Der Junge im Glockenturm

von Kura Sayo
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
Chuya Nakahara Dazai Osamu Kunikida Doppo Mori Ougai Ranpo Edogawa Yukichi Fukuzawa
03.07.2019
03.10.2019
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Hallöchen ^^

Zuallererst bevor wir mit der Geschichte starten möchte ich sagen, dass dieses wundervolle  Werk nicht von mir stammt, sondern von der lieben MissTinfoilHat, die so nett war mir die Erlaubnis zu geben ihre Geschichte aus dem Englischen zu übersetzen. Sollte euch "The Boy in the Belfry" also gefallen, schaut doch kurz bei der Originalgeschichte vorbei und lasst ihr ein paar Kudos da. Ich bin mir sicher, sie würde sich sehr darüber freuen.

Link zum Original: https://archiveofourown.org/works/18295388/chapters/43302416

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The boy in the belfry- he's crazy
He's throwing himself down from the top of the tower
Like a hunchback in heaven he's ringing the bells in the church for the last half an hour
He sound's like he's missing something, or someone, that he knows he can't have now
And if he isn't I surtainly am

- In Liverpool, by Suzanne Vega



Der Körper lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Kopfsteinpflaster und das Blut sammelte sich darunter in einer Pfütze. Für gewöhnlich war die Straße sehr lebhaft, doch des Nachts verirrte sich niemand in sie. Das lag an der alten, verfallenen Kirche die ihren bedrohlichen Schatten im schwachen Licht der Laternen über die Nachbargebäude warf und deren graue Fassade rissig und stark vernachlässigt war.

So vergingen einige Stunden, bevor ein Passant auf seinem Arbeitsweg den Körper entdeckte. Das Blut war teilweise bereits getrocknet und bedeckte den Boden mit seiner rötlich-braunen Farbe, als der Körper nur zehn Minuten später in einen Rettungswagen gehoben und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Im Büro der wehrhaften Detektive klingelte Kunikidas Telefon, störte den strikten Mann dadurch im bearbeiten seines Papierkrams.

„Doppo Kunikida.“, antwortete er genervt. Er konnte es überhaupt nicht leiden, wenn etwas, egal was es war, seine Routine durcheinander brachte. Für einen Moment hörte er der Stimme am anderen Ende nur zu, atmete dann tief durch und zog so die neugierigen Blicke der übrigen Detektive auf sich.

„Wie lautet die Diagnose? (…) Ich verstehe. Wir sind gleich da!“, sagte er, den Anruf beendend.

„Ist etwas passiert?“, fragte Atsushi von seinem Platz am Schreibtisch aus. Kunikida schloss grimmig die Augen und verschränkte seine Arme vor der Brust. Er räusperte sich kurz um so die Aufmerksamkeit aller zu erregen.

„Hört her. Das war das Krankenhaus. Dazai wurde heute Morgen auf dem Gehweg vor der Shinja Kirche gefunden. Es sieht nach einem Sturz vom Glockenturm aus.“, informierte er sie. „Der Idiot ist gerade im OP. Sie wissen noch nicht, ob er durchkommen wird.“

Ein Aufkeuchen war im Raum zu hören.

„Ich fahre zum Krankenhaus. Will jemand mitkommen?“, fragte Kunikida und sofort war die gesamte Gruppe auf den Beinen. „Gut, gehen wir.“

Es war nicht ungewöhnlich, dass Dazai nicht pünktlich zur Arbeit kam. Es war auch nicht ungewöhnlich, dass er für mehrere Tage verschwand ohne jemanden zu sagen, wo er hin ging. Meistens tauchte er unverletzt wieder auf, andere Male hatte er einen Arm in der Schlinge oder brauchte Krücken. Es änderte sich jedoch nie etwas an der Tatsache, dass er so tat als wäre nichts gewesen. Und sie hatten aufgehört ihm Fragen zu stellen.

Kunikida hatte keinen Grund zu glauben, dass dieser Montag anders sein würde.

Nach etwa 15 Minuten waren sie alle im Wartezimmer des Krankenhauses versammelt.

Kunikida verfluchte seinen Trottel von einem Partner und seine Besessenheit vom Tod. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er den perfekten Weg sein Leben zu beenden gefunden haben würde. Aber das jetzt war ganz sicher nicht der richtige Moment. Sie hatten schließlich noch so vieles zu tun.

Sie warteten schweigend. Selbst Präsident Fukuzawa war gekommen.

Es war kein Geheimnis, dass Dazai suizidgefährdet war. Ob jeder die Sache ernst nahm, war aber eine andere Frage. Kunikidas Zweifel jedenfalls waren mit jedem neuen Geheimnis um Dazais Vergangenheit welches gelüftet worden war, nach und nach verpufft. Dazais Wunsch zu sterben war ehrlich. Und dieses Mal könnte er dabei sogar Erfolg haben.

Nach stundenlangem Warten trat ein Arzt zu ihnen. Er erklärte mit düsterer Miene, dass Dazai ins Koma gefallen war und sie nicht sagen konnten ob und wann er wieder aufwachen würde. Seine Verletzungen waren schwerwiegend. Er hatte mehrere gebrochene Knochen, innere Blutungen und ein Schädeltraume. Zumindest waren das die Punkte, die Kunikida verstand. Der Mann verwendete viele komplizierte Fachbegriffe, besonders im Bezug auf Dazais Lunge und Herz.

Er hatte gehört, was er wissen musste. Dazai lebte noch und so musste es unbedingt bleiben.
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„Kunikida-kun?“, fragte Atsushi behutsam und durchbrach so die Stille im Auto. Er und Kyouka saßen zusammen auf der Rückbank, während Kunikida fuhr. Der Idealist murrte etwas unhörbares, ohne den Blick von der Fahrbahn zu nehmen.

„Hat er es absichtlich getan?“ Atsushis Stimme zitterte stark.

„Natürlich hat er das, dieser dämliche Kerl!“, antwortete Kunikida ohne dabei zu zögern.

Atsushi verzog das Gesicht zu einer verletzten Grimasse. Kyouka legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter.

„Ich bin sicher, er wird wieder gesund!“, versuchte sie lächelnd zu erwidern. Ihre hohe Stimme zitterte zu sehr, um überzeugend zu wirken.

„Ich hoffe du hast recht.“, murmelte Atsushi aus dem Fenster sehend, während das Auto in die Straße hinein fuhr, in welcher die Shinja Kirche stand. Der Ort war bereits gereinigt worden, doch selbst die rohe Gewalt der Hochdruckreiniger war nicht genug gewesen um das getrocknete Blut auf dem Bürgersteig komplett zu entfernen. Die einzige Erinnerung an die Geschehnisse der vergangenen Nacht.

Kunikida parkte seinen Wagen am Rande des rissigen Gehweges. „Ich erwarte nicht dass ihr mitkommt, aber ich werde mich ein wenig umsehen.“, sagte er, die Stimme dunkel, aber fest wie eh und je.

Erst jetzt entdeckte Atsushi den verblassenden Fleck einige Meter von ihnen entfernt. Sofort schnappte er nach Luft und schüttelte heftig den Kopf. Kyouka aber schlüpfte bereits aus der Tür und zögerlich folgte Atsushi ihr.

Kunikida behielt die Hände in den Taschen seiner Hose als er die Gegend durchsuchte, während Kyouka sich die Kirche genauer ansah. Atsushi blieb zurück, betend dass es nicht lange dauern würde.

Bereits nach kurzer Zeit schienen sie fertig zu sein. Es gab sowieso nicht sehr viel zu sehen, da die Polizei bereits alle Anzeichen des misslungenen Selbstmordversuches entfernt hatte.
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Trotz der schlechten Vorhersagen wachte Dazai bereits fünf Tage später wieder auf. Erneut meldete sich das Krankenhaus in der ADA und bat sie, sofort zu kommen. Natürlich waren alle krank vor Sorge um ihren nervigen Kameraden und befanden sich bereits kurze Zeit später vor Ort, wo sie vom altbekannten Arzt empfangen wurden.

Mit einem Hauch von „Für mich ist das der tägliche Wahnsinn“ in der Stimme informierte er sie über Dazais momentanen Zustand. Sein Rücken, das linke Bein und mehrere Rippen waren gebrochen. Sein Schädel war ebenfalls angebrochen und er hatte mehrere Platzwunden am ganzen Körper. Der Arzt machte auch einen knappen Kommentar über hässliche, schlecht verheilte Narben. Zu guter Letzt teilte er ihnen mit, dass Dazai von nun an unter Selbstmordüberwachung stehen würden. Kunikida wusste, für seinen Partner war das nicht das erste Mal.

Als er mit seinem Bericht fertig war ließ der Doktor sie wissen, dass sie den braunhaarigen Mann jetzt besuchen durften. Allerdings nie mehr als zwei Personen gleichzeitig, da er noch viel Ruhe brauchte. Kunikida und Atsushi sollten als Erste gehen.

Als sie das Krankenzimmer betraten wurde Kunikida der wahre Ernst der Lage erst richtig bewusst. Ein Herz-Monitor piepte ohne Unterlass und Dazais abgemagerte Form lag schlaff im Bett, umgeben von Kabeln und Maschinen die sicherstellen sollten, dass er trotz all seiner Bemühungen nicht sterben würde. Sein Körper war mit noch mehr Bandagen bedeckt als normal. Sie umwickelten seinen Kopf und die Arme, welche als einzige Gliedmaße sichtbar waren. Sein Bein lag auf einer Art Gestell. Unter den Verbänden blitzten Schrauben hervor, die dabei helfen sollten den angerichteten Schaden wieder zu beheben.

Laut den Ärzten gab es keinerlei Garantie, dass das Bein jemals wieder voll funktionsfähig sein würde. Die Schäden waren zu schwerwiegend. Im besten Fall würde Dazai den Rest seines Lebens hinken.

„Wie geht es dir?“, fragte Atsushi und eilte an Dazais Seite.

„Alles in bester Ordnung!“, antwortete Dazai, sein übliches Grinsen präsentieren, scheinbar unbeeindruckt vom Ernst der Lage.

„Ich war eigentlich der Meinung nach dem letzen Mal hättest du genug davon, von Gebäuden zu springen. Obwohl eine Kirche wenigstens poetischer klingt als ein Einkaufszentrum.“, sagte Kunikida trocken.

„Huh?“, entschlüpfte es Atsushi. Er war sich der Einzelheiten um Dazais frühere Selbstmordversuche eindeutig nicht bewusst.

„Genau wie jetzt hattest du dir beinahe jeden Knochen im Körper gebrochen.“, ergänzte Kunikida nur.

„Oh ja.“, erinnerte sich Dazai. „Das war nicht lustig. Es gibt viel bessere und kreativere Wege um seinem Leben ein Ende zu bereiten.“ Er bemühte sich den Schmerz in seiner heiseren Stimme zu verbergen.

„Du musst aufhören so einen Mist zu machen! Dieses Mal wärst du fast wirklich gestorben!“

„Fast… Zu schade.“ Dazai runzelte kurz die Stirn. „… aber ich bin gar nicht gesprungen.“

„Gesprungen, gestürzt, wie auch immer.“, murrte Kunikida wütend und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Nein.“ Dazais Stimme war kaum lauter als ein Flüstern. „Ich bin nicht gesprungen.“

Dieses Mal zeigte sich Kunikida überrascht. Keine Sekunde lang hatte einer der Detektive auch nur daran gedacht, dass dies mehr war als ein weiterer gescheiterter Suizidversuch. Beinahe schon unbewusst nahm Kunikida sein Notizbuch in die Hände und machte sich bereit jedes Detail nieder zu schreiben, dass Dazai ihm womöglich mitteilen könnte.

„Was ist passiert?“, fragte er als erstes und zog einen der Stühle näher, die an der Wand standen. Atsushi folgte dem Beispiel, setzte sich rücklings auf seinen Stuhl und legte die Arme auf die Lehne.

„Ich bin nicht gesprungen. Ich bekam einem Brief in dem stand das mich jemand auf der Spitze des Glockenturms treffen will. Ich war neugierig.“, erklärte er ihnen abwesend, als würde er aufzählen war er am Vortag zu Abend gegessen hatte.

„Von wem war der Brief?“, fragte Kunikida, notierte sich dabei alles Wichtige.

„Ich weiß es nicht. Ich bin hingegangen, habe gewartet und als nächstes weiß ich nur noch, wie mir auf den Kopf geschlagen wurde und ich gefallen bin.“ Dazai zuckte leicht mit den Achseln. „Als nächstes bin ich hier aufgewacht.“

„Wer würde dir so etwas antun?“, fragte Atsushi besorgt.

„Wer würde das nicht?“, antworteten ihm Kunikida und Dazai zur selben Zeit. Kunikida warf seinem Partner daraufhin einen finsteren Blick zu, während Dazai eher amüsiert aussah.

„Ich habe eben viele Feinde.“, erklärte Dazai schon fast verlegen, jedoch keineswegs von der Situation beeindruckt. Für Kunikida mochte das keine Überraschung sein, aber Atsushi bereitete es nur noch mehr Kummer.

„Du hättest sterben können, Dazai-san!“

„Ja…“, schmollte der Ältere mit einem Seufzen und starrte verträumt an die Zimmerdecke.

„Was zur Hölle ist passiert?!“ Kunikida hob wütend die Stimme und schlug mit der Faust leicht auf Dazais Bett.

Die Bewegung brachte Dazai dazu zusammen zu zucken, er versuchte es sich aber nicht anmerken zu lassen. Er wusste genau, weder Kunikida noch einer der Anderen würde jemals verstehen, dass er einfach sterben musste. Vielleicht aber, wenn sie von seiner Unfähigkeit echte Gefühle zu empfinden wüssten, könnten sie es doch verstehen.

Sein Lebenswille war ihm bereits vor vielen Jahren genommen worden. Die Mafia hatte ihn zu einer menschlichen Waffe gemacht. Gefühllos und desinteressiert. Er war vom Tod mehr fasziniert als vom Leben. Sein Herz war leer und hohl und egal wie sehr er auch versuchte es mit Dingen wie Liebe oder Schmerz zu füllen, die Dunkelheit seiner Vergangenheit fraß immer weiter. Sein Hauptgrund, warum er der Mafia den Rücken gekehrt hatte und sich der ADA angeschlossen hatte, war seine Hoffnung gewesen endlich wieder etwas Echtes zu fühlen.

Das uns selbstverständlich Oda.

Seine schmerhaften Verletzungen waren nicht weiter von Bedeutung. Es war sich außerdem sicher, dass es ihm schon wesentlich schlechter gegangen war. Er mochte zwar keine Schmerzen, aber wenn er ganz ehrlich sein sollte, kümmerte es ihn auch nicht weiter. Sein Körper und seine Seele waren taub. Er wollte nur noch eines. Die Menschen die ihm wichtig geworden waren beschützen und dafür sorgen dass sie nie auf dieselbe Art verletzt werden würden, wie er.

Seine Freunde in der Agentur und auch ein paar der Leute in der Mafia. Manche von ihnen hatten ihn selbst bereits verletzt. Er war sich aber sicher, sie hatten ihre Gründe dafür gehabt. Er war nur zu faul, um sich an diese zu erinnern.

Was auch immer der Grund gewesen war, warum ihn diese gewisse Person vom Glockenturm gestoßen hatte, spielte keine Rolle. Er war jedenfalls überzeugt das jede Begründung gerechtfertigt war.

Immerhin war er ein Monster.

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Ich hoffe sehr das euch diese Geschichte genauso gut gefällt wie mir und wie gesagt, falls das der Fall ist schaut gerne beim Original vorbei. Lasst auch gerne einen Kommentar hier, diese werde ich dann an MissTinfoilHat weiterleiten.

Leider kann ich noch nicht genau sagen, wann ich die Übersetzung des nächsten Kapitels fertig habe. Es ist einfach furchtbar heiß und da habe ich kaum die Energie mich nach der Arbeit noch ans Schreiben zu setzen und dazu kommen ja auch noch meine eigenen Projekte. Aber ich gebe mir Mühe damit ihr nicht allzu lange auf mehr warten müsst.

LG eure Kura
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