Some Broken Hearts Never Mend

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
OC (Own Character)
10.07.2019
20.07.2019
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Ist Liebe selbstverständlich? Ist sie etwas, das jeder Mensch verdient und das jedem zusteht, ganz gleich, wer er ist, wie er lebt, welche Überzeugung er hat oder wo er herkommt? Hat man ein Recht darauf, in seinem Leben zwischenmenschliche Gegenliebe zu erfahren? Und – wenn diese zu lange Zeit ausbleibt – kann man dann liebesunfähig werden?
Derartige und ähnliche Fragen geistern mir inzwischen schon seit geraumer Zeit im Kopf herum. Und mit ihnen auch eine ganze Reihe an Gedanken und Überlegungen, sowie Sehnsüchten, die ich nur allzu gerne erfüllen würde.
Dass ich mir diese Fragen überhaupt stelle und sich mein Leben in der letzten Zeit so immens verändert hat, dass plötzlich alles Kopf steht und ich langsam nicht mehr weiß, wie ich damit umgehen soll – dafür gab, beziehungsweise gibt es einen ganz entscheidenden Auslöser.
Einen Auslöser, der mich genauso unerwartet getroffen hat wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der mich nicht nur zum Nachdenken und Reflektieren gebracht, sondern mir vor allem auch deutlich vor Augen geführt hat, dass Liebe vor allem eines ist: Nämlich ein erbarmungsloser Kampf.
Aber ich möchte nicht mitten in der Geschichte ansetzen. Daher alles ganz in Ruhe und auf Anfang: Mein Name ist Henry. Henry Achleitner. Ich bin Tierarzt und wohne in einer kleinen, eher verschlafenen Gemeinde namens Bichlheim.
Bis vor einiger Zeit war mein Leben noch relativ unspektakulär und ohne besondere Vorkommnisse – ja, man könnte sagen, fast schon langweilig. Bis ein einziger Tag, genauer gesagt, eine einzige Begegnung ganz plötzlich alles auf den Kopf gestellt und nicht nur mich, sondern meine ganze Welt vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht hat.
Vorneweg sollte ich vielleicht noch sagen, dass ich normalerweise kein Typ bin, der schnell Gefühle entwickelt oder sich Hals über Kopf in jemanden verliebt, den er eigentlich kaum kennt. Aber dieses Mal war und ist alles anders. Als ich sie gesehen habe und ihr zum ersten Mal Auge in Auge gegenübergestanden bin, da habe ich zu spüren bekommen, dass es diesen Moment der berühmten Liebe auf den ersten Blick tatsächlich gibt. Dass es sich dabei nicht nur um einen kitschig-romantischen Wunschtraum handelt, sondern es wirklich völlig unerwartet passieren kann – mitten aus dem Nichts.
Denn genau so ging es mir, als sie vor einiger Zeit zu mir in die Tierarztpraxis kam, um ihren geliebten Dalmatiner Austin untersuchen zu lassen. Gekannt oder gesehen habe ich sie vorher noch nie – sie hatte lediglich bei mir in der Praxis angerufen und einen Termin vereinbart, was ja an sich nichts Spektakuläres oder Ungewöhnliches ist.
Aber dass dieser eine Termin so viel auslösen und eine regelrechte Lawine an Ereignissen in Gang setzen würde, damit habe ich selbstverständlich nicht gerechnet. Stattdessen notierte ich einfach das abgemachte Datum und ihren Namen, sowie natürlich auch ihr Anliegen und ihren Patienten.
Alexandra Weidenhardt lautete er, also auch nichts wirklich Auffälliges oder Besonderes. Doch natürlich konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, was für eine Geschichte hinter dieser Frau steckte, wer sie war, geschweige denn, dass sie mich auch noch lange Zeit nach ihrem Besuch in meiner Praxis beschäftigen und nicht mehr loslassen würde.
Stattdessen rechnete ich mit einer standardmäßigen Routine und erwartete keine besonderen Vorkommnisse, als sie nur wenige Tage später schließlich in meine Praxis kam, gemeinsam mit ihrem neun Jahre alten Dalmatiner Austin, bei dem eine Untersuchung fällig war. Aber was sich dann ereignete und wie die Dinge sich entwickeln würden, das sah ich freilich nicht voraus.
Pünktlich zum Termin erschien sie schließlich in meiner Praxis, wobei ich zunächst viel zu sehr in meine Arbeit vertieft war, um genauer hinzusehen, geschweige denn, sie mir aus der Nähe zu betrachten. Ich grüßte nur kurz und bat sie, noch ein paar Minuten Platz zu nehmen, da ich vorher noch einen dringenden Anruf zu tätigen hatte.
Auf den allerersten Blick sah sie eigentlich ganz und gar typisch aus, so wie viele Frauen, denen ich im Laufe meines Lebens schon begegnet war. Sie hatte dunkelbraune, lange Haare mit ein paar Strähnen, die sich spielerisch über ihre Schultern ausbreiteten, einen durchschnittlichen, schlanken Körperbau und war geschätzt eins achtundsechzig oder so groß, sowie in etwa vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahre alt.
Ihre Kleidung war schlicht gehalten, nichts Hervorstechendes oder Markantes – und dennoch ist sie mir bis zum heutigen Tag deutlich in Erinnerung geblieben: Ein rotes, sommerliches Top mit kleinen Strassverzierungen, sowie eine dazu passender Jeansrock, der lediglich über die Hüfte reichte und so die Sicht auf ihre langen, leicht sonnengebräunten Beine freigab, die in einem Paar Stiefeletten an den Füßen endeten.
In ihr gesträhntes Haar hatte sie sich eine kleine Spange gesteckt, passend zu dem Muster auf ihrem Top ebenfalls mit Strass besetzt.
Darüber hinaus, was mir auch noch aufgefallen war, hatte sie ein Stück Kaugummi im Mund gehabt – Pfefferminz, wie ich wenig später deutlich wahrnehmen konnte. Ein Wunder, dass ich das überhaupt gerochen hatte, denn sie war ziemlich stark einparfümiert, mit einem sehr süßlichen, blumigen Duft, den ich nicht zuordnen konnte. Möglicherweise ein Billigparfum vom Discounter, so vermutete ich es jedenfalls.
Bis dahin war an der Situation noch gar nichts Spektakuläres – erst, als sie einige Augenblicke später zu mir ins Behandlungszimmer kam und ich so die Gelegenheit dazu hatte, ihr zum ersten Mal ins Gesicht sehen zu können –, da fiel ich fast aus allen Wolken und war für ein paar Sekunden beinahe wie gelähmt.
Diese Augen. Diese endlos tiefen, stechend grünen Augen. So etwas hatte ich in meinem gesamten Leben noch nicht gesehen. Ihr Gesicht wirkte so weich und zierlich, so zart und strahlend, dass es mich ungelogen schon fast blendete.
Und erst ihr Lächeln. Dieses kleine, freundliche Schmunzeln, das sich über ihre Lippen legte, als sie ihren Hund zu mir ins Behandlungszimmer führte – es hypnotisierte mich fast. Und ich hatte ehrlich Mühe damit, mich aus diesem Bann, in den sie mich da gerade hineinzog, wieder zu befreien.
Keine Ahnung, für wie lange ich sie wortlos anstarrte – es können Sekunden gewesen sein, vielleicht aber auch mehrere Minuten. Es war mir aus irgendeinem Grund einfach nicht möglich, mich von diesem Lächeln zu lösen, von dieser unfassbaren Ausstrahlung, die diese Frau ganz offensichtlich hatte.
Erst als sie mir zur Begrüßung ihre Hand entgegenstreckte, wachte ich aus meinem tranceähnlichen Zustand auf und es gelang mir, mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Mit leichtem Zögern ging ich schließlich darauf ein und stellte mich noch einmal bei ihr vor, wobei ich jedoch gar nicht anders konnte als sie weiterhin ausführlich zu mustern.
War ich in meinem Leben schon jemals einer so schönen Frau begegnet? Ich glaubte nicht. Zumindest nicht, dass ich mich erinnern konnte.
Nach wie vor freundlich lächelnd, machte sie mich dann auch mit Austin bekannt, welcher zur Begrüßung jedoch nur ein kurzes Hecheln übrig hatte und mit ein wenig Scheu die neue Umgebung ausführlich beschnupperte.
Danach folgte die routinemäßige Untersuchung des Vierbeiners, wobei ich unbewusst immer wieder zu ihr hinüberstarrte, während ich andererseits bemüht war, den sich als leicht trotzig erweisenden Austin unter Kontrolle zu halten.
Nebenbei versuchte ich außerdem, irgendwie eine Konversation zwischen mir und Alexandra in Gang zu bringen, was mir jedoch selbst bei aller Mühe nicht so richtig gelingen wollte.
Meine Fragen, die sich hauptsächlich nur um ihren Vierbeiner drehten, beantwortete sie ganz ruhig und gelassen – und mit einer weichen, sanften Stimme, die auf dieser Welt vermutlich auch einzigartig war. Einzigartig wie sie selbst.
Statt aber auch etwas von mir wissen zu wollen, lächelte sie einfach nur vor sich hin und gab mir dadurch das Gefühl, dass ich mich gerade ein wenig zu aufdringlich verhielt. Also zügelte ich meine Neugier so gut es ging, wenngleich die Faszination, die mich bereits vom ersten Moment an eingenommen hatte, mit jeder Sekunde noch weiter wuchs.
Nach der Untersuchung händigte ich Austin schließlich seine wohlverdiente Belohnung aus – und verspürte dabei unterbewusst den Wunsch danach, die Zeit anhalten zu können, um noch mehr davon mit seinem bildschönen Frauchen verbringen zu können.
Ich überlegte sogar, ihr einen neuen Terminvorschlag zur Kontrolle zu unterbreiten – jedoch bezweifelte ich ziemlich stark, dass sie darauf hereinfallen, geschweige denn, sich darauf einlassen würde.
Also blieb mir letztendlich nichts anderes übrig als sie von dannen ziehen zu lassen – vollkommen im Ungewissen darüber, ob ich sie jemals im Leben wiedersehen würde oder nicht. Sie bedankte sich bei mir mit einem zarten Händedruck, sowie einem weiteren, einnehmenden Lächeln, bei dem sich ihre Wangen leicht in Fältchen legten, und verließ dann, dicht gefolgt von Austin, das Behandlungszimmer, sowie ein paar Augenblicke später meine Praxis.
Zurück blieb nur ich – allein und mit schwirrenden Gedanken im Kopf, die mich ab diesem Moment an unnachgiebig malträtierten und heimsuchten. Gedanken an sie, an ihr Lächeln, ihre Stimme, ihre Sprache, ihren Gang – einfach an alles, was mit ihr zu tun hatte.
Noch niemals war ich so einer Frau begegnet. Nie zuvor hatte ich so eine Situation erlebt, in der ich noch nicht einmal mehr wusste, was ich sagen sollte. Nie zuvor war so ein wunderschönes, anmutiges Wesen in mein Leben getreten – nur um bereits einige Zeit später wieder daraus zu verschwinden. Und das möglicherweise für immer.
Nein, mit diesem Gedanken konnte ich mich nicht abfinden. Mit diesem Gedanken wollte ich mich nicht abfinden. Ich musste diese Frau um jeden Preis wiedersehen. Ich musste wissen, was genau es war, das mich so sehr an ihr faszinierte. Ich musste mehr über sie herausfinden, mehr über ihr Leben und ihre Persönlichkeit.
Und genau deshalb schrieb ich mir ihren Namen und ihre Daten auch auf einen separaten Zettel, den ich in meine Jackentasche steckte, mit der Absicht, Näheres über sie herauszufinden. Kein Stalking oder Ähnliches, sondern lediglich eine simple Recherche über sie.
Wer war diese Alexandra Weidenhardt? Wo kam sie her? Wo lebte sie? Und vor allem: Bestand für mich irgendeine Chance dazu, ihr noch einmal über den Weg zu laufen?
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