Brief von Lestat

GeschichteAllgemein / P12
Lestat de Lioncourt
05.07.2019
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Guten Abend, liebe Leserin.

Sicher sind Sie sehr verwundert, wie dieser Brief den Weg in ihre doch augenscheinlich verschlossene Wohnung fand.
Vielleicht sollte ich mich zuerst vorstellen: Mein Name ist Lestat De Lioncourt. Der richtige, keine Verwechslung und kein geschmackloser Scherz auf unser beider Kosten. Ich habe, und verzeihen Sie mir bitte die Verletzung ihrer Privatsphäre, gesehen, dass Sie meine Bücher erworben haben. Das freut mich außerordentlich und erspart mir zudem die Mühe, Sie von meiner Existenz zu überzeugen. Um eventuelle Fragen vorwegzunehmen, ja, ich bin es, und ja, ich bin unsterblich. Sollten Sie dennoch Zweifel an meiner Identität haben, denken Sie an ihre verschlossene Tür. Ich wäre nicht Ich, wenn sie ein ernsthaftes Hindernis darstellen würde.
Da wir uns nun sicher sein können, dass ich der Verfasser dieses Schreibens bin, lassen Sie mich direkt zu dessen Grund kommen: Wie Sie sicher wissen, wenn Sie meine Chroniken aufmerksam gelesen haben (und das haben Sie, die Bücher sehen recht zerlesen aus), wandten sich die letzten Bände schier unglaublichen Dingen zu. Ich will damit nicht sagen, dass das Geschilderte falsch ist, beileibe nicht. Aber die Autorin, unter deren Namen ich meine Chroniken veröffentlichen ließ, nahm sich etwas zu viele künstlerische Freiheiten mit meiner Geschichte heraus. Sie wissen, was dabei herauskam: Meine Reise quer durch die biblische Geschichte. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich traf Memnoch, und genauso lernte ich den Sterblichen kennen, der sich so dreist meines Körpers und meiner (durchaus gerechtfertigten) Eitelkeit bediente, um in den Genuss meiner nicht unbeträchtlichen Kräfte zu kommen. Doch viele der teils sehr absurden Teile der Geschichten, besonders Memnochs, sind der lebhaften Fantasie ihrer Verfasserin zuzuschreiben. Sicher wissen Sie auch, dass meine Chroniken und damit die Aufzeichnungen meines Lebens zeitlich vor einigen Jahren endeten. Seitdem habe ich einiges erlebt, was eine Niederschrift wert sein könnte und ich mit den Sterblichen teilen will. Und sei es nur in der Form eines vermeintlich fiktiven Romans.
Und an dieser Stelle kommen Sie ins Spiel: Ich möchte, dass Sie meine neueren Geschichten niederschreiben, eine Fortsetzung der Chroniken, wenn Sie so wollen. Vergeben Sie mir, dass ich ungefragt Ihren Laptop benutzt habe, doch ich wollte sicher sein, dass Sie in der Lage sind, meine Geschichte angemessen Weise wiederzugeben. Die Texte, die ich gefunden habe, gefallen mir außerordentlich gut.
Ich bitte Sie also frei heraus: Schreiben Sie für mich!
Wenn Sie zustimmen, würde ich Ihnen die besagten Geschehnisse, die Sie niederschreiben und veröffentlichen sollen, natürlich persönlich schildern, und Ihnen würde sich so die Gelegenheit bieten mehr über meine Chronik aus erster Hand zu erfahren. Und natürlich hätten Sie die einmalige Gelegenheit, mich selbst kennen zu lernen.
Ich lasse Ihnen einige Tage Zeit für Ihre Entscheidung, erst dann werden Sie wieder von mir hören. Bis dahin wünsche ich angenehme Tage. Denken Sie nachts an mich.
Ich freue mich darauf, Sie persönlich zu treffen.

Lestat



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Ein kleiner Oneshot für alle Fans von Lestat :)
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