Cheers!

von xDawnx
OneshotRomanze / P12 Slash
Chuya Nakahara Dazai Osamu
08.07.2019
08.07.2019
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Hallo und herzlich Willkommen zu „Cheers!“! °˖✧◝(⁰▿⁰)◜✧˖°

Uff, ich bin aufgeregt. Eine Fanfic in einem neuen Fandom zu posten ist immer mega gruselig, aber irgendwie bin ich hier besonders nervös? Vielleicht, weil das deutsche BSD Fandom so klein. Und das ist echt eine Schande!!! BSD ist SO gut!

Ich selbst bin noch relativ neu im Fandom, hab erst im Mai angefangen den Anime zu gucken und was soll ich sagen… Ich war sofort begeistert. Der Zeichenstil, die Charaktere, die Story… Alles ist einfach nur top!!!

Hab jetzt auch angefangen den Manga zu lesen und ich bin einfach nur verliebt in diese Serie…

Mein absoluter Lieblingscharakter ist ja Tanizaki, aber über ihn habe ich jetzt keine Fanfic geschrieben. Würde ich ja eigentlich schon gern, aber leider shippe ich ihn nicht so wirklich mit jemandem… :< Was total ungewohnt ist, aber gut. Mein Baby Boy ist ja leider eh nur ein Nebencharakter und ich weine, dass er so selten vorkommt… Das Leben kann grausam sein TT__TT

Aber es gibt ja genug andere tolle Ships! Wie Soukoku! Ich muss sagen, anfangs mochte ich es nicht so, da ich mehr auf der Dazai/Atsushi Schiene war (bin ich immer noch, bin Multishipper, lol!!), aber irgendwann hat es mich dann doch gepackt und hier bin ich nun, haha!

Ich muss direkt dazu sagen, dass diese Fanfic eher eine Art… Übung war. Um mit den Charakteren vertraut zu werden. Plot ist wirklich kaum vorhanden;;; Mehr die Interaktion zwischen den Jungs, um einfach zu sehen, kann ich diese Charaktere schreiben? Machen sie mir Probleme? Krieg ich sie IC hin?

Und ich muss sagen… Chuuya hat mir überraschenderweise Probleme gemacht?! Ich dachte, Dazai wäre das Problem, weil er so schlau ist und toll und hübsch, LOL, aber irgendwie fand ich es schwerer, Chuuya zu schreiben… Aber gut, das ist ja auch der junge Chuuya, aus seiner Anfangszeit bei der Port Mafia, da ist er ja noch etwas… ungestümer, würde ich sagen :‘D

Also ja… Ich hoffe, vielleicht ein paar Gleichgesinnte zu treffen, denn hier in Deutschland Leute zu finden, mit denen man über BSD reden kann, ist verdammt schwer! ;__;

Geplant sind mehr Fics, auch zu anderen Ships, da ich wie erwähnt auch sehr gerne Dazai/Atsushi hab, aber bin auch Akutagawa/Atsushi nicht abgeneigt! :‘)

Danke an Nussi fürs Betalesen! <3

Genug um den heißen Brei herum geredet, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! <3

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Cheers!


Chuuya Nakahara war verliebt.

Dessen war sich Osamu Dazai sicher.

Zu hundert Prozent.

In wen Chuuya verliebt war?

Na, in Dazai natürlich!

Auch dessen war sich Dazai sicher. Denn Chuuya zu lesen, das war nicht schwer. Er war wie ein offenes Buch, viel zu transparent mit seinen Gefühlen, sodass es eine Leichtigkeit war, sie zu entziffern.

Chuuya war zwar vielleicht ein wenig… unehrlich, was seine Wortwahl betraf, aber seine Körpersprache, die log nicht.

Die Art und Weise, wie er Dazai ein wenig zu nah kam, wenn er ihm wegen irgendeinem Blödsinn mal wieder die Ohren vollheulte.

Die Art und Weise, wie seine Hand ein wenig zu lange verweilte, wenn er Dazai am Kragen packte, um ihn näher zu ziehen.

Die Art und Weise, wie sein Blick ein wenig zu lange auf Dazai ruhte. Der stechende Blick dieser strahlend blauen Augen, den Dazai beinahe konstant auf sich spüren konnte.

Jepp, es gab keine Zweifel. Die Indizien waren eindeutig.

Chuuya war in ihn verknallt.

Wirklich überrascht war Dazai von dieser Erkenntnis nicht. Als sie sich vor einigen Monaten das erste Mal in die Augen geblickt hatten, in den Trümmern von Cone Street, da war ihm schon klar gewesen, dass es so kommen würde. Dass es so kommen musste.

So war nun einmal der Lauf der Dinge. Eine völlig natürliche Entwicklung ihrer Beziehung.

So weit, so gut.

Aber Dazai wäre nicht Dazai, wenn er die ganze Geschichte nun einfach so belassen würde. Nein, das wäre zu langweilig. Chuuya spuckte zwar große Töne, aber in solch einer Angelegenheit war er ein Angsthase. Zu verunsichert. Wahrscheinlich war Dazai sogar seine erste große Liebe.

Auf ein Geständnis konnte Dazai also ewig warten. Wollte er aber nicht. Eine der wenigen Aktivitäten, die ihm tatsächlich so ein Gefühl wie Freude entlocken konnte, war es schließlich, Chuuya zur Weißglut zu bringen.

Was wäre also spaßiger, als Chuuya so in Bedrängnis zu bringen, dass er ihm seine Liebe einfach gestehen musste? Total verfrüht, ohne mental darauf vorbereitet zu sein. Wahrscheinlich würde er stottern. Sein Gesicht würde noch röter anlaufen als seine Haare.

Ein Anblick, den Dazai sich keinesfalls entgehen lassen wollte!

Also hatte er einen Plan geschmiedet. Nein, nicht nur einen. Genau genommen hatte er sogar sehr viele geschmiedet, aber nicht alle von ihnen waren so einfach umzusetzen. Bis sich Dazai schließlich die perfekte Gelegenheit bot.

Eine einmalige Chance, die er sich auf keinen Fall entgehen lassen würde.

Also wartete Dazai, bis Chuuya das Büro des Bosses verließ, um mit einem geflöteten „Chuuya~!“ hinter einer der Säulen des Flures hervorzuspringen.

„Was zur-?!“ Chuuya sprang einen halben Meter in die Höhe, die blauen Augen kugelrund vor Schreck, bevor sie sich missmutig verengten, als er sein Gegenüber erblickte. „Dazai, du Penner!“

Dazai ließ sich davon nicht beirren, seine Lippen weiterhin in ein süßliches Lächeln verzogen. „Glückwunsch zum Bestehen deiner ersten Solo-Mission, Chuuya!“

„Tsk“, machte der Rothaarige und schob die Hände tief in die Taschen seines Mantels. „Das war ein Kinderspiel. Keine Herausforderung für so jemanden wie mich.“

„Ja, ja, ich bin mir sicher, dass du es super gemeistert hast, tolle Arbeit“, pflichtete Dazai desinteressiert zu und streckte die Hand aus, um Chuuya den Kopf zu tätscheln, doch dieser wich mit einem Knurren aus. „Du bist schließlich mein Untergebener, da gab es keine Zweifel, dass du hervorragend abliefern wirst!“

„Hah?!“ Chuuya verzog verärgert den Mund. „Du bist nicht mein Vorgesetzter, verdammt, das ist Big Sis Kouyou!“

„Offiziell vielleicht, ja, aber wir wissen beide, dass du eigentlich mein Untergebener bist.“ Dazai fuchtelte mit der Hand herum. „Mein Hund sogar, wenn wir es ganz genau nehmen. Ich hab dich in unserem kleinen Spielchen schließlich besiegt.“

Dazai konnte einen Muskel in Chuuyas Wange zucken sehen. Ah, immer so schnell auf die Palme zu bringen. Herrlich. „Wann kapierst du endlich“, fing Chuuya zischend an und ballte die Hände in seinen Taschen zu Fäusten, „dass du überhaupt nicht gewonnen hast, du Scheißkerl?! Du warst noch nicht fertig mit deiner Erklärung, du-“

„Wie auch immer“, unterbrach Dazai ihn mit gehobener Stimme, um das nervtötende Geplapper zu übertönen. Die Beschwerden hatte er schließlich schon so oft gehört, dass er sie inzwischen im Schlaf aufsagen konnte. Es änderte trotzdem nichts an der Tatsache, dass Dazai Randou damals als erstes überführt hatte. „Wie wär’s, wenn wir deine erste Solo-Mission feiern?“

„Feiern?“, wiederholte Chuuya ungläubig und zog eine Augenbraue in die Höhe. Misstrauen lag in seinen Augen, als er sie über sein Gegenüber gleiten ließ. „Du und ich?“

„Du und ich“, bestätigte Dazai mit einem lieblichen Lächeln und presste die Hände zusammen.

Chuuya legte den Kopf schief, die Stirn immer noch in Falten gelegt. „Du hast doch irgendetwas vor. Ich trau dir kein Stück.“

„Chuuya!“ Entrüstet presste Dazai die Hand auf seine Brust, genau über sein Herz. „Wie kannst du so etwas nur sagen, du verletzt mich! Ich will dir nur etwas Gutes tun, ehrlich!“

„Etwas Gutes tun also, huh?“ Langsam nahm Chuuya die Fäuste aus seiner Jacke und lockerte seine Finger, nur, um im nächsten Moment bedrohlich mit seinen Knöcheln zu knacksen. „Dann neig mal den Kopf zur Seite, damit ich dir eine ballern kann. Damit würdest du mir nämlich echt was Gutes tun.“

Dazai schnalzte mit der Zunge. „Damit kann ich nicht dienen. Aber wir wär’s, wenn wir uns stattdessen das hier rein ballern?“ Er griff in seinen Mantel und streckte sein Gegenüber mit einem „Tadaa!“ eine Flasche Wein entgegen.

Es war nicht nur irgendein lausiger Wein, oh nein. Dazai hatte sich tatsächlich die Mühe gemacht, sich von einem Experten in dessen Weinkeller beraten zu lassen, um dann eine der teuersten Sorten mitgehen zu lassen.

„Petrus“, las Chuuya vom Etikett ab. Scheinbar hatte der Connaisseur nicht gelogen, als er meinte, dies sei eine besondere Weinsorte, da sich zugleich ein ehrfürchtiges Funkeln in Chuuyas Augen schlich. „Ernsthaft?“

„Ernsthaft.“

Chuuya biss sich auf die Unterlippe.

Dazais Mundwinkel zuckten in die Höhe.

Die Beute hatte angebissen.

Und oh, welch ein einfaches Spiel es doch war, wenn man die Schwäche seines Gegenübers kannte.

Chuuya schob die Hände zurück in seine Jackentasche und setzte sich in Bewegung. „Mein Zimmer“, war die knappe Anweisung.

Dazai folgte ihm, ein unübersehbarer Schwung in seinen Schritten, der ihn beinahe hüpfen ließ. Jetzt, wo er Chuuya erst einmal so weit hatte, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er ihm ein Geständnis entlocken konnte.

„Nichts anfassen“, befahl Chuuya, als er die Tür zu seiner Unterkunft aufschloss und sich schnurstracks auf ein kleines Schränkchen in der Mitte des Raumes zubewegte.

„Oh“, säuselte Dazai und ließ seinen Blick neugierig umherschweifen. Der Raum war einfach, schlicht. Kein Wunder, war Chuuya schließlich doch ganz unten in der Nahrungskette der Port Mafia. Eine schönere Unterkunft musste er sich erst noch erarbeiten.

„Hat Chuuya Angst, dass ich seine schmutzigen Heftchen finde~?“

„Fresse!“, fuhr Chuuya ihn sofort an und warf ihm über seine Schulter hinweg etwas zu.

Dank seiner Fähigkeit kam der Gegenstand nun mit doppelter Geschwindigkeit auf ihn zugeflogen, aber Dazai blinzelte nur müde und fing ihn geschickt auf. Ein Weinglas. Billige Qualität, aber es würde seinen Zweck tun.

„Verdammt, ich kann nicht glauben, dass ich dich wirklich in mein Zimmer gelassen habe“, murrte Chuuya griesgrämig vor sich hin, während er ein weiteres Glas aus dem Schrank nahm und es sich am Kotatsu gemütlich machte.

„Aw, du musst dich nicht schämen, weil dein Zimmer so klein und schäbig ist, Chuuya.“ Lächelnd kam Dazai auf ihn zu und ließ sich gegenüber von ihm auf den Boden plumpsen. „Ich finde, es passt sehr gut zu dir!“

Bevor ihn Chuuyas Faust  treffen konnte, hielt der Braunhaarige schmunzelnd die Weinflasche vor sein Gesicht. Wie erwartet stoppte Chuuya den Angriff sofort, die Knöchel seiner Faust hauchzart die kühle Oberfläche der Flasche streifend.

Sie blickten sich mehrere, angespannte Sekunden in die Augen.

„… Bastard“, knurrte Chuuya schließlich und ließ die Hand fallen.

Dazai lachte vergnügt und stellte die Weinflasche auf den Tisch. Gut zu wissen, dass teurer Alkohol ein gutes Schutzschild war, um sich vor Chuuyas Attacken zu retten.

„Ich glaub, die ganze Flasche reicht nicht einmal aus, um deine Gesellschaft irgendwie erträglich zu machen“, meinte Chuuya und nahm den Wein in die Hand. Seine Augen huschten über das Etikett, dann fand sein Blick Dazai. „Ist das wirklich Wein oder hast du ihn vielleicht mit ein paar Tropfen Gift… verfeinert?“

„Du bist so furchtbar misstrauisch“, entgegnete Dazai mit einem dramatischen Seufzen und stützte sein Gesicht mit einer Hand ab. „Ich hab den Verschluss extra dran gelassen, damit du siehst, dass die Flasche noch ungeöffnet ist.“

„Bei dir kann man nie misstrauisch genug sein.“ Chuuya öffnete die Flasche geschickt und führte den Hals an seine Nase, um eine Geruchsprobe zu nehmen.

Dazai schob die Unterlippe hervor. „Ich bin kein Amateur, Chuuya. Wenn ich dich vergiften wollte, dann hätte ich sicherlich keins genommen, das man sofort am Geruch erkennen kann.“

„Tsk“, machte Chuuya nur und füllte schließlich sein Glas. Auch Dazai bekam sein Glas freundlicherweise gefüllt. „Wie auch immer, wenn ich sterben sollte, dann reiß ich dich sicherlich mit mir in den Tod, darauf kannst du dich gefasst machen. Cheers.“

„Wie romantisch“, schwärmte Dazai schmunzelnd und stieß mit seinem Gegenüber an. „Cheers.“

Der Wein war okay. Gut sogar. Das konnte selbst Dazai feststellen, der nun wirklich kein Experte in diesem Gebiet war, aber der exquisite Geschmack auf seiner Zunge war nicht zu leugnen.

Auch Chuuya schien sehr angetan zu sein, da er jeden Schluck sichtbar auskostete und in vollen Zügen genoss. „Der Wein ist wirklich verdammt gut. Ich frag mich echt, wie du daran gekommen bist. Der muss ein Vermögen gekostet haben.“

„Ein Vermögen, das du als kleiner Wurm in der Port Mafia sicherlich nicht wert bist“, bestätigte Dazai seufzend, „aber was soll ich sagen, ich hab ein gutes Herz. Wenn mein Hündchen gute Arbeit leistet, dann muss ich es auch belohnen.“

Chuuyas Griff am Stiel des Weinglases verhärtete sich. „Könntest du vielleicht die Klappe halten? Deine Stimme versaut mir den Moment. Schlimm genug, dass du bereits mit deinem Atem die Luft meines Zimmers verpesten muss.“

„Ich kann gerne wieder gehen, wenn meine Gesellschaft so unerwünscht ist“, meinet Dazai mit funkelnden Augen und erhob sich, die Hand nach der Weinflasche ausgestreckt, „aber dann werde ich mein Geschenk auch wieder mitnehmen.“

„Bleib hier, verdammt.“ Murrend legte Chuuya die Finger um sein Handgelenk. „Elendiger Mistkerl.“

„Oh, ich sehe schon. Alkohol ist wirklich eine fantastische Methode, um dich zu erpressen~!“

„Halt die Klappe und trink.“

Und das taten sie auch. Je mehr sie vom Wein tranken, desto angenehmer wurde auch die Atmosphäre zwischen ihnen, bis sie fast schon ungewohnt friedlich war.

Obwohl Chuuya ein Weinliebhaber war, war er überraschenderweise überhaupt nicht trinkfest. Drei Gläser genügten, um seine Wangen in ein sanftes Rot zu verfärben und seine Zunge zu lockern.

Perfekt.

Alles verlief weiterhin nach Plan.

„Es sind kleine Scheißer, die mich betrogen haben“, sagte Chuuya, die Aussprache bereits nicht mehr ganz so deutlich wie noch vor einigen Minuten, und blickte in sein Glas, „aber ich vermisse sie. Ich vermisse Sheep.“

„Mmh“, summte Dazai nachdenklich. „Sie bedeuten dir wirklich viel, nicht wahr?“

„Natürlich“, schnaubte Chuuya, als ob die Antwort selbstverständlich sei. Und das war sie eigentlich auch. „Sheep war wie eine Familie für mich. Aber die Zeiten sind jetzt vorbei. Ich muss damit abschließen.“

Dazai nippte an seinem Wein. Im Gegensatz zu Chuuya war er immer noch bei seinem zweiten Drink, während der Rothaarige bereits das nächste Glas für sich füllte. „Das stimmt. Die Zeiten sind nun vorbei. Aber wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich auch immer eine neue.“

„Das stimmt.“ Chuuya leckte sich einen Tropfen Wein vom Mundwinkel. „Jetzt bin ich bei der Port Mafia. Wer hätte das gedacht.“ Ungläubig schüttelte er den Kopf, sein Blick wieder auf die rote Flüssigkeit in seinem Glas gerichtet. „Die Organisation, die ich so sehr verabscheut habe… Aber ich muss gestehen, so schlimm ist es hier nicht. Ich kann viele Dinge tun, die ich vorher nicht konnte. Wie das hier.“ Er deutete auf den Wein.

Dazai hob eine Augenbraue. „Hast du bei Sheep nicht getrunken?“

„Natürlich nicht.“ Chuuya warf ihm einen erbosten Blick zu. „Ich war schließlich der Anführer, die Kinder haben zu mir aufgesehen. Da konnte ich ihnen doch kein schlechtes Vorbild sein. Die meisten sind viel zu jung für Alkohol.“

„…“ Dazai blinzelte. Einmal. Und dann noch einmal. „Du tötest Leute“, sprach er langsam, bedeutungsschwanger. „Vor ihnen. Und das ist vollkommen okay. Sie töten ja auch. Aber vor ihnen Alkohol zu trinken… Das geht nicht?“

Chuuya lief rot an. „Halt die Klappe!“, fuhr er ihn an. „Das ist etwas anderes, okay?!“

„Das ergibt überhaupt keinen Sinn.“

„Natürlich ergibt das einen Sinn, du Mistkerl! Nicht mein Problem, wenn du zu dumm bist, so etwas Einfaches zu verstehen!“

Dazai konnte ein erheitertes Schnauben nicht unterdrücken. „Du“, sagte er und schüttelte den Kopf, „bist echt etwas Besonderes. Du passt perfekt in die Port Mafia. Weißt du, von uns ist keiner so richtig normal, wir haben alle die eine oder andere Schraube locker.“

„Das hab ich schon bemerkt!“, keifte Chuuya und blickte bockig zur Seite. Er sah beinahe ein wenig schmollend aus. „Ihr seid ein verdammt seltsamer Haufen. Aber das ist schon okay. Nicht alle sind so. Ich hab schließlich Big Sig Kouyou.“

„Und mich.“ Dazai senkte die Lider. „Mich hast du auch.“

Chuuya musste lachen. „Du bist einer der Schlimmsten in der ganzen Organisation, du Suizid-Freak! Aber ja, ich schätze, ich hab auch dich, Scheiß-Dazai. Ob ich nun will oder nicht.“

Das. Das war gut. Das war eine gute, vielversprechende Richtung, in die ihr Gespräch da verlief. Wenn Dazai nun geschickt handelte, dann hatte er Chuuya gleich.

„Willst du mich oder willst du mich nicht“, säuselte Dazai und rollte eine braune Haarlocke um seinen Zeigefinger. „Das ist hier die Frage.“

„War das eine rhetorische Frage oder willst du eine Antwort darauf haben?“, fragte Chuuya nach und presste die Lippen zusammen, der Gesichtsausdruck plötzlich ungewohnt ernst.

Jetzt, jetzt hatte Dazai ihn fast.

Er bohrte die Zähne in seine Unterlippe, der Herzschlag auf einmal zwei Takte schneller, und lehnte sich näher an sein Gegenüber heran. „Ich will eine Antwort. Schieß los.“

„Ich…“ Chuuya formte die Hände zu einer Pistole und kam ihm entgegen, presste Zeige- und Mittelfinger hauchzart auf Dazais Stirn, verdeckt unter seinen wirren Haarlocken. Sie sahen sich an, Chuuya kniff ein Auge zu und dann… Dann betätigte er den Abzug.

„… Hasse dich.“

Dazai blinzelte, während sich Chuuya langsam wieder zurückbeugte, den rechten Mundwinkel für ein schiefes Schmunzeln in die Höhe gezogen.

… Oder vielleicht hatte Dazai ihn doch nicht.

Seufzend rieb er sich die Stirn. Gut, wenn das nicht funktionierte, dann musste er sich halt eine andere Taktik suchen.

Kein Problem, er war flexibel. So oder so würde er Chuuya diesen Abend noch ein Geständnis entlocken…!

„Hass“, sprach Dazai langsam und fuhr mit der Fingerspitze den Rand des Weinglases entlang, „ist ein vielseitiger Begriff. Es gibt viele verschiedene Arten, ihn zu interpretieren. Hass ist nicht immer gleich Hass. Manchmal ist er nur ein Synonym für etwas völlig anderes.“

Chuuya zog beide Augenbrauen in die Höhe, die Miene interessiert. „Ach ja?“

„Ja. Weißt du, Chuuya, wann immer du mir an den Kopf knallst, dass du mich hasst, dann denke ich, dass du eigentlich etwas völlig anderes meinst.“

„Oh, das gefällt mir.“ Ein breites Grinsen schlich sich auf Chuuyas Züge. So breit, dass es seine spitzen Eckzähne entblößte. „Das ist gut. Was denkst du denn, was ich meine, du Pseudo-Psychologe? Huh?“

„Liebe und Hass…“ Dazai hob den Blick. „Sind das nicht die beiden Seiten der gleichen Medaille?“

Chuuya gab ein seltsames Geräusch von sich; eine Mischung aus Gelächter und einem Keuchen.

„Aber Liebe… Das ist ein schwieriges Wort zum Aussprechen, nicht wahr? Es macht einen verwundbar… Verletzlich. Deswegen find ich es viel einfacher, Hass zu sagen. So kann man das sagen, was man eigentlich meint, ohne es wirklich auszusprechen.“

Ein weiteres, undefinierbares Geräusch, das Chuuya von sich gab.

Dazais Mundwinkel zuckten. „Chuuya“. Er senkte die Stimme und streckte die Hand aus, um sie über Chuuyas zu legen.

„Du weißt, dass ich dich hasse, oder?“

Chuuya zuckte so heftig zusammen, dass er mit dem Knie gegen die Unterseite des Tisches knallte und das mit solch einer Wucht, dass ihre Gläser umkippten und deren Inhalt über den Kotatsu verteilten.

„Fuck! Der Wein!“, fluchte Chuuya und griff panisch nach dem nächstbesten Gegenstand – den Mantel, dessen er sich vor einiger Zeit entledigt hatte – um damit die vergossene Flüssigkeit aufzuwischen. „Scheiße, Dazai, hilf mir!“

Dazai konnte ein Prusten nicht unterdrücken, während er die zwei Gläser wieder aufstellte und Chuuya dann den Rest machen ließ.

„Du kannst doch nicht einfach so etwas sagen“, beschwerte er sich knurrend, während er den guten Wein mit dem Kleidungsstück aufwischte. „Bist du bescheuert?!“

„Ich wusste nicht, dass es so einen Effekt auf dich haben würde“, meinte Dazai unschuldig und blinzelte ihn an. „Ich mein, wir sagen uns doch andauernd, dass wir uns hassen, nicht wahr?“

„Ja, aber… Das ist was anderes.“ Chuuya vermied es, ihn anzusehen, starrte stattdessen stur auf den Tisch vor sich. Dazai konnte sehen, dass seine Ohren glühten.

„Wieso das?“

„Wegen dem, was du davor gesagt hast…“

„Mh“, machte Dazai nur und dann schwieg er.

Auch Chuuya sagte nichts, wischte stattdessen weiterhin über die Tischoberfläche, die inzwischen schon längst trocken war. Immer und immer weiter in kreisförmigen Bewegungen, minutenlang, bis er plötzlich abrupt stoppte.

„Meinst du das ernst…?“

Seine Stimme war leise, dennoch hörte sie sich im ansonsten ruhigen Raum unglaublich laut an.

„Du weißt, dass es stimmt“, erwiderte Dazai, ebenso leise.

„Verdammt…. Verdammt, Dazai, ich…“ Endlich hob Chuuya den Kopf und blickte ihn an, strich sich eine rote Haarsträhne hinter sein ebenso rotes Ohr. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

Oh, Dazai würde da so einiges einfallen, das er gerne hören würde. Wie zum Beispiel ‚Ich bin total in dich verknallt‘. Diese Worte zu hören war schließlich der Sinn der ganzen Farce. Aber er musste nun vorsichtig sein, er durfte Chuuya nicht zu sehr drängen oder er würde ihn verscheuchen.

Er befand sich auf verdammt dünnem Eis.

Also warf er seinem Gegenüber ein hoffentlich verständnisvolles Lächeln zu und nahm einen Schluck Wein. Chuuya tat es ihm gleich. Schweigend beschäftigten sich beide mit dem Wein, bis mehrere Minuten verstrichen waren und Dazai seine Geduld verlor.

Wahrscheinlich ein Fehler, aber langsam machte sich der Alkohol auch bei ihm bemerkbar.

„Also?“, fragte er schließlich in die Stille hinein. „Gibt es nicht vielleicht irgendetwas, was du mir sagen möchtest…? So als Antwort auf mein Geständnis?“

Chuuya rieb sich mit dem Daumen die Unterlippe und blickte in Richtung Tür. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, erwiderte er.

Erneut.

Dazai starrte ihn ungläubig an. Er starrte ihn so lange an, bis ihm klar wurde, dass Chuuya tatsächlich nichts sagen würde. Wahrscheinlich hatte das überraschende Geständnis ihm die Worte gestohlen.

„Ugh“, gab Dazai von sich und streckte mit genervtem Gesichtsausdruck die Zunge raus. Es hatte keinen Sinn, das hier war verschwendete Zeit. „Ich nehm alles zurück.“

„Huh?“, machte Chuuya.

„Ich nehm alles zurück“, wiederholte Dazai. „Ich bin nicht in dich verliebt. Das war nur ein Witz. Ein… Experiment, sozusagen.“

Chuuya wich die komplette Farbe aus dem Gesicht, bevor sein Gesicht mit einem Schlag so rot wurde, dass es von einer Tomate nicht mehr zu unterscheiden war. „Du… ARSCH!“, kreischte er und warf sich auf Dazai. So geschickt, dass dieses Mal tatsächlich kein Wein zu Schaden kam.

Dazai hatte mit einem Angriff gerechnet, allerdings hatte der Alkohol in seinem Blut ihn so träge gemacht, dass er sich nicht einmal die Mühe machte, Chuuya auszuweichen. Stattdessen ließ er sich zu Boden werfen, ein keifender Chuuya nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt.

„Du absoluter Riesenarsch! Du bist das Allerletzte, weißt du das eigentlich?!“

„Jaja“, meinte Dazai gelangweilt und blickte in Richtung Tür. „Kann ich jetzt gehen? Ich hab keinen Grund, hier länger zu bleiben.“

„Du magst zwar vielleicht ein elendiger Lügner sein“, knurrte Chuuya, die Zähne gefletscht, „aber ich bin es nicht.“

Desinteressiert blickte Dazai weiterhin zur Tür, da spürte er plötzlich Finger in seinem Haar. Oh, dachte er, während sein Kopf langsam zur Seite gedreht wurde und er warmen, alkoholisierten Atem in seinem Gesicht spürte.



Oh.

„Wenn ich sage, dass ich dich hasse“, flüsterte Chuuya heiser, die eine Hand weiterhin in braunes Haar gekrallt, während die andere rechts neben seinem Kopf abgestützt war und Dazai einkesselte, „dann mein ich es auch so.“

Und dann konnte Dazai den Alkohol nicht nur riechen, sondern auch schmecken.

Denn Chuuya küsste ihn.

Seine Lippen waren überraschend weich, schmiegten sich perfekt zwischen die von Dazai. Und auch der Druck, den Chuuya mit ihnen ausübte, war überraschend für Dazai. Der Kuss war nicht hart und grob wie die Worte, die er ihm zugeflüstert hatte.

Nein, seine Worte und sein Kuss standen im kompletten Kontrast zueinander.

Chuuya küsste ihn sanft, mit einem gewissen Druck, aber nicht zu fordernd. Eher austestend. Sogar ein wenig verspielt, als sein spitzer Eckzahn hauchzart über Dazais Unterlippe strich und ihm so ein Schaudern entlockte.

Dazai streckte die Hände aus und legte sie auf Chuuyas schmale Hüfte, ließ die Fingerspitzen unter sein Oberteil wandern und warme, weiche Haut berühren. Chuuya belohnte ihn dafür mit einem sanften Biss in die Oberlippe und eine leichte Neigung seines Kopfes, wodurch ihre Lippen noch besser zusammenfinden konnten.

Das war in der Tat eine interessante Wendung der Ereignisse.

Dass Chuuya ihn küssen würde, nachdem er das Geständnis zurückgezogen hatte? Das widersprach jeglicher Logik eines normalen Menschenverstandes. Und genau das machte es so furchtbar interessant in Dazais Augen.

So interessant sogar, dass Dazai erst, als Chuuya sich langsam wieder zurücklehnte, bemerkte, wie unfassbar schnell sein Herz gerade pochte und dass sich in seinem Bauch eine angenehme Wärme ausgebreitet hatte, die nichts mit dem Alkohol zu tun hatte.

„Das“, fing Dazai an und räusperte sich, als er das Kratzen in seiner Stimme hörte. „Das kam überraschend.“ Sein Blick war auf Chuuyas Unterlippe fixiert, die im Schein des Mondlichtes feucht schimmerte. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so küssen würdest.“

„Tsk“, schnaubte Chuuya und ließ den Blick zur Seite wandern. Verlegen. „Bist du enttäuscht?“

„Nein“, antwortete Dazai ehrlich und legte die Hand auf Chuuyas Wange. Trotz des Verbandes konnte er spüren, wie warm die Haut war. „Es gefällt mir. Ich mag es, wenn Menschen mich überraschen können.“ Seine Mundwinkel zuckten.

Oh ja, für eine Überraschung war Chuuya immer gut. Wer hätte schließlich gedacht, dass so ein explosiver und selbstsicherer Mensch wie Chuuya so sanft und sinnlich küssen würde?

Aber auch das war Chuuya. Dazai wusste schon längst, dass in seinem Inneren durchaus eine sanfte und fürsorgliche Seele schlummerte.

Der Rothaarige sah ihm einige Sekunden lang in die Augen, bevor er mit einem Schnauben den Blick abwand. „Ich weiß nie, wann du die Wahrheit sagst und wann nicht. Das kotzt mich an.“

Dazai summte leise. Er rieb mit dem Daumen die Linie von Chuuyas Wangenknochen entlang und drückte den Finger dann sanft auf seine Unterlippe. „Aber macht es das nicht gerade so spannend?“

Chuuyas Antwort war ein warnender Biss in seinen Daumen. Er verzog das Gesicht. „Ugh“, machte Chuuya und zerrte mit den Zähnen an seinem Verband. „Ich werde den Boss darum beten, dass wir das nächste Mal wieder zusammen auf Mission gehen. Einer muss ja dafür sorgen, dass du heil zurückkommst. Ich hab keinen Bock, irgendwann mit einer Mumie rumzumachen. Das ist ziemlich abturnend.“

„Aww“, schwärmte Dazai entzückt und legte beide Hände auf Chuuyas Gesicht, um seine Wangen einzudrücken und ihm einen Fischmund zu geben. „Chuuya macht sich Sorgen um mich! Das ist so süß~!“

„Interpretier nicht irgendeinen Scheiß in meine Worte, verdammt!“

Das Knie, was Chuuya ihm daraufhin in die Weichteile rammte, war dafür alles andere als süß.

Murrend setzte sich Chuuya auf und fuhr sich durchs Haar. Sein Blick war auf das Fenster gerichtet. „Es ist spät.“

„Ja“, bestätigte Dazai, immer noch leicht röchelnd, und rieb sich die Tränen aus dem Gesicht. „Ich sollte wahrscheinlich gehen, sonst-“

„Bleib“, unterbrach Chuuya ihn. Er streckte die Hand aus und stieß mit seiner geballten Faust ganz leicht gegen seine Brust. Sein Blick war weiterhin auf den Mond gerichtet, der durch das Fenster zu sehen war. „Du hast ziemlich viel getrunken, so kann ich dich nicht allein lassen. Sonst versuchst du nur wieder dich umzubringen und frisst zu viele Pillen oder so einen Scheiß.“

Dazai blickte auf die Hand auf seiner Brust hinab, auf die Finger, die sich langsam entspannten und in den Stoff seines Oberteils krallten. Fordernd, aber gleichzeitig auch bittend. „In Ordnung“, willigte er schließlich ein.

Und während Dazai wenige Minuten später in einem für zwei Menschen viel zu kleinen Futon lag und beobachtete, wie sich Chuuyas Brust in regelmäßigen Abständen hob und senkte, wurde ihm erst bewusst, was für einer riesengroßen Fehleinschätzung er unterlegen war.

Warum sein Plan von Anfang an nicht hätte aufgehen können.

Ein ganz entscheidender Teil seiner anfänglichen Schlussfolgerung war nämlich falsch gewesen.

Dazai streckte die Hand aus, strich Chuuya vorsichtig eine Haarsträhne hinters Ohr und schloss dann die Augen. Dieses warme Gefühl in seinem Bauch wollte einfach nicht verschwinden und nun wusste er auch warum.

Denn es war nicht nur Chuuya Nakahara, der verliebt war.

Osamu Dazai war es auch.

Ende.
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