Entscheidungen und Chancen

von Black Owl
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Astoria Greengrass Blaise Zabini Daphne Greengrass Draco Malfoy
06.07.2019
10.09.2019
27
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Vielen lieben Dank <3 Heute wird das Kapitel viele, viele Fragen aufwerfen ;)






Das Kochen lief so ab, wie sie es vorausgesehen hatte. Praktisch gesehen hatte sie alleine gekocht, während Summer mit Blaise herumgealbert hatte. Malfoy hatte versucht ihr zu helfen, aber er hatte offenbar noch nie gekocht. Sie hatte ihm gezeigt, wie man Gemüse schnitt und die einzelnen Schritte erklärt. Er war… lernfähig und hoch konzentriert gewesen. Das Essen war super gewesen und an sich auch schön, nur dass Blaise und Summer sich irgendwie ausklinkten und es praktisch war, als würde man einem romantischen Date beiwohnen und den beiden zusehen. Es war… total verrückt und Astoria bereute es dem zugesagt zu haben. Vermutlich würde es wieder nicht gut enden und Summer ihr für gut vier Wochen die Ohren vorheulen. Sie mochte ihre Freundin, wirklich, aber seit dem sie sich für Jungs interessierte war es einfach nur anstrengend mit ihr befreundet zu sein, zumindest in der Zeit in dem sie das Ende einer Beziehung verarbeitete. Astoria konnte sich nicht erinnern jemals so kompliziert gewesen zu sein, wenn bei ihr eine Beziehung schiefgegangen war.

„Hier.“, riss sie eine Stimme aus ihren Gedanken und sie nahm Draco das restliche benutzte Geschirr ab, um es in die Spülmaschine zu räumen.
Er runzelte die Stirn und sie sah ihn belustigt an.
„Was ist los?“
„Ist das so ein Muggelautomat der Geschirr sauber macht?“
Sie unterdrückte ein Lachen.
„Ja, das ist so ein Muggelautomat der Geschirr sauber macht. Man nennt es Geschirrspülmaschine.“
Sie Griff in die Schublade und holte einen Geschirrspülmaschinen Tab hervor. „Du tust den Tab hier rein.“ Sie zeigte es ihm. „Das ist das Mittel, dass das Geschirr sauber macht.“
„Also so was wie Spülmittel.“
„Du kennst Spülmittel?“
Er rollte mit den Augen und sie lachte leise.
„Ich bin kein vollkommener Idiot.“
Sie ritt nicht weiter darauf rum, sondern zeigte ihm, wie man den Automaten bediente.

„Und jetzt?“, hakte er nach, als man hörte, dass die Spülmaschine arbeitete.
„Jetzt läuft das gute Ding, und zwar ganz alleine“
Er runzelte die Stirne.
„Allein?“
„Unfassbar, oder? Ganz ohne Magie.“
„Wieso habe ich ständig das Gefühl, dass du dich lustig über mich machst.“ Sie lachte und er grinste. „Ernsthaft. Ich habe immer das Gefühl, dass du mich nicht ernst nimmst.“
„Soll ich dich ernst nehmen?“, fragte sie amüsiert nach.
„Ein klein wenig, ja. Ein wenig.“
„Na schön, Draco Malfoy. Ich werde es versuchen. Versprechen kann ich es dir aber nicht.“
Sie räumte die Reste des Essens weg und stellte sie in den Kühlschrank, während Malfoy gegen die Küchenzeile lehnte.

„Wo hast du so kochen gelernt?“, fragte er und sie sah auf.
„Was?“
„Kochen. Wo hast du das gelernt? Hat dir das deine Mutter beigebracht.“
Ihre Mutter… Sie konzentrierte sich aufs Abwischen der Ablagen.
„Nein. Nein, ähm. Summer und ich haben vor ein paar Jahren einen Kochkurs mitgemacht.“
„Einen Kochkurs? Wozu?“
„Aus Spaß. Einfach so. War lustig. Nennt man auch Freizeitbeschäftigung.“
„Mmh.“
Sie sah ihn wieder an.
„Machst du eigentlich neben Partys und Frauen Aufreißen auch was anderes?“ Er schien darüber nachzudenken. „Ich treffe mich ab und zu mit Freunden. Hin und wieder Fliege ich auch.“

Sie zog ihren Brauen nach oben.
„Sport?“
Er schüttelte den Kopf.
„Nicht wirklich. Wie gesagt, ab und zu Fliegen. Ein wenig am Morgen. Aber nicht…. nicht als Hobby. Nur um fit zu bleiben.“
„Schach? Was ist mit Ausstellungen? Theater? Musik? Spielst du ein Instrument?“
Er schüttelte wieder den Kopf.
„Was ist mit Kino?“
„Ich habe keine Ahnung was das ist.“
„Wow. Du kennst kein Kino? Wie konntest du die letzten Jahre überleben?“
Er runzelte die Stirn.
„Verarschst du mich schon wieder oder ist das dein Ernst?“
„Ich weiß es nicht.“, erwiderte sie und musste wieder lachen.
„Merlin, hör auf.“, entgegnete er und sie musste noch mehr kichern. „Ich kann das wirklich nicht unterscheiden.“
Was gut war. Er musste nicht sofort wissen, was sie dachte oder ob sie es ernst meinte oder nicht.

„Im Ernst, Draco, ist dir nicht langweilig? Ich meine, du kennst nicht einmal Kino? Schaust du nicht gerne Filme an? Oder… gehst auf Konzerte? Irgendwie so etwas?“, warf sie ein.
„Ich glaube, ich kenne nicht so coole Freunde wie du.“, sagte er wenig überzeugend und sie rollte mit den Augen und trocknete sich ihre Hände ab.
„Du brauchst dazu keine Freunde. Tu was für dich, Malfoy.“
„Draco.“
„Gut, Draco. Tu was für dich.“, wiederholte sie sich. „Geh hinaus in die Welt mit offenen Augen und genieß dein Leben in vollen Zügen.“
„Wie philosophisch.“
„Es gibt so viel zu entdecken.“, fuhr sie fort, ohne sich beeindrucken zu lassen und griff nach ihrer Tasche.

„Wo… wo willst du hin?“, fragte er verwundert und sie hing sich ihre Sporttasche um.
„Ich gehe nachhause.“
„Wieso?“ Sie zog ihre Brauen weit nach oben und lugte ins Wohnzimmer von Summer. Draco und sie zogen ihren Kopf zurück, als die beiden knutschend auf dem Sofa saßen. „Alles klar. Verstehe.“, meinte Draco und sie nickte zustimmend. Sie liefen gemeinsam die Treppe nach unten auf die Straße. „Ist es wahr?“
„Was wahr?“, fragte sie.
„Das Summer und du aus Amerika kommen?“
Sie runzelte die Stirn.
„Wow, Summer hat es eilig alle Informationen an den Mann zu bringen.“
„Blaise hat es mir erzählt. Gleich am nächsten Morgen, nachdem er Summer in diesem Club getroffen hat. Sie hat ihn ganz schön umgehauen.“

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie musste über den Gedanken lachen. Summer war praktisch in Blaise hineingelaufen und hatte ihn beinahe umgestoßen.
„Alles in Ordnung?“
Sie winkte mit der Hand ab.
„Ja, alles gut. Ich habe nur… nur an Summer und Blaise erstes Treffen gedacht.“
Er schmunzelte.
„Alles klar. Zurück zum Thema. Amerika.“ Sie presste die Lippen zusammen und fixiertem einen Punkt in der Ferne, während sie nebeneinander hergingen. „Bist du in Amerika geboren?“
„Ähm, nein. Ich bin dort aufgewachsen, aber nicht geboren.“, erwiderte sie. „Aber im Grunde… bin ich so was wie Amerikanerin. Ich bin die meiste Zeit meines Lebens dort gewesen.“
Zumindest an das Leben, an das sie sich erinnern konnte.

„Ich bin in England geboren, aber meine Familie ist nach Amerika ausgewandert, da war ich nicht einmal ein Jahr alt. Also war ich die meiste Zeit dort.“
Er schien darüber nachzudenken.
„Und wieso bist du jetzt hier?“
„Mein Vater kennt jemanden im Ministerium und ich wollte… ein wenig hinter die Kulissen sehen. Ein wenig Erfahrung sammeln.“, log sie ohne rot zu werden.
„Also mehr so ein Praktikumsding?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich werde bezahlt und habe wichtige Aufgaben. Es ist ein Job.“ Sie blieb vor einem Haus stehen und sie sah hoch. „Ich bin zuhause.“
Er nickte und wollte etwas sagen, doch sie unterbrach ihn.

„Und nein, du kannst nicht mit hochkommen.“
„Strickte Grenzen, Miss Williams.“
„Sehr strickt.“, erwiderte sie und ging die wenigen Stufen hoch zur Haustür.
„Astoria.“, sagte er deutlich und sie wandte sich zu ihm um. „Trotz dem Date zwischen Blaise und Summer, fand ich es sehr schön dabei gewesen zu sein. Das war… ein interessanter Abend.“
„Tja, auch normale Sachen können Spaß machen.“, erwiderte sie und er grinste.
„Ich wünsche dir einen schönen Abend.“
„Wünsch ich dir auch.“, sagte sie ruhig und betrat das Haus, in der ihre Wohnung im dritten Stock lag.

Gerade als sie ihre Wohnungstür aufsperrte, hörte sie ihr Telefon läuten und sie schaffte es gerade noch abzuheben.
„Hallo?“
„Schätzchen.“, ertönte die bekannte Stimme ihres Vaters und sie lächelte.
„Hi Dad.“
„Du bist nicht an dein Handy gegangen.“
Sie ließ die Tasche auf dem Boden fallen in dem schmalen Flur wo auch die dünne Kommode stand auf dem das schnurlose Telefon stand.
„Ich habe es beim Tanzen ausgemacht. Verzeih.“
„Schon gut, Kleines. Du bist ja erwachsen.“
Sie rollte mit den Augen und schmunzelte dabei.
„Ja, schon seit einer ganzen Weile.“
Er lachte und sie trat in den großen Ess- und Wohnraum.

Die Wohnung war nicht riesig, reichte aber Astoria völlig aus. Sie ließ sich nicht auf das graue Sofa fallen, sondern schob eines der großen Fenster auf und setzte sich auf die breite Sitzfläche. Sie liebte die Wohnung schon alleine dafür. Es war direkt an der ganzen Fensterfront eine Art Sitzbank angebracht, die sie mit grauen und weißen Sitzpolstern ausgestattet hatte und darunter war weiterer Stauraum verfügbar für Bücher und allerhand anderes Zeug. Klein und fein.
„Hattest du einen tollen Tag?“
„Ich war nach der Arbeit tanzen im Studio mit Summer und wir haben zusammen eingekauft, gekocht und gegessen.“
„Und da bist du jetzt schon zurück?“
Sie seufzte.
„Summer hat einen neuen Freund.“
„Das ging schnell.“, gluckste ihr Vater und sie streckte ihr Hand gegen die warme Sonne, die fast schon komplett untergegangen war.
„Blaise Zabini. Sagt dir der Name was?“
„Nein, Liebling. Aber du weißt ja, bis auf deine Verwandtschaft kenne ich nicht viele Leute aus England.“

Was kein Wunder war. Die meisten Geschäfte machte er in Amerika und den arabischen Staaten.
„Angeblich ist es dieses Mal anders.“
„Wer weiß, vielleicht ist es so.“ Ja, vielleicht. Hoffentlich. „Und ansonsten. Wie läuft es im Ministerium?“
„Gut.“, sprach sie gelassen. „Es ist nicht gerade die Welt an Arbeit.“
„Wie läuft es mit den anderen?“
Sie seufzte und zog ihre Beine auf die Sitzmöglichkeit.
„Nun ja, bis auf das gemeinsame Abendessen und ein paar Gesprächen mit Hyperion habe ich noch nicht wirklich viel von ihnen gesehen.“
Das Abendessen, das eine Katastrophe war. Hyperions Tochter wollte sie vermutlich am liebsten verfluchen.
„Du musst das nicht tun. Du bist diesen Menschen nichts schuldig.“

„Ich weiß.“
„Ich will einfach, dass du dir das nochmal bewusst machst.“
Es war ihr klar.
„Ich denke einfach, dass sie ein wenig Zeit brauchen und ich muss mich ja nicht mit allen verstehen. Es geht um… Hyperion.“
Ihr Vater brummte.
„Schön für ihn. Aber ihm fiel die ganze Sache auch nicht einfach so ein, Tori.“
„Ich weiß, Papa.“, erwiderte sie und er seufzte.
„Na schön. Wenn du irgendetwas brauchst oder ich dich holen…“
„Dann werde ich mich sofort melden, versprochen.“, unterbrach sie ihn. „Richte Mum schöne Grüße aus. Ich habe euch lieb.“
„Wir haben dich auch lieb, Kleines. Pass bitte auf dich auf.“
„Mach ich. Bye.“
„Bye.“
Sie legte auf und legte das Telefon neben sich.

Sie wusste, dass sie diesen Leuten nichts schuldig war. Rein gar nichts. Aber es war die Bitte eines alten Mannes gewesen. Sollte sie diese Bitte abschlagen? Vermutlich tat sie es nicht nur aus Mitleid, sondern weil sie als Kind es schon interessiert hatte, wo ihre Wurzeln lagen. Nicht das sie jemals das Gefühl gehabt hatte eine Familie zu brauchen. Sie hatte eine Familie und eine sehr behütete Kindheit gehabt. Sie war glücklich und voller Zufriedenheit aufgewachsen. Sie wurde geliebt. Hatte nie das Gefühl gehabt keinen Platz in ihrer Familie zu haben. Aber trotzdem… auch dieser Teil ihrer Familie gehörte zu ihr. Zumindest waren sie mit Blut verbunden, auch wenn das einigen Mitgliedern aus Hyperions Familie nicht passte.

Sie stand auf und räumte ihre Sporttasche aus. Außerdem war es ja nicht für lange. Eben nur um einander kennenzulernen und eben einem alten Mann diesen Gefallen zu erweisen. Sie seufzte bei den Gedanken. Was ihre Mutter darüber denken würde? Wäre sie begeistert? Wütend? Vermutlich hätte sie es nicht erlaubt. Sie seufzte erneut. Sie konnte sie nicht mehr Fragen. Sie war nicht mehr am Leben. Schon lange nicht mehr. Sie trat in ihr Schlafzimmer und sah kurz in den Spiegel, an dem sie vorbeiging. Hyperion hatte sie sofort erkannt. Hatte ihr sofort gesagt, dass er in ihr ihre Mutter sah. Sie berührte das Glas des Spiegels und lächelte milde. Sie war ihrer Mutter wirklich sehr ähnlich. Besonders ihre Augen. Sie wandte sich von ihrem Spiegelbild ab. Das hatte ihren leiblichen Vater damals nur nicht interessiert.
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