Naked | Gzuz

von ReadaBook
GeschichteAllgemein / P18
10.07.2019
29.07.2019
11
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Ich weiß auch nicht was ich mir dabei gedacht habe, ihm eine Nachricht zu schreiben, ich hätte wissen müssen, dass er nicht antworten würde. Auch nach einer Woche nicht.

Seufzend - und verärgert über mich selbst, weil mich diese Tatsache frustriert - schieb ich mein Handy zurück in meine Hosentasche und begebe mich zurück in die Tonkabine, um dort Tarik, meinem Produzenten zu signalisieren, dass es weitergehen kann.

_

Zwei Stunden später lenk' ich mein Schmuckstück in die Tiefgarage und parke es neben Matt's schwarzem Audi.

Oben in unserem Apartment angekommen, schließe ich Tür und trete ein. Fluchend taste ich nach dem Lichtschalter, denn unser Flur - wenn man unseren kleinen Eingangsbereich als solchen bezeichnen kann - liegt in völliger Dunkelheit, lediglich durch das flackern des Fernsehers, aus dem offenen Wohnzimmer dringt leichtes Licht hinein.

Endlich erhellt sich der Flur. Sofort kommt Arko angelaufen und begrüßt mich schwanzwedelnd.

Den zweijährigen Bullterrier Rüden habe ich als Welpen aus einer Tierheimstation. Er wurde ausgesetzt in einem Wald gefunden und zudem von seinen Vorbesitzern offenbar nicht gut behandelt. Ihm fehlt ein Stück aus seinem linken Ohr, weshalb ihn vor mir niemand wollte. Ich kann das absolut nicht nachvollziehen, dem Hund ist es schließlich auch egal, wie der Besitzer aussieht, außerdem macht ihn dieser "Makel" irgendwie besonders.

Für mich ist Arko jedenfalls etwas ganz besonderes.

Es war nicht leicht die Erlaubnis für diesen Hund zu bekommen. Der Bullterrier wird von den meisten deutschen Bundesländern in ihren Hundeverordnungen oder - gesetzen in der Liste für gefährliche Hunde aufgelistet, weshalb die Haltung in einigen Bundesländern sogar verboten ist. Dass ein Hund - auch wenn ein Kampfhund - so nicht zur Welt kommt, sondern erst zu diesem erzogen wird, ist dabei egal.

Arko ist alles andere als gefährlich. Auch wenn er oft eigensinnig und feurig ist, hat er weder mir, noch Menschen in seiner Umgebung je etwas angetan, im Gegenteil er ist diszipliniert und freundlich.

Anfänglich war er nicht sehr zutraulich, was verständlich ist, wenn Menschen ihn zuvor wie Abfall in einem Wald ausgeladen haben. Mit der Zeit lernte er mir immer mehr zu vertrauen und wir wurde wirklich gute Freunde, denn auch ich kann mich immer auf meinen Vierbeiner verlassen.

"Na mein Schatz, ist alles klar?" Ich kraulte ihn ausgiebig durch sein helles Fell. Obwohl meine Laune nicht die beste ist, beruhigt mich die Anwesenheit meines Hundes.

Nachdem ich mir meine Nikes von den Füßen und die angeraute Jacke von den Schultern gestreift habe, lief ich ins Wohnzimmer.

Dort begrüßt mich Matt, der auf unserem grauen Sofa sitzt und irgendein Basketballspiel im Fernseher ansieht.

Obwohl ich gemeinsam mit zwei Männern dieses Penthouse bewohne, sieht man an der Einrichtung des Wohnzimmers ganz eindeutig, dass ich meine Finger im Spiel hatte.

Auf unserer Couch befinden sich verschiedene Variationen von Dekokissen und auch (m)eine Kuscheldecke ist zu finden. Davor steht ein heller Couchtisch, der auf einem weißen Teppich steht. Generell ist das Wohnzimmer in Weißtönen gehalten, lediglich die langen Vorhänge sind dunkelgrau. Die Wand ist an der Fernseherseite in einem dezenten grau gestrichen. Ein paar Bilder, einige Kerzen und andere Dekoelemente geben dem Raum etwas persönliches.

Schwerfällig lass ich mich neben Matt fallen. Arko platziert sich auf seine Decke auf dem Sofa und legt seinen Kopf auf meinen Schoß ab. Während ich gestresst die Augen schließe, streichel ich gedankenverloren über seinen Kopf.

"Was ist los?"

Ich spüre den Blick meines Freundes auf mir und öffne meine Augen, um ihn ebenfalls anzusehen.

"Die Aufnahmen liefen nicht wie gewollt. Ich hatte immer wieder kleinere Hänger und fand trotz einigen Unterbrechungen keine Konzentration. Dabei ist es nicht mehr lange bis zum Release."

Matt zieht seine Augenbrauen zusammen, es scheint als würde er über etwas nachzudenken.

"Du bist schon die ganze Woche nicht besonders gut drauf. Liegt das vielleicht an diesen Idioten, der dich bei der 1Live Krone angemacht hat?"

Sofort verschlechtert sich meine sowieso schon miserable Laune um ein vielfaches. Nicht nur, dass er ihn wieder einmal beleidigt, anstatt ihn beim Namen zu nennen, nein, er hat auch noch recht. Es ist wegen ihm.

Wegen Jonas.

Das werde ich Matt aber sicherlich nicht erzählen.

"So ein Unsinn, wieso.." -"Weil ich dich von ihm weggezährt habe, obwohl es offensichtlich war, dass du tatsächlich darüber nachgedacht hast, dich auf sein, ach so harmloses Angebot, sich zu ihm und seinen Konsorten zu setzen einzulassen. Ich verstehe dich einfach nicht Jadie, du bist doch besser als das, was willst.." -"Hör endlich auf sie wie Aussetzige zu behandeln!" Unterbrech' ich seine fast schon Hasstirade gegenüber den Jungs.

Wütend funkelt er mich an. "Das würde ich, wenn sie sich nicht wie Asoziale benehmen würden. Ich will und werde nicht dabei zusehen, wie du dich in solchen Kreisen bewegst."

Das reicht, schnaubend erhebe ich mich vom Sofa. "Du spinnst doch!" Damit verlasse ich das Wohnzimmer, ohne auf weitere Worte von Matt zu achten.

Im Flur zieh ich mir wieder meine Schuhe an, schnappe mir meinen Schlüssel und verlasse samt Hund das Apartment.

Unten vor dem Penthouse wäre ich fast in Ryan - der so aussieht, als käme er gerade vom nächtlichen Joggen - hineingelaufen.

"Hey, nicht so stürmisch." Warnt er lachend, wird aber ernster als er mein Gesicht sieht.

Kritisch mustert er mich. "Willst du jetzt noch raus? Was ist denn passiert?"

"Frag deinen Bruder!" Ich übergehe seine erste Frage, und drück mich an ihm vorbei. Auch wenn Ryan absolut nichts für das Verhalten seines Bruders kann, will ich jetzt nur noch eine Runde mit Arko gehen.

Zugegeben, es war vielleicht zu überstürzt wie ich die Wohnung verlassen habe. Nicht nur, dass ich meine Jacke vergessen habe und jetzt lediglich in einem zu großen Shirt und darüber einen grauen Hoodie tragend durch die kalten Straßen Hamburgs laufe, sondern auch an die Leine meines Vierbeiners hab ich in diesem Moment nicht gedacht.

Genau das wurde mir jetzt zum Verhängnis, denn gerade als ich auf den Weg zu einem naheliegenden Kiosks war, lief ich gerade zu in die Arme zweier Beamte hinein.

Nachdem ich der etwas mürischen Polizistin meine Personalien gab, die sie auch nur deshalb ohne Ausweis - der sich natürlich in meinem Portmonee befand, welches ich selbstverständlich nicht dabei habe - an einen Kollegen per Funk weitergab, weil ich nicht unbekannt war, stellte der mir viel sympathischere Herr von der Polizei Fragen zu meinen Hund. Dieser lag ganz brav neben mir.

"Hören sie, ich kenne meinen Hund, er würde nie ein anderes Tier oder einen Menschen anfallen. Dafür ist er viel zu erzogen. Er gehorcht mir aufs Wort, weshalb ich eine Leine sowieso für überflüssig befinde."

"Was sie für überflüssig befinden oder nicht spielt hier keine Rolle. Der Bullterrier kann bei Mitmenschen ängstliche Reaktionen hervorrufen und wird nicht von jedem freudig begrüßt, außerdem gehört er zu den Listenhunden weshalb sowieso generell Leinenzwang besteht, dieses gilt für jeden, auch für Leute wie sie." Mischt sich nun die blonde Polizistin, die ich auf Mitte 30 schätzte, wieder ein, während sie ihr Funkgerät zurück an den dafür vorgesehenen Platz schnallt.

Mir gefällt nicht wie sie das "für Menschen wie sie" betont. Als würde ich mich für etwas besseres halten. Mir ist bewusst, dass sich alle an besagte Regel zu halten haben, aber es ist ja auch nicht so, dass ich sie beabsichtigt nicht eingehalten habe.

"Frau Jameson, selbst wenn der Hund ruhig und wohlerzogen ist, gibt es Menschen die Angst vor Hunden haben und verschreckt auf nicht angeleinte Tiere reagieren." Versucht es ihr Kollege deutlich versöhnlicher.

Ein tiefes Hundegebell hinter uns lässt uns in diese Richtung schauen. Erst jetzt fallen mir die Personen, die dort in einer Gruppe am Rande der Straße stehen, auf.

Ein Hund, der mir nach einem American Pitbull Terrier aussieht, kläfft beinahe schon aggressiv in die Richtung meines Vierbeiners. Arko interessiert dies jedoch wenig. Kurz in seine Richtung schauend, bleibt er weiterhin neben mir liegen.

Als ich mir die kleine Gruppe, die nur aus Männern zu bestehend scheint genauer ansehe, fällt mein Blick auf einen großen Typen mit Cap.

Bonez - wie auch immer sein richtiger Name sein mag - steht dort und blickt genauso wie der Großteil der anderen Typen zu uns rüber.

Mein Blick schweift weiter über die Männer, denn wenn er sich hier aufhält, kann sich sein Freund nicht weit von ihm befinden.

Und tatsächlich, neben einem sehr auffäligem Auto steht er und schaut ebenfalls in unsere Richtung.

Kurz erwisch' ich mich dabei wie ich mich darüber freue ihn wiederzusehen, als ich jedoch daran denke, dass er mir nicht geantwortet hat, wende ich mich seufzend von den Männern ab und konzentriere mich wieder auf die zwei Beamten vor mir.

"Wie dem auch sei, um eine Bußgeldstrafe werden sie nicht drumherum kommen. Diese wird ihnen per Post zugeschickt."
Teilt mir der männliche Part dieses zweiergespanns fast schon entschuldigend mit.

"Ich habe gerade nochmal mit einem Kollegen gesprochen. Für einen Bullterrier liegt als Listenhund außerdem eine Maulkorbpflicht vor. Es sei denn sie sind in Besitz einer Sondergenehmigungen die nachweisen kann, dass ihr Hund sehr friedliebend ist."

Mich beschleicht das Gefühl, dass die nette Frau von der Polizei es mir hier deutlich schwerer machen will, als sie tatsächlich müsste. Sie sieht doch mit eigenen Augen, dass mein Hund keine Gefahr für andere darstellt. Natürlich kann ich verstehen, dass es Menschen gibt, die sich dennoch fürchten könnten, weshalb Arko sonst auch eine Leine trägt, zumindest an öffentlichen Orten wie diesen. Ein Maulkorb kommt für mich jedoch nicht in Frage.

"Ich habe einen Nachweis für einen positiven Wesenstests meines Hundes."

Arroganz zeichnet sich im Gesicht der blonden Frau in Uniform ab, bevor sie sich erneut etwas abwendet, um meine Aussage in ihr Funkgerät weiterzugeben.

Währenddessen hockt sich der - zugegeben nicht schlecht aussehende - Polizist vor meinen Hund und hält ihm die Hand zum beschnuppern hin, bevor er ihm über seinen Kopf streichelt.

"Du scheinst ja wirklich ein ganz braver zu sein, hm?"

Die Tatsache, dass wenigsten einer der beiden sieht, dass mein Schatz keineswegs aggressiv ist, lässt mich schmunzeln.

"Er beißt nur auf Befehl zu."

Der Polizist, mit den braunen Haaren, die ihm fast schon wirr vom Kopf absteheb und den dunklen Augen, blickte ebenfalls schmunzelnd zu mir nach oben.

Als seine Kollegin sich wieder zu uns gesellt, steht er auf und räusperte sich verlegen.

"Es liegt tatsächlich ein Schreiben vor welches bestätigt, dass ihr Hund aus der Maulkorbpflicht fällt, dennoch werden sie einen Brief wegen des Verstoßes der Leinenpflicht erhalten. Dass dies bis zu 50.000 Euro werden können, ist ihnen bewusst?"

Fassungslos sehe ich die Frau vor mir an. Auch ihrem Kollegen scheint das Verhalten seiner Partnerin langsam unangenehm zu werden, denn nun richtet er das Wort an mich und erklärt mir, dass der Betrag generell jedoch um einiges geringer ausfällt. Das beruhigt mich, denn auch wenn ich mit der Musik momentan gut verdiene, sind 50.000 Euro für mich viel Geld.

Erst als ich mich nach dem Gespräch zurück in Richtung des Kiosks drehe, fällt mir ein, dass sich in der Nähe von diesem gewisse Personen aufhalten.

Gedanklich versuche ich abzuwägen, ob es die Chips, die es dort gibt wirklich wert sind, um an Jonas und Co. - klingt wie eine schlechtbezahlte Werbefirma - vorbei zu gehen.

Was überlege ich deshalb überhaupt, als würde es mich interessieren, was irgendein Typ, der sich zu fein ist um zu antworten, denkt.

Also strebe ich die Eingangstür an und fische währendessen schon das nötige Kleingeld aus meiner Hosentasche.

Einzelne Wortfetzen dringen zu mir, als ich auf dem Gegenüberliegenden Gehweg von denen der Jungs zum halten komme, um Arko zu bedeuten hier sitzen zu bleiben. Normalerweise würde ich ihn lieber mit rein nehmen, nicht weil ich glaube, dass Jonas oder seine Freunde ihm was antun könnten, sondern weil ich meinen Hund generell sehr ungern draußen sitzen lasse. Man weiß ja nie was sich für Spinner auf der Straße herumtreiben.

Im Kioskinneren angekommen, steuer ich geradezu die Chipstüten an und greife nach der standartsorte Paprika.

Nachdem ich bezahlt habe, verlass ich den Späti auch schon wieder.

Arko empfängt mich, als hätte er mich Jahre nicht gesehen. Kurz lasse ich mich auf dieses Spielchen ein und kraule seinen Bauch, nachdem er sich auf den Rücken gelegt hat. Dieser Spinner.

"Und wegen diesem Schoßhund hattest du Probleme mit den Bullen?"

Eine tiefe Stimme lässt mich erschrocken herumfahren, geradewegs in die Augen von Jonas.

Weil ich mich noch immer hockend am Boden befinde, stehe ich auf, um wenigstens halbwegs auf Augenhöhe mit ihm zu sein. Vergebens. Ich glaube, sogar in meinen höchsten High Heels wäre ich noch immer um einiges kleiner als er.

Trotzig strecke ich ihm mein Kinn entgegen. "Wer sagt, dass es wegen ihm war?" Arko steht nun neben mir und mustert den Mann vor uns scharfsinnig. Er ist nicht nur ziemlich anhänglich mir gegenüber, sondern beschützt mich auch vor möglichen Gefahren. Ich hab ihn damals aufgepeppelt und mich um ihn gekümmert, für ihn bin ich sein Rudelführer und den gilt es zu beschützen. Dass Jonas keine Gefahr für mich darstellt, kann er ja nicht wissen.

"Sie haben dich nicht durchsucht und außerdem fehlt deinem Kampfhund die nötige Leine, es war offensichtlich weshalb sie dich angehalten haben."

Augenverdrehend wende ich meinen Blick von seinem ab. "Na da scheint sich aber jemand auszukennen." Nuschel ich in meinen nicht vorhanden Bart hinein, bevor ich wieder aufblicke.

"Gut kombiniert Sherlock, ich muss dann." Mit diesen Worten gehe ich an Jonas vorbei, Arko folgt mir ohne Aufforderung.

"Hey,..warte mal."

Ich komme seiner Aufforderung nicht nach und gehe stur weiter. Erst ein Berührung um mein Handgelenk, lässt mich stoppen. Sofort fängt Arko an bedrohlich zu knurren. "Ist schon gut, Arko."

Unsicher schaue ich auf die Hand, die mein Handgelenk umfasst. Jonas scheint meinen Blick zu bemerken und lässt los.

"Ich bring' dich nach Hause. Es ist spät, du solltest nicht allein auf der Straße sein. Hier laufen genug Spinner rum."

Obwohl mich seine scheinbare Besorgnis irgendwie berührt, wehre ich mich dagegen dem zuzustimmen. Stattdessen deute ich auf meinen Bullterrier. "Ich bin nicht allein, Arko ist bei mir."

Auf Jonas' Gesicht bildet sich ein schiefes Grinsen und ich komme nicht drumherum dies unglaublich heiß zu finden.

"Und du meinst, dein Schoßhündchen kann dich vor irgendwelchen Typen beschützen?"

Mir gefällt es gar nicht, dass er meinen Hund erneut als Schosshündchen betitelt. Auch wenn er sehr handzahm ist, so kann er auch anders, nicht umsonst trägt er den Namen 'Arko' welcher für Adler - der König der Lüfte - und Herscher steht.

"Ich sag meinen Jungs schnell bescheid, dass ich dich nachhause bringe, warte hier."

Ohne, dass ich etwas erwidern kann, dreht er mir den Rücken zu und läuft auf seine Freunde zu.

Seufzend schaue ich auf meinen Hund hinab, der mich mit schiefgelegten Kopf ansieht.

Das kann ja lustig werden.

__

Hey, ihr Lieben, hier ist das nächste Kapitel. Ich hoffe, dass es euch gefällt, auch wenn vielleicht nicht viel passiert.

Wie findet ihr Matt's verhalten? Und wie findet ihr Arko? Ich muss ja zugeben, dass ich mich schon etwas verliebt in ihn habe. :D

Schreibt mir gern eure Meinung. (:
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