Ein Schatten über Valenwald

von Ortakh
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
08.07.2019
24.07.2019
30
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Am nächsten Morgen beteiligen sich Arun und Elsil an der Suche nach Beweisen und dem Mörder. Elsil führt eine Gruppe Söldner und Wachen an, während Arun seine Schüler bei sich hat. Es soll ihnen unter anderem einen Einblick in das geben, was sie später als Klingen oder Assassinen immer wieder machen könnten: Häuser durchsuchen und auf Hinweise achten. Aber vor allem braucht der Hauptmann jeden nur erdenklichen Mann und jede Frau, da möglichst viele Häuser gleichzeitig durchsucht werden sollen. Die Stadttore bleiben weiterhin verschlossen und nur nach gründlicher Durchsuchung dürfen vereinzelt Bürger hinein oder hinaus.
Elsil klopft an die Tür eines Hauses unweit des ersten Leichenfund vom Vortag. Es dauert nur ein paar Sekunden, da öffnet ein großer, breit gebauter Nord die Haustür. Elsil schätzt ihn auf etwa 50 Jahre und seine Narben im Gesicht – eine von ihnen erstreckt sich quer über sein rechtes Auge und seine Nase – lassen darauf schließen, dass er schon in einigen Kämpfen, sogar Kriegen verwickelt gewesen sein könnte und mit Waffen sehr gut umzugehen versteht.
„Guten Morgen, dürfen wir für eine Routine-Durchsuchung Ihr Haus betreten?“, fragt Elsil.
„Weshalb sollte ich Ihnen Zutritt zu meinem Haus gewähren?“, entgegnet er und baut sich in der Tür auf.
Sichtlich genervt und unbeeindruckt tritt Elsil an den Mann heran. „Weil wir einen Mörder suchen und der Hauptmann hat veranlasst, dass jedes Haus der Stadt durchsucht werden muss. Wenn Ihr also keine Probleme machen wollt, dann tretet beiseite. Oder habt ihr etwas zu verbergen?“
Der Mann zuckt kurz zusammen. Besorgt schaut er die Wachen hinter Elsil an und sein Gesicht verrät ihr, dass er mit sich selbst hadert, sie in sein Haus zu lassen.
„Hört, wenn Ihr nichts mit den Morden zu tun habt, dann gibt es für Euch keinen Grund Euch uns in den Weg zu stellen.“, meint Elsil. „Ich verspreche Euch, es wird nur um die Morde gehen.“
Nach kurzer Überlegung tritt der Mann zur Seite und gewährt der kleinen Gruppe Einlass in sein kleines Haus. Es gibt gerade einmal zwei Räume, wobei der zweite Raum eher eine Abstellkammer ist. Sie durchsuchen Kisten, Truhen und Schränke, finden jedoch nichts was auf die Morde hinweist. Der Nord arbeitet als Holzarbeiter, das sagt zumindest seine Arbeitskleidung, lebt allein und ist dem Alkohol sehr zugetan. Eine Truhe ist mit leeren Flaschen nur so überfüllt und, obwohl Elsil etwas anderes vermutet hat, ist auch darunter nichts zu finden.
„Vielen Dank, ich wüsche Ihnen noch einen schönen Abend.“ Elsil verabschiedet sich und sie verlassen das Haus. Ein paar Meter weiter flüstert sie einer Wache ins Ohr, er solle sich den Namen des Mannes merken. Sie hat bei ihm einen Dolch gefunden, der vor ein paar Tagen als gestohlen gemeldet wurde. In ein paar Tagen werden sie sich noch einmal mit dem Fall vertraut machen und die Hinweise in seine Richtung untersuchen. Vielleicht finden sie Beweise, wenn sie wissen, wer den Dolch hat.
Da dies das letzte Haus war, laufen Elsil und die restlichen Wachen zurück zur Kaserne und treffen unterwegs auf Arun seine Schüler. Sie haben die letzten Stunden ebenfalls Häuser durchsucht, aber auch nichts gefunden.
„Na gut, jetzt können wir nur noch außerhalb der Stadt suchen. Der Mörder ist vermutlich aus der Stadt bevor die Tore geschlossen werden konnten. Ich schlage vor wir teilen uns in kleine Gruppen auf und suchen nach Hinweisen, falls jemand etwas findet soll er sofort zur Kaserne. Wir treffen uns dort in zwei Stunden.“ Elsil übernimmt die Führung, da der Hauptmann in der Stadt zugange ist.
In kleinen Gruppen von drei bis vier Söldner und Wachen verteilen sie sich um die Stadt und suchen nach …
„Was suchen wir eigentlich?“, fragt einer der Schüler Arun.
„Nichts spezielles, aber alles, das uns bei der Suche nach dem Mörder hilft.“, antwortet er mit einer ruhigen und konzentrierten Stimme, während er zu allen Seiten nach etwas sucht, von dem er selbst nicht weiß, was es sein soll. Aber genau das will er seinen Schülern beibringen. Nicht wissen, was man sucht, bis man gefunden hat, was man gesucht hat.
„Etwa das hier?“ Der junge Dunkelelf hält ein Stück Pergament in die Höhe und zeigt sie seinem Lehrer. Es ist ein kleiner Zettel mit nur ein paar wenigen Worten darauf. Arun tritt an ihn heran und nimmt den Zettel an sich.
Treuer Bruder,
gehe nach Grünherz und töte. Wir haben ein Ziel, töte. Es ist egal, töte.
Heil Sithis
„Bei den neun Göttlichen!“, ruft Arun. Ein kalter Schauer läuft ihm den Rücken hinunter und lässt ihn zu Boden sacken. „Die Dunkle Bruderschaft. Sie ist hier. Hier in Grünherz.“
Direkt im Anschluss läuft Arun wieder in die Stadt in die Kaserne zu Hauptmann Nachtwasser. Elsil wartet bereits und berät sich mit dem Hauptmann, als Arun in sein Büro hereingestürmt kommt und voller Wut und Angst zugleich das Stück Pergament auf den Tisch knallt. Die beiden hatten ihn bis dahin nicht bemerkt und sind dementsprechend überrascht ihn so aufgewühlt zu sehen.
„Das lag vor den Stadttoren. Hat vermutlich jemand verloren.“, sagt Arun und schaut seine Frau und den Hauptmann mit finsterer Miene an und wartet auf ihre Reaktionen.
Elsil wendet sich an den Hauptmann. „Ich glaube, jetzt wissen wir, wer hinter den Morden steckt. Ich hab es Euch ja gesagt.“
„Es war nicht ersichtlich, dass die Dunkle Bruderschaft hinter den Morden steckt. Also versucht nicht mir ein schlechtes Gewissen zu machen.“, kontert der Hauptmann. „Das hier hat niemand erwartet.“
„Das ist doch jetzt nicht euer Ernst. Wir haben hier ein echtes Problem und ihr streitet euch darüber, wer Recht hat.“, schreit Arun die beiden fassungslos und wütend an. Der Hauptmann entschuldigt sich und alle drei beruhigen sich wieder.
„Alles klar, wo habt Ihr die Notiz gefunden?“, fragt Hauptmann Nachtwasser. Gleichzeitig holt er eine Karte der Umgebung und breitet sie auf dem Tisch aus, an dem die drei stehen. In der Mitte ist die Stadt mit ihren Mauern, Toren, Straßen, Wegen und Häusern abgebildet. Um die Stadt herum sind die Felder und Bäume eingezeichnet und hin und wieder die ein oder andere Höhle. Da die alten Pläne im Krieg zerstört wurden, sind die Karten nicht mehr auf dem aktuellsten Stand und werden erst nach und nach aktualisiert.
„Genau hier.“, sagt Arun und zeigt auf die Stelle, an der sein Schüler den Zettel gefunden und ihm gegeben hat. „Was ist das?“, fragt er, als er eine eckige Markierung auf der Karte nördlich der Stadt entdeckt.
„Das ist eine alte Festung. Sie war damals die Heimat eines alten Königs, der vor vielen Jahrhunderten gelebt und hier regiert hat.“ Der Hauptmann winkt die Frage ab, als würde er sie wegschieben wollen; scheint nicht wichtig zu sein. „Ich schlage vor, wir umzingeln nachts die Festung und stürmen sie.“ Er bildet mit seinen Fingern beider Hände einen Kreis um die Stelle, an der die Festung sein soll und zieht diesen immer weiter zu. „Wenn sie wirklich dort ihr Hauptquartier aufgebaut haben sollten, können wir sie vertreiben, bevor sie sich hier einnisten können.“
Arun und Elsil sind mit dem Plan einverstanden und beginnen mit der näheren Planung. Ebenso werden so viele Männer und Frauen zusammengetrommelt, wie sie in der kurzen Zeit finden können.
„Die Dunkle Bruderschaft wird noch heute Nacht vernichtet.“
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