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Die schöne Helena und das Amulett der Nacht

von Madragan
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bunnymund Jack Frost OC (Own Character)
09.07.2019
06.09.2020
9
7.875
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09.07.2019 751
 
Scheiße! Scheißescheißescheißescheiße! Scheiße!
Schon wieder zu spät. Mum bringt mich um, wenn sie das herausfindet!
Dachte ich mir, als ich den Weg zur Schule rannte. Was ein bisschen schwer war, waren doch alle Wege vereist und eingeschneit. Schon wieder Wecker überhört. Schon wieder verschlafen. Schon wieder Bus verpasst.
Ich erreichte die Schule.
Ich könnte es noch schaffen!
Es klingelte exakt dann, als ich noch zehn Meter vom Tor entfernt war.
Zu. Verschlossen. Da komme ich heute wohl nicht mehr rein.
Als ich mich grad niedergeschlagen auf den Rückweg machen wollte, klackte das Tor noch einmal auf.
Ich wirbelte herum und siehe da! Mein Schuldirektor!
„Mensch, Miss Viola! Haben sie es etwa mal wieder verpasst?“
„Was denn?“
„Die Heizungen in der gesamten Schule sind eingefroren! Ich kann mir wahrlich keinen Reim darauf machen, wie das passieren konnte, aber bis auf weiteres haben alle Schüler Kältefrei. Was vor allem sie freuen wird, nehm ich an?“
Ich musste grinsen. „Kältefrei? Welch eine Tragödie!“
„Ja ja, hauen sie schon ab, aber schauen sie demnächst in ihr Postfach. Wir verschicken Briefe, wenn die Schule wieder auf dem Damm ist.“
„Alles klar. Schönen Tag noch!“
Seitdem ich letztes Schuljahr so oft zu spät kam, dass man es eingetragen hat, wenn ich mal pünktlich war, hat meine Mutter mich an so einer Schule angemeldet, die nach dem ersten Klingeln einem Bunker glichen.
Ohne Lehrer kommst du dann da weder rein noch raus.
Ich atmete befreit auf.
Ich konnte schon das Gekreische von heute Abend hören, als dieses verdammte Tor verriegelt wurde.
Gemächlich ging ich zurück nach Hause und summte vor mich hin, blieb dennoch an einem Teich stehen.
Ein kleiner Teich, mitten in Burgess.
Ohne es wirklich wahrzunehmen, setzte ich mich an den  leicht eingefrosteten Rand und sah meine Spiegelung im Wasser an.
Leicht zotteliges schwarzes Haar, was durch die Locken eher aussah wie ein explodierter Staubsauger. Eine relativ weite Stirn, die in eine für meinen Geschmack zu lange Nase über ging.
Die Nase hatte zudem auch noch diesen leichten Huckel, die mich schon immer gestört hat.
Blaue Augen. Glasklares Blau. Meeres-blau. Kaltes Blau.
Als Vater noch lebte, nannte er sie immer Puppenaugen. Was mich damals wie kaum was sonst aufregte, vermisste ich heute wie kaum was sonst.
Über die Form meiner Lippen glitt mein Blick runter zu der Kette, die ich immer trug.
Was mir auch sonst an meiner Erscheinung nicht gefiel, machte für mich diese Kette wett.
Ein Stein. Schwarz mit nur einem leichten Stich von einem Mitternachtsblau. Eingefasst durch eine silberne Fassung, wie die Wurzeln eines Baumes, der sich um den vergrabenen Schatz schlingt.
Ich fasste instinktiv zum Anhänger, welcher perfekt in meine Hand passte.
Ja, ich mochte den Anhänger wirklich sehr.
Auf einmal merkte ich, das ich nicht allein war.
Ich hatte dieses Ziehen im Nacken. Jemand starrte mich an. Unangenehm!
Ich sah auf und sah mich um. Beinahe hätte ich den Jungen übersehen, der dort auf dem Stein saß. Er passte halt ins Farbschema der gesamten Umgebung, so blau-weiß mit ein bisschen braun.
Unsere Blicke klebten für einen Moment aneinander.
Dann hörte ich auf einmal ein leichtes Surren, ein Summen von oben. Ich sah auf.
Was zum Fick?!
Nordlichter?!
Hier?! In Amerika, am helllichten Tag?!
Ich fass es nicht...
Nach dem kurzen Schreck konnte ich den Anblick sogar genießen. Ich hatte zwar immer noch keine Peilung, wie das möglich war, aber es war dennoch wunderschön anzusehen.
Ich sah wieder rüber zum Jungen, welcher im gleichen Moment etwas hastig wieder zu mir schaute.
„Merkwürdig, findest du nicht auch?“, sprach ich ihn an, den Finger auf den Himmel gerichtet.
„Ehhmm, Ja also, ehehehe... also ich...muss los!“, konterte er. Gekonnt, dachte ich, das ist mal verdammt akward.
Dann passierte das unmögliche. Der Junge sprang auf und flog weg! Was zur Hölle geht denn hier ab?!
Ich starrte dem blauäugigen Weißschopf noch eine Weile mit offenem Mund hinterher, dann stand ich auf, tippte mir mit geschlossenen Augen auf die Nase, kniff mir in den Arm zählte das ABC rückwärts auf. Das grade eben konnte nur ein Trugbild gewesen sein, bin ich denn irre? Hab ich ohne es zu wissen irgendwelche Drogen genommen? War das hier ein Traum?
Ich schob es auf meine Müdigkeit und die Kälte. Das alles wäre vergessen, sobald ich zuhause wäre und den ersten heißen Kakao intus habe.
Ich sah nochmal zum Himmel auf. Dort waren immer noch diese komischen Lichter zu sehen.
Ich rieb mir die Schläfen und ging los.
Ich glaub, der Kakao braucht dazu noch Schuss...
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