Danganronpa - German Edition

von Nyaasu
GeschichteKrimi, Thriller / P16
Monkuma
03.07.2019
11.09.2019
9
10520
 
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Zwanzig Minuten später hatten sich alle in der Mensa versammelt.
„Hier unten sind ein Lehrerzimmer und ein Sekretariat“, sagte Isabel, die mit Fin in einer Gruppe gewesen war, „außerdem das Büro des Direktors, aber das ist abgeschlossen.“
„Genau“, fuhr Fin fort, „dann ist da noch eine Klasse, in der war aber nichts. Und ein Krankenzimmer mit Bett und allen möglichen Medikamente gegen Erkältung und Kopfschmerzen.“
„Ach, verdammt“, sagte Thorben traurig, „und ich hatte so gehofft, einen von euch durch einen Killer-Schnupfen zu töten.“
„Arschloch“, sagte Anna-Lena, was so gar nicht zu ihrem aristokratischen Antlitz passte, aber Thorben schloss nur die Augen und spitzte seine Lippen in ihre Richtung. Anna-Lena sah aus, als würde sie sich gleich übergeben.
„Es gibt auch noch einen Aufzug“, sagte Isabel, „aber ich glaub, der funktioniert nicht. Jedenfalls geht die Tür nicht auf.“
„Wäre ja auch zu schön gewesen“, seufzte Felix.
„Die eine Etage wirst du wohl laufen können”, meinte Leon.
„Wenn ich das richtig gesehen habe“, sagte Tai nachdenklich, „gibt es noch mehr Etagen.“
Alle starrten ihn an.
„Was soll das heißen?“, fragte Katharina und beugte sich zu ihm hinüber, „die Treppen enden doch im ersten Stock.“
Tai wich ihrem Blick aus und räusperte sich. „Hat sich schon mal jemand von euch den Innenhof genauer angesehen?“ Alle verneinten. „Das ist der einzige Ort hier, der Fenster hat. Die gehen sogar auf. Aber das wäre schön dumm von denen, dann könnten wir ja ganz leicht über den Innenhof nach oben klettern und abhauen.“
„Leicht nennt er das“, flüsterte Annika Katharina zu, aber deren volle Konzentration galt jetzt Tai.
„Also hab ich mir das genauer angesehen. Der Innenhof hat ein Glasdach, wie bei einem Gewächshaus.“
„Eher ein Terrarium“, sagte Shinrin, „oder so eine Ameisanfarm.“
„Fehlt nur noch das Kind mit Lupe“, meinte Anne-Lena und erschauerte.
„Das wäre aber nicht gut für meinen Teint“, rief Maribell aus und Katharina war sich nicht sicher, ob das als Witz gemeint war.
„Was ist denn so besonders an dem Dach?“, fragte Felix. „Ich meine, dass wir hier nicht raus kommen, ist ja keine Überraschung.“
„Nee, das nicht“, gab Tai zu, „aber das Dach ist viel zu hoch für eine Etage. Es kommt noch ein ganzes Stück Mauer oben drüber, daher bin ich mir sicher, dass es da noch eine Etage gibt.“
„Hast du noch mehr Fenster gesehen?“, fragte Leon begeistert, „vielleicht könnte man durch die Fenster ein Stockwerk höher klettern.“
„Nein, keine Fenster.“ Tai schüttelte den Kopf. „Vielleicht, damit sich keiner von uns aus den Fenstern stürzt.“
„Aber warum sollten sie das zumauern, wenn wir eh nicht dahin kommen?“, fragte Fin nachdenklich.
„Gute Frage.“ Katharina stand so heftig auf, dass ihr Stuhl hinten rüber kippte. „Ich werde jetzt das Treppenhaus untersuchen. Wer kommt mit?“
„Ich“, rief Leon und sprang ebenfalls auf. Nach und nach schlossen sich ihnen alle an, bis sie wie eine kleine Prozession zum Treppenhaus stapften. Katharina hatte es so eilig, dass sie immer drei Stufen auf einmal nahm. Vom ersten Stock aus führten noch ein paar Stufen nach oben, dann war dort eine weiße Wand.
„Du hattest Recht, Tai“, sagte sie mit vor Aufregung glühenden Wangen, „es geht wirklich weiter nach oben. Sonst hätten sie hier nicht noch Stufen eingebaut. Das ist mir vorher gar nicht aufgefallen.“ Sie legte eine Hand an die Wand und tastete sie vorsichtig ab. „Das scheint nur Rigips zu sein.“ Sie klopfte an verschiedenen Stellen gegen den Gips. „Und dahinter ist es hohl!“ Spontan holte sie aus und schlug mit der geballten Faust fest dagegen. Es krachte und die Regipswad hatte eine ordentliche Delle.
„Autsch“, sagte Maria grinsend, „mit dir sollte man sich besser nicht anlegen.“
„Warum, hattest du das vor?“, lachte Katharina. „Also, dahinter geht es auf jeden Fall weiter. Wir brauchen einen Hammer!“
„Aber Regeln steht doch, dass wir keine abgeschlossenen Türen aufbrechen dürfen”, sagte Annika besorgt.
„Also, ich seh hier keine Tür“, sagte Katharina und zwinkerte ihr zu, „und von Wände einreißen stand nichts in den Regeln.“
„Korrrrekt“, erklang eine bekannte Stimme hinter ihnen. Alle fuhren erschrocken herum, und da stand Monokuma am Fuße der Treppe und kicherte in seine dicken Pfoten. „Ich bin zwar nicht sonderlich begeistert davon, dass ihr meine schöne Schule hier einreißt, aber verbieten kann ich es euch auch nicht.“ Er seufzte und ließ den Kopf hängen. „Die Jugend heutzutage hat einfach keinen Respekt mehr vor dem Eigentum anderer.“
„Du hast gut reden“, fauchte Anna-Lena, „jemand, der unschuldige Leute einsperrt und zum Töten zwingt, der darf das Wort Respekt nicht mal in den Mund nehmen.“
„Huch?“ Monokuma legte den Kopf schief und eine Pfote an sein Kinn. „Aber respektiere ich denn nicht eure Entscheidung, niemanden zu töten? Ihr könnt schließlich solange ihr wollt glücklich hier leben. Das finde ich sehr respektvoll.“
„Duuuu-“, zischte Anna-Lena.
„Alsooo, da ihr hier so fleißig seid“, fuhr Monokuma fröhlich fort, so als würde er übers Wetter reden, „hab ich mir gedacht, ich sollte euch für eure Mühen belohnen. So schnell wie ihr war schließlich noch keiner.“
„Wie, noch keiner?“, fragte Sophie. „War vor uns denn schon mal jemand hier?“
„Das hab nicht nicht gesagt. Und jetzt genug der Fragen.“ Monokuma hob seine schwarze Hand und ließ das rote Auge funkeln. „Zeit für eure Belohnung!“ Und er zog hinter dem Geländer einen großen Hammer hervor. „Tadaaaaah!“
Alle starrten ihn an. Nach einigen Sekunden, in denen sie wie ein Standbild gewirkt hatten, ließ Monokuma den Hammer wieder sinken.
„Meine Güte, ein bisschen mehr Begeisterung, bitte“, sagte er mürrisch und schaukelte den Hammer hin und her. „Aber gut, wenn ihr nicht wollt, dann nehme ich ihn eben wieder mit.“
„Gib her“, sagte Katharina knapp und ging auf ihn zu.
„Ah, ich sehe schon, du bist unser neuer Hauptcharakter“, strahlte Monokuma und reichte ihr den Hammer. „Na dann, viel Spaß!“ Und er verschwand so schnell, als hätte er sich in Luft aufgelöst.
„Hauptcharakter – was auch immer das wieder heißen soll“, sagte Katharina. Dieser Bär ging ihr tierisch auf die Nerven. Prüfend wog sie den Hammer in der Hand. Er war viel schwerer, als es aussah. Das war definitiv kein Hammer, um einfach nur Nägel in die Wand zu hauen.
„Zurücktreten bitte!“, rief Katharina und stellte sich in Position. Sie sah nun aus wie ein Batter beim Baseball, der sich auf den nächsten Schlag vorbereitete.
Alle wichen sofort zurück, außer Leon.
„Sollte das nicht lieber, nun ja, ein Mann machen?“, fragte er, aber Katharina funkelte ihn nur böse an und dann stellte auch er sich an die Seite. Katharina grinste. Hinter ihr hörte sie, wie Annika Leon erklärte, dass Katharina Weltmeisterin im Boxen war und sicher keine Hilfe brauchte.
„AAAAH!“, schrie sie und schlug mit aller Wucht gegen die Rigipswand. Mit einem dumpfen Geräusch hinterließ der Hammer ein großes Loch in der Wand. Der Aufprall ließ Katharina taumeln, aber sie schaffte es, das Gleichgewicht zu halten. Ihre Arme zitterten, aber gleichzeitig war sie berauscht vom Erfolg ihrer Aktion und dem Gefühl, endlich voran zu kommen.
„Diesmal etwas weniger fest“, dachte sie und schlug nun mit halber Kraft auf die noch intakten Stellen der Wand ein. Nach wenigen Schlägen war sie soweit zerstört, dass ein Erwachsener bequem durch die Öffnung hätte klettern können. Katharina stelle den Hammer ab und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Das tat gut“, sagte sie und drehte sich mit breitem Grinsen zu den anderen um.
„Aber es war leider umsonst“, sagte Martin traurig und deutete auf das soeben geschaffene Loch. „Dahinter ist ein Gitter.“
„Nee, das ist eine Tür!“, rief Maribell aus, „Seht ihr nicht die Klinke?“ Sie lief auf Zehenspitzen durch den Staub, um bloß nicht schmutzig zu werden. Dann streckte sie einen Arm in das Loch und drückte die Klinke herunter. Sie rüttelte mehrmals an der Tür, aber nichts rührte sich. „Verschlossen“, sagte sie missmutig, zog den Arm zurück und klopfte sich unsichtbaren Staub vom Ärmel.
„Umsonst“, wiederholte Martin in bester ich-hab's-dir-ja-gleich-gesagt-Manier.“
„Nee, die schlag ich auch ein“, sagte Katharina und wollte wieder nach dem Hammer greifen, doch Felix hielt sie zurück.
„Nicht“, sagte er mit bebender Stimme, „es ist verboten, verschlossene Türen aufzubrechen!“
„Ach ja“, sagte Katharina und seufzte. „Dann war es wirklich umsonst.“ Sie ließ sich auf den Boden plumpsen und achtete nicht auf den weißen Staub, der sofort ihren ganzen Hosenboden bedeckte.