Der Traum vom Anderssein

GeschichteAbenteuer / P12
OC (Own Character)
05.07.2019
14.09.2019
9
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2
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~ 2. Kapitel ~

Aufbruch


Am nächsten Tag trafen sie sich auf Johannas Hof. Zu ihrer Überraschung erschien auch Cassiopeia dort. Sie berichtete, dass Ben einen Auftrag erhalten hatte und sie daher nicht länger begleiten konnte. Außerdem war eines ihrer Pferde krank geworden und musste pausieren.
Samantha hatte inzwischen mit dem Hexenrat gesprochen. Als alle anwesend waren, teilte sie das Ergebnis mit: „Der Rat gibt uns die Erlaubnis. Allerdings nur unter zwei Bedingungen: nur Junghexen und niemand darf erfahren, was wir sind.“ Sam schaute in einige freudige, aber auch ein paar enttäuschte Gesichter.
Es dauerte nicht lange bis feststand, welche Hexen auf Reisen gehen würden: Jana, Jill, Eve, Tina, Abigail, Sascha, Jenny und Gina. Schließlich wurde sich noch darauf geeinigt, zur Sicherheit Sarah und Merle mitzuschicken. So konnten sie Merle auch gleich besser kennenlernen.

Jake saß enttäuscht dreinblickend in einer Ecke. Als „Nicht-Magischer“ fühlte er sich einmal mehr ausgeschlossen. Anna ging zu ihm. „Sei nicht traurig. Nächstes Mal machen wir etwas, wo du auch teilnehmen kannst. Vielleicht etwas, das mit Harry Potter zu tun hat, wenn du möchtest. In Ordnung?“
„Versprochen?“
„Versprochen.“
Anna und Jake reichten sich die Hände. Seine Laune besserte sich schlagartig.

Gina und die anderen Mädchen verstauten ihr Gepäck, Proviant und ein paar weitere Dinge in einem kleinen Planwagen. Merle und Johanna wählten währenddessen die Tiere aus, die mit auf die Reise gehen sollten. Nachdem der Wagen fertig bepackt und die Pferde zugeteilt waren, ging es langsam ans Verabschieden. Merle zögerte noch. Sie schien über etwas nachzudenken. Schließlich ging sie zu Anna, die mit Cassiopeia etwas abseits stand.
„Ich habe eine Frage“, begann sie vorsichtig, „hättest du etwas dagegen, wenn ich Jay mitnehmen würde? Ich habe mich in den letzten Tagen mit ihm angefreundet und ich habe das Gefühl, der Falke könnte unterwegs vielleicht hilfreich sein.“
Anna überlegte einen Moment. „In Ordnung. Wenn er mit möchte. Er gehört mir schließlich nicht und darf selbst entscheiden.“
„Danke. Ich werde auch gut auf ihn aufpassen.“
„Na, das will ich doch hoffen.“ Anna konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Überglücklich machte sich Merle auf den Weg, den Falken zu holen – begleitet von ihrer deutschen Dogge Tara.

Abigail fiel der Abschied am schwersten. Einerseits wollte sie mit ihren Freundinnen mit, andererseits wollte sie nur ungern ohne ihre beste Freundin Charleen los, welche nicht an dem Abenteuer teilnehmen konnte. Sam, Charleens Mutter, schaffte es jedoch, Abby zu überzeugen, mitzureisen. Sie versprach ihr, sie zurückzuholen, wenn Abby es nicht mehr aushalten sollte.
Johanna überreichte Abby die Zügel des Haflingers, den sie für sie ausgewählt hatte. Ihr eigenes Pony konnte Abby nicht nehmen. Sie war zu groß dafür geworden und konnte es daher nicht mehr reiten. Mit gemischten Gefühlen stieg sie in den Sattel. Johanna begleitete sie noch bis zu dem „Raum-Zeit-Tor‟, welches die Mädchen zunächst nach Australien bringen sollte, bevor es von dort durch ein weiteres Tor an das eigentliche Ziel gehen würde.
„Übrigens‟, wandte sich Johanna plötzlich an Abby, „Gismo gehört dir.‟
„Was?‟
„Na, du brauchst doch ein neues Pferd, oder?‟
„Ja, aber…” Abigail sah zu Sam, die ihr zunickte.
„Sam hat schon alles geregelt. Und nun: viel Spaß.‟
„Danke.‟ Abby war noch völlig perplex.

*

Sehnsüchtig blickte Anna den Mädchen hinterher. Wie sehr beneidete sie sie, denn sie litt schon wieder unter Fernweh. Zu schade, dass sie dieses Mal nicht mitkonnte. Oder gab es vielleicht doch eine Möglichkeit? Nein, sicher nicht. Betrübt drehte sie sich um.
„Tir na n-Og könnte mal wieder etwas Bewegung gebrauchen“, hörte Anna plötzlich Cassie sagen, „und Gomez doch sicher auch?“
„Was meinst du?“
„Jetzt, wo Moon pausieren muss und ich daher nicht mit dem Wagen umherziehen kann, langweilt sich Tir na n-Og. Er vermisst das Reisen. Also, wie wäre es? Ich spüre doch, wie sehr es auch dich hinauszieht.“
„Du hast recht. Was schlägst du vor?“
„Wie wäre es mit dem Ort, wo die Mädchen hinwollen? Wir können dort ja unabhängig von ihnen reisen. Ich hätte da auch schon eine Idee.“
„Das wäre schon toll. Aber wie soll das gehen?“
„Lass das meine Sorge sein. Wir treffen uns hier nachher wieder.“ Damit verschwand Cassie.
Anna machte sich zwar wenig Hoffnung, dennoch ging sie ihre Sachen packen und ihre Tiere holen.

*

Keine halbe Stunde später war Anna mit ihrem Fuchswallach Gomez und ihren beiden Hunden zurück. Ihr Blick fiel auf den schwarz-weißen Irish Cob, der auf einer nahen Weide graste. Das Pferd ließ sich selbst von dem Rottweiler, der um es herumsprang, nicht aus der Ruhe bringen. Schmunzelnd beobachtete Anna, wie der Hund immer wieder – vergeblich – versuchte, das Pferd zum Spielen aufzufordern. Schließlich bekam sie „Mitleid‟ und ließ ihre Hunde von der Leine. Die Beiden liefen sogleich zu dem Rottweiler und tobten mit ihm über die Wiese.
„Wir können bald los“, erklang Cassies Stimme plötzlich hinter ihr.
Anna drehte sich um. „Dann haben wir die Erlaubnis?“
Cassiopeia nickte fröhlich.

***

Auch die Beiden gelangten zunächst durch ein „Raum-Zeit-Tor‟ an das andere Ende der Welt. Nicht nur die Tiere brauchten einen Moment, um sich zu akklimatisieren. Zwar war an ihrem vorherigen Standort, einem kleinen Ort in der Nähe von Hamburg, Sommer und hier in Queensland somit Winter, dennoch war der Unterschied enorm. Sie befanden sich an einem etwas abgelegenen, zum Glück menschenleeren Strand am Rand eines tropischen Regenwaldes.
Anna und Cassie ritten ein Stück durch den weichen, fast weißen Sand. Es dauerte noch ein wenig, bis die beiden mächtigen Hexen erscheinen würden, die ihnen das Tor zum Zielort öffnen sollten. Die anderen Mädchen waren bereits weitergereist.
Gebannt schaute Anna auf das Wasser. Sie liebte das Meer, das Geräusch der an den Strand rollenden Wellen, den Geruch der salzigen Meeresluft.
Plötzlich entdeckte sie etwas, oder vielmehr jemanden in den Wellen. „Da will uns wohl jemand hallo sagen.“
Cassie blickte zu der riesigen, aus dem Meer ragenden Flosse. „Ein ‚Freund‛ von Sarah?“
Mit einem lauten Klatschen schlug die Flosse auf die Wasseroberfläche. Einen Augenblick später tauchte der Kopf des Buckelwals aus den Fluten auf.
„Charley“, antwortete Anna fast schon ehrfürchtig.
Die beiden alten, mächtigen Hexen erschienen wie aus dem Nichts. Ein letztes Mal blickte Anna zu dem Buckelwal. „Tschüß, Großer. Keine Sorge, deine Freundin kommt bald zurück.“, flüsterte sie ihm zu. Dann ging es durch das „Dimensions-Tor‟ hinein in eine Welt, in der es keine Erwachsenen mehr gab und Kinder das Sagen hatten...
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