Der Dozent

von Franzpanz
KurzgeschichteHumor, Romanze / P18
06.07.2019
11.08.2019
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Sie öffnete ganz langsam und verschlafen die Augen, blinzelte in die Sonne und wunderte sich, warum es so hell in ihrem Zimmer war. „Wieso ist denn der blöde Rollo oben?“.
Torkelnd stand sie auf, hielt sich dabei die eine Hand vor die Augen und tastete mit der anderen nach dem Rollo. Erleichtert fand sie ihn und zog am Band, um den Rollo hinunterzulassen.
Danach legte sie sich wieder zurück ins Bett, in der Hoffnung noch einmal einzuschlafen, denn sie hatte gerade so schön echt und süß geträumt:
Sie und ihr Dozent in seinem Büro, küssend, sich die Klamotten vom Leib reißend, eng und heiß, wälzend, auf seinem Schreibtisch – dabei presste sie die Lippen zusammen, fuhr über ihren Körper, hinunter zu ihrem Höschen, berührte sich und spürte einen leichten Schmerz – urplötzlich setzte sie sich auf und schlug sich beide Hände auf den Mund.
„OH MEIN GOTT! Ich glaub, ich spinn! Das war kein Traum! Ich hatte wirklich Sex mit ihm!“.
Sie schaltete ihre Nachttischlampe an, suchte ihr Handy und wählte die Nummer ihrer besten Freundin, um sofort wieder aufzulegen.
Das Handy auf dem Bett zurücklassend ging sie, etwas breitbeinig laufend, ins Badezimmer. Sie zog ihr Schlafshirt aus und blickte in den Spiegel. Mit vorsichtigen Fingern strich sie über ihre Schultern, erinnerte sich dabei an seine Küsse, die sich langsam hinunter gearbeitet hatten, erinnerte sich auch an seine großen Hände, die sich in ihren Hintern verkrallt hatten. Dabei drehte sie sich um, schaute auf ihre Po und stockte kurz, lächelte aber sofort über die zwei blauen Flecken, die sein etwas zu fester Griff verursacht hatten. Mehr Beweise brauchte sie nicht! Sie freute sich wie ein Schnitzel und kicherte die ganze Zeit in sich hinein.
Am liebsten hätte sie wieder das Handy in die Hand genommen, um ihre Freundinnen anzurufen und ihnen alles zu erzählen, aber sie durfte nicht. Ihr Dozent und sie hatten am Vorabend über ihre Situation gesprochen:
„Du weißt, dass das, was wir hier getan haben nicht unbedingt vernünftig war. Wir könnten ziemlichen Ärger bekommen – ich könnte ziemlichen Ärger bekommen. Du bist ja nur noch zwei Monate immatrikuliert und dann weg, aber ich arbeite hier. Bitte versteh mich nicht falsch, aber ich würde dich darum bitten, erstmal kein Wort darüber zu verliehen, was hier passiert ist“.
Sie hörte seinem Monolog schweigend zu, fühlte sich schlagartig wieder wie die kleine Studentin von vorhin, wusste nicht was sie antworten sollte und nickte daher nur hektisch, während sie ihren Jumpsuit anzog. Ihr gefiel dieses Gespräch nicht, denn sie hatte das Gefühl, nur ausgenutzt worden zu sein, fühlte sich verletzt davon, dass er es sofort unter den Tisch kehren wollte.
Natürlich wusste sie, dass das nicht unbedingt erlaubt war, oder eher, nicht gerne gesehen wurde, natürlich hätte sie nichts gesagt, aber die Tatsache, dass er das Thema unmittelbar nach der letzten Nummer ansprach, war hart. Zwar zog er sie noch einmal an sich heran, küsste sie leidenschaftlich, so dass sich seine Erektion gleich wieder bemerkbar machte, aber sie verließ sein Büro mit einem etwas bitteren Nachgeschmack.
Dieses Gefühl war am nächsten Morgen definitiv noch nicht verschwunden, aber es wurde von den Glücksgefühlen über den gestrigen Abend mit ihrem Dozenten übermannt. Nichtsdestotrotz schrieb sie in ihre Mädelsgruppe und verabredete sich mit ihnen zum gemeinsamen Weintrinken am Abend.

Den Tag verbrachte sie mit Flashbacks und Tagträumen und dem ständigen aktualisieren ihrer E-Mails, den sie hoffte inständig, dass er ihr schreiben würde. Natürlich hatte sie auch darüber nachgedacht den ersten Schritt zu machen und ihm eine Nachricht zuschicken, aber sie war sich so unsicher und wusste nicht, ob das vielleicht unangebracht war.
Auch beim Treffen mit ihren Mädels war sie unkonzentriert und schaute immer wieder auf ihr Handy. Ihr fiel es nicht leicht ihre Freundinnen anzulügen, denn diese löcherten sie mit Fragen zum abendlichen Sprechstundentreffen mit ihrem Dozenten. Wie gerne sie es ihnen erzählt hätte, aber sie konnte nicht! Daher schwächte sie die ganze Geschichte ab und gab nur Preis, dass sie beim Eintreten gegen ihn gestolpert war. Dabei erinnerte sie sich an seinen Geruch und schwärmte von seinen starken Schultern und Armen, was sie sofort wieder feucht werden ließ, beruhigte sich schnell aber wieder als sie in die etwas irritierten Gesichter ihrer Freundinnen schaute.
„Wow, das war anscheinend ganz schön intensiv!“, resümierte eine Freundin und sie nickte nur zustimmend, während sie dabei leicht errötete.
Nachdem die Mädels ihre Geschichte geschluckte hatten – war ja nicht gänzlich gelogen, nur verharmlost dargestellt – und sie sich auch anderen Themen zugewandt hatten, schaute sie aus dem Fenster und fiel fast vom Stuhl, als sie ihn sah. Ihr Dozent, mit dem sie sich gestern durch sein gesamtes Büro gevögelt hatte, lief gerade sein Fahrrad schiebend an ihrem Lokal vorbei – und er war nicht allein. Neben ihm ging eine kleine, blonde, kurzhaarige Frau in seinem Alter, mit der er sich lachend unterhielt, das war deutlich zu sehen.
„Nicht sein Ernst!“, sagte sie empört und so laut, dass auch ihre Mädels ihrem Blick folgten.
„Ach, das ist seine Ehefrau“, sagte eine von ihnen „dachte, die hätten sich getrennt. Anscheinend wohl doch nicht.“, sagte sie ernüchternd und widmete sich wieder ihrem Getränk zu.
„Stark bleiben!“, sagte eine andere und tätschelte ihr mit gespielter Mitleidsmiene die Schulter.
Sie musste sich so dermaßen zusammenreißen nicht die ganze Geschichte vom Vorabend zu erzählen, denn sie wusste, dass das ein Fehler gewesen wäre und darum biss sie sich auf die Lippen und lächelte gequält: „Alles gut, ich weiß doch, dass der verheiratet ist oder war oder wieder ist, keine Ahnung. Ist doch total egal!“. Ihr Innerstes brodelte!

Auf dem Heimweg konnte sie an nichts anderes denken.
„Hat er seine Frau mit mir betrogen? Bin ich für ihn nichts anderes als seine Bumserella gewesen? Die, für ne schnelle Nummer im Büro, wenn die Frau mal keine Lust hast? Wie dumm bin ich denn eigentlich gewesen, wie konnte ich nur glauben, dass ich etwas besonderes für ihn war!“, dachte sie mit Tränen in den Augen. Vor 24 Stunden hatte sie noch schwitzend unter ihm gelegen und jetzt war sie so enttäuscht über die Tatsache, dass ihr wohl verheirateter Dozent gar keine Gefühle für sie hatte.
Je länger sie darüber nachdachte, desto dümmer kam sie sich vor. Wie konnte sie denn glauben, dass es mehr gewesen war als eine einmalige Sache?! Sie schämte sich immer mehr und war nun wütend auf sich selbst.
Daheim angekommen öffnete sie noch eine Flasche Wein, schüttete sich ein Glas voll und exte es mehr oder weniger wütend und enttäuscht weg. Dabei wusste sie gar nicht mehr wirklich, auf wen sich ihre Wut mehr bezog – auf ihn oder auf sich selber. Als sie dann ins Bett stolperte, mit leicht schwummrigen Kopf, fiel sie in einen unruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen wachte sie mit Kopfschmerzen auf. Gerädert und verkatert suchte sie nach einer Schmerztablette und schenkte sich ein Glas Wasser ein. Sie suchte ihr Handy, antwortete auf ihre Whatsapp-Nachrichten und ging dann in den Posteingang ihrer Mails, um die ganze Werbung zu löschen, als plötzlich der Namen ihres Dozenten aufploppte. Ihr Herz rutschte in die Hose. Sie schaut für einen Moment hoch zur Decke, versuchte sich zu beruhigen, atmete laut ein und aus. Dann schaute sie wieder auf ihr Postfach – und los!
Noch während sie die Begrüßung las, breitete sich die Enttäuschung in ihr aus. Seine Mail war eine Sammelnachricht an alle, die an seiner Konferenz teilnahmen, und das letzte Mal nicht kommen konnten, also somit nicht an sie persönlich. Die Sprechstunde von vor zwei Tagen, welche eigentlich allen galt, wurde auf den nächsten Abend verschoben.
Sie war fassungslos, dass er ihr in dem Zuge nicht noch eine zweite Nachricht geschickt hatte, in der er sie fragte, wie es ihr ginge oder ob das ok für sie war, einfach nichts – keine Mail. Schon wieder loderte die Wut in ihr auf, sowohl gegen ihn, als auch gegen sich selber.

Im Verlauf des Tages überlegte sie sich, ob sie überhaupt hingehen sollte, aber sie wollte ihm nicht den Gefallen tun, durch ihr Fernbleiben ihn aus dieser doch recht unangenehmen Situation zu retten. Nein, sie wollte hingehen und noch dazu wollte sie sich richtig aufbrezeln, sexy anziehen, um es ihm noch viel schwerer zu machen! Ihr gefiel ihr Plan ihn zu verunsichern und so machte sie sich ein weiteres Mal an ihren Kleiderschrank, um nach aufreizender Unterwäsche zu suchen.
„Wieso hab ich eigentlich nie das passende da?“.
Neben ihren Baumwollschlüppis fand sie ein paar verwaschene Spitzenhöschen, aber sie war nicht wirklich zufrieden mit ihrer Auswahl und beschloss daher direkt einkaufen zu gehen. Sie wollte etwas richtig Verruchtes kaufen, etwas, das unter der Kleidung hervor spitzte und ihn durcheinanderbringen sollte.
„Der soll so richtig leiden!“ schmunzelte sie in sich hinein.

Das gemeinsame Treffen war wieder für den Spätnachmittag angedacht, nur das diesmal auch die anderen Studenten teilnehmen würden. Der Ärger der letzten Tage war wie verflogen bei dem Gedanken an seinen Gesichtsausdruck, wenn er sie sah.
Das Fertigmachen machte ihr sogar richtig Spaß, diesmal fing sie aber auch rechtzeitig an. In aller Ruhe rasierte sie sich alle wichtigen Körperregionen, was sie das letzte Mal nicht sonderlich akkurat gemacht hatte. An und für sich war es ihr auch nicht so wichtig, aber aus gegebenen Anlass tat sie es trotzdem. Außerdem bekamen die Nägel einen unwiderstehlich dunkelroten Anstrich, die Haare wurden geglättet, so dass sie schön schimmerten. Sie zog sich den neuen, schwarzen Spitzenbody an, den sie am Vortag gekauft und extra noch gewaschen hatte. Es war sehr ungewohnt für sie, denn unter dem Body konnte sie weder ein Höschen noch einen BH anziehen, sodass sie sich ein wenig nackig vorkam, zudem war der Body nur von unten zu öffnen und schließen, was auch etwas gewöhnungsbedürftig war, aber da musste sie jetzt durch. Sie zog eine enge Highwaste-Jeans dazu an und darüber eine weiße, recht flatterige und etwas transparente Bluse, die sie locker in die Jeans steckte. Sie knöpfte die Bluse weit genug auf, das man die Träger sehen konnte und je nachdem, wie weit sie sich vorbeugte auch mehr – sie ließ in jedem Fall tief blicken.

Auf keinen Fall wollte sie als Erste dort antanzen, so dass sie ganz gemütlich losfuhr und nach dem Parken schlendernd in Richtung seines Büros ging. Mit fünf Minuten Verspätung klopfte sie an die Bürotür – wie schon vor drei Tagen – ging diesmal aber einfach hinein, ohne eine Antwort abzuwarten.
Mit einem „Sorry, viel Verkehr“ schloß sie die Tür hinter sich und nahm in Zeitlupe auf dem letzten freien Stuhl im Raum Platz.
Ihr Dozent schaut zu ihr auf und begrüßte sie mit einem gespielt unbeeindruckten „Hallo, kein Problem“, konnte seinen Blick aber nicht von ihr lösen und verlor dann seinen Faden, so dass einer ihrer Kommilitonen ihm auf die Sprünge helfen musste.
Schmunzelnd nahm sie ihre Schreibsachen aus ihrer Tasche und beugte sich dabei weit vor, um ihn ein weiteres Mal aus dem Konzept zu bringen. Sie musste nicht einmal hochschauen, um zu wissen wie er sich in ihrem Ausschnitt verlor, denn er stockte zum zweiten Mal bei seiner Rede.
Nach einer gewissen Zeit merkte sie, dass er sich die größte Mühe gab nicht mehr in ihre Richtung zu schauen, was sie dazu veranlasste sich immer wieder zu melden und Fragen zu stellen, denn sie wollte es ihm nicht so leicht machen.
Nach zwei Stunden, als das Treffen dann zu Ende war und alle zusammenpackten um zu gehen, ließ sie sich besonders viel Zeit.
„ Frau M., bleiben sie doch noch kurz hier, wir müssten die eine Sache noch kurz besprechen“, hörte sie ihn sagen, als die anderen gerade den Raum verließen.
„Oh, entschuldigen Sie, aber ich kann leider nicht. Schreiben Sie mir doch einfach eine Mail“, sagte ich provozierend. Die anderen waren zwar schon gegangen, aber sie blieb beim förmlichen Ton.
Als sie sich zur Tür umdrehte und im Begriff war sie zu öffnen, um zu gehen, tauchte plötzlich sein Arm auf, schoss an ihrem Ohr vorbei und drückte sich gegen die Tür. Sie drehte sich um. Ihr Dozent stand eine Hand breit von ihrem Gesicht entfernt vor ihr und schaute sie aus seinen rehbraunen Augen aus an...
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