Kuscheltier-Kuschler

von Amery
OneshotAllgemein / P6
04.07.2019
25.08.2019
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Besorgt musterte Shimizu das jüngere Mädchen neben sich. Yachi schien schon den ganzen Tag etwas neben sich zu stehen.

"Ist alles in Ordnung, Hitoka? Du siehst so bedrückt aus," wagte sie schließlich doch zu fragen.

"Was? Ja," stammelte die Blondine auch gleich los, "ja, natürlich ist alles in Ordnung!"

Shimizu wartete und blickte das Mädchen einfach nur an.

Sie hatten gerade etwas Zeit, weil die Jungen beim Joggen waren und so ihr Gespräch nicht mitbekommen konnten. Shimizu wusste ja noch nicht, um was es ging und wollte nicht riskieren, ihr Team abzulenken, sofern sie es vermeiden konnte. Die Jungs hatten gerade erst das erste Spiel des Frühjahrsturniers gewonnen und mussten sich nun auf die zweite Runde vorbereiten.

"Als ich gestern nach Hause gekommen bin, hatte meine Okaasan schlechte Neuigkeiten," gab die Jüngere schließlich mit gesenktem Kopf zu.

"Was ist denn passiert?"

"Als ich noch ganz klein war, hat mein Otōsan begonnen, mir Hina-Puppen zu schenken. Es waren ganz besondere Puppen, weil sie keine Menschen, sondern Krähen darstellten. Als Otōsan uns verlassen hat, hat meine Okaasan diese Tradition fortgeführt. Doch jetzt ist der Meister, der für die Puppen zuständig war, krank geworden und kann sein Handwerk nicht mehr ausüben," murmelte Yachi bedrückt. Dann fiel ihr auf, was sie gesagt hatte. "Ich meine, es tut mir natürlich Leid, dass es ihm nicht gut geht, aber-", beeilte sie sich hinzuzufügen, bevor sie unterbrochen wurde.

"Aber du hättest gerne ein vollständiges Set gehabt," meinte Shimizu lächelnd. Die Blonde nickte.

"Welche Puppen fehlen dir denn noch?"

"Nur noch die Kaiserin."

"Lass uns doch mal sehen, was wir da machen können," versuchte sie die Erstklässlerin aufzumuntern.

Doch sie konnten nichts machen. Egal, ob im Internet oder auf den Flohmärkten der Region, nirgendwo fanden sie die Krähen-Kaiserin. In dem Laden, in dem Yachis Eltern die anderen Puppen gekauft hatten, hatten sie es zuerst versucht und die Aushilfe, mit der sie gesprochen hatten, hatte sich vor Lachen kaum noch eingekriegt. Natürlich waren die Sammler schneller gewesen und hatten bereits vor Wochen sämtliche Restbestände des alten Meisters aufgekauft.

Mit der Zeit geriet ihre erfolglose Suche in Vergessenheit. Sie konnten sowieso nichts machen. Bis zu diesem einen schicksalhaften Tag …




Ein paar Monate später.

Yachi befand sich gerade auf dem Nachhauseweg. Hinata und Kageyama begleiteten sie. Die Noten der beiden waren wieder abgerutscht und das Mädchen hatte sich zu einer weiteren Nachhilfe-Stunde breitschlagen lassen. Dann sah sie es.

Wie angewurzelt blieb sie vor dem Schaufenster stehen.

"Die Krähen-Kaiserin," flüsterte sie tonlos.

Kageyama bemerkte als erstes, dass ihnen das Mädchen nicht mehr folgte und ging zu ihr zurück.

"Yachi? Was ist denn los?"

"Die Krähen-Kaiserin," wiederholte sie und deutete auf die Auslage.

"Welche Krähen-Kaiserin?", fragte er verständnislos.

"Die da," erklärte Hinata und deutete auf eine der Puppen. Dank Natsu wusste er, dass sich die Mädchen schon alle auf das Puppen-Fest vorbereiteten und ihre Pyramiden aufstellten. Er hätte allerdings nicht erwartet, dass Yachi bei dieser Tradition noch mitmachen würde...




Nach einer kurzen Diskussion, fasste Yachi all ihren Mut zusammen und betrat den Laden.

"Guten Tag, ich wollte mal fragen, was die Krähen-Kaiserin im Schaufenster kostet?", verlegen sah sie die Verkäuferin an.

"Oh, die ist nicht zu verkaufen. Die ist der Erste Preis bei einem Gewinn-Spiel," die Verkäuferin wies auf ein Plakat, welches den drei Oberschülern bisher entgangen war. "Weißt du, der Puppenmacher, der für die Gesichter zuständig war, ist krank geworden und diese Puppe ist sein letztes Werk. Deshalb verkaufen wir sie nicht, sondern verlosen sie an den- oder diejenige, die uns davon überzeugen kann, dass sie sie am meisten verdient."

"Ach so," murmelte Yachi geknickt. Bei einem Preis-Ausschreiben hätte sie nie eine Chance. Soviel Glück hatte sie einfach nicht.

Betreten, sahen die beiden Jungen ihr hinterher, als sie den Laden verließ. Sie warfen sich einen Blick zu, bevor sie ihr schweigend folgten.




"Und was muss man bei diesem Preis-Ausschreiben tun?", fragte Daichi vorsichtig nach. Gleich am nächsten Tag, waren Kageyama und Hinata in der Pause zu ihren beiden Kapitänen geflitzt und berichteten ihnen von ihrer Idee. Yachi hatte schon soviel für den Club getan, soviel möglich gemacht, dass auch sie ihr jetzt eine Freude machen wollten. Sie wollten das Ausschreiben gewinnen und ihr die Puppe schenken.

"Einen Aufsatz schreiben, zum Beispiel. Wir dachten, wenn jeder aus dem Club einen einreicht, steigen unsere Chancen," meinte Hinata strahlend.

"Ich weiß nicht," murmelte Sugawara zweifelnd. "Wenn diese Puppe so etwas besonderes ist, ist bestimmt auch die Konkurrenz groß. Ein einfacher Aufsatz wird da wohl kaum reichen."

"Also sollen wir es gar nicht erst versuchen?", fragte Kageyama den Älteren fassungslos. Das Wort "Aufgeben" kam in seinem Wortschatz nicht vor und er hätte nicht erwartet, dass es ausgerechnet bei Sugawara anders war.

"Nein, natürlich nicht. Ihr habt recht damit, dass Yachi schon viel für uns getan hat. Aber gerade deswegen, sollten wir nicht halbherzig an die Sache herangehen und uns etwas Besonderes ausdenken. Aber erst mal benötigen wir mehr Informationen."




"Okay, ich war gestern bei dem Laden und hab mit der Besitzerin gesprochen," meinte Sugawara. Der Plan der beiden Erstklässler hatte sich inzwischen im Club herumgesprochen und mehrere Mitglieder hatten sich im Klassenzimmer der beiden Drittklässler eingefunden. Kageyama war dazu abgestellt worden, sich um Yachi zu kümmern. Er hielt sie beschäftigt, indem er sich von ihr Englisch erklären ließ. Sie würden also die ganze Pause ungestört sein. Und, notfalls, auch noch die nächste.

"Im Prinzip gibt es keine Vorgaben. Die Chancen steigen aber, wenn die Bewerbung möglichst originell ist. Deshalb mein Vorschlag: Wir bündeln unsere Arbeit und gestalten eine Mappe oder so. Garniert mit Fotos. Ennoshita hat doch sowieso schon mit etwas Ähnlichem angefangen. Wir könnten dein Projekt vorschieben und Yachi einbinden. Das dürfte einfacher werden, als es vor ihr komplett zu verheimlichen. Sonst riecht sie den Braten noch."

"Sag mal," Ennoshita sah etwas blass um die Nase aus, "was meinst du mit "ähnliches Projekt"?"

"Die Mappe, die du für uns Drittklässler zum Abschied erstellen willst? Du hast doch nicht wirklich geglaubt, du könntest das vor uns geheim halten?", fragte Daichi grinsend.

Ennoshita warf auch einen Blick auf die anderen Drittklässler. Diese grinsten ihn ebenfalls an.

Betreten senkte er den Kopf.

"Hey, jetzt guck doch nicht so," versuchte Asahi ihn aufzumuntern. "Es ist zwar keine Überraschung mehr, aber wir haben uns mega-gefreut, dass du das für uns machen wolltest."

"Und es ist gut, dass das Geheimnis jetzt gelüftet ist," murmelte Shimizu und warf dem Ass neben sich einen Blick zu.

Asahi sah tatsächlich erleichtert aus. Es war ihm immer schwerer gefallen, sich nicht zu verplappern. Vor allem, nachdem Nishinoya mitbekommen hatte, dass etwas mit ihm nicht stimmte und begonnen hatte, ihn immer wieder in die Mangel zu nehmen.

"Hast du dich deswegen in letzter Zeit so komisch verhalten?", fragte der Libero das Ass auch gleich.

Dieser brachte nur ein beschämtes Nicken zustande.

"Wir wollten euch doch nicht die Freude nehmen," murmelte er.

"Auch wenn ich nicht verstehe, warum ihr euch zusätzlich zu den Prüfungen diesen Stress machen wolltet. Natürlich sind Überraschungen Klasse, aber ihr glaubt doch nicht, dass wir uns weniger an diesem Erinnerungsstück erfreuen, wenn wir bereits vorher wissen, wie wichtig wir euch sind, oder?", fragte Sugawara nach.

"Nein, natürlich nicht. Aber wir dachten, dass es als Überraschung einfach schöner wäre," murmelte Narita.

"Kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, bevor die Pause vorbei ist," mit entschlossenen Blick, musterte Shimizu die Jungs. Ein paar von ihnen zuckten erschrocken zusammen. Diese neue Seite ihrer Managerin, war für sie immer noch ungewohnt. Aber auch sie hatte sich zum positiven verändert, seitdem Yachi dem Club beigetreten war.

"Ich mag es, wenn Kiyoko so streng wird," wisperte Tanaka verträumt. Nishinoya nickte begeistert.

"Jeder von uns sollte einen kurzen Text schreiben, warum Yachi für uns so wichtig ist. Nicht nur, was sie für den Club getan hat, sondern auch, was sie uns persönlich bedeutet. Und, wie Suga schon vorgeschlagen hat, sollte das ganze noch von Fotos ergänzt werden. Ich kenne einen Laden, wo wir die Mappe drucken und binden lassen können, wenn sie fertig ist. Selbst, wenn wir die Krähen-Kaiserin nicht für Yachi gewinnen können sollten, wird es eine schöne Erinnerung an ihr erstes Jahr im Club sein."

Die Jungs nickten. Ja, dass hörte sich gut an. So sollten sie es machen.




Nach dem Unterricht beobachtete Yachi verwirrt, wie Ennoshita seine Kamera dieses Mal ganz offen mit in die Halle brachte und keine fadenscheinigen Erklärungen stammelte.

Auf ihre Nachfrage, erklärte er ihr errötend, dass ihm die Drittklässler auf die Schliche gekommen seien und er die Fotos jetzt auch ganz offen schießen könne.

Kurz darauf, hatten auch Yachi und Shimizu eine Kamera in der Hand.

Sie hatten einfach mehr Zeit, um auch während der Trainings Bilder zu machen.




Die Wochen vergingen und Yachi gab ihren Aufsatz ab.

Sie wusste allerdings schon, dass sie nicht gewinnen würde.

Ihre Mutter hatte Recht: solange sie ihre negative Einstellung nicht los wurde, könnte sie nichts hervorbringen, was ihr den Sieg sichern konnte.

Und gerade diese Erkenntnis ließ sie sich noch schlechter fühlen, als ohnehin schon.

Eigentlich hatte sie den Aufsatz auch nur abgegeben, weil sie Hinata versprochen hatte, es wenigstens zu versuchen.

Als sie in den Laden geschlichen war, um ihren Aufsatz abzugeben, hatte sie gesehen, wie die Besitzerin und eine Mitarbeiterin in einem dicken schwarzen Buch geblättert und mehrere Fotos betrachtet hatten. Zwischendurch schienen sie auch den einen oder anderen Text zu lesen.

Anscheinend war das Buch so interessant, dass sie Yachi kaum einen zweiten Blick geschenkt hatten.

Sie hatte es ja gewusst, sie war chancenlos. Missmutig legte sie ihren Aufsatz in den dafür vorgesehenen Korb und verließ den Laden ebenso leise, wie sie gekommen war.




"Yachi! Guten Morgen!", quirlig wie immer, begrüßte Hinata seine Mitschülerin.

"Guten Morgen, Hinata," erwiderte sie den Gruß. Sie versuchte zwar zu lächeln, aber es viel ihr an diesem Morgen unsagbar schwer.

"Sag mal, hast du eigentlich schon deinen Beitrag für das Preis-Ausschreiben eingereicht?", plapperte er fröhlich weiter, blind für die Stimmung des Mädchens.

"Ja, heute morgen," erwiderte sie abwesend.

"H-Heute morgen?", stammelte Hinata. Sie nickte.

Es war ein großes Glück für das Team, dass Yachi in diesem Moment ebenso abwesend war, wie der Lockvogel vor ein paar Momenten. Sonst wäre ihr nicht entgangen, dass er erst leichenblass wurde, um gleich darauf knallrot anzulaufen.

"Ja, dann …  Oh, sieh mal, da ist Tsukishima! Ich muss ihn ganz dringend noch was fragen. Viel Glück, mit deiner Puppe!", rief er, bevor er sich schleunigst aus dem Staub machte.

Wäre Yachi nur ein winziges bisschen weniger abwesend gewesen, wäre ihr aufgefallen, dass Tsukishima sicherlich ganz unten auf einer sehr langen Liste von Leuten stand, mit denen sich Hinata freiwillig unterhalten würde.




"Sag mal, Ennoshita," wandte Hinata sich während des Trainings an seinen älteren Teamkameraden, "hast du eigentlich schon das Buch für das Preisausschreiben abgegeben?"

"Ja, heute Morgen. Wieso?"

"Weil Yachi ihren Aufsatz heute Morgen auch abgegeben hat."

"Oh," hauchte der Schwarzhaarige leise.

Sie tauschten einen vorsichtigen Blick, bevor sie unauffällig die blonde Erstklässlerin musterten.

Als Yachi bemerkte, dass die beiden sie anstarrten, winkte sie und widmete sich gleich darauf wieder ihren Notizen.

„Ob sie was gemerkt hat?“, fragte Ennoshita leise.

„Keine Ahnung,“ murmelte Hinata zurück.




Am 3. März war es schließlich soweit.

Yachi seufzte bei dem Gedanken daran, dass heute der Gewinner des Preisausschreibens bekannt gegeben werden würde.

Vielleicht sollte sie nach dem Training einen anderen Weg wählen, um nach Hause zu gehen. Hauptsache, sie würde nicht an dem Puppen-Laden vorbei kommen.

Aber sie war froh, dass heute endlich Hina Matsuri war. Sie hielt diese Spannung und diesen winzig kleinen Hoffnungsschimmer, dass ein Wunder geschehen und sie doch noch gewinnen würde, einfach nicht mehr aus.

Heute Abend würde es endlich vorbei sein. Sie würde ihre Puppen von dem Podest nehmen, sie vorsichtig in ihre Kartons legen und sie bis zum nächsten Jahr ganz weit hinten im Schrank verstauen. Vielleicht würde sie sich bis dahin auch damit abgefunden haben, dass sie wohl nie ein vollständiges Set haben würde.

„Yachi!“, Hinata sprang ihr entgegen. „Lass uns später noch alle ein Eis essen gehen, ja? Daichi will uns einladen!“

„Was? Heute?“, fragte sie perplex. Es fiel ihr ein wenig schwer, sich so schnell auf ein neues Thema einzulassen. Viel zu tief, war sie in ihrer Schwermut versunken.

„Hast du schon was anderes vor?“, fragte Hinata betrübt. Seine Miene ließ sich am besten mit dem eines Labradors vergleichen, dem man gerade sein Leckerli geklaut hatte.

„Nein,“ stammelte sie leise, „nicht wirklich, aber mir ist heute auch nicht nach Eis. Eigentlich will ich nur nach Hause.“

„Keine Sorge, wir machen nicht lange. Außerdem, liegt die Eisdiele, zu der wir wollen, auf deinem Nachhauseweg,“ schaltete sich Shimizu ein.

„Oh? Ach so,“ murmelte Yachi. Dann lief es ihr kalt den Rücken runter. Die einzige Eisdiele, auf die diese Beschreibung zutraf, war in der gleichen Straße, wie der Puppenladen!

Aber wenn sie den Blick der Älteren richtig deutete, würde keine Ausrede, die sie hervorbringen konnte, etwas nützen. Sie saß in der Falle.




Yachi kam sich gefangen vor. Eingekesselt von guter Laune.

Sie verstand es einfach nicht. Normalerweise, gingen sie und Shimizu immer etwas abseits des Teams. Schon zu ihnen gehörend, aber doch nicht mitten unter ihnen. Jetzt hatten die Jungs sie förmlich eingekreist. Und obwohl die Krähen nicht so groß waren, wie die Spieler vieler anderer Teams, begann sie sich langsam klaustrophobisch zu fühlen. Umgeben von Riesen.

Shimizu schien dieses Gefühl nicht zu haben, aber gut, sie war ja auch ziemlich groß für ein Mädchen. Hinata, der an ihrer anderen Seite ging und fast zehn Zentimeter kleiner als der durchschnittliche männliche Japaner war, und erst recht viel kleiner, als der durchschnittliche Volleyball-Spieler, schien dieses Gefühl aber auch nicht zu teilen.

Was hatten sie nur mit ihr vor?

Yachi war so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht bemerkte, dass Daichi, der ihre Gruppe anführte, vor einem Laden stehen geblieben war. Und dieser Laden war nicht die Eisdiele.

„Yachi?“

Überrascht sah sie auf und realisierte erst jetzt, wo sie sich eigentlich befand.

Schlagartig wurde ihr heiß, während ihre Hände jedem Eiswürfel Konkurrenz machen konnten.

Sie wollte das nicht! Sie wollte nicht hören, dass sie die Kaiserin verloren hatte!

Lieber wäre es ihr gewesen, wenn sie die ganze Geschichte einfach hätte vergessen können.

Erst jetzt realisierte Daichi den Gesichtsausdruck der Erstklässlerin. Überfordert hielt er inne.

Sugawara sprang ein, während Shimizu beruhigend einen Arm um das Mädchen legte.

„Hinata und Kageyama haben uns von dem Preisausschreiben erzählt und wir haben uns mit einem Gemeinschaftsprojekt ebenfalls beworben. Ich kann dir natürlich nicht versprechen, dass wir die Puppe für dich gewonnen haben, aber wenn wir jetzt nicht in den Laden gehen, werden wir es auch nicht erfahren. Der Preis verfällt, wenn niemand kommt und ihn abholt.“

Yachi, kreideweiß im Gesicht, nickte. Das Mädchen wirkte wie in Trance und ließ sich von Hinata in Richtung Ladentür schieben.

„Haben wir das Richtige getan?“, fragte sich Shimizu leise. Sie hätte nicht erwartet, dass die ganze Geschichte Yachi so mitnehmen würde

„Mach dir keine Sorgen. Ich war gestern schon mal hier und hab versucht herauszufinden, wie unsere Chancen stehen. Die Besitzerin meinte zwar, dass sie noch nichts genaues sagen darf, unsere Chancen aber gar nicht so schlecht stünden.“

„Das bedeutet aber noch nicht, dass wir gewonnen haben!“

Sugawara stutze einen Moment, bevor er sich wieder fasste.

„Seit wann bist du so negativ?“, maulte er.




„Ah, da seit ihr ja!“, erwartungsvoll, sah ihnen die Besitzerin des Ladens entgegen.

„Und du bist vermutlich Yachi Hitoka, richtig?“, wandte sie sich an das Mädchen.

Yachi nickte.

„Gut, die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen und schlussendlich haben wir uns auf zwei erste Plätze geeinigt.“

„Geht das überhaupt? Haben sie nicht nur eine Puppe, die sie verlosen können?“, fragte Kageyama nach.

„Oh, ich denke, dass das kein Problem sein dürfte,“ die Alte kicherte.

Sie drehte sich zu dem Tresen um und holte ein schwarzes Buch und eine dünne Mappe hervor.

„Es hat uns beeindruckt, was dir die Puppen, die dir deine Eltern geschenkt haben, bedeuten. Und ebenso, hat uns beeindruckt, was du deinen Freunden bedeutest. Du musst ein ganz besonderes Mädchen sein.“

Sie übergab Yachi die Schriftstücke.

Mit zitternden Händen sah sie auf das Cover des schwarzen Buches. Das Wappen der Karasuno und ein Foto des Volleyball-Teams, dass kurz nach dem gewonnen Präfektur-Finale aufgenommen worden war, strahlten ihr entgegen.

Vorsichtig öffnete sie das Buch.

Jede einzelne Seite war liebevoll gestaltet worden und ein Zeugnis der vergangenen Monate.

Yachi war gar nicht klar gewesen, wie viele Fotos in dieser Zeit geschossen worden waren. Und neben den ganzen persönlichen Widmungen ihrer Teamkameraden, entdeckte sie auch die lieben Worte der anderen Managerinnen, die sie letzten Sommer im Trainingslager kennen gelernt hatte.

„Danke,“ hauchte sie. „D-das... das ist so Toll!“

Schniefend angelte sie nach einem Taschentuch.

Das Team beobachtete sie strahlend. Mehr als einer hatte ebenfalls Tränen in den Augen.

„Aber wir wollen doch nicht vergessen, warum deine Freunde das getan haben, nicht wahr?“, fragte die Laden-Besitzerin lächelnd.

Sie holte einen kleinen Karton hervor und überreichte ihn feierlich.

Yachi nahm ihn und starrte ihn ungläubig an.

„Nun pack ihn schon aus! Ich will schließlich wissen, wofür ich mir so eine Mühe gegeben habe, besonders ordentlich zu schreiben,“ quengelte Tanaka, der sich unter einer Krähen-Kaiserin nur herzlich wenig vorstellen konnte. Obwohl auch seine Schwester den Traditionen des Hina Matsuri folgte, als sie noch jünger war.

Yachi nickte und hob den Deckel des Kartons an. Vorsichtig nahm sie die Puppe in die Hand und wickelte sie aus dem Seidenpapier.

Strahlend hielt sie sie in die Runde.

Ennoshita nutzte gleich die Gelegenheit für ein Foto. Ein weiteres, dass Yachi vor ihrer nun vollständigen Puppen-Pyramide zeigte, sollte schnell folgen.
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