Children of the Sea

von Votani
OneshotDrama, Romanze / P16 Slash
Marco der Phoenix Puma D. Ace / Gol D. Ace
07.07.2019
15.09.2019
5
5788
5
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
Das Observationshaki kündigt Ace an, bevor er Marcos Kajüte erreicht hat. Es sagt ihm, dass er heute Nacht nicht allein schlafen wird. Es lässt ihn Aces Klopfen vorausahnen oder viel eher das Poltern, als er mit der Tür kollidiert. Das darauffolgende Rumpeln hört sich verdächtig nach herunterfallenden Büchern an und Marco sieht von seinem eigenen auf.

Ein zweites und diesmal anständiges Klopfen folgt, ehe Ace eintritt. Tatsächlich trägt er einen wankenden Bücherstapel auf dem Arm und ein breites Grinsen auf seinen Lippen.

»Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht mehr klopfen brauchst?«, fragt Marco, als die Feuerfaust mit dem Fuß geräuschvoll die Tür zu kickt. Darin, dass diese Geste alle anderen Kommandanten den Gang herunter aufgeweckt hat, besteht für Marco kein Zweifel.

»Solange ich lebe. Ich will dich nicht aus Versehen bei etwas stören.« Die Provokation in seiner Stimme sagt Marco ganz genau, was dieses gewisse Etwas laut Ace sein soll.

Marco schnaubt. »Da brauchst du dir keine Sorgen machen. Immerhin bist du in solchen Fällen schon im Zimmer.«

Ace kommt geradewegs auf das Bett zu, auf dem Marco mit dem Rücken an der Wand und übereinandergeschlagenen Beinen sitzt. Seine Lektüre über die Geheimnisse der Seekönige liegt aufgeschlagen auf seinem Schoß, als Ace die mitgebrachten Bücher am Fußende fallen lässt.

»Ich habe dich noch nie auch nur ein Buch anfassen sehen«, kommentiert Marco und lässt den Blick über die Auslage wandern, »versuch mir da nicht weiszumachen, dass du die auch alle lesen willst.« Sich aufsetzend legt Marco sein Buch beiseite, um sich das erste von Ace herbeiziehen zu können. Eine Teufelsfrucht ist auf dem Umschlag zu sehen. »Fakten über die Früchte des Teufels«, liest Marco vor und hebt die Augenbrauen.

»Lesen nicht. Überfliegen vielleicht«, erwidert Ace, ehe er neben Marco auf das Bett sackt. Die schwarzen Stiefel werden abgestreift und sein orangener Hut hängt an seinem Bändchen in Aces Nacken. »Vista hat sie mir ausgeborgt. Hier ist sogar eines über Phönixlegenden.« Er hält Marco ein Buch mit der Karikatur eines Phönix entgegen, der aussieht wie ein blauer Spatz. Soll das eine Beleidigung sein? Sieht Ace etwa eine Ähnlichkeit zwischen diesem Vogel und seiner Verwandlung?

Marco riskiert einen Seitenblick, doch Ace kramt zwischen den mitgebrachten Büchern herum.

»Oh, und das hier: Fabelwesen.« Ace hält ihm ein weiteres entgehen, auf dem ein Einhorn und eine – Marco ist sich nicht sicher – Fee abgebildet sind.

»Und die hast du dir alle ausgeliehen, weil...?«, fragt Marco, obwohl die Antwort direkt vor ihm in der Form eines blauen Spatz liegt, der ihn aus Knopfaugen heraus von der Titelseite des Buches anschaut.

Ace sieht nicht auf, sondern schlägt den Wälzer über Fabelwesen auf und blättert darin herum, als würde er nach etwas Bestimmten suchen. »Na, weil du ein Phönix bist, Marco.«

Ein Nicken ist Marcos Antwort, auch wenn Ace ihn nicht ansieht. Doch so schnell wie seine Augen über die Seiten huschen, ist er wirklich nicht besonders in die Materie vertieft. Überraschend ist es nicht. Ace ist kein leidenschaftlicher Leser wie Marco – und es ist diese Tatsache, die Marco nachdenklich stimmt. Die ihn mehr hinter dieser ganzen Sache vermuten lässt.

»Das weißt du schon seit deiner ersten Woche an Bord«, sagt Marco und lehnt sich wieder nach hinten gegen die Wand. Er nimmt seine Lesebrille ab und legt sie auf dem Nachttisch ab, denn das war Aces Lesestoff, nicht seiner. »Warum willst du also ausgerechnet jetzt so viel darüber wissen?«

»Weil gestern bei dem Kampf... bei diesen Kopfgeldjägern, hast du dich verwandelt. Zum ersten Mal und du sahst...« Ace beendet seinen Satz nicht und obwohl Marco nur sein Seitenprofil sehen kann, sieht er, wie Ace sich auf die Unterlippe beißt. Eine bekannte Wärme steigt in Marco auf, welche den Raum plötzlich zu stickig erscheinen lässt. Also findet Ace ihn in dieser Form doch nicht hässlich oder hält ihn für ein überdimensionales Vögelchen.

Eine Stille breitet sich zwischen ihnen aus, bevor Marco räuspernd ein weiteres Mal das Wort erhebt. »Du hättest zu mir kommen können, wenn du Fragen hast.«

Nun sieht Ace doch von seinem Buch auf und zu ihm herüber. »Ich weiß.« Sein Grinsen verwandelt sich zu einem Lächeln, als Ace seine Position verlagert. Marcos Haki verrät ihm bereits, was als nächstes geschehen wird, bereitet ihn auf das Gefühl von Aces Oberschenkel vor, der Marcos Hüftknochen berührt und eine kleine Verbindung zwischen ihren Körpern herstellt. »Ich bin aber noch nicht bereit, meine Frage auszusprechen«, fügt Ace hinzu, hat jedoch längst wieder den Blick abgewendet.

Marco betrachtet ihn auch weiterhin mit ausdruckslosem Gesicht. Die Feuerfaust ist nur eine Armlänge entfernt, doch es kommt Marco plötzlich eher so vor, als läge ein gesamter Ozean zwischen ihnen. Mit der Heiterkeit, mit der Ace stets durch die Welt wandert, ist es einfach zu vergessen, dass da mehr unter der Oberfläche lauert.

Die Finger nach Ace ausstreckend schieben sie sich unter den Gürtel seiner schwarzen Dreiviertelhose. »Dann haben die Bücher ja noch bis morgen Zeit, oder?«

Das zwischen ihnen löst nicht alle ihre Probleme oder beantwortet alle ihre Fragen, doch es heilt ein paar ihrer Wunden. Ein paar von Aces Wunden, das kann Marco ganz genau sehen. Es steht in jeder seiner Konturen geschrieben, in der schwindenden Anspannung in seinen Schultern und in den dunklen Augen, die sich an Marcos raue Lippen heften. »Stimmt es, dass der Phönix verbrennt und aus seiner eigenen Asche steigt?« Aces Stimme ist bereits kurzatmig und leise.

»Nein.«

»Was ist mit der Legende, dass er ganz normal stirbt und aus seinen Überresten als Baby wiedergeboren wird?«

Marco schüttelt den Kopf. »Nein.« Sich abermals vorbeugend entzieht er Ace das Buch und wirft es zurück auf den Haufen am Fußende. »Und wenn du mich fragst, ist es für solche Gespräche ein bisschen zu spät.«

»Dafür ist es zu spät, aber nicht für...?« Das schelmische Lächeln kehrt auf Aces Lippen zurück und die Sommersprossen sind als dunkle Sprenkel durch den Kerzenschein auf seinen Wangen erkennbar, als er sich abwartend zu Marco herumdreht.

Einer von Marcos Mundwinkeln zieht sich langsam in die Höhe. »Sag du’s mir.«

Mehr Worte braucht es nicht, damit Ace ein Bein über Marcos schwingt und sich auf seine Oberschenkel setzt. Marco wird wieder nach hinten gegen die Wand gedrückt, bevor Aces Hände von seinen Schultern hinab zu seinen Seiten wandern, talentierte Fingerspitzen, die über seine Haut streifen und die feinen Härchen aufstellen.

»Wie alt bist du, Marco?«

Die Frage ist nicht mehr als ein Flüstern gegen Marcos Lippen, auf die er nicht antwortet. Ein Blick in Aces Gesicht verrät jedoch, dass er keine Erwiderung erwartet, sie eventuell gar nicht haben möchte. Und der Gedanke, dass für jemanden, der sich todesmutig in jeden Kampf stürzt, sich bei Ace eine Menge um das Leben und Sterben dreht, stiehlt sich ungefragt in Marcos Kopf, als Ace ihn küsst.
Review schreiben