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Fehler

von IamLenny
OneshotAllgemein / P12
Connor Kenway George Washington Haytham Kenway
03.07.2019
03.07.2019
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1.904
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03.07.2019 1.904
 
Assassin's Creed Fanifiktion

Titel: Fehler

Autor: IamLenny

Hallo,  mal wieder dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, etwas zu schreiben, wenn ich eigentlich schlafen sollte, aber es musste einfach raus. Lasst gerne eine Review da, wenn ihr wollt.

Die verwendeten Charaktere gehören leider nicht mir sondern sind das Eigentum von Ubisoft.  Ich leihe sie mir nur kurz zum Spaß aus. ;-)



Ich starrte Connor verständnislos an. Hier stand ich und präsentierte ihm den Beweis, dass die Templer nicht für Ziios Tod verantwortlich waren, sondern Washington. Und dennoch… dennoch spürte ich, wie er sich von mir abwandte.  Ich musste nur den geschockten Ausdruck in seinen Augen sehen und schon sah ich bildlich vor mir, wie unsere Mühen, eine halbwegs friedliche Beziehung zueinander aufzubauen, in tausende Scherben zersplitterten. Wie bei einem Spiegel, den ein unachtsamer  Mensch hat fallen lassen. Unachtsam, genau so fühlte ich mich gerade.

Anfangs dachte ich noch, dass es eine gute Entscheidung war, Connor vor Augen zu führen, dass sein Held der Grund für den Tod seiner Mutter gewesen ist und nicht mein Orden. Er sollte die Wahrheit erkennen, Sympathie für den Templerorden entwickeln. Doch ich wusste innerhalb von Sekunden, dass dieser Plan ein gewaltiger Fehler meinerseits war. Allein Connors geschockter, wütender Gesichtsausdruck verriet es.

Ich hätte ihn gleich davon erzählen sollen, dass es Washington war anstatt immer wieder zu betonen, dass die Templer nichts mit dem Feuer zu tun hatten. Aber das Problem mit Connor war, dass er beinahe jedem Menschen fast blind glaubte, außer mir, seinem Erzfeind und Vater… Er hätte Beweise gewollt. Beweise, zu denen ich zu diesem Zeitpunkt keinen Zugang hatte.

Ich habe überstürzt gehandelt. Ich konnte einfach die Gelegenheit nicht auslassen, ihm Washingtons  Verbrechen  oder vielmehr den Beweis dafür ins Gesicht zu reiben. Den Beweis dafür,  dass Washington der Mann war, vor dem ich meinen Jungen gewarnt habe. Ich wollte Connor seinen Fehler zeigen. Und, dass die Menschen nicht so sind, wie sie sich geben.

Ich wollte, dass er seinen Fehler erkennt und endlich einsah, dass ich recht hatte. Und wenn er das nur getan hätte, wäre ich nah dran gewesen, dass er mir genug vertraut, um sich mit dem Templerorden anzufreunden. Ich wollte, dass wir so vielleicht irgendwann Seite an Seite kämpfen könnten, anstatt uns gegenseitig an die Kehle zu gehen. So viel dazu.

Ich habe überstürzt gehandelt. Ich habe versagt. Anstatt Connor an mich zu binden, habe ich es nur fertiggebracht,  dass er sich von mir anwendete. Das war unsere Chance auf eine glückliche Zukunft.  Auf eine Zukunft, in der keiner von uns beiden sterben müsste, um den uralten Krieg zwischen Assassinen und Templern weiterzuführen.



Und nun? Nun musste ich versuchen, Connor nicht zu verlieren, doch ich wusste, dass dies vergebens war. Die Wut in seinen Augen verriet dies. Für ihn zählte im Moment nur eines: einen erneuten Angriff auf seinen Stamm zu verhindern. Ich hatte ihn bereits verloren. Er würde nicht auf mich hören, soviel war mir klar, aber was für ein Großmeister wäre ich denn gewesen, wenn ich es nicht trotzdem versucht hätte?

Ich wappnete mich mental für eine Wortschlacht,  die ich verlieren würde. All mein Charme würde mir jetzt auch nicht mehr helfen. Connor war quasi immun dagegen. Ich würde also unbewaffnet in einen Kampf ziehen, von dem ich wusste, dass er sinnlos war, den ich verlieren würde. Ich konnte Connor nicht mehr auf meine Seite bringen, egal, was ich nun tun oder sagen würde.

Es war vorbei, unsere Waffenruhe, welche für mich mehr als nur eine solche war, war nun unwiderruflich vorbei. Wie ein antikes Dokument, welches von Flammen verschluckt wurde und das Wissen, das auf ihm, festgehalten wurde, mit in seinen feurigen Tod riss. Niemand würde dieses Wissen wieder beschaffen können. Ich fühlte mich so, als hätte ich einen Felsen verschluckt. Doch das änderte nichts an der Situation, in der ich mich befand.

Connors Blick zischte, hin und her gerissen zwischen Wut und Verständnislosigkeit, von Washington zu mir und zurück zu dem General. Ich musste jetzt sehr vorsichtig sein, durfte mir keinen weiteren Fehler leisten. Während ich den Blick meines Jungen direkt begegnete, wich Washington diesem aus. Stattdessen schien er den feuchten Boden des Valley Forge plötzlich ziemlich interessant zu finden. Er hatte nicht einmal den Anstand, um im Entferntesten beschämt auszusehen.

Ich warf Washington einen wütenden Blick zu. Dreckiger Bastard, schoss es mir durch den Kopf. Der General schien meinen Blick zu spüren und sah mich provozierend an. Jetzt reicht es!, dachte ich und tat einen schnellen Schritt auf den Mann zu. Im gleichen Moment löste ich meine versteckte Klinge aus, was der General nicht bemerken zu schien.

Connor jedoch sah erschrocken bei dem Geräusch auf und sein wütender Ausruf stoppte mich, kurz bevor ich dem Mann meine Klinge in den Magen rammen konnte. „Schluss damit!“ Washingtons und mein Gesicht waren nun durch nicht mehr als eine Nasenlänge voneinander getrennt. Ich sah fest in die wütenden  Augen des Mannes. Aber da war noch etwas anderes. Ich sah Angst. Fürchtete er Connor zu verlieren oder meinen Zorn? Er wusste, dass ich ziemlich ungemütlich werden konnte. Immerhin hatten wir bereits das Vergnügen gehabt, gegeneinander zu kämpfen. Damals hatte er noch unter Braddock gedient. Meine Gedanken wurden durch Connors vor Wut bebender Stimme unterbrochen.

„Wer was getan hat und warum, das muss warten. Mein Volk steht jetzt an erster Stelle.“ Damit machte er klar, dass die Diskussion, wer für was verantwortlich war, vorerst beendet war. Ich entspannte mich etwas, ließ meine Klinge wieder zurückschnellen und faltete meine Hände hinter den Rücken. Ich richtete mich wieder gerade auf und hob mein Kinn etwas an. So, wie ich es schon immer getan habe, wenn ich in einer unangenehmen Situation steckte, in der ich meine Autorität beweisen musste oder ein ruhiges Bild abgeben musste.

Ich streckte meine Hand nach ihm aus. Wollte ihn beruhigen,  ihm zeigen, dass ich noch auf seiner Seite stand. Doch er wich vor mir zurück, als ob meine Berührung ihn verletzen würde. „Nein, wir sind fertig miteinander.“, zischte er abwehrend. Und da war sie. Die Gewissheit, dass er und ich kein Team mehr waren. All die letzten Monate, in denen wir versucht haben, wie normale Menschen miteinander auszukommen, diese ganze Arbeit war nun umsonst. Zunichte gemacht durch ein Ereignis, das vor vielen Jahren geschehen war und noch immer seine hässlichen Spuren hinterließ. Aber dennoch…

„Sohn…“, versuchte ich es ein letztes mal.  Connor starrte mich aus kalten Augen heraus an.

„ Hältst du mich wirklich für so dumm, dass du glaubst, es genüge mich Sohn zu  nennen, damit ich meine Meinung ändere? Seit wann wusstest du es? Oder soll ich glauben, dass du es gerade jetzt, vor einer Minute, erfahren hast? Du magst mich naiv nennen, doch selbst wenn ich es wäre, müsste ich doch verdammt dumm sein, um dir das zu glauben, denkst du nicht auch? Das Blut meiner Mutter mag an den Händen eines anderen kleben, aber Lee ist dennoch ein Monster. Und egal was du behauptest, das, was er tut, tut er auf deinen Befehl hin.“

Nun an uns beide gewandt fügte er hinzu: „Eine Warnung an euch beide: Solltet ihr mir folgen, oder euch mir in den Weg stellen, werde ich euch töten.“ Ich starrte den Jungen missfallend an. Was dachte er sich nur dabei?  Er warf uns einen letzten warnenden Blick zu,  bevor er in die Richtung des Waldes verschwand. Ich sah ihm mit einem unguten Gefühl im Magen nach. Hoffentlich tat er nichts, was er später bereuen würde. Wenn er das nicht schon längst getan hatte.

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich Washingtons nervösen Gesichtsausdruck. Der Mann musste der schlechteste und unsicherste General sein, dem ich je begegnet bin. Er verlagerte sein Gewicht von einem Bein auf das andere. Ihm war sein Unbehagen deutlich anzusehen. „Tja, jetzt ist er weg und wir beide haben ihn verloren, nicht wahr Kenway?“

Ich musterte ihn. Er schien sich keine großen Gedanken darüber zu machen, dass er gerade den Grund dafür verloren hatte, dass er so weit mit den Patrioten überhaupt gekommen und noch am Leben war. „Mag sein. Wenigstens schicke ich kein Kind für mich in eine Schlacht, die ich selbst fürchte. Ich habe auch nicht meinen stärksten Verbündeten verloren, ohne den ich nicht so weit gekommen wäre. Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass Connor so blauäugig war und euch aus der Hand gefressen hat.  Doch das ist jetzt vorbei. Ich würde an eurer Stelle in Zukunft nicht mehr mit seiner Hilfe rechnen. Und jetzt entschuldigt mich. Ich habe noch in Boston zu tun.“, sagte ich und wand mich um zum Gehen bevor ich noch etwas dummes tun könnte, wie den General zu töten und mir damit den Zorn tausender Menschen zu sichern.

„Und ihr habt gerade euren Sohn verloren. Lässt euch das wirklich so kalt, wie ihr gerade tut?“ Ich blieb stehen und sah ihn ein letztes mal verächtlich an.

„Natürlich nicht.“, brummte ich und machte mich auf den Weg zu meinem Hengst. Wie könnte es mich nur kaltlassen, dass mein eigener Sohn nichts mehr von mir wissen wollte und mir mit dem Tod drohte? Nach allem, was wir gemeinsam durchgestanden haben. Es fühlte sich an, als riss etwas an meinem Inneren. Ein gieriges Monster, dass mich zerfetzen wollte. Schuld. Ich fühlte mich schuldig, weil ich es vermasselt habe.

Ich schwang mich in den Sattel meines Hengstes und lenkte ihn nach Boston. Was hatte ich nur getan? Ich wusste, dass ich Connor hätte folgen sollen, aber das hätte ihn nur noch wütender gemacht und meinen Tod herbeigeführt. Jedenfalls redete ich mir das ein. Lügner! Ich war einfach zu feige. Ich wusste,  dass der Junge jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Ich hätte dennoch noch einmal versuchen können mit ihm zu reden, doch ich schämte mich zu sehr. Ich gebe es zwar nur ungern zu, aber ich schämte mich wirklich. Ich hätte früher mit der verdammten Wahrheit herausrücken sollen. Doch all das Grübeln half nun auch niemanden mehr.

Mein Hengst folgte sicheren Trittes dem Trampelpfad durch das Grenzland, der nach Boston führte. Leises Grillenzirpen folgte uns, egal in welche Richtung der Pfad führte. Ich seufzte. Oh Connor, hoffentlich weißt du was du tust., dachte ich. Der Junge dachte immer, dass er noch am Leben war, weil er gut kämpfen konnte,  doch ich wusste es besser. Klar, er konnte ganz passabel kämpfen, aber, dass er noch immer atmete  hatte er zum Teil auch mir zu verdanken. Ich habe verhindert, dass er am Galgen baumelte und das war nur eine der vielen Situationen aus denen ich ihn gerettet habe. Leider würde er davon niemals erfahren.  Ihm wird niemals klar sein, wie viel er mir bedeutete. Dass ich meinen Orden hintergangen habe, um sein Leben zu retten.

Doch welche Bedeutung hatte das jetzt noch? Bei unserer nächsten Begegnung wird einer von uns beiden sterben, so viel war mir klar. Aber war ich stark genug? Könnte ich ihn töten? Oder würde ich am Ende sterben? Ich wusste es nicht. Aber eine Sache ging mir nicht mehr aus den Kopf:  Einer von uns würde den anderen töten.  Dieser kleine Funken Hoffnung,  der mich glauben ließ, dass Connor und ich Frieden zwischen dem Orden und der Bruderschaft schließen könnten,  war erloschen und wir mussten nun mit den Konsequenzen leben. Ob sie uns nun gefielen oder nicht.

Möge der Vater des Verstehens mich leiten in diese ungewisse Zukunft.
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