Noch nie vom Zaubereiministerium gehört?

GeschichteAbenteuer / P12
08.07.2019
28.08.2019
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Vielen Dank für das liebe Feedback von euch allen!
Die Favos und Empfehlungen wachsen, die lieben Mallory Lara, Lady Boehnchen und Alvana haben mir Reviews geschenkt... Ich bin ganz aus dem Häuschen ^^
Ich hoffe, ich kann auch euch ein klein wenig Freude mit dem neuen Kapitel machen :)
Viel Spaß!

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„Ich kann das alles nicht glauben…“, murmelte Allison, das Gesicht in ihren Händen vergraben.
„Ich meine das ist so… absurd! Wenn das alles ein furchtbarer Traum ist, würde ich jetzt gern aufwachen.“ Sie stand auf und lief in dem Raum ihres Onkels auf und ab.
„Wenn ich… Sagen wir, ich suche andere Länder ab. Sie soll es hier doch geben, oder? Wenn ich in andere Länder reise, finde ich vielleicht einen Weg wieder nach Hause. Es soll so eine große Bibliothek in einem Land geben.“, sagte sie und schaute zu dem Mann in violetten Roben, welcher ruhig auf seinem Stuhl saß. Er runzelte die Stirn und sah sie nachdenklich an.
„Denkst du, dass in den vergangenen 500 Jahren noch niemand versucht hat, Antworten zu finden? Glaubst du ich habe die letzten 50 Jahre hier gesessen und Tee getrunken?“, fragte er skeptisch, doch ohne Härte in seiner Stimme. Er wusste, wie sich das anfühlte, auch wenn er dieses Gefühl der Verlorenheit bereits vor vielen Jahren abgelegt hatte.

Ertappt blieb Allison stehen und sah zu Boden.
„Ich wollte damit nicht sagen, dass… Du weißt schon. Dass Deine Arbeit nicht wichtig war. Was hast du herausgefunden?“, fragte sie und setzte sich wieder hin.
Bordon seufzte.
„Leider nicht viel. Unsere Familie hat sich offenbar genauso hier angesiedelt, wie in England, aber niemand weiß, wo wir ursprünglich herkommen, also wo es angefangen hat. Wir haben also zwei größere Familienzweige, einen hier und einen in Großbritannien. Hier scheinen sie jedoch viel mehr über die Vorfälle zu wissen, als dort, zumindest gehen sie offener damit um. In den verbündeten Ländern haben wir überall Magier in den Gilden, die eingeweiht sind und bei einem Auftauchen von jemandem helfen. Sie haben sich hier etwas aufgebaut, nur deshalb war es mir möglich, hier Magier zu werden. Ohne Adelsfamilie und ein Haus ist das nicht möglich.“, meinte er.
„Wieso nur habe ich das Gefühl, dass du mit einem Haus nicht ein richtiges Haus aus Steinen und mit Fenstern meinst?“, seufzte Allison und lehnte sich zurück.

„Du wirst eine Menge lernen müssen. Die Menschen hier sind… konservativ. Ihre sozialen Strukturen kann man mit denen der Muggle vor 200 Jahren vergleichen, nun, für dich sicherlich fast 300 Jahre, sie haben einen König und die Adelshäuser, welche viel zu sagen haben. Nur ihnen ist es vergönnt, Magie zu lernen, auch wenn es in den Hütten und Armenvierteln begabte Kinder gibt.“, erklärte er. Allison schnaufte.
„Das klingt, als hätte der Dunkle Lord es geschafft und nur die Menschen, die in das Weltbild der Regierenden passen, dürfen Magie lernen.“, meinte sie mit merklicher Verbitterung in ihrer Stimme.
„Mit dem Unterschied, dass es hier nie anders war. Die Menschen haben es akzeptiert, aber Magie ist kein Geheimnis. Ihre Macht ist nur ein Teil von ihren Privilegien, wie ihr Geld und ihre anderen Reichtümer.“
„Du klingst, als würdest du dich nicht dazu zählen?“
„Nun, ich bin in anderen Verhältnissen geboren.“, lächelte Bordon. „Aber ich kann nicht bestreiten, dankbar für ihre Unterstützung zu sein. Wäre ich nicht an unsere Familie hier gelangt, dann wären die letzten 50 Jahre weitaus weniger angenehm für mich geworden. Mein Zauberstab ist verloren gegangen, als wir damals angegriffen wurden, sonst hätte ich mit einem Kopfblasenzauber überleben können. Ohne meinen Zauberstab war meine Magie hier nutzlos, aber man hat mich aufgenommen und mir die Möglichkeit gegeben, andere Magie zu lernen.“, fügte er hinzu.

Allison biss auf die Innenseite ihrer Wange und überlegte.
„Und es besteht nicht die Möglichkeit, dass du ein Betrüger bist und mich anlügst?“, fragte sie mit gespielter Hoffnung in ihrer Stimme. Bordon lachte auf.
„Wenn du magst, beweise ich es dir, aber ich kann mein Familienamulett nicht finden. Da ist ein Bild unserer Familie drauf, noch von damals.“, sagte er und schaute mit Bedauern zu seinen Schränken.
„Hast du je „Accio“ gelernt?“, fragte sie. Bordon riss die Augen auf.
„Sag nicht du hast einen Zauberstab dabei?“, fragte er aufgeregt.
„Doch natürlich.“, sagte sie und reichte ihm den ihren. Ehrfürchtig hielt er das Holz in seiner Hand und lächelte.
„Accio Amulett.“, sagte er und schaute gespannt in den Raum. Für einen Moment geschah nichts. Mit einem bedauernden Gesichtsausdruck reichte er ihr den Zauberstab wieder.
„Ich fürchte, ich bin aus der Übung.“, meinte er und lehnte sich zurück, als sie ein Geräusch hörten. Gespannt schauten sie sich nach der Quelle des Geräusches um, als ein kleines goldenes Medaillon unter einem Türschlitz hervorkroch und in der Hand des Alchemisten landete.
„Es funktioniert noch!“, rief er aufgeregt und mir sichtlicher Freude. Er drehte das goldene Schmuckstück in seiner Hand und reichte es seiner Nichte.
„Schau es dir an.“, meinte er mit einem ermutigenden Lächeln. Allison öffnete es und sah ein verblasstes Foto von drei Kindern. Es waren zwei Jungen und ein Mädchen zu sehen, welche in die Kamera grinsten und wanken. Es war ein typisches Zaubererfoto, welches sich bewegte.
Ein Lächeln stahl sich auf Allisons Gesicht, als sie ihren Großvater erkannte. In ihrer Tasche hatte sie ein ähnliches Foto von dem jüngeren Ich ihres Vorfahren. Als sie vor knapp einem Jahr die Flucht ergriffen hatte, musste sie in einem kurzen Zeitraum möglichst viele ihrer Besitztümer zusammentragen und das alte Familienalbum war eines der Dinge gewesen. Ob sich dort auch ein Bild von Bordon befand? Der andere Junge in dem Bild war zweifelsohne der gleiche Mann, der gerade vor ihr saß. Auch, wenn die Zeit an ihm gezerrt hatte, war der Ausdruck in seinen Augen der gleiche.

„Ich erkenne ihn.“, meinte sie mit einem Lächeln. „Ich wusste gar nicht, dass Großtante Maddie meiner Tante so ähnlich sah.“, dachte sie laut und schmunzelte. Die Schwester ihrer Mutter hatte eine große Ähnlichkeit mit ihrer Tante.
„Wie geht es der Familie?“, fragte Bordon. „Und was habe ich verpasst?“
Allison seufzte. Sie hatte nicht nur gute Nachrichten.
„Nun… Großtante Maddie hat nie geheiratet, sie wurde eine sehr erfolgreiche Ministeriumshexe! Ich glaube, sie war einmal für den Posten der Zaubereiministerin vorgeschlagen, aber sie hat abgelehnt. Sie ist vor vielen Jahren an Drachenpocken gestorben.“, meinte Allison mit Bedauern.
„Großvater hatte zwei Kinder, meine Mutter und meine Tante, Charlotte. Meine Tante hat… Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft sie geheiratet hat, aber sie hat nie Kinder bekommen. Als meine Eltern gestorben sind, bin ich in den Ferien oft bei ihr gewesen.“. Bordons Augen wurden groß.
„Du bist eine Waise?“, fragte er. Allison nickte.
„Ja, als ich 11 war, ich war gerade in Hogwarts, da sind Mum und Dad von Todessern angegriffen worden. Da war diese… verrückte Hexe, Bellatrix Lestrange, mit der meine Mutter schon in ihrer Schulzeit immer Streit hatte. Mein Vater ist mugglegeborener und sie waren schon in der Schule zusammen, Mutter hat ihn damals immer aus blöden Situationen mit den Slytherins rausgeholt. Auf jeden Fall sind Lestrange und ein paar andere Todesser nach dem ersten Fall von Du-Weißt-Schon-Wem noch auf freiem Fuß gewesen und meine Eltern waren zwei der Opfer von ihnen, bevor sie endlich nach Askaban gebracht wurden. Deswegen wollte ich Aurorin werden.“ Allison holte tief Luft. Es war nicht so, dass es noch immer weh tat, darüber zu reden. Sie war eine erwachsene Frau und es lag bereits 17 Jahre zurück. Aber wenn sie sich an ihre Zeit in Hogwarts erinnerte, dann kamen dunkle Erinnerungen in ihr hoch. Ihre ersten Jahre waren furchtbar gewesen, sie hatte nur wenig Zeit, den Tod ihrer Eltern aufzuarbeiten und sich gleichzeitig auf die Schule zu konzentrieren. Erst, als sie lernte, mit dem Schmerz umzugehen und Trost bei ihren Tanten in der Zauberer- und Mugglewelt fand, wurde es besser.
Es bestärkte sie umso mehr, als Aurorin ihr Bestes zu geben, damit andere nicht durch das gleiche mussten, wie sie. Aber sogar das schien nun vorbei zu sein.
Bordon hatte sie nicht ein einziges Mal unterbrochen, doch nun setzte er wieder an zu reden.
„Das… Das tut mir leid. Wie sind sie gestorben?“, fragte er und konnte eine gewisse Ungeduld in seiner Stimme nicht verbergen. Es fiel Allison gar nicht auf, so war sie in Erinnerungen versunken. Jetzt, da sie wieder in einer ähnlich entwurzelten Situation war, fühlte sie sich fast wieder wie das elfjährige Mädchen von damals.

„Ähm… Keine Ahnung, ich glaube sie wurden noch gefoltert, aber ich weiß es nicht. Ich habe mir ihre Akte nie angesehen, als Kind wollte ich es gar nicht wissen.“, meinte sie mit einem Schulterzucken und war mehr als bereit, das Thema zu wechseln.
Bordon murmelte etwas Unverständliches und war sichtlich unzufrieden.
„Was hast du?“, fragte Allison und sah ihn neugierig an. Vielleicht war da ja die gewünschte Ablenkung.
„Es ist wahrscheinlich nichts, ich möchte dir auch keine falschen Hoffnungen machen… Aber je nachdem wie sie gestorben ist, ist sie vielleicht ebenfalls hier.“, meinte er und wich ihrem Blick aus. Allison risss die Augen auf.
„Und das wäre möglich?“, fragte sie aufgeregt. Bordon zuckte bei ihrem lauten Ton zusammen.
„Nun, mach dir keine allzu große Hoffnung, es muss ja nicht heißen, dass es bei ihr tatsächlich passiert ist. Und selbst wenn, könnte sie noch immer hier gestorben sein. Wenn du magst schreibe ich Briefe an die Magier unserer Familie in den verbündeten Ländern, ob ihnen vor einigen Jahren etwas aufgefallen ist und ob sie vielleicht von jemandem gehört haben, der wie deine Mutter aussieht. Hast du ein Bild von ihr?“, fragte er.

Allison war nicht mehr zu halten. Sofort griff sie in ihre Tasche und suchte hektisch nach ihrem Fotoalbum, gab die Suche jedoch schnell auf und beschwor es mit einem „Accio.“. Als sie das Bild letzte Foto ihrer Mutter vor ihrem Tod in den Händen hatte, hielt sie inne. Sie sollte sich nicht so viele Hoffnungen machen. Und vor allem sollte sie keine alten Wunden aufreißen, die eigentlich schon gut verheilt waren.
Und dennoch, einen Versuch war es wert.
Das Foto zeigte Allison mit ihrer Mutter und ihrem Vater. Es war am Gleis 9 ¾ entstanden, kurz bevor sie sich auf den Weg nach Hogwarts gemacht hatte. Ihre Eltern grinsten stolz in die Kamera und in Allisons Gesicht waren sowohl Vorfreude, als auch ein wenig Angst zu sehen. Für alle Kinder war Hogwarts eine große Reise, auf die sie sich zwar freuten, die ihnen allerdings auch viel Respekt entlockte. Schließlich ging man nicht jeden Tag für Monate von der eigenen Familie weg, vor allem nicht im zarten Alter von 11.
Sie merkte gar nicht, dass ihr Tränen in die Augen schossen, bis ihre Sicht verschwommen wurde. Sie schniefte einmal laut und blinzelte die Tränen weg. Sie würde jetzt nicht weinen. Nicht wegen ihren Eltern und auch nicht, weil sie in dieser Situation war. Sie würde auch nicht weinen, weil sie ihre Freunde nie wiedersehen würde, weil sie ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnte und wahrscheinlich nie mehr von diesem rückständigen Ort entkommen konnte.
Heulen brachte schließlich niemandem etwas.

„Hier.“, sagte sie und räusperte sich, als ihre Stimme brach. Mit einem gezwungenen Lächeln reichte sie ihrem Onkel über den Tisch hinweg das Bild.
Als er es entgegennahm, schlich sich ein Lächeln auf sein Gesicht.
„Deine Mutter hat sehr viel mit meiner Mutter gemeinsam.“, meinte er und war sichtlich in Gedanken. „Sie haben den gleichen Mund, und oh! Die Kopfform ist definitiv dieselbe!“, rief er erfreut und war sichtlich unwissend über den emotionalen Konflikt in Allison.
Dann wurde sie für einen Moment wütend. Wieso machte er ihr Hoffnung, dass ihre Mutter noch lebte? Wieso musste sie ausgerechnet hier landen und mit ihrer Familie konfrontiert werden?
Die Geschichte, die Bordon ihr erzählte, war grotesk, aber sie konnte sich nicht anderweitig erklären, was passiert sein mochte. Auch sein Foto sprach für ihn, sein Name und sein Aussehen… Die Tatsache, dass die Menschen hier stablos heilten und Magie ohne Worte wirkten.
Sie hatte mittlerweile keine Zweifel mehr, dass sie an einem kuriosen fremden Ort war, aber das machte ihre Situation nur schlimmer. In Unwissenheit hätte sie trotzig behaupten können, von Lügnern und Entführern umgeben zu sein. Aber so… So war sie gezwungen, sich mit der misslichen Lage auseinanderzusetzen und daran zu gewöhnen. Und das würde ihr nicht gelingen, indem sie in Erinnerungen schwelgte und mit einem totgeglaubten über die alten Zeiten sprach.

„Nun… So sehr ich mit dir über die Familie reden möchte, bringt uns das nicht weiter. Ich muss alles wissen, was du über diesen „Weltenwechsel“ in Erfahrung bringen konntest. Und es wäre toll, wenn du mir das wichtigste über dieses Land verraten könntest, ich muss mich angemessen kleiden, sprechen, mich verhalten. Und ich muss einen Job finden! Bei Merlin, ich bin arbeitslos…“, meinte sie und steigerte sich immer mehr in die Gedanken an die Zukunft. Das waren willkommenere Gedanken als die an ihre Familie.
„Nun mal ganz ruhig, du hast genügend Zeit, um all das zu lernen. Genau gesagt dein ganzes Leben. Ich würde vorschlagen, dass wir dich erst einmal auf Kurs bringen, was dieses Land angeht, dann kann ich dir meine Studien zeigen. Und fürs erste kannst du bei mir leben, die Gilde erlaubt Familienmitgliedern auf ihrem Gelände zu wohnen.“, meinte Bordon und stand auf, um das Foto zu verstauen. Allison vermutete, dass er später die Briefe schreiben und verschicken würde.

Allison erschrak, als es an der Tür klopfte und sie nach wenige Sekunden nach innen aufschwang. Bordon hingegen sah keineswegs überrascht aus. Sie fragte sich, ob die Magier selbst die Türen aufmachten, schließlich war die Tür des Administrators auch ohne Kontakt aufgegangen, als Osen, der Assistent sie zu Lorlen gebracht hatte.
Eine brünette junge Frau in einfacher Kleidung betrat den Raum und lächelte freundlich.
„Mylord. Mylady.“, meinte sie zur Begrüßung und verneigte sich vor Allison. Diese verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse mit einem nicht ganz ihre Augen erreichenden Halblächelns. Die Verbeugung und Ansprache waren ihr überhaupt nicht geheuer und sie fühlte sich mehr als fehl am Platz.
„Kann ich den Tisch abräumen, oder kann ich euch noch anderweitig behilflich sein?“, fragte sie und sah zu dem Alchemisten. Dieser drehte sich um.
„Du kannst aufräumen, Karen, danke.“, meinte er und schmunzelte bei dem entsetzten Ausdruck im Gesicht seiner Nichte. Er trat einen Schritt auf diese zu und legte seine Hand auf ihre Schulter.
„Darf ich dir meine Nichte, Allison vorstellen? Sie wird in nächster Zeit hier leben, wärst du so nett und würdest das Gästezimmer herrichten?“, frage er freundlich, obwohl er die Antwort bereits kannte.
Karen nickte.
„Selbstverständlich, Mylord.“, sprach sie und wandte sich dann zu Allison. „Es freut mich, euch kennen zu lernen, Mylady.“, sagte sie und begann, den Tisch abzuräumen.
„Eh, die Freude ist ganz meinerseits.“, gab diese zurück und sah hilfesuchend zu ihrem Onkel. Musste sie jetzt auch ‚Mylady‘ sagen und sich verbeugen?

Bordon amüsierte sich sichtlich und nahm seine Nichte bei ihrem Arm.
„Komm, Allison, ich werde dir das Gelände der Gilde zeigen und dich in das Leben der Gilde einführen.“, meinte er und ging bereits einen Schritt auf die Tür zu.
„Vergesst nicht Eure Privatstunde mit Lord Sakumos Nichte.“, meinte Karen und blickte aus dem Fenster. Bordons Blick verdunkelte sich.
„Stimmt, ich habe heute Privatunterricht… Allison, ich fürchte meine Führung muss warten. Wenn du magst gebe ich dir eine Karte der Gilde und du kannst dich allein umsehen. Mich ruft die Pflicht.“, sagte er und lächelte entschuldigend. Seine Nichte schüttelte ihren Kopf.
„Das macht nichts, ich finde mich bestimmt allein zurecht.“, sagte sie mit mehr Zuversicht in ihrer Stimme, als sie eigentlich empfand. Wenn es hart auf hart käme, würde sie einfach zurück apparieren, viele Orte kannte sie ja noch nicht.
„Okay, Moment.“, meinte er und kramte in einer Kommode, ehe er ein aufgerolltes Papier herauszog.
„Hier vorne sind die Gärten, du solltest ihnen einen Besuch abstatten.“, sagte e und zeigte auf eine große, freie Fläche auf der schlichten Karte.
„Wenn du mich brauchst, werde ich in diesem Gebäude sein.“, sagte er und zeigte es ihr.
„Im Moment sind wir hier.“, fügte er kurz angebunden hinzu.

„Wenn du dich verläufst oder Fragen hast, scheue nicht davor, jemanden zu fragen, die meisten Magier sind sehr nett. Und vergiss nicht, alle Menschen in bunten Roben mit „Ihr“ und „Euch“ anzusprechen, daran solltest du dich gewöhnen. Die in braunen und kürzeren Roben sind Novizen, sie kannst du mit „Du“ ansprechen, genauso wie die Bediensteten.“ Sagte er schnell, womit seine kurze Einführung endete. Allison hatte nicht einmal Zeit, um sich eine Frage zu überlegen, da verabschiedete er sich erneut mit einer Entschuldigung und verschwand mit wehenden Roben und einem schnellen Gang den Flur hinunter.
Allison seufzte. Zumindest hatte er ihr im Ansatz die richtige Etiquette beigebracht.
Sie drehte sich noch einmal zu Karen um, welche mit dem Abräumen des Tisches beschäftigt war. Als sie den Blick der Hexe auf sich spürte, blickte sie auf und setzte ein freundliches Lächeln auf.
„Kann ich Euch noch behilflich sein, Mylady?“, fragte sie. Allison schüttelte rasch den Kopf.
„Nein, aber danke.“, meinte sie, griff nach ihrer Tasche und verließ den Raum.
„Auf Wiedersehen.“, sagte sie, weil sie nicht wortlos gehen wollte und zog die Tür hinter sich zu.

Nun stand sie hier, in einem großen, grauen Flur, eine Karte in der linken Hand, sowie ihren Zauberstab in der rechten Hand und machte sich auf den Weg ins Freie. Das würde ein interessanter Ausflug werden.
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