Ricky

KurzgeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
04.07.2019
02.08.2019
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Guten Morgen ihr Lieben :)

Ich habe gestern den ganzen Abend geschrieben, um das Kapitel fertig zu bekommen.
Danke übrigens an die vier Leute, die meiner Geschichte eine Empfehlung gegeben haben, das bedeutet mir unglaublich viel :)

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
LG Jana
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Montag, 17. Dezember

Heute sind es noch sechs Tage bis zu unserem ersten Auftritt. Die letzten Wochen sind so schnell vergangen, dass es mir fast unwirklich vorkommt.
Wir haben uns fast jeden Tag zur Probe getroffen, damit Ricky unsere Songs bis zu dem Stadtfest am Sonntag perfekt spielen kann. An den Wochenenden haben wir oft bis spät in die Nacht zusammen gesessen, geredet und Musik gemacht.

Auch, wenn es unfassbar anstrengend war, gehören die letzten fünf Wochen mit zu den schönsten dieses Jahres.
Was zum einen natürlich daran liegt, dass ich Ricky nicht nur montags in der U-Bahn zu Gesicht bekommen habe, sondern fast jeden Nachmittag ein paar Stunden mit ihm verbringen konnte.

Zum anderen aber auch daran, dass ich zum ersten Mal das Gefühl habe, dass es mit unserer Band wirklich voran geht. Wir sind nicht mehr die kleine Garagenband, die sich einmal in der Woche trifft und zusammen ein bisschen klimpert. Nein. Jetzt sind wir die kleine Garagenband, die hart gearbeitet hat, um bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt einen guten Eindruck zu machen.

Heute war unsere letzte Probe vor dem großen Tag. Wir haben beschlossen, uns den Rest der Woche von unseren Songs fernzuhalten, um vorher zumindest ein wenig auf andere Gedanken zu kommen. Außerdem werden Ryan und ich vermutlich die ganze Woche mit dem Projekt für die Uni beschäftigt sein, dass wir Freitag abgeben müssen. Danach beginnen die Weihnachtsferien. Ich kann es kaum abwarten, zwei Wochen lang auszuschlafen und meine Tage mit Nichtstun zu verbringen.

„Ich kann gar nicht glauben, dass wir heute wirklich zum letzten Mal geprobt haben“, merkt Vin an. Im Moment sitzen wir am Küchentisch von Ryans Eltern und feiern unsere erfolgreiche Probe mit Tiefkühlpizza und Cola.
„Ich auch nicht“, sagt Justin mit vollem Mund. „Ich fühl mich noch total unvorbereitet.“
„Und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich freiwillig vor einem Haufen fremder Leute singe“, erwidert Ricky mit einem nervösen Lachen.
Ryan grinst. „Ich glaube, wir sind bestens vorbereitet. Ihr wart doch alle super heute.“

„Genau. Macht euch nicht so nervös“, bringe ich zwischen zwei Stücken Pizza hervor.
„Du kennst sowas wie Nervosität ja auch gar nicht", sagt Ricky und wirft mir ein schiefes Grinsen zu. „Du stellst dich einfach ans Mikro und legst los, egal wer vor dir steht.“
Ich grinse. Ich würde Ricky am liebsten sagen, wie gut ich mich mit Nervosität auskenne, seitdem er so oft in meiner Nähe ist. Aber dazu ist jetzt vermutlich der falsche Zeitpunkt.

„Was macht ihr eigentlich an Weihnachten?“, wechselt Justin das Thema und sieht neugierig in die Runde. „Feiert ihr mit euren Familien?“
„Erinnere mich nicht an Weihnachten“, gibt Vin mit einem Seufzen zurück. „Ich bin dazu gezwungen, mit meiner Mutter und ihrem neuen Freund zu feiern, den ich noch nie gesehen habe. Das wird so unangenehm.“

„Das klingt nach Spaß“, lacht Ryan. „Also ich fliege von Weihnachten bis Silvester mit meinen Eltern und Geschwistern nach Norwegen.“
„Bei mir wird's ganz entspannt. Wir essen abends zusammen, machen die Geschenke auf und das war's“, sagt Justin.
„Ist bei mir genauso“, erwidre ich grinsend.
„Habt ihr ein Glück“, kommt es wenig begeistert von Vin. „Mir wäre alles lieber als dieses gezwungene Zusammensein.“

Der einzige, der nichts zu dem Thema sagt, ist Ricky. Er starrt mit angespannter Miene auf den Tisch und hält sich aus dem Gespräch heraus, als wäre es ihm unangenehm, darüber zu sprechen.

„Was ist denn mit dir, Ricky?“, fragt Ryan ihn lächelnd. „Fährst du auch zu deinen Eltern?“
Neugierig sehe ich Ricky an, der mit zusammengepressten Lippen den Kopf hebt. „Nein, ich...“, beginnt er und scheint nach den richtigen Worten zu suchen. Seine blauen Augen sehen mit einem Mal furchtbar traurig aus. „Ich hab keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern“, sagt er schließlich.

Einen Moment lang ist es still. Alle Augen sind auf Ricky gerichtet, aber niemand wagt es, zu sprechen. Ich würde gerne etwas sagen, aber die richtigen Worte wollen mir einfach nicht einfallen.

„Oh“, sagt Ryan schließlich leise. „Tut mir leid.“
„Schon okay“, flüstert Ricky und versucht, eine neutrale Miene aufzusetzen. Er sieht trotzdem noch unglaublich traurig aus.
„Willst du ... darüber reden?“, fragt Ryan weiter. Er schüttelt den Kopf. „Nein, lieber nicht.“

„Was ist denn mit deinem Bruder?“, frage ich vorsichtig. Ich kann mich dunkel erinnern, dass er mir bei einer unserer ersten Begegnungen erzählt hat, er hätte noch einen älteren Bruder.
„Der wohnt zu weit weg, um für ein paar Tage rüber zu fliegen“, seufzt Ricky. „Außerdem muss er wahrscheinlich arbeiten.“

„Und was ... was machst du dann? Du willst Weihnachten doch nicht alleine verbringen, oder?“ Einige wenige Sekunden hält Ricky meinem fragenden Blick stand, dann sieht er wieder auf den Tisch. „Was anderes bleibt mir wohl nicht übrig“, nuschelt er.

Es bricht mir das Herz, ihn so niedergeschlagen zu sehen. Ich kann doch nicht zulassen, dass Ricky an Weihnachten alleine in seiner kleinen Wohnung sitzt und traurig ist, während alle anderen einen schönen Abend mit ihren Familien verbringen. Schon der Gedanke daran sorgt dafür, dass sich etwas in mir schmerzhaft zusammenzieht.

„Du kannst mit mir zusammen feiern.“ Wieder einmal ist mein Mund schneller als mein Kopf. „Also ... nur wenn du willst“, ergänze ich hastig, als ich Rickys verwirrten Blick bemerke.
„Mit dir?“, fragt er, sichtlich irritiert. „Ich dachte, du fährst zu deiner Familie.“
„Meine Eltern haben sicher nichts dagegen, wenn eine Person mehr dabei ist“, behaupte ich mit einem Lächeln, welches er zaghaft erwidert. „Ich will mich euch aber nicht aufdrängen. Deine Eltern kennen mich doch gar nicht.“

„Das macht nichts“, kommt es jetzt von Ryan. „Chris' Mutter liebt jeden, mit dem er befreundet ist. Und sie kann unfassbar gut kochen. Überleg es dir also gut.“
Ricky lacht und sieht dadurch etwas weniger traurig aus. Dann schaut er wieder mich an. „Rede bitte erst mit deiner Familie, okay? Ich will jetzt nicht zusagen, wenn sie mich nachher gar nicht dabei haben wollen.“
„Mach ich“, verspreche ich ihm. „Ich will nur nicht, dass du alleine sein musst.“
„Danke“, murmelt er und sieht mir einen Moment lang fest in die Augen. „Würden wir dann Montag rüberfahren?“

„Meine Schwester würde Montagmorgen mit dem Auto vorbeikommen und uns mitnehmen“, erkläre ich ihm.
„Nola?“, fragt Vin und setzt sich ruckartig auf. „Nola kommt in die Stadt und ich erfahre erst jetzt davon? Kommt sie auch zu unserem Auftritt?“
Seufzend schüttle ich den Kopf. Seit meine Schwester vor etwa einem halben Jahr einmal bei einer unserer Proben zugeschaut hat, ist Vin regelrecht besessen von ihr.

„Nein, sie kommt nur vorbei, um mich abzuholen“, grinse ich, woraufhin er ein langes Gesicht macht.
„Kann ich nicht auch mit zu deiner Familie kommen? Ich würde alles geben, um einen Abend mit deiner Schwester zu verbringen.“
„Du kannst schön zu deiner Mutter und ihrem Freund fahren“, erwidre ich lachend. „Und könntest du bitte damit aufhören, in diesem Ton von ihr zu reden?“

„Du hast so oder so keine Chance bei ihr“, zieht Justin ihn auf. „Du bist viel zu jung.“
„Sie ist nur ein Jahr älter als wir!“, erwidert Vin. „Ricky; du musst mir versprechen, sie nicht für dich zu begeistern. Auch, wenn es schwer ist.“
Ricky sieht Vin an, als wäre er völlig verrückt geworden. Grinsend schüttelt er den Kopf. „Ich denke, das lässt sich einrichten.“

„Nicht jeder ist so besessen von ihr wie du“, bemerkt Ryan lachend.
„Was ich überhaupt nicht verstehen kann. Schaut sie euch doch nur mal an“, sagt Vin, wobei ein verträumtes Lächeln auf seinem Gesicht erscheint.
Ich verdrehe die Augen, Ricky grinst immer noch. Offenbar ist er ganz froh, dass die Aufmerksam auf ein anderes Thema gelenkt wurde.

„Okay, Leute“, sagt Ryan, als wir unsere Pizza aufgegessen haben. „Es tut mir wirklich leid, aber ich muss euch jetzt rauswerfen. Chris und ich sitzen wahrscheinlich noch bis heute Nacht an dieser blöden Präsentation und es ist schon viel zu spät.“
„Na schön“, sagt Justin. „Wir wollen euch ja nicht von der Arbeit abhalten.“

Meinetwegen hätte der Abend noch ewig weitergehen können. Ich würde viel lieber noch ein paar Stunden mit den vieren zusammensitzen als an der Geschichtspräsentation zu basteln.
Wenig motiviert stehe ich auf und räume unsere Teller in den Geschirrspüler, während Justin, Ricky und Vin in den Flur verschwinden, um ihre Schuhe und Jacken anzuziehen.

Justin und Vin erklären sich netterweise dazu bereit, Ricky noch bis zur U-Bahn Station zu bringen, bevor sie nach Hause gehen. Es ist bereits stockdunkel und es schneit mal wieder. Wenn es so weiter geht, könnten wir in diesem Jahr seit Langem mal wieder Glück haben und weiße Weihnachten erleben.

Während Vin und Justin nach draußen gehen, bleibt Ricky noch einen Moment bei Ryan und mir im Flur stehen.
„Du kannst mir dann ja in den nächsten Tagen nochmal schreiben, was deine Eltern gesagt haben“, bemerkt er mit einem vagen Lächeln.
„Auf jeden Fall“, sage ich und erwidre sein Lächeln. „Du kannst aber davon ausgehen, dass das in Ordnung geht.“
Er zuckt mit den Schultern, ohne mich aus den Augen zu lassen. „Dann sehen wir uns spätestens Sonntag?“

Ich nicke. „Mach dich nicht zu nervös wegen dem Auftritt, okay?“
„Ich werde es versuchen“, erwidert er grinsend. Einen Moment lang sieht er mich schweigend an. Am liebsten würde ich ihn nah an mich ziehen und ihn umarmen. Aber vor Ryan wäre das vermutlich ein wenig merkwürdig.

„Also dann...“, sagt er schließlich. „Bis Sonntag.“
„Bis Sonntag!“, erwidern Ryan und ich im Chor. Mit einem letzten Lächeln wendet Ricky sich ab und verschwindet zu den anderen nach draußen.

Ryan schließt die Tür, ich starre noch einige Sekunden lang auf die Stelle, an der Ricky bis gerade eben noch stand.
„Kommst du mit?“, höre ich ihn fragen.
Ich räuspere mich. „Ja ... sicher“, erwidre ich schnell und folge ihm die Treppe hoch in sein Zimmer.

Wenig später sitzen wir auf dem Boden und ordnen unsere Notizen, die wir vor uns ausgebreitet haben.
„Ich weiß wirklich nicht, wie wir das bis Freitag schaffen sollen“, bemerkt Ryan und fährt sich mit den Fingern durch die Haare.
„Ich auch nicht“, gebe ich mit Blick auf die unzähligen, handgeschriebenen Seiten aus der Vorlesung zurück. „Wir können am besten erstmal alles zusammensuchen, das wichtig für das Projekt ist. Der Rest kommt weg.“
Ryan nickt und wir machen uns daran, die Aufzeichnungen zu überfliegen.

Als wir eine Stunde später endlich das Wichtigste auf einem Stapel zusammengelegt haben, schwirrt mein Kopf. Zumindest ist jetzt alles etwas übersichtlicher.
„Ich bin so froh, wenn die Woche endlich vorbei ist und die Ferien anfangen“, seufzt Ryan, während wir anfangen, stichpunktartig die Informationen herauszuschreiben, die wir nachher in unsere Präsentation einbauen wollen.

„Frag mich mal“, lache ich. „Ich werde Freitag alle Sachen aus der Uni im Schrank einschließen und sie erst im Januar wieder rausholen.“
„Das klingt nach einem Plan“, grinst er, ohne von seinem Zettel aufzusehen.

Nach einer weiteren halben Stunde, die mir eher nach einer ganzen Woche vorkommt, kann ich mich endgültig nicht mehr konzentrieren.
Meine Gedanken schweifen unentwegt zu der Person, bei der sie schon seit dem ersten Oktober festhängen. Zu Ricky.

Warum wusste ich bis heute nicht, dass er keinen Kontakt zu seinen Eltern hat? Er hat immer nur erzählt, dass er zum Studieren von zu Hause weggezogen ist, wir sind aber nie weiter auf das Thema eingegangen. Warum bricht man einfach den Kontakt zu seiner Familie ab? Nichts auf der Welt könnte mich dazu bringen.

Und was ist, wenn er an Weihnachten wirklich mit zu meinen Eltern kommt? Wird er sich dort wohlfühlen? Werden Eltern ihn mögen? Was für eine Frage, natürlich werden sie ihn mögen. Schon allein sein Lächeln würde ausreichen, um das Herz meine Mutter zum Schmelzen zu bringen. Und das von Nola sicherlich auch.

Mit einem frustrierten Seufzen lasse ich meine Notizen auf den Boden fallen.
„Was ist los?“, fragt Ryan mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Meine Konzentration ist weg“, sage ich.
„Sollen wir eine Pause machen?“
Dankbar über diesen Vorschlag nicke ich.

Während Ryan nach unten läuft, um Kaffee zu kochen, lehne ich mich an die Wand und versuche, meine Gedanken wieder auf das Projekt zu richten.

„Ist alles okay? Du siehst richtig fertig aus“, sagt Ryan, als er wenig später zurück kommt, sich neben mich setzt und mir eine Tasse dampfenden Kaffee reicht.
„Danke“, murmle ich und trinke einen Schluck, wodurch ich mich sofort etwas weniger müde fühle. „Weißt du; ich muss nur die ganze Zeit an das denken, was Ricky vorhin gesagt hat.“
„Dass er keinen Kontakt zu seinen Eltern hat, meinst du?“, fragt er und wirft mir einen besorgten Seitenblick zu.
„Genau“, erwidre ich. „Ich meine ... warum? Was muss passieren, dass man es so weit kommen lässt?“

„Ich habe keine Ahnung“, antwortet er. „Das müsstest du ihn schon selbst fragen.“
„So wie er vorhin reagiert hat, wird er mir das sicher nicht erzählen“, sage ich.
„Vielleicht ist es einfach noch zu früh für ihn, um darüber zu reden“, erwidert Ryan mit dem Anflug eines Lächelns.
„Wahrscheinlich hast du recht. Ich finde die Vorstellung trotzdem furchtbar.“

„Okay, Chris.“ Ryan räuspert sich und dreht sich zu mir, um mich direkt anzusehen.
„Was ist?“, frage ich und hebe die Augenbrauen.
„Ich muss dich das jetzt einfach fragen. Und ich will, dass du mir ehrlich antwortest.“
„Geht's vielleicht etwas genauer?“, erwidre ich. Wenn er mich etwas fragen will, warum tut er es dann nicht einfach?

„Na schön.“ Er nimmt einen tiefen Atemzug und sucht einen Moment lang nach den richtigen Worten. „Ich will dir wirklich nicht zu nah treten, aber ... kann es sein, dass du ... naja, in Ricky verliebt bist?“

Die Frage trifft mich so unerwartet, dass ich mich an meinem Kaffee verschlucke. „Was?“, huste ich. „Wie kommst du darauf?“
Das Lächeln, das er mir daraufhin zuwirft, verrät mir, dass ihm das als Antwort schon ausreicht. „Ich weiß nicht“, sagt er nachdenklich. „Da ist so etwas an der Art, wie du ihn immer ansiehst. Wenn du von ihm redest, hast du immer diesen leeren Blick drauf. Und ... du sorgst dich ständig viel zu sehr um ihn. Nicht zu vergessen, dass du ihn vorhin über Weihnachten zu dir nach Hause eingeladen hast.“

Mit brennenden Wangen senke ich den Blick auf meine Kaffeetasse. Ist das alles wirklich so offensichtlich?
„Ich...“, beginne ich, obwohl ich eigentlich nicht weiß, was ich sagen will. Soll ich Ryan die Wahrheit sagen? Wenn ich jetzt behaupte, dass er sich täuscht, wird er mir das ohnehin nicht glauben. „Ja, okay“, nuschle ich schließlich, ohne aufzusehen. „Du hast recht. Vielleicht bin ich ein bisschen verliebt in ihn.“

Ein bisschen? “ Ryan lacht, woraufhin mein Gesicht sich noch heißer anfühlt.
„Vielleicht auch ein bisschen mehr, wenn du es unbedingt so genau wissen willst“, gebe ich zu.
„Ich wusste es! Du kannst jetzt aufhören, deinen Kaffee anzustarren.“

Als ich ihn ansehe, liegt ein breites Grinsen auf seinen Lippen.
Ich seufze. „Behalt das aber bitte für dich, ja?“
Energisch nickt er. „Von mir erfährt niemand etwas.“
„Danke.“

„Warum ... warum hast du mir nie gesagt, dass du schwul bist?“, fragt er irgendwann und sieht mich mit zusammengezogenen Brauen an.
Ich ziehe die Schultern nach oben. „Ich weiß nicht. Hat sich einfach nicht ergeben bisher.“
„Hm“, macht Ryan. „Du hattest aber keine Angst, dass ich etwas Blödes dazu sagen könnte, oder?“
„Was? Nein, natürlich nicht.“
„Gut. Das würde ich nämlich auch nicht machen.“ Er lächelt. Ich lächle zurück.
Wer hätte gedacht, dass mein erstes Outing so einfach werden würde?

„Und, wirst du es ihm sagen?“
„Wem?“, frage ich irritiert.
„Ricky natürlich! Wem denn sonst?“ Wieder lacht er.
„Auf gar keinen Fall“, erwidre ich, ohne nachzudenken.
„Warum nicht?“, fragt Ryan, immer noch lächelnd. „Ich denke nicht, dass er erraten kann, was du für ihn fühlst.“

„Das war der Plan, Ryan“, erwidre ich und sehe ihn verständnislos an. „Er soll nicht herausfinden, was ich für ihn fühle.“
„Aber wieso denn nicht?“

Obwohl mir diese Frage zuerst total schwachsinnig vorkommt, denke ich zum ersten Mal wirklich darüber nach. Warum soll Ricky die Wahrheit nicht erfahren? Wäre es wirklich so schlimm, wenn er es wüsste?

„Ich denke, ich hab einfach Angst, dass dann alles kaputt geht“, seufze ich. „Unsere Freundschaft, meine ich.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ricky deswegen alles hinschmeißen würde“, bemerkt Ryan. „Und vielleicht geht eure Freundschaft davon nicht kaputt, sondern wird durch etwas noch Besseres ersetzt.“
„Was meinst du damit?“, frage ich skeptisch.
Ryan grinst. „Vielleicht geht es Ricky ja nicht anders als dir und ihr traut euch nur beide nicht, etwas zu sagen.“

Ich schnaube. „Das glaubst du doch selbst nicht.“
„Wäre doch möglich“, erwidert er, als wäre es das Offensichtlichste der Welt.
„Wie hoch sind bitte die Chancen, dass Ricky nicht hetero ist und zusätzlich an mir interessiert ist?“
„Vielleicht nicht besonders hoch, aber möglich wäre es trotzdem. Du bist ja auch nicht hetero und stehst auf ihn“, grinst Ryan. „Denk wenigstens darüber nach, okay?“

Wenig überzeugt nicke ich. Auch, wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich es niemals über mich bringen werde, Ricky alles zu sagen.

„Sehr gut“, freut sich Ryan. „Und jetzt sollten wir langsam mal unsere Präsentation fertig bekommen.“
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