Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Körpersprache

von Fiomymi
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Solid Snake
07.07.2019
07.07.2019
1
2.336
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
07.07.2019 2.336
 
Für Leon



Nicht alle Momente sind zum Kämpfen gemacht. Viele, ja, aber nicht alle.
Wenn einem Beispielweise ein allen Anschein nach unverwundbarer, in Flammen stehender Mann mit mörderischen Absichten unter die Augen kommt, ist es die beste Einscheidung, schleunigst das Weite zu suchen.
Und genau das tat ich gerade.
Mittlerweile konnte ich die Hitze nicht mehr so penetrant im Nackenspüren, aber ich wusste, dass er hinter mir her war.
Eigentlich war ich hierher gekommen, um einen Menschen zu befreien.
Das besagte Menschen halbtot mit entzündeten Lungenflügeln und einer Art Kopfhörern im inneren des Halses auf Krankenliegen dahinvegetierten wussten wir nicht. Und das dann Skullface plötzlich hier rumlief war auch nicht bekannt gewesen. Und der Flammenmann zu guter Letzt warf auch die letzten Reste des ursprünglichen Plans über den Haufen.
Aber andererseits – wann hatte je ein Plan auf Anhieb geklappt?

Ich warf im Rennen einen kurzen Blick über die Schulter, der Flammenmann war noch im Raum davor, dann wich ich im Weg stehenden Gerümpel aus. Immerhin hörte ich draußen schon den Hubschrauber.
Ein paar Sätze weiter war ich im Freien, tatsächlich, der Hubschrauber war da.
Ich sprang hinein, um mich dann hastig umzusehen, während Pequod diesen bereits wieder weiter nach oben flog.
Gerade kam der Flammenmann ebenfalls nach draußen, allerdings starrte er uns nur hinterher. Immerhin hatte er also diesmal nicht sein fliegendes Flammeneinhorn dabei.
„Verflucht... was ist das für ein Typ?“, meinte ich.

Nicht, dass ich eine Antwort erwartet hätte, Pequod flog den Heli und hörte mich deswegen eh nicht und Quiet... nun, Quiet war eben Quiet.
Sie blickte nur neben mir aus dem Heli zu dem Flammenmann.
Wie so meist zeigte ihr Gesicht keine Regung. Man hätte ja meinen können, dass so ein Anblick – ein brennder, quicklebendiger Mann - zumindest den Hauch eines Erstaunes aulösen könnte... aber Fehlanzeige, nicht bei ihr.
Andererseits, ich wusste ja auch nicht, was sie in ihrem Leben schon alles gesehen hatte. Mich brachte ja auch schon lange nichts mehr aus der Fassung.
Außerdem legte Quiet generell nicht sonderlich Wert darauf, ihr Stummsein durch eine Vielfalt an Gesichtsausdrücken wett zu machen. Tatsächlich hatte sie meist die Mimik einer Statue - nämlich gar keine. Als wäre sie nicht schon so mysteriös genug.
Und irgendwas sagte mir, dass sie dieses Geheimnissvolle auch hätte, wenn sie sprechen würde.
Genauso war es ein Rätsel, was sie dazu bewegte immer wieder bei irgendwelchen Missionen mit zu kommen. Wobei einige meiner Männer meinten, die Antwort darauf schon gefunden zu haben. „Die Kleine sucht wohl die Nähe vom Boss“, hatte ich sie neulich beim Losfahren tuscheln hören.
Ich blickte zu Quiet, die mir gegenüber saß und mich unverhohlen betrachtete, während der Helicopter das Land unter sich zurück ließ und nun über dem Meer flog.
Ja, sie schien mich zu mögen, das war offensichtlich.
Und sie gefiel mir natürlich auch, so wie ungefähr jedem meiner Männer, nicht nur, dass die wenige Kleidung, die sie trug, wenig Interpretationsspielraum ließ, was ihren Körper anging, der nun wirklich schön war, auch ihr Gesicht hatte etwas, das zwischen trotzig und verletzlich schwankte und in all seiner Ungezähmtheit wunderschön war.
Mir fiel auf, das ich sie anstarrte.
Sie erwiderte meinen Blick weiterhin, doch nun glaubte ich einen Hauch von Neugier in ihren Augen zu erkennen. Vermutlich fragte sie sich, weshalb ich sie länger anblickte als sonst.

Nun, sie sollte sich da mal keine Hoffnungen machen.
So attraktiv sie auch sein mochte, in meinem Leben war kein Platz für irgendwelche Sentimentalitäten.
Und nicht zuletzt war immer noch nicht endgültig sicher, ob sie wirklich auf unserer Seite war.
Noch zu gut erinnerte ich mich an unsere erste Begegnung.
Ich lag, geschwächt von 9 Jahren Koma, im Krankenbett, sie erwürgte meinen Arzt und wollte mich dann umbringen. Und das hätte sie auch getan, wenn mein Bettnachbar Ishmael mich nicht gerettet hätte. Brennend stürzte sie aus dem Fenster – doch sie überlebte und nun war sie hier.
Aber sie blickte mich lange nicht mehr mit der Kaltblütigkeit der Killerin an, die sich damals gewesen war.
Und irgendetwas, tief in mir, sagte mir, dass sie sich niemals gegen mich stellen würde. Sondern das sie tatsächlich viel mehr für mich zu geben bereit wäre, als ich es je erwarten würde.
Aber na ja, so was gehörte eigentlich wirklich zu den Sentimentalitäten, für die ich keinen Platz hatte.
Ich wandte meinen Blick von ihr ab und blickte nach draußend.
Wie passend auf’s Stichwort kam nun die Mother Base in Sichtweite.
„Wir sind so gut wie da, Quiet...“, meinte ich, indem ich wieder zu ihr blickte – gerade um zu sehen, dass sie sich gerade auflöste.
„Verflucht!“, rief ich aus, um sogleich Ausschau zu halten, wo sie wieder auftauchen würde.
Doch auf dem Vorplatz der Basis war sie nirgends zu entdecken.
„Was ist, Ahab?“, hörte ich Pequod über den Lärm der Rotorblätter hinweg fragen.
„Quiet ist weg.“, erklärte ich, während mein Blick weiter die Basis absuchte, die wir nun erreichten.
Mit einem Satz sprang ich nach draußen, um die wartenden Wachen ohne eine Begrüßung zu fragen: „Habt ihr Quiet gesehen?“
Der eine schüttelte den Kopf, während der andere meinte: „Ist sie nicht mit euch mitgekommen?“
„Sie hat sich eben weg teleportiert.“, erklärte ich ungeduldig, als ich Kaz, der anscheinend ebenfalls in der Nähe war, sagen hörte: „Wir müssen nur abwarten, wo demnächst unsere Männer abgemeuchelt werden. Ich sagte ja, dass ihr nicht zu trauen ist.“
„Noch wissen wir gar nichts.“, erwiderte ich, um dann ohne ihn eines Blickes zu würdigen weiterzustürmen, um die nächsten rumstehenden Männer zu fragen.

Auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, machte der Gedanke, dass sie tatsächlich immer noch auf der Seite von Cipher sein könnte, mehr zu schaffen, als er sollte.
Klar, es wäre nicht das erste Mal, dass ich verraten oder enttäuscht worden wäre, aber eigentlich hatte ich das Gefühl gehabt, dass es bei Quiet etwas anderes ist. Dass sie nicht so jemand wäre...
Fast mehr als ihr vermeintlicher Verrat ärgerten mich aber diese Gedanken meinerseits.
Wieso sollte ausgerechnet eine dahergelaufende Attentäterin die Ausnahme sein?

Jetzt galt es vor allem, sie schnellstmöglich zu finden, bevor sie ... „Passt auf, dass nicht unerlaubt ein Heli startet!“, rief ich meinen Männern zu. Wenn Quiet nämlich fliehen und die Koordinaten unserer Basis weitergeben würde, hätten wir ein ernsthaftes Problem... Ich überlegte, ein „Und wenn jemand unerlaubt startet, schießt ihn ab.“, hinterher zu rufen, unterließ es aber, indem ich mir selbst weis machte, dass wir es uns nicht leisten könnten, unnötig einen Heli zu verlieren und Quiet sich sowieso einfach in den nächsten teleportieren würde. Der eigentliche Grund aber war, dass ich nicht riskieren wollte, dass Quiet stirbt.

Am Abend hatte zwar immerhin kein Heli Anstalten gemacht, unerlaubt zu starten, aber auch sonst war Quiet nirgends zu entdecken. Ich hatte nicht nur alle Männer in Alarmbereitschaft gesetzt, sondern war auch noch selber alle Räume abgegangen, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, auch wenn Ocelot schon beruhigend gemeint hatte, dass ich mich wirklich auf die Suchfähigkeiten unserer Leute verlassen konnte.
So oder so, Quiet war fort. Irgendwo war inzwischen die Vermutung aufgekommen, dass sie sich ins Meer teleportiert hat, um sich das Leben zu nehmen... als ich das hörte, musste ich mich sofort an dem Moment erinnern, bei dem sie sich bei unserer zweiten Begegnung fast erschossen hätte, nachdem ich sie besiegt hatte. Keine schöne Erinnerung.

Nachdem ich also der Nachtwache ein zweites Mal eingeschärft hatte, ganz besonders aufmerksam zu sein, blieb mir nichts mehr übrig, als mich schlafen zu legen. Während ich zu meinem Zimmer ging, spürte ich auch die Erschöpfung des Tages aufkommen. Nach der Verfolgung durch den Flammenmann wäre ich auch ohne zusätzliche Quiet-Suchaktionen müde genug gewesen, sofort einzuschlafen.
Ich betrat mein Zimmer, schloss die Tür hinter mir und wollte dann das Gewehr ablegen, als ich in der Bewegung verharrte.
Ich meinte fast, etwas gehört zu haben... blitzschnell fuhr ich herum.

Und für einen Moment war ich tatsächlich überrascht.
Quiet stand in meinem Zimmer, seelenruhig, und blickte mich an, als würde sie hier jeden Abend rumstehen.
Als ich mein Gewehr auf sie richtete, blieb sie genauso ruhig stehen wie während diesem kurzen Moment der Überraschung meinerseits, den sie eigentlich hätte für einen Angriff nutzen können.
„Quiet, du kommst jetzt sofor..“, herrschte ich sie an, doch sie unterbrach mich, indem sie einen Finger an ihre Lippen legte.
„Was wird das?“, fragte ich misstrauisch, aber zumindest in gedämpfteren Tonfall.
Sie bedeutete mir mit einer Handbewegung, das Gewehr zur Seite zu legen, um dann noch in der gleichen Bewegung ihre Hände zu heben und sich ein mal um die eigene Achse zu drehen, um mir so zu zeigen, dass sie unbewaffnet war – schließlich gab es bei ihrem Outfit wirklich keine Möglichkeiten, irgendetwas zu verbergen.
„Okay, du bist unbewaffnet.“, konstatierte ich, während ich mein Gewehr zur Seite legte, „Schön, aber du musst trotzdem in deine Zelle. Wir haben dich die ganze Zeit gesucht, warum teleportierst du dich einfach weg? Wir dachten, du hättest uns verraten...“
Ich verstummte, als ich merkte, dass ich eher quengelig-verletzt als autoritär-selbstbewusst klang.
Ihr schien das auch aufgefallen zu sein, den der Hauch eines Lächelns umspielte ihre Lippen.
Mit tänzlerischen Schritten kam sie auf mich zu, um dann kurz vor mir stehen zu bleiben. Sie legte den Kopf schief, eine Bewegung, die eher zu DD als zu einer erwachsenen Frau passen würde und schaute mich aber dann mit einer Art von Bewunderung an, die ich von niemanden außer ihr kannte.
Sie bewunderte nicht, dass ich Big Boss war, sie bewunderte nicht, was ich alles getan hatte, sie bewunderte nicht meine Macht oder Kraft, es war etwas... etwas viel Tiefliegenderes, Allumfassenderes.
Es fühlte sich an, als würde sie mich noch genauso anschauen, wenn ich durch irgendwelche Umstände plötzlich vereinsamt und verkrüppelt auf der Straße leben würde.
Sie bewunderte mich. Nicht das, was ich jetzt war, sondern das, was ich schon immer gewesen bin.
Und genau in dem Moment, in dem ich das erkannte, legte sie mit einer unbeschreiblichen Sanftheit und Vorsicht ihre Hand auf meine Wange.
Ich wollte fragen, was das werden sollte, aber irgendwas an dieser Berührung verschlug mir die Sprache. Gerade noch überlegte ich, was genau mich so aus der Fassung brachte, als sie die andere Hand auf meine Schulter legte, um dann das letzte Stück Abstand zu überwinden und mich zu küssen.
Ganz zärtlich war sie, beinahe schüchtern, aber ihre Lippen auf meinen zu spüren ließ trotzdem einen wohligen Schauer durch meinen ganzen Körper laufen. Nicht, dass ihre Lippen sonderlich weich gewesen wären, eher ein bisschen trocken und rau, aber irgendwie war das so genau richtig – alles andere hatte nicht zu ihr gepasst.
Wohl dadurch bestätigt, dass ich sie nicht wegdrückte, aber gleichzeitig verwirrt, dass ich mich auch sonst nicht rührte, wurde ihr Kuss nun fordernder.
Einen Moment zögerte ich, dann gab ich nach, schlang die Arme um sie und erwiderte ihren Kuss. Kurz schnappte sie nach Luft, dann drückte sie sich noch enger an mich.
Es war Jahre, Jahrzehnte her, dass ich einer Frau zuletzt so nah gewesen war. Und die Erregung, die nun meinen Körper durchströmte, machte mir deutlich, dass meinem Körper das durchaus gefehlt hatte.
Ich küsste sie noch leidenschaftlicher, von meiner vorherigen Erschöpfung war nun plötzlich nichts mehr zu spüren. Meine Hand strich langsam ihren Rücken hinab, während ich sie in Richtung meiner Liege schob.
Kurz davor aber verharrte sie, schob mich zurück.
„Was denn jetzt?“, fragte ich ungeduldig und leicht außer Atem.
Ihr Blick war undurchdringlich wie immer, als sie mir bedeutete, mich zu setzen.
Ich setzte mich auf den Rand der Liege und blickte zu ihr auf.
Sie betrachtete mich mit einer traurigen Sehnsucht, die ich mir nicht erklären konnte.
„Quiet.“, schlug ich nun einen sanfteren Tonfall an, „Was ist denn jetzt los? Komm her.“
Ich bedeutete ihr, sich neben mich zu setzen und sie tat wie geheißen.
Vorsichtig strich ich ihr eine Strähne aus der Stirn. Als meine Hand so an ihrer Wange war, nahm sie meine Hand und schmiegte ihre Wange an sie, wobei sie die Augen schloss.
Als Quiet die Augen wieder aufschlug, nahm ich sie behutsam in den Arm, woraufhin sie sich sogleich an mich kuschelte.

Eine Weile saßen wir einfach so da, dann löste sie sich aus meiner Umarmung, um sich stattdessen mit breitbeinig auf meinen Schoß zu setzen, meinen Kopf mit beiden Händen zu umfassen und mich erneut zu küssen, diesmal wieder leidenschaftlicher.
Als ich ihren Kuss erwiderte, ließ sie zu, dass ich eine Hand auf ihren Hintern legte und ihre Hüfte so noch enger an meine drückte.
„Also doch?“, fragte ich in einer Atempause und Quiet nickte mit einem herausfordernden Lächeln.
Ich grinste und zu sie wieder an mich, um sie dann ein paar Küsse später auf dem Rücken auf die Liege zu legen.
Neugier und freudige Erwartung huschten über ihr Gesicht, als ich begann, mein Oberteil auszuziehen.

Genau in diesem Moment klopfte es.
„Boss? Ich soll Sie holen, es gibt eine wichtige Sonderbesprechung.“
„Sagt wer?“, fragte ich, ohne meinen Blick von Quiet zu lösen.
„Ocelot. Er sagt, es ist wichtig.“
Ich unterdrückte ein genervtes Seufzen und antwortete dann: „Ich bin gleich da.“
Dann wandte ich mich mit gedämpfter Stimme an Quiet.
„Du hast es gehört... es tut mir leid, vielleicht kannst du ja wann anders...?“
Bevor ich ausreden konnte, schüttelte sie leicht den Kopf.
„Aber... ich meine, klar, du kannst nicht ständig verschwinden und die Wachen ärgern sich sicher, und klar, ich habe selten einen Abend für mich, aber irgendwann...?“
Sie zuckte mit den Schultern, setzte sich dann auf, um mich ein letztes Mal zu küssen.
Und ich weiß nicht, wie genau sie dass anstellte, aber als dieser Kuss endete, wusste ich, dass sie mich liebte.
„Quiet...“, setzte ich leise, aber ehe ich meine Gedanken soweit sammeln konnte, dass ich in der Lage wäre, eine Antwort zu formulieren, löste sie sich vor meinen Augen auf.
Wie aus dem Nichts sei sie wieder in ihrer Zelle aufgetaucht, hieß es später von den Wachen.
Einen Moment blieb ich sitzen, den Geschmack ihrer Lippen noch auf meinen.
Dann stand ich auf.
Die Pflicht rief.

Quiet kam kein zweites Mal in mein Zimmer.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast