich meinte er: „Ordner namens TR2. Guck dich nicht zulange um, ein Großteil der Bilder geht dich nichts an. Einfach das mit deinem Namen öffnen… Lösch, was du willst, und dann gibs wieder zurück.“

Ace, der inzwischen nur noch automatisch den Richtungsweisungen folgte, spürte sich schlagartig erröten, als ihm die ersten Bilder im Ordner ins Auge sprangen. Er versuchte die Farbe von seinen Wangen zu verdrängen, während er versuchte,  sie zu ignorieren und nur Beschriftungen anzustarren. Dennoch kamen ihm viele der Namen viel zu bekannt vor. Mit Gewalt riss er sich von dem Anblick los und drückte auf den Icy-Unterordner.

Er hatte sich darauf eingerichtet, den Zeugnissen seiner Verblödung unter weit schlimmeren Umständen wiederzubegegnen, da war das hier fast noch erträglich… Und was die Texte anging - wenn Nero sie nicht noch einmal extra gespeichert hatte, dann würden sie im besten Fall einfach verschwinden, sobald er ihn blockierte. Oder?

Ace fühlte sich milde irritiert, auch einige seiner Zeichnungen zu sehen, ehe er den Ordner schließlich verließ und auf Löschen drückte. Noch immer fürchtete er, irgendeinem bösen Scherz aufzusitzen und in Kürze zu erfahren, dass Nero all sein Material ohnehin schon der Welt zugänglich gemacht hatte … Gleichzeitig hatte er Angst, nachzuschauen. Für den Moment schien es einfach nur gelöscht.

Im nächsten Impuls rief Ace den Papierkorb auf und leerte auch ihn, ehe er langsam ausatmete, die Schultern sinken ließ und das Handy zurückreichte.

„Hast du das nicht noch irgendwo auf einer Cloud oder…?“

„Ace, niemand, der nicht geistig behindert ist, speichert persönliche Bilder auf ner Cloud.“

„Hm.“, brummte Ace ahnungslos, ehe er sich die Lippen befeuchtete. Er wollte wütend sein, aber ein Teil seines Feuers war von Verwirrung gelöscht worden. „Und wie willst du mich jetzt noch mit diesem Zeug erpressen?“

„Tja, vermutlich muss ich darauf wohl verzichten. Armes Ich.“ Nero führte wenige Tastendrucke aus, ehe er das Handy wieder sperrte und zurück ans Kopfende warf.

„Also…“ Ace schwirrte der Kopf, gefangen zwischen zehn verschiedenen Szenarien, und er brauchte einen Moment, um zum Anfang zurückzufinden. „Also … willst du diese Lüge aufrecht erhalten?“ Nero ließ sich etwas an der Wand herunterrutschen und streckte ein Bein, bis es vom Rand baumelte.

„Ich will nichts weiter als meine Ruhe, und die störst du gerade beträchtlich. Wenn du also nichts dagegen hast… es steht dir frei, dieses Bett zu verlassen.“ Ace warf ihm noch einem mürrischen Blick zu, dann kam er dem nach. Es wäre gelogen zu behaupten, dass er klüger war als vorher.



Er hatte sein Bestes gegeben, sich seine Zeit zu vertreiben. Ace war das Gelände abgelaufen, immer im weitestmöglichen Abstand zu den restlichen Schülergruppen.

Er war dem Weg zum Wasser gefolgt, der halb durchs Gestrüpp führte und vorüber an einem niedergetrampelten Maschendrahtzaun, von dem Ace nicht sicher war, ob er noch zum Campgelände gehörte oder einfach schon immer hier stand und bislang keiner Muße besessen hatte, ihn wegzuräumen, er hatte sich ins Haupthaus gesetzt und versucht, Geschichten auf seinem Handy zu lesen, und schließlich war er zu den Bänken und Feuerstellen gegangen, hatte sich fallen lassen und seinen kreisenden Gedanken nachgehangen. Das Geschnatter, was von den anderen Schülern in kurzer Entfernung rüberdrang, war gerade nicht mehr als akustische Untermalung.

Nero konnte das nicht ernstgemeint haben, oder? Selbstverständlich hatte er das nicht ernstgemeint. Nie und nimmer würde er… in jemanden wie Ace… Das war unmöglich, nicht wahr? Und überhaupt, was sollte er daraus mitnehmen? Wo er vorher gedacht hatte, dass ein Gespräch mit Nero sein Kopf-Chaos beruhigen sollte, hatte er nun das Gefühl, gar nichts mehr zu verstehen.

„Ace?“ Katherines Stimme erklang, und er zuckte zusammen, aus seinen Gedanken gerissen, und ließ sein Handy sinken. „Ich wundere mich schon die ganze Zeit, was du dir da anschaust… woher hast du Internet?“

Er blinzelte, sah von seinem Newsfeed auf und überlegte einen Moment, wie um alles in der Welt er das Drumherum erklären wollte. Schließlich entschied er sich für ‚gar nicht‘.

„Ach, da gehen zurzeit irgendwelche Codes rum, und ich hab ihn von meinen Zimmernachbarn.“ Oder Noch-Zimmernachbarn. Sie wären sicherlich alle glücklicher, wenn das nicht für die Ewigkeit hielt. Gleichzeitig fühlte Ace sich irgendwie nicht imstande, einfach aufzustehen, Mrs. Hill zu suchen und um die Verlegung zu bitten. Es war nicht, als würde ihm die Situation plötzlich gefallen, aber all diese aufeinanderfolgenden Überraschungen und seine Verwirrung nach Neros Reaktion lähmten ihn geradezu. Katherine ächzte entnervt.

„Die haben den Sinn der Sache überhaupt nicht verstanden, oder? … Weißt du, von wem die Codes kommen?“

„Keine Ahnung.“ Ace log zum Großteil aus Gewohnheit. Man hatte ihm jahrelang antrainiert, Nero und Konsorten nicht zu verpetzen, und die Prägung saß tief. Katherine seufzte nur.

„Was solls… dann versuch ich mich mal umzuhören- …Genny? Hey, Genny, hier rüber!“ Sie winkte Imogen, die am Rande der Wiese entlangtrottete und sich nach kurzem Zögern in ihre Richtung bewegte. Katherine lehnte sich inzwischen zurück.

„Soo… jetzt, da ich euch zwei bei mir habe… die Lehrer haben mir den Wochenplan weitergereicht und gefragt, ob ich noch was anmerken könnte, und ich dachte, dass ich mir lieber noch ein, zwei unabhängige Meinungen dazuhole…“

„Hmhm“, brummte Ace, der kaum unaufmerksamer sein könnte. Am anderen Ende ihres Wiesenfleckchens hatten sich die beliebteren Schüler in einer Gruppe rund um die Tische versammelt. Gerade eben gesellte sich eine bekannte Gestalt dazu, die dazu führte, dass er seine Hände wieder in seiner Jacke vergrub, während er seine Fäuste nervös ballte und entspannte.

„Aaalso, was das Essen angeht, wir werden wohl größtenteils selbst kochen, allein schon für das Gefühl von Zusammenarbeit und so, und dazu wollen sie immer zwei Hütten auslösen, aber ich hab den Speiseplan mal durchgesehen und-“ Es war, als wäre es Ace unmöglich, seine Augen von Nero abzuwenden. Der schlug gerade mit einem seiner Freunde ein, ließ sich zwischen zwei Schülern auf die Bank sinken, sagte irgendwas, lachte und wirkte so gelassen wie an jedem anderen Tag. Keine Spur davon, dass vor kaum drei Stunden jemand versucht hatte, ihn mit einem Kissen zu ersticken. Keine Spur von… von den anderen Dingen, die Nero behauptet hatte. Dem… Ace biss sich auf die Lippe. Er wollte es kaum denken. Dem kurzfristigen Hirntumor, oder so.

Und selbst, wenn der Kerl gut spielen konnte – irgendwas würde man ihm doch wohl ansehen können, oder?

„-oder meint ihr, das wäre übertrieben?“ Ace blinzelte, dann sah er den erwartungsvollen Blick von Katherine auf sich ruhen. Imogen rettete ihn aus seiner Misere.

„Ich denke schon, dass man das machen kann… aber ich glaube, damit wirst du nicht viel Liebe von den Schülern ernten. Ich meine, das mit dem Bio finde ich klasse, und auch die Idee, dass man exotische Gerichte durchprobiert statt einfach Pizza und Burger oder so, aber glaubst du wirklich, dass wir das komplett vegetarisch lassen sollten?“

„Im Gegensatz zu dem, was viele hier anzunehmen scheinen, ist es glücklicherweise nicht notwendig, jeden Tag der Woche ein Kilo Fleisch zu essen! … Und von ungesund wollen wir gar nicht erst reden.“, verteidigte sich Katherine.

„Jaja, davon redet ja auch keiner, aber ich denke, die anderen werden viel kompromissbereiter sein, wenn du… ich weiß nicht, zumindest ein oder zwei Tage mit Fleisch einplanst? … Für Eugene und Anya könnte man ja dann extra was zubereiten?“

„Genny, dieses ganze Camp dient dazu, dass wir mal eine Woche lang lernen, keine Leute auszuschließen! Da können wir nicht gleich beim Essen anfangen, wieder irgendwen von der Gruppe abzusondern!“

„Tschuldige, aber ich muss mich Imogen anschließen“, meinte Ace und erntete einen kurzen, giftigen Blick von Katherine, die sich in die Defensive gedrängt sah. „Ich glaube, wenn du alle Fleischesser zwingst, sich den Veganern anzupassen, sorgst du eher dafür, dass es noch viel mehr Stress gibt und kein In-die-Gruppe-einschließen.“ Devons Lachen dröhnte herüber, und wie von selbst huschten Aces Augen schon wieder zum anderen Tisch, an dem gerade eifrig und in steigender Lautstärke irgendwas diskutiert wurde.

Ace biss unruhig auf die Innenseite seiner Wange, während er versuchte zu ergründen, was eigentlich mit ihm los war. Da war immer noch Wut in ihm, aber diesmal war die Wut hilfloser, zielloser, weil er sich gar nicht mehr sicher war, ob er sie zu einhundert Prozent auf Nero richten konnte. Wenn er… wenn er die Wahrheit gesagt hatte, dann hatte ihn die Enthüllung vermutlich genauso kalt erwischt wie Ace, oder? Oder nicht? Und warum hatte er dann nichts gesagt? Warum hatte er versucht, es herauszuzögern? Oder war die ganze Sache viel komplizierter, und Ace war gerade drauf und dran, in eine ausgeklügelte Falle zu tappen?

Er holte tief Luft, rutschte unruhig auf seinem Platz umher und versuchte sich zu konzentrieren, aber innerhalb von Sekunden schien er schon wieder vergessen zu haben, was Katherine eigentlich redete. Wenn Nero wirklich Para war, in allen Facetten, die Ace ihm abgekauft hatte, dann … dann schien das gerade irgendwie sogar glaubhaft. Zumindest konnte Ace sehen, wie der Junge scherzte, sich mit seinem Banknachbar rangelte, mit schiefem Jungengrinsen irgendeine Geschichte zum Besten gab und eine unbekümmerte Selbstsicherheit ausstrahlte, die fast ansteckend schien. Ace würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass er ein wenig dem nahekam, was er sich unter einem realen Para vorgestellt hatte … wäre da nicht der Fakt, dass Ace einen Blick in dieses attraktive Gesicht warf und ein Teil von ihm vor Angst und jahrelang angestautem Hass kotzen wollte.

Er sah zu, wie der Junge Quinn von sich schob, die noch versuchte, sich gegen ihn zu lehnen und seine Haare zu zerwühlen, ehe er kurz den Blick senkte. Sekunden später spürte Ace sein Handy vibrieren, und diesmal war ihm, als würde er definitiv an einem Herzinfarkt vorbeischrammen. Mit bebenden Fingern zerrte er das Gerät aus seiner Hosentasche und ignorierte den schrägen Blick, den Katherine ihm zuwarf.

PARADOX: alter

PARADOX: du musst aufhören zu starren

PARADOX: es fällt auf

Ace verengte die Augen. Nach dem ersten Schock war die Wut wieder da, was er diesmal guthieß, weil es bedeutete, dass er den Rest seiner Verwirrung verdrängen durfte. Überhaupt, was ging es Nero bitte an, wo er hinguckte?!

StrangeGuy12: ?

StrangeGuy12: Ich starre nicht.

Er legte das Handy auf dem Tisch ab, versuchte aber diesmal, sich ganz ohne Ablenkung auf Katherine zu konzentrieren. Die sah ihn mit gerunzelter Stirn an.

„Ist alles okay? Du siehst durcheinander aus…“

„Alles super. Ich hab das unter Kontrolle“, meinte Ace und zwang sich zum Lächeln. Ganz zu überzeugen schienen sie die Worte nicht.

„Okay, äh… wenn du meinst…“ Weiterlächeln, befahl sich Ace, und glücklicherweise beharte Katherine nicht lange darauf. Dann vibrierte sein Handy wieder, und innerhalb einer Sekunde war er zurück in der Konversation.

PARADOX: ziemlich offensichtlich sogar

PARADOX: keine sorge, die anderen glauben, dir geht’s um anya

PARADOX: die scheint sich zurzeit nen stalker auf yuspace eingefangen zu haben

Du solltest ihn einfach blocken, versuchte er sich zu sagen, aber gerade brachte Ace das nicht fertig. Er konnte ja noch nicht einmal Trolle in Kommentarspalten ignorieren, und gerade jetzt würde sein Kopf durchdrehen, sobald er das Gefühl hatte, dass ihm irgendwelche wichtigen Informationen entgingen, oder Möglichkeiten, sich zu rechtfertigen und Angriffe zu verteilen.

StrangeGuy12: … Und ich gucke wie ein Stalker, oder was?

PARADOX: …nein… natürlich guckst du wie ein… sehr geistig gesunder mensch :x

Ace zog die Brauen zusammen, hob den Blick und zuckte zusammen, als er Aubrey sah, die sich gegenüber von Nero zu ihm umdrehte und ihm einen giftigen Blick schenkte.

StrangeGuy12: Tja, tut mir sehr leid, aber ich hab gerade so ein oder zwei Mordgelüste zu verarbeiten.

„-…sicher, das alles okay ist?“ Ace schreckte auf und sah Katherine an, die ihn besorgt musterte. „Im Ernst, wenn irgendwas passiert ist, dann sag mir das. Ich kann zumindest so lange auf die Lehrer einreden, bis sie bereit sind, beide Seiten der Geschichte zu hören…“

„Es geht mir hervorragend“, meinte Ace betont, schob das Handy in seine Hosentasche zurück und zwang sich, diesmal zu ignorieren, als es vibrierte. Imogen folgte ihrem Austausch mit verwirrter Miene, und als Katherine begann, von den Gruppenaktivitäten und Wanderausflügen zu erzählen, versuchte er sich weiszumachen, dass er sehr gerne mitredete und nicht jeder seiner Gedanken wieder zu Nero zurückkehrte und der Frage, was zur Hölle eigentlich los war.



PARADOX: mordluste so viel du willst, aber starr dabei keine leute an

PARADOX: btw, wir sollten reden

Das könnte eine Falle sein. Es war… es war nicht unmöglich. Nach allem, was Ace erlebt hatte, würde es ihn nicht erstaunen, wenn er sich irgendwo mit Nero zum Gespräch zurückzog, nur um am Ende herauszufinden, dass die halbe Klasse im Wandschrank gelauscht hatte und ein wenig gestorben war im Bemühen, nicht laut zu lachen. Oder anders, das Nero versuchte, ihm irgendwelche Sätze zu entlocken, die dann für den Rest der Ewigkeit dafür bestimmt waren, in Soundboards und Videos und Dubstep-Remixe implentiert zu werden, wie das Liebesgeständnis dieses armen Schweins, dass sich letztes Schuljahr wider besseren Wissens in Jessica verguckt hatte …

Und während er all das wusste, brannte das Verlangen nach einem Abschluss weit stärker in ihm. Ace konnte nicht ohne Antworten leben, selbst wenn er sich in die Mitte des Löwenpferchs stellen musste, um sie zu erhalten.

StrangeGuy12: Ja. Sollten wir.

Nachdem Imogen und Katherine sich zurückgezogen hatten, hatte er sich einen ruhigeren Ort zum Hinsetzen gesucht. Ungeschützt in der Nähe von seinen Klassenkameraden war es Ace bei Weitem zu riskant, im Haupthaus herrschte ihm zu viel Betrieb, und sein Zimmer kam aus gegebenen Gründen nicht infrage. Geh endlich und bettel um eine Verlegung, schimpfte eine Stimme in ihm, und noch immer verdrängte Ace sie, ohne zu wissen, wo diese Zaghaftigkeit auf einmal herkam.

Mangels Alternativen hatte er sich durch zwei Minuten angrenzendes Waldgelände bis zum Wasser geschlagen, wo ein Holzsteg vom steingesäumten Ufer aus tiefer in den See führte. Ace hatte sich auf die Stufen gesetzt, eine Unterlage und ein paar Blätter ausgebreitet und versuchte sich eine schon eine Weile an perspektivischen Landschaftszeichnungen, als er die nahenden Schritte hörte.

So sehr Ace sich auch erzählen wollte, dass er sich ruhig fühlte, war es vermutlich sehr offensichtlich, wie plötzlich er herumfuhr und sich anspannte. Nero runzelte die Stirn, dann hob er die Hände und verschränkte sie im Nacken, in einer universalen ‚Ich bin unbewaffnet‘-Geste. Ace, dessen Eingeweide nervöse Tänze vollführten, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Als er den Mund aufmachte, hatte er ganz kurz Angst, dass seine Stimme wegbleiben würde. Zu seiner Überraschung schien sie sogar recht ruhig. „Du wolltest reden?“

„Richtig.“ Nero löste die Hände wieder, stützte sich auf den gegenüberliegenden Pfeiler am Beginn des Stegs und verschränkte die Arme darauf, während sein Blick auf Ace ruhte. „Jetzt, wo die Katze eh aus dem Sack ist, habe ich keinen Bock darauf, dass wir den Rest der Woche umeinander rumschleichen und uns selbst verrückt machen.“

„Hm“, brummte Ace, der seine Nervosität allein durch die Endgültigkeit der Worte wieder steigen spürte. Nero wühlte unterdessen in seiner Hosentasche, ehe er ihm einen Blick zuwarf.

„Du rauchst nicht, oder?“ Ace beschränkte sich auf stilles Kopfschütteln, zog ein Bein an seinen Körper und legte die Arme darum, während er beobachtete, wie Nero sich eine Zigarette anzündete. Ihm war klar, dass er mit seiner Zappelei nicht gerade der Inbegriff von Gelassenheit war, aber es schien ihm unmöglich, lange stillzuhalten, und das Schweigen zwischen ihnen machte es nicht besser.

„Aaalso…“, meinte Nero nach dem ersten Zug. Sein Blick war wieder auf Ace fokussiert, und das war nur ein bisschen weniger gruselig als in den Momenten, in denen noch die Androhung physischer Gewalt mitschwang. „Ich nehme mal an, du hast Fragen.“

Ace nickte hastig und wollte im selben Moment innehalten. All die Vorwürfe und Zweifel und Ängste, die gerade noch durch seinen Kopf geschwirrt waren, schienen plötzlich zu schweigen, ersetzt durch blankes Rauschen, als würde er einen Vortrag vor der Klasse halten und hätte auf einmal seinen Text vergessen. Er versuchte, tief Luft zu holen, und wünschte sich einen Stichpunktzettel.

„Ich… ich meine, du - … Was meintest du mit, ich meine- … okay, das war bescheuert, warte, lass mich nochmal anfangen.“ Anders als bei Vorträgen besaß Nero wenigstens die Güte, ihn nicht auszulachen. „Warum wolltest du versuchen es so darzustellen, als wäre… dieses Zeug zwischen mir und Para... als wäre das ernst gewesen?“ Er hatte versucht, ‚mir und dir‘ zu sagen, aber Ace konnte es genausowenig aussprechen wie denken. Para war Nero und gleichzeitig … nicht. Und so sehr es wehtat, das zuzugeben – einen kurzen Moment lang hatte er beinahe noch so etwas wie Herzklopfen gehabt, als er den Namen vorher auf dem Bildschirm seines Handys hatte aufblitzen sehen. Und zwar nicht die panische Art, die ihn jedes Mal in Neros Nähe zu erfassen schien. Wenn das so weiterging, musste er ernsthaft an seiner geistigen Gesundheit zweifeln.

„Weil es das war.“ Zu hören, wie Nero das zugab, mit so gelassenem Ausdruck, als würden sie sich über die Aussicht unterhalten, fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Zum einen, weil Ace sich immer noch gegen den Gedanken zu wehren versuchte, und außerdem, weil er insgeheim gehofft hatte, doch zumindest die kleinste Regung zu erhalten und nicht dieses… andauernde Pokerface. Einen Moment lang wanderten Neros Augen zur Seite, und er schien zu überlegen. „Ich mochte, dass du Fantasie hattest, unkompliziert warst und gewirkt hast, als wärst du nicht auf andere Menschen angewiesen… und keine Ahnung, wenn ich ehrlich sein soll, hab ichs zu Anfang vermutlich auch als so ne Art soziales Experiment betrachtet. Wenn man weiß, wie einfach Menschen kaputtgehen können, ist es ne spannende Überlegung, was es bräuchte, um sie wieder auf die Beine zu bringen.“ Aces Magen drehte sich um, aber er schaffte es, sich nichts anmerken zu lassen. Hoffte er. „Was soll ich sagen, jeder macht mal Fehler.“

„Also siehst du das als Fehler, ja?“ Ace wusste gar nicht, warum da so viel Gift in seiner Stimme lag. Eigentlich betrachtete er es doch im Grunde genauso, oder?

„Ace, ich hab mich in nen Jungen verknallt, den ich jahrelang nach der Schule verprügelt habe. Oder in der Schule, gelegentlich. Als was würdest du das denn sonst bezeichnen, wenn nicht als Fehler?“ Fuck, es tat weh. Ace wusste nicht, warum er gedacht hatte, eine Aussprache würde Dinge geraderücken. Jetzt, wo er Nero so uninteressiert und lakonisch über Dinge reden hörte, die seine ganze Welt ausgemacht hatten, wünschte er sich plötzlich, dieses Gespräch verweigert zu haben. Beinahe wollte er, dass es wirklich nur ein Streich eines dummen, unempathischen Jungen gewesen wäre und nicht… was auch immer das hier für ein krankes Schauspiel war. Er schluckte und zwang sich ein grimmiges Lächeln ins Gesicht.

„Und jetzt?“

„Sag du es mir.“ Nero lächelte nicht. Seine Stimme war sanfter geworden, fast schon Para-Niveau, so sehr es Ace widerstrebte, diesen Vergleich zu ziehen. „Ich meine, klar, ich werd dich nicht mehr zum Verprügeln auf verlassene Parkplätze ziehen, ganz unabhängig davon, was aus diesem ganzen Chaos wird, aber… was den Rest angeht, denke ich, es ist vernünftiger, wenn wir diese Entscheidung dir überlassen.“

„Ach ja?“ Ace wusste selbst nicht, warum er sich so dagegen wehrte. Vielleicht entsetzte es ihn nur, dass das alles war. Das es so einfach war, einen Schlussstrich unter das bis jetzt aufregendste Kapitel seines Lebens zu ziehen. Ihm war klar, dass sie niemals an den Punkt zurückkommen würden, auf dem sie vorher waren, aber nach allem, was er durchgemacht hatte, schien es ihm unfair, dass er dieses Fiasko nicht mit Vulkanausbrüchen und Feuerwerken beenden durfte und sich stattdessen nur anhören konnte, was für ein unwillkommener kleiner Fehler er war. „Ich bin aber nicht besonders gut im Entscheidungen-Treffen.“

„Dann triff eben ne schlechte Entscheidung? Besser als gar nichts?“

„Ich weiß nicht! Fuck!“ Ace warf seine Hände in die Luft, seine Miene grimmig verzerrt, unfähig, dem Grollen in seiner Brust Einhalt zu gebieten. „Ich meine, ich hab niemals überhaupt eine Entschuldigung bekommen-“

„Entschuldige. Ich war ein Arsch zu dir. Du hast Dinge durchmachen müssen, die man dir niemals hätte zumuten sollen, und die dich lange verfolgen werden, und das tut mir leid-“ Nero hielt einen Moment inne und hob die Zigarette. „…Aus den falschen Gründen, aber das ist vermutlich besser als gar nicht.“

Hah. So einfach kriegt man also Entschuldigungen. Man muss sich nur vorher misshandeln und sein Herz brechen lassen. Ace schnaubte, hin- und hergerissen, weil das hier tatsächlich besser als nichts war, und doch… „Die Entschuldigung ist kacke.“ Nero pustete Rauchkringel in die Luft und schien tatsächlich zu lächeln.

„Eine bessere wirst du jetzt nicht bekommen.“ Er richtete den Blick wieder nach vorne, und das flüchtige Lächeln wich einer stoischen Miene. „Zurück zu deinem Entscheidungsprozess.“

„Ich… kann nicht… man!“ Ace fletschte die Zähne. „So einfach ist das nicht! Welche Entscheidung soll ich denn treffen?! Welche Entscheidung würdest du treffen?“

„Die Falsche“, meinte Nero, ohne mit der Wimper zu zucken.

„Die da wäre?“ Der Junge lächelte nur, fast sphinxhaft, und ließ den Zigarettenstummel schließlich fallen, ehe er ihn austrat. Ace schnaubte leise. „Ernsthaft, wie kann man die Lage denn noch falscher machen nach dem … ehm… Fehler, den du begangen hast?“

„Oh, das ist tatsächlich sehr einfach, wenn du nur das richtige Maß an amoralischem Denken hast.“ Wieder das Lächeln, ehe Nero den Kopf schüttelte. „Zurück zu dir. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit … außer wenn du Bedenkzeit brauchst, dann sag das jetzt und wir reden in zwei Tagen oder so nochmal drüber.“ Ace konnte nicht anders, als sich abgefertigt und zur Seite gestoßen zu fühlen – aber ehrlich, was hatte er anderes erwartet? Es war nunmal Nero. Wo Ace immer noch mit sich selbst kämpfte, schien der die ganze Angelegenheit schon wieder vergessen zu haben und schmiedete wahrscheinlich Pläne, welches Mädchen er am unkompliziertesten in seine Hütte gezerrt bekam, oder so.

Er holte tief Luft und straffte die Schultern. „Okay, dann eben meine Variante. Wir reden nicht mehr miteinander – außer im Unterricht, wenns ansonsten zu komisch wirkt – wir halten Abstand, du fasst mich niemals niemals wieder an, und in der Schule werde ich in Ruhe gelassen. Was das Onlinezeug angeht … ich bin bereit, mir eine neue Gilde zu suchen, aber den Kontakt zu Spidey will ich auf jeden Fall behalten…“ Er schluckte kurz, aber da Nero bislang mit keiner Regung zu erkennen gegeben hatte, dass das schon zu viel war, fügte er noch hinzu: „Und mit ihr auch über das reden, was passiert ist. Ganz egal, was das für eure Beziehung bedeutet.“ Er hatte Einwände erwartet, aber Nero nickte nur.

„Klingt doch gut.“

„Ja“, murrte Ace, das Kinn trotzig vorgeschoben.

„Wenn das jetzt der Schlussstrich ist, würde ich allmählich wieder zum Rest zurückgehen und dich hier machen lassen, was immer du da treibst?“

„Klar.“ Ace lächelte, und es fühlte sich so unerwartet bitter an auf seinen Lippen.



Nero hatte sich zusammengerollt, die Hände ins Kissen geschlungen und hielt die Augen geschlossen, als würde er tatsächlich noch daran glauben, wieder Schlaf zu finden. Devons dröhnendes Schnarchen war nicht das Problem. Sie hatten auf genügend Campingausflügen das Zelt geteilt, und in der Zeit seiner unfreiwilligen Wohnungslosigkeit auch das Zimmer, und irgendwann hatte er sich mit dem Geräuschpegel abgefunden.

Das Problem lag in Bett Nummer drei, direkt am Fenster, keine vier Meter von ihm entfernt.

‚Wie kann man zu blöd sein, um eine Zimmerverlegung zu bitten?!‘, hatte sich Devon noch am Abend erbost erkundigt, und Nero hätte dasselbe gefragt, wenn er sich nicht vorgenommen hätte, sich an Aces kleinen Aufforderungskatalog zu halten. Der Junge hatte gemurrt und herumgedruckst und erzählt, er hätte es einfach vergessen, er hätte den Abend über zu viel anderes im Kopf gehabt, und als es ihm wieder einfiel, waren die Lehrer schon nicht mehr zu sprechen… aber irgendwie fürchtete Nero, dass es ihm einfach nicht besonders wichtig war. Im Gegensatz zu Nero, der sich zwischen sehr vielen widerstreitenden Empfindungen gefangen fühlte, schien Ace rasch darüber hinwegzukommen, was zwischen ihnen passiert war, und das erleichterte Nero genauso, wie es ihn störte.

Er wollte Ace nicht in seiner Nähe wissen. Einmal abgesehen davon, dass sein Gehirn und vor allem sein Körper auf einmal in sehr unwillkommener Weise auf den Jungen reagierten, war Nero bewusst, dass er überkompensierte. Was einmal Spielball für ihn war, schien plötzlich ein sehr zerbrechliches, sehr filigranes Gebilde, das man behütet vor sich hinleben sehen wollte und das sehr, sehr weit entfernt von allen Schadensquellen gehörte, und Nero hatte unter Berücksichtigung aller Tatsachen entschieden, dass er selbst in der Liste der Schadensquellen mindestens in die Top Zehn gehörte. Nur schien es plötzlich, als hätte Ace vor, ihm diesen Vorsatz so weit wie möglich zu erschweren. Wie um alles in der Welt waren ‚Lass uns großen Abstand zueinander halten‘ und ‚Lass uns im selben Zimmer schlafen, weil ich gegenüber der Lehrerin mein Maul nicht rechtzeitig aufbekomme‘ bitte vereinbar?



Das Schnarchen vom Devon-Bett stoppte einen Moment, und Stille füllte den Raum. Verglichen mit ihm war Ace ein unglaublich stiller Schläfer, der weder über Atemzüge noch über Bewegungen ein Lebenszeichen von sich gab, und umso mehr fühlte Nero sich aus dem Konzept gebracht, als das Murmeln aus dessen Bett erklang.

Er hob die Brauen, wälzte sich herum und streckte die Beine, soweit das Bett zuließ, aber als er sich wieder einkugelte, war das Geräusch auch schon verstummt. Zuerst war Nero sich nicht sicher gewesen, aber inzwischen war er der Überzeugung, dass der Junge träumte.

Als hätte er es heraufbeschworen, setzte das Murmeln wieder ein, und auch wenn Nero kein Traum-Experte war, hatte er das Gefühl, dass Ace nicht… nicht ängstlich klang. Tatsächlich klang es viel mehr wie das Gegenteil von einem Alptraum. Nero versuchte den Gedanken und all seine Implikationen noch zu verdrängen, als der Junge erneut murmelte. Oder hauchte, vielmehr, in einer Tonlage, die alles andere als panisch schien.

Para…“

Nero blinzelte. Dann griff er nach seinem Kissen, um sein ungehaltenes Grollen einen Moment zu ersticken, als könnte ihn das davon ablenken, wie sein Blut in Richtung Unterleib wanderte.

Du kleiner Scheißkerl, du willst mich ja wohl verarschen.


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Die letzten Wochen habe ich irgendwo zwischen Motivationstief, Schreibblockade und RL-Sorgen rumgegammelt, aber jetzt hab ich mich doch mal aufgerafft. Ich würde gerne behaupten, dass ich deswegen nun Besserung sehe, aber... dunno. Ich will keine voreiligen Versprechungen machen x.x Es tut mir Leid, dass ich euch habe warten lassen, aber möchte zumindest versprechen - ehe der eine oder andere übliche Verdächtige Panik schiebt - das hier bis zum Ende der Story geschrieben und veröffentlicht wird, sofern mich nicht zwischendurch Corona erwischt o/

Ansonsten kann ich mich nur bei denen bedanken, die das hier mit Liebe und Geduld verfolgen, bei allen Lesern und reviewern und Sternegebern und anderen Fans, bei meiner süßen Beta, meinem Inspirationsgeber und jedem, der mich zwischendurch aufgeheitert hat, weil er mich irgendwie wissen ließ, dass er Freude an meinen Werken hat ^^

Thema Beta, den Interessierten unter euch will ich unsere (sehr wichtigen!) Erörterungen zur Bettenszene nicht vorenthalten. Beim Kontext dürft ihr selbst rätseln.
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