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S I S Y P H U S

von superego
Kurzbeschreibung
CrossoverThriller, Tragödie / P16 / Mix
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald OC (Own Character)
07.07.2019
25.09.2021
7
35.151
16
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
07.07.2019 1.709
 














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THE DOOR IN THE DARK




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» Deep into that darkness peering,

Long I stood there, wondering, fearing, doubting,

Dreaming dreams no mortal ever dared to dream before «


(Edgar Allan Poe, The Raven)


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11. Dezember 1945
9. Ebene des Zaubereiministeriums in Whitehall, London



“Bitte, klären Sie mich über ihn auf. Ich möchte wissen, worauf ich mich einzustellen habe.” Mit bestimmten Schritten marschierten der Zaubereiminister und seine Begleitung im Gleichschritt über den dunklen, spiegelblank polierten Holzboden der langen und prachtvollen Eingangshalle des Ministeriums. Seine prächtigen Roben funkelten in Gold und Dunkelgrün, welche das dunkle Blond seines kurzen, welligen Haupthaars zur Geltung brachten.

Die eingelegten goldenen Elemente in der hohen Decke schillerten vor dem dunklen, pfauenblauen Hintergrund. Der Korridor war von unzähligen goldenen Verzierungen gesäumt, an der Decke, den Türen, Säulen. Jeden Tag wenn Leonard Fuß in die Halle setzte wurde er aufs Neue von einem der anmutigsten und erfreulichsten Anblicke ergriffen. Selten hat die magische Baukunst ihren Luxus höher getrieben.

An den Seitenwänden zogen rasch die Kamine für Flohpulverreisende an den drei Männern vorbei, der goldene Springbrunnen der Magischen Geschwister am entgegengesetzten Ende des Atriums verschwand hinter ihnen und zielsicher strebten sie das Fahrstuhlsystem des Zaubereiministeriums an. Vor den Kaminen formten sich kleine Schlangen, Zauberer und Hexen rauschten respektvoll still an ihnen vorbei.

Entgegen seines leichten Unbehagens formte sich ein Lächeln auf Leonard Spencer-Moons Gesicht, als er einige von ihnen mit einem kleinen Nicken und einem beinahe unhörbaren “Hallo” begrüßte. Der junge Zaubereiminister war ein Mann der leisen Töne, doch hinderte diese Tatsache ihn in keinster Weise daran, mit seiner durchdachten und eloquenten Art die Wählerschaft für sich einzunehmen. Im Herzen war Leonard Spencer-Moon ein Pazifist und Diplomat; er ermahnte sich stets, seinen Idealen treu zu bleiben. Sein tiefes Pflichtbewusstsein für seine Arbeit, welche er stets über alles andere stellte, gepaart mit seiner Weitsicht dürften die ausschlaggebenden Faktoren für seine erneute Wahl vor einem Jahr gewesen sein.

Trotz der Treue und Solidarität, die die magische Gemeinschaft ihm gegenüber zeigte, spürte er schon seit Langem wie die Leute langsam unruhig wurden. So erfolgreich seine erste Amtszeit verlief, begriff Leonard schon längst, dass alle darauf warteten, dass endlich gegen den Globalen Zaubererkrieg vorgegangen wurde. Seit nun 18 Jahren hielt der Krieg die gesamte Zaubererwelt in Atem und immernoch war kein Ende in Sicht. Dieser Gedanke besetzte stets in einsamer Frustration den Vordersitz in Leonards Gedanken. Er konnte so viele bewegende und sorgfältig in Worte gefasste Reden halten wie er wollte und seine Zeit damit verbringen, Gerichtsverhandlungen beizuwohnen oder den Muggel-Amtskollegen Besuche abstatten, aber es änderte nichts daran, dass sein dringlichster und einzig wahrer Zweck dem Schutz der Zauberergemeinschaft galt. In seinen Augen versagte er zum jetzigen Zeitpunkt kläglich.

“Dieser Orwell ist das, was ich absolut verrückt nenne. Er lebt in einer von ihm erschaffenen Traumwelt und erwacht nur gelegentlich aus seinen Fantasien”, meldete sich der weißhaarige Auror zu Leonards Rechten als Erster zu Wort. Theseus Scamander stand dieser Idee bereits von Anfang an skeptisch gegenüber und selbst das wäre noch eine Untertreibung.

Als die drei Zauberer am Ende des Atriums ankamen und in einen der Lifte eintraten, begrüßte Leonard den dienstbeflissenen Wärter freundlich und bat ihn, sie doch bis zum neunten und damit untersten Stockwerk hinunterzulassen. Zusammen fuhren sie mit dem Lift hinab. Goldene Seile hingen von der Decke, aber anstatt es den älteren Zauberern an seiner Seite nachzumachen, hielt sich Leonard nicht fest und legte seine Stirn stattdessen in Falten. Er sah seine Lederstiefel an, wie sie im warmen Licht des Fahrstuhls glänzten. Selbst mit gesenktem Kopf war Spencer-Moon um mehrere Zentimeter größer als seine Begleiter. “Wir müssen ihn doch wenigstens fragen, oder?”

“Und das werden wir natürlich tun. Ich bin mir nur nicht sicher, ob er so schnell zusagen wird”, wendete Sergius Faraday versichernd ein, “Vergessen Sie nicht, die Bezahlung zu erwähnen, Minister. Tja, dann strahlen seine Augen.”

Eine kalte Stimme von oben meldete, dass sie sich nun in der Mysteriumsabteilung befanden. Dies wäre auch ohne Durchsage denkbar gewesen, denn von hier aus diente allein der Aufzug als Lichtquelle. Als dieser zurück nach oben verschwand, standen sie alleine in einem langgestreckten Gang, an dessen Ende sich eine unbeschriftete Tür befand. Ihre Schritte hallten laut wider und es war so eng, dass sie nur hintereinander gehen konnten.

“Freilich, Minister Spencer-Moon, ist Mr. Orwell nicht das, was ich einen angenehmen Gesellen nennen würde. Ich muss ihm aber wenigstens einräumen, dass seine Kompetenzen nicht zu bestreiten sind und dass er jede Arbeit, die ihm in der Mysteriumsabteilung zugeteilt wird, gewissenhaft erfüllt”, sagte Sergius, der allen voran lief und vor dem Raum der Träume schließlich Halt machte. Theseus lugte über Sergius’ Schulter und stellte erstaunt fest, dass weder eine Türklinke noch ein anderweitiger Hebel zum Öffnen zu finden war.

“Schließen Sie die Augen und treten Sie ein”, erklärte Sergius. Diese Methode, einen Raum zu betreten, war auch für ihn am Anfang befremdlich gewesen, als Orwell sich sein eigenes Büro einrichten wollte. Eigentlich war er ja nicht übermäßig gewillt, mit geschlossenen Augen gegen eine Tür zu laufen, doch dieser Sprung des Glaubens, ein gewisser Vertrauensvorschuss, um die Kluft zwischen Innen und Außen zu überbrücken, war hier notwendig.

Also vertraute Sergius darauf, dass seine Kollegen es ihm gleich tun würden, schloss seine Augen und begann, vorwärts zu gehen. In dem Moment, als er die Augenlider wieder öffnete, tauchten auch Theseus und Leonard auf, dem es ehrfurchtsvoll den Atem verschlagen hat.

Sie befanden sich beinahe in völliger Dunkelheit. Es war unmöglich abzuschätzen, wie groß der Raum war, denn die Wände waren im schwarzen Nichts versunken. Vereinzelte Lichtpunkte funkelten an der Decke und spendeten ein fahles und blasses Licht. Die Kante eines großen und polierten Schreibtisches, welcher sich zentral im Raum befand, blinkte auf. Bis auf ein schwarzes Notizbuch, einen schwarzen Füllfederhalter aus Edelharz mit vergoldeten Segmenten und einen silbernen Aschenbecher war die Tischoberfläche leer. Dazu war es unheimlich still, keine Uhr tickte, kein Geräusch außer ihr eigener Atem war zu vernehmen. Theseus’ Blick schweifte durch das Büro und blieb an verschiedenen Türen hängen, bis er plötzlich vor Schreck nach Luft schnappte.

An jenem Türrahmen der nach rechts in einen weiteren Raum zu führen schien, erschien ein Mann. So jäh und lautlos, als wäre er aus der Wand gewachsen. Der Mann war groß, schlank und hatte einen gestriegelten und akkuraten Kurzhaarschnitt. Er hatte einen spitzen Haaransatz, grobe Haut, war völlig glattrasiert und trug eine Brille mit einem schwarzen Gestell, welche ihn zusätzlich zu seiner strengen Miene sehr konservativ aussehen ließ. Eigentlich hätte er gut aussehen können, mit dem scharfgeschnittenen Gesicht und der stilvollen Kleidung, würde er nicht so verbissen die Lippen aufeinanderpressen. Anders als seine Gegenüber trug Bysshe Orwell keine Roben, sondern einen eng sitzenden schwarzen Anzug, ein schlichtes weißes Hemd mit einer schmalen schwarzen Krawatte und Lederhandschuhe. Zwischen seinen Lippen klemmte eine Zigarette. Weißer Rauch kringelte sich über seine Schulter nach oben und verlor sich im Himmel der Decke.


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”Mr. Orwell, auf ein Wort.” Mit einem tiefen Seufzen schob Sergius sich seine Brille auf dem Nasenrücken zurecht. Unter seinen Kollege war er derjenige, der ihn am besten kannte, immerhin beaufsichtigte er als Leiter der Mysteriumsabteilung einen beachtlichen Teil seiner Arbeit.

Der Mann in Schwarz und Weiß nickte knapp und zog in einer flüssigen Bewegung eine dunkelbraune Mappe aus der obersten Schublade seines Schreibtisches hervor. Die Zigarette nahm er zwischen die Finger seiner linken Hand, bevor er zu sprechen begann: “Hier ist die Bewertung des Neuzugangs. Ich würde Ihnen wärmstens ans Herz legen, Smith, Umbridge und Baker zu entlassen. Smith hält den Rest nur zurück und keiner sollte auf ihn warten müssen, bis er aufgeholt hatte. Das können die sich auch nicht leisten. Umbridge ist der Inbegriff von Ehrgeizlosigkeit und fehlendem Können und wäre fürs Putzen besser aufgehoben. Und Ba-”

Sergius unterbrach ihn, bevor er weiter sprechen konnte: “Eigentlich bin ich nicht dafür hier. Es ist der Zaubereiminister, der Sie gerne sprechen würde.” Mit einer Geste lehnte er die Mappe fürs Erste ab und Orwell hob fragend eine Augenbraue, als er von der Liste aufsah.

“Ach. Was verschafft mir die Ehre?”, fragte er mit aller Gleichgültigkeit.

“Es geht darum, Albus Dumbledore so umzustimmen, dass er Grindelwald Einhalt gebietet”, sagte Leonard und musterte den Auror vor ihm, welcher Zigarettenrauch durch seine Nase ausstieß und plötzlich anfing, zu lachen.

“Herr Minister, Sie kommen hier rein wie ein Schuljunge, aber mit der Autorität eines Winston Churchills. Ich befürchte, dass Sie sich dies zu einfach vorstellen”, sagte Bysshe und fasste in seine Jackeninnentasche. Mit einem trägen Schlenker seines tiefschwarzen Ebenholzstabs öffnete sich die Eingangstür um einen Spalt. Theseus sah bereits völlig bereit aus, den Rückzug anzutreten und eine andere Lösung für ihr Problem zu finden und auch Sergius schien schweigend Orwells Entscheidung akzeptiert zu haben. Nur Leonard rührte sich nicht und trat sogar einen weiteren Schritt nach vorne. Milde amüsiert lehnte Bysshe sich ebenfalls nach vorne, stützte sich mit den Ellenbogen auf dem massiven Holztisch ab und hob dazu das Kinn an. Seine Augen straften ihm eine gewisse Leere als er den jungen Zaubereiminister anblickte. In der Luft zwischen ihnen wirbelte Rauch und Leonard musste kurz die Nase rümpfen, bevor er fortfuhr.

“Mr. Orwell, ich verstehe, dass Sie weder Mr. Scamander noch Mr. Faraday und auch mir keine Rechenschaft schuldig sind. Doch wir wenden uns in größter Not an Sie. Gewiss ist es auch für Sie offensichtlich, dass wir in diesem Krieg nicht gewinnen werden. Und ich möchte ehrlich mit Ihnen sein. Ihre Praktiken scheinen mir sowohl schleierhaft als auch fragwürdig, aber ich habe dieses... Gefühl, dass es unsere einzige Chance sein könnte. Der Preis für den Frieden mag hoch sein, aber ich bin gewillt, ihn zu bezahlen.” Leonards Mund verzog sich in eine schmale Linie und sein Kiefermuskel zuckte, aber er hielt unnachgiebig Orwells prüfenden Blick stand.

Dieser sah den Zaubereiminister über den Rand seiner Brille hinweg an und ein schwacher, beinahe als Grinsen einzuordnender Ausdruck, schlich sich auf die verwittert wirkenden Züge des 38-jährigen Aurors.

“Ja, der Preis beläuft sich nämlich auf ungefähr 60.000 Galleonen, Minister Spencer-Moon”, entgegnete Bysshe und erkannte bereits den aufgebrachten Ausdruck auf dem Gesicht des Chefaurors, “Denn eines müssen Sie verstehen. Ich bin in keinster Weise an Ihrem kleinen Aufbegehren gegen Grindelwald interessiert. Ich erwarte es lediglich gut bezahlt werden.”



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