My Chinese Leprechaun

GeschichteDrama, Romanze / P16
OC (Own Charakter) Samon Gokuu
08.07.2019
20.08.2019
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Nach der kleinen Auseinandersetzung mit dem Chefwärter verzog ich mich in die Hütte zurück. Ein Boxsack half mir, mich abzureagieren. Dem würde ich es zeigen. Seine Worte zeigten mir, dass er mich doch von den anderen unterschied. Wieso auch sonst hatte er solch eine unerklärliche Wut auf mich. Beim Training war er ja ganz nett. Aber kaum war Inori in der Nähe, wandelte er sich zum Arsch. Ich wusste nicht, ob ich Julia oder Kiji was davon erzählen wollte. Unter Umständen würde das für Samon Ärger bedeuten. Und selbst nach der Aktion eben, wollte ich nicht dafür verantwortlich sein.

Als sich meine Wut ein wenig gelegt hatte, verliess ich den Raum. Als ich hinaustrat, kreuzte ich Samons Weg. Ich würdigte ihm keines Blickes. Uno kam auf mich zu und lud mich in den Gemeinschaftsraum von Trakt 13 ein. Erst wusste ich nicht wie antworten, ich kannte ja meine Rechte und Pflichten hier kaum. Dann aber stiess Inori zu uns und meinte, er würde mich begleiten. So war ich auf der sicheren Seite. Uno schien es zu freuen. Erst wollte ich aber duschen. Das Training heute hatte mich total geschafft.

Inori begleitete mich zu meiner Zelle. Er erklärte mir, dass man für mich eine provisorische Dusche eingerichtet hatte. Den Zweck würde sie zumindest erfüllen. Nach dem Duschen fühlte ich mich endlich wieder vollends wie ein Mensch. Zusammen mit Inori auf den Fersen gingen wir zum Gemeinschaftsraum. «He, das ist doch mein Mahjong-Tisch!», meckerte der Wärter und setzte sich sogleich an diesen.
Uno kam lächelnd auf mich zu und legte einen Arm um meine Schultern. Hier fand man alles, was das Herz begehrte. Kartentische, einen Mahjongtisch, Billard, und vieles mehr. Nur etwas konnte meine volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
«Eine Jukebox!», bemerkte ich glücklich und schritt auf sie zu. «Hau rein!», lachte Uno und zwinkerte mir zu. Ich sah mir die Stücke an. Viele japanische Lieder, aber auch englische und amerikanische. Endlich konnte ich mich für eines entscheiden.

Cut my life into pieces, this is my Last Resort!

Jacoby Shaddix’ Stimme dröhnte durch die Lautsprecher der Jukebox. Rock jubelte erfreut. Er schien das Lied auch zu mögen. Die Minuten flogen nur so dahin. Nach und nach stiessen noch andere Insassen, unter anderem die aus Trakt 5 und Trakt 3 dazu. Mit Uno verstand ich mich mit Abstand am besten.

Nach einer Weile sassen wir gemeinsam auf einer Couch. Auf den jeweiligen Rändern des Sofas hockten Honey und Trois. Auf des Franzosen Seite sass ich und neben mir Uno. Tolle Kompanie hatte ich mir da ausgesucht. Immerhin waren sie freundlich.

Nico sass uns gegenüber und erzählte fasziniert von einer Szene, die er in seinem Lieblingsmanga gelesen hatte. Seine Augen funkelten vor Freude bei diesem Thema. «Magst du auch Animes oder Mangas?», fragte er mich schliesslich. Wenn ich es mir so recht überlegte, hatte ich noch nie einen gesehen. Als er davon erfuhr, wurden seine Augen riesig. Sofort zählte er mir einige auf, die er für mich passend hielt; Soul Eater, One Piece, Naruto, Nanbaka, InuYasha, Tokyo Mew Mew… Seine Liste schien nicht enden zu wollen. Er meinte, er könne mir ein paar Mangas ausleihen. Er hatte die meisten bereits durch.

«Sag mal Nessa, was war das heute zwischen dir und Chefwärter Gokuu?», fragte Jyugo aus dem Nichts. Ich seufzte und winkte ab: «Nur eine kleine Meinungsverschiedenheit.»
Es war bestimmt schon 10 Uhr abends und wir sassen noch immer hier. Inori war derweilen auf einer anderen Couch eingeschlafen.

«Na komm schon, erzähl was von dir. Warum bist du hier?», fragte Uno grinsend und kam mir ein Stück näher. Seufzend dachte ich nach. Was konnte und sollte ich ihnen erzählen?
«Ich wurde verhaftet, weil ich bei illegalen Autorennen mitwirkte. Ausserdem verhielt ich mich unkooperativ bei der Verhaftung.» Den Teil mit der Waffe liess ich weg. War eigentlich auch nicht meine Schuld. Mein idiotischer Bruder hatte sie in meinem Auto versteckt und vergessen, sie wieder hinauszunehmen.

Nacheinander gähnten die Jungs. Langsam machte sich auch bei mir die Müdigkeit wieder bemerkbar. Die schlaflose Nacht forderte ihren Tribut. Einstimmig beschlossen wir, zurück in unsere Zellen zu gehen. Trois und Honey standen auf. In diesem Moment wurde die Türe aufgerissen. Im Türrahmen standen Mister Neurotisch und ein glatzköpfiger Chefwärter. Die beiden Schönlinge erstarrten vor Schreck. Uno und Inori fielen von der Couch. Der Rest, mich eingeschlossen, blickten treu doof die Wärter an.
Jyugo grinste verängstigt: «H-Hajime, das ist nicht so wie es aussieht!» Der Glatzkopf marschierte wütend auf uns zu. Die Jungs aus Zelle 13 wichen verängstigt zurück. Er knackste mit den Fingerknöcheln.
«Na wartet! Ohne Erlaubnis eines Wärters so lange aufzubleiben, ist Regelverachtung», erklärte er schadenfreudig. Die anderen schluckten. Upa mischte sich ein:
«Inori hat uns erlaubt, länger aufzubleiben. Er meinte, er würde uns Bescheid sagen, wenn wir wieder zurückmussten.»

Die beiden Chefwärtern sahen Inori wütend an. Dieser hockte nichtsahnend am Boden und hielt sich den schmerzenden Kopf. Hajime drehte sich zu Samon um. «Nicht mal deine Wärter kann man zu was gebrauchen, du dämlicher Affe!» Dieser funkelte den Glatzkopf wütend an.
Ihren Streit legten sie überraschend schnell wieder beiseite. Hajime packte seine Insassen, inklusive Honey und Trois am Kragen und schleppte sie aus dem Gemeinschaftsraum hinaus. Samon wies Inori an, Liang, Upa und Qi mitzunehmen. Als alle den Raum verlassen hatten, waren nur noch wir beide übrig. Noch immer sass ich auf dem Sofa und blickte Samon an. «Was hast du vor, mich wieder zu beleidigen?», fragte ich gelangweilt. Wieso auch sonst liess er nicht Inori sich um mich kümmern.

«Was ist dein Problem mit mir?», fragte er ruhig. Ich sah ihn komplett unverständlich an. Mein Problem mit ihm? Ich sollte diejenige mit dem Problem sein? Ich lachte verächtlich. «Ich glaube du hast die Situation falsch beobachtet. Du scheinst ein Problem mit mir zu haben.»

Er seufzte. «Du denkst, nur weil ich meine Autorität als Chefwärter klar mache, dass das etwas gegen dich persönlich ist?» Ich lachte. Autorität als Chefwärter. Seine Ausdrucksweise war belustigend.
«Mich grundlos als Nervensäge zu betiteln, ist beleidigend. Zu allem Überfluss noch handgreiflich zu werden, nur weil ich nicht sofort nach deiner Nase tanze, ist…» Ich verstummte. Es hatte keinen Sinn, mit ihm zu diskutieren. Er würde sowieso nur abblocken. «Gehen wir», forderte ich leise und stand auf. Er hielt mich am Arm fest. «Wir diskutieren das jetzt aus. Ich will wissen, was du denkst.»

«Du willst wissen, was ich denke?», begann ich. Er liess mich los.
«Ich glaube, du hast Angst. Angst vor Frauen, vor mir. Ich weiss nicht wieso, aber ich befürchte, du hast aus irgendeinem Grund einen gewaltigen Mutterkomplex. Seit du mich das erste Mal gesehen hast, begegnest du mir mit Ablehnung. Dabei habe ich dir nichts getan. Heute beim Training hatte ich gehofft, dass wir doch ein gutes Verhältnis haben könnten. Bis Inori aufgetaucht ist. Sobald andere Kerle da sind, verhältst du dich mir gegenüber wie ein Arsch.»

Als ich die letzten Worte aussprach, versuchte ich, mich an ihm vorbei zu drängen. Es biss seine Zähne fest zusammen. Urplötzlich packte er meine Oberarme und drückte mich an die Wand neben uns. Seine Augen funkelten vor Wut. Trotz seines festen Griffes tat er mir nicht weh.

«Du hast keine Ahnung, wer ich bin und zu was ich fähig bin!»