Der Dozent

von Franzpanz
KurzgeschichteHumor, Romanze / P18
06.07.2019
11.08.2019
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Das zweite Mal in dieser Woche dachte sie, dass ihr Herz explodieren würde, denn es raste regelrecht in ihrer Brust. Ebenso stieg ihr die Hitze wieder derartig in den Kopf, dass sie glaubte, eine Tomate sei nichts gegen ihr hochrotes Gesicht.
„Komm schon, cool bleiben!“, versuchte sie sich selber zu beruhigen. Es dauerte zwar einige Sekunden, aber sie leistete sehr gute, mentale Arbeit, denn ihr Atem ging wieder etwas langsamer und sie fühlte sich wieder dazu in der Lage zu sprechen.
„Kann ich Ihnen noch irgendwie helfen?“, so mutig hatte sie sich selber gar nicht eingeschätzt.
Er lachte kurz laut auf: „In der Tat, da gibt es noch so einiges zu tun, wobei Sie mir helfen könnten!“, presste er hervor, dabei huschte sein Blick immer wieder in ihren Ausschnitt.
„Und Ihre Frau kann Ihnen nicht helfen?“.
Stille!
„Wow, hab ich das gerade wirklich laut ausgesprochen?!“, dachte sie und riss ihre Augen auf.
Sein Gesicht erstarrte schlagartig und er nahm seinen Arm hinunter.
Innerhalb eines Wimpernschlags hatte sich die ganze Stimmung im Raum verändert und war von knisternder Hitze zu beängstigender Kälte umgeschlagen. Er drehte sich langsam um, ging zu seinem Schreibtisch und setzte sich auf seinen Schreibtischstuhl, während sie immer noch an der Tür stand, unbewegt, in der Hoffnung er würde sie vergessen, wenn sie sich nicht mehr rührte.
Dann blickte er hoch, schaute sie direkt an, mit einem Ausdruck, der kaum mehr Distanziertheit hätte ausdrücken können.
„Oh oh, das ging zu weit! Scheiße! Wieso kann ich nicht einmal die Klappe halten!“. Panik stieg in ihr auf.
„Bitte setz dich! Ich denke, wir sollten noch einmal kurz ein paar Sachen klären“.
Wieder mit pochendem Herzen, diesmal aber aus Angst vor dem kommenden Gespräch, bewegte sie sich auf den Schreibtisch zu und nahm auf der gegenüberliegenden Seite Platz.
„Pass auf“, leitete er das Gespräch völlig sachlich und ernst ein, „ich möchte kurz klarstellen, dass ich mich nicht auf so eine Drama-Ebene einlassen werde. Vielleicht war es ein Fehler meinen Gefühlen nachzugeben, ich dachte, du bist reif genug, um das zu händeln. Das hier – sowas hatte ich davor noch nicht! Ich bin auch nicht der Typ, der anderen weh tut. Dass ich eine Vergangenheit habe, muss ich dir doch nicht erzählen! Ja, ich bin verheiratet, obwohl das nicht mein aktueller Beziehungsstatus ist. Ja, ich habe Kinder, was immer bedeuten wird, dass diese an erster Stelle stehen und ja, auch ihre Mutter hat einen Sonderstatus. Aber ich finde nicht, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, auch nicht bei dir. Auch wenn wir EINMAL miteinander geschlafen haben!“.
Während er sprach, saß sie stocksteif auf ihrem Stuhl – ihr Rücken berührte nicht einmal die Lehne. Sie schämte sich dafür, dass sie ihrem Eifersuchtsgefühl nachgegeben und ihm diesen Satz an den Kopf geknallt hatte.
Alles was er sagte, tat weh – Drama-Ebene, Fehler, muss mich vor dir nicht rechtfertigen! All das saß und sie wusste nicht, was sie ihm antworten sollte, war sprachlos. Er schüchterte sie mit seinen harten Worten extrem ein und sie war nicht in der Lage sich auch zu äußern, ihm ihre Gefühle zu erklären, sie wusste noch nicht einmal was das für Gefühle waren, wie man diese in Worte hätte packen können. Das Einzige, was sie wollte, war den Raum zu verlassen und aus dieser Situation zu flüchten.
Er trat noch einmal nach, als er sagte: „Weißt du, ich denke, es ist das Beste, wenn wir unsere Beziehung zurück zur professionellen Ebene bringen und es dabei belassen. Ich gebe zu, das wird nicht einfach für mich, aber es ist sicherlich besser so. Zudem möchte ich dich nicht verletzen, denn aufgrund deiner Aussage habe ich gemerkt, dass du nicht unbefangen bist. Ist es dir noch möglich an unserem gemeinsamen Projekt weiterzuarbeiten oder möchtest du aussteigen? Ich würde es natürlich verstehen, aber dazu brauche ich jetzt deine Entscheidung, denn ich muss planen können“.
Immer noch regungslos suchte sie einen Punkt auf seinem Schreibtisch, taxierte ihn und ohne ihre Augen von diesem Punkt loszureißen, antwortete sie mit belegter Stimme: „Ich denke, das ist ok für mich – also das Weiterarbeiten am Projekt! Ähm, es tut mir leid, ich wollte nicht –“.
„Du brauchst dich nicht entschuldigen! Es ist ja wahrscheinlich eh einfacher für uns die ganze Sache zu – zu vergessen“. Er schluckte laut und senkte seinen Blick.
Sie konnte ihren Ohren nicht trauen, als er das sagte. Keine Sekunde länger wollte sie mehr in seinem Büro sein, also stand sie auf, griff nach ihrer Tasche und ohne ihn noch einmal anzusehen – ihre Augen hatten sich schon mit Tränen gefüllt – rauschte sie aus dem Büro.
„Ok – Ciao!“, war das Einzige, was sie noch rausbrachte, als sie die Tür aufriss und ging.

In dem Moment als sie die Tür ins Schloss fallen hörte, ließ sie den Tränen freien Lauf. Sie konnte und wollte sich nicht mehr zusammenreißen. Die Scham übermannte sie regelrecht!
„So ein Arschloch! Erst verführt er mich und zwei Tage später schießt er mich ab – wegen was? Wegen einem unüberlegte Satz? Komm schon!“ Ihre Gedanken rasten.
Bei ihrem Auto angekommen, pfefferte sie ihre Tasche in den Kofferraum und stieg ein. Eigentlich wollte sie sofort los fahren, aber sie konnte nicht. Sie hielt sich am Lenkrad fest, klammerte sich regelrecht daran und weinte bitterlich.
„STOP!“, sie hob den Kopf und versuchte sich zu beruhigen. Nur ganz langsam hatte sich ihr Atem wieder reguliert und mit zittrigen Fingern wischte sie sich die Tränen weg.
Nach einem kurzen Blick in den Rückspiegel wollte sie gleich wieder anfangen zu weinen. Ihr ganzes Schminkmeisterwerk war komplett verschmiert! „Na toll! Jetzt seh ich auch noch scheiße aus wegen dem! Danke, Arsch!“.
Sie fuhr los und steuerte direkt die WG ihrer besten Freundin an, denn sie hatte keine Lust mehr die Klappe zu halten. Nein, sie würde es jedem erzählen, der es hören wollte. Außerdem wollte sie unbedingt ganz viel Wein trinken und vergessen, was passiert war.

Im Schlafanzug und mit der Zahnbürste in der Hand machte ihre Freundin die Tür auf.
„Was machst du denn hier?“ und nachdem sie ihre vom Weinen geschwollenen Augen bemerkt hatte, „Oh Gott, was ist passiert?“.
„Es ist viertel vor acht, warum hast du denn schon deinen Schlafi an?“ war ihre Antwort.
Schulterzuckend zog ihre Freundin sie an sich ran und drückte sie ganz fest. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten und heulte den letzten Rest Wimperntusche auf den Schlafanzug ihrer Freundin.
„Wei- Wei- Wein?“ prustete sie hervor.
Die Zahnbürste im Flur liegen lassend und sie mit in die Küchen hievend, holte ihre Freundin eine Flasche Wein aus dem Kühlschrank. Mit zwei vollen Gläsern bewaffnet, setzten sie sich aufs Bett und ihre Freundin schaute sie erwartungsvoll an.
„Was – ist – passiert?“.
Nachdem sie einen großen Schluck Wein genommen hatte, erzählte sie peinlich genau und sehr detailliert, was ihr in der letzten Woche passiert war. Ihre Freundin zeigte genau die richtigen Reaktionen – von aufgeregtem Gequietsche, über Klatschen in die Hände, fassungslosem Kopfschütteln und wütendem Schnauben war alles dabei. Als sie ihre Geschichte beendet hatte, wurde sie mit einem Schwall an Vorwürfen überhäuft:
„Warum hast du nichts erzählt? Wie konntest du nur? Ich mein, ich kanns ja schon verstehen, aber du kannst doch sowas nicht für dich behalten? Ich fasse es nicht – ihr hattet Sex! Haaallooooo, ich mein, du und er – Sex! Aaaah! Wieso hast du nichts gesagt?“.
Nachdem sie sich beruhigt hatte, diskutierten sie darüber, was die nächsten Schritte sein könnten.
„Du musst ihm deine Meinung sagen! Das geht ja nicht, das kannst du nicht auf dir sitzen lassen!“.
Die halbe Nacht redeten sie über nichts anderes und leerten noch eine Flasche Wein dazu, bis sie quer im Bett liegend einschliefen.

Die nächsten Tage versuchte sie sich abzulenken und erledigte alles, was anstand und wofür sie normalerweise wesentlich mehr Zeit gebraucht hätte. Sie wollte unter keinen Umständen darüber nachdenken, was er ihr alles an den Kopf geknallt hatte. Wenn ihre Gedanken doch mal bei ihm landeten – was zugegebenermaßen doch sehr oft passierte – ärgerte sie sich so sehr, dass sie sich immer wieder selber dabei erwischte, wie sie die Fäuste unbewusst ballte. Stündlich stieg ihre Wut darüber an, dass sie sich nicht rechtfertigt hatte, dass sie ihn nicht unterbrochen hatte oder warum sie ihm nicht eine geklatscht hatte – ok gut, die Ohrfeige stellte sie sich tatsächlich nur in den ganz schlimmen Wutausbrüchen vor.
„Was denkt der sich, so mit mir zu reden?! Ich bin schließlich kein Flittchen, dass versucht hat, ihm ein Kind anzuhängen! Hab ihm ja auch nicht die Pistole auf die Brust gehalten und gedroht, es seinem Chef oder sonst wem zu erzählen! Wie kann man nur so empfindlich auf eine dumme Aussage reagieren?! Mimimi – ich will kein Drama – mimimi“, äffte sie ihn nach.
Und dann wurde sie traurig, denn in ganz wenigen Momenten gestand sie sich ein, dass sie einfach nur verletzt war, weil sie eigentlich total in ihn verschossen war. Sie hatte sich insgeheim gewünscht, noch öfters in seinen Armen zu liegen und ihn zu küssen, den Duft seiner Haut einzuatmen und ihm tief in die Augen zu schauen.
Die Vorstellung ihn in wenigen Tagen zu sehen und ihm gegenüberzutreten als wenn nie etwas passiert wäre, war extrem einschüchternd. Dennoch hatte sie sich dazu entschlossen den Rat ihrer Freundin anzunehmen und nach dem Treffen die Konfrontation mit ihm zu suchen und ihm – zwar mit einer Woche Verspätung, aber immerhin – alles an den Kopf zu werfen, was sie sich die letzten Tage zurecht gelegt hatte.
Mit ihrer Freundin war sie die Punkte fast täglich durch gegangen, hatte zu jeder Gelegenheit Selbstgespräche geführt und hatte sich auf alle möglichen Kontermöglichkeiten ihres Dozenten vorbereitet, denn sie wollte nicht noch einmal völlig sprachlos und eingeschüchtert vor ihm sitzen. Nein, sie würde für sich einstehen und ihm ihre Meinung direkt ins Gesicht knallen! Sie würde ihm sagen, dass sein Verhalten viel zu radikal war, dass er sie wie ein Kind behandelt hatte, sie sich von ihm ausgenutzt fühlte, weil er sie so schnell abgeschrieben hatte, sie würde ihm noch ein schlechtes Gewissen machen, ihm sagen, dass das sehr verletzend war und sie gerade von IHM mehr erwartet hatte. Dann würde sie aufstehen und gehen – ohne sich noch einmal umzudrehen.
Ja! Genau, so würde sie es machen – das hoffte sie zumindest..




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Hallo ihr Lieben,
jetzt melde ich mich auch mal! ;)
Ich freue mich riesig über das große Interesse an meiner Geschichte und auch über den Zuspruch, dass ich weitergeschrieben habe! Das ist richtig motivierend! Vielen Dank dafür!
Ganz allgemein, ich versuche jede Woche ein Kapitel hochzuladen, wahrscheinlich am Wochenende, also irgendwann zwischen Freitag und Sonntag! :) Insgesamt habe ich mich noch nicht entschieden, wie lang die Geschichte werden soll, aber ein paar Kapitel wird es auf jeden Fall noch geben, hab da nämlich noch ein paar Ideen.;)
Ich hoffe, euch gefällt das dritte Kapitel! Es ist ein wenig kürzer als die beiden Letzten, aber ich möchte jetzt noch nichts über das Treffen vorweg nehmen! Es bleibt also spannend! ;)
Über ein paar Meinungen und Kommentare von euch würde ich mich sehr freuen!
Liebe Grüße
Franzpanz
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