Roadtrip 2018

von uninona
GeschichteAllgemein / P12
02.07.2019
03.09.2019
9
19157
1
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
So, verehrte Leser, unsere Roadtrip startet in Prag. Staunt, was wir dort erleben durften ^^... und teilt mir mit, wenn ihr dort , vielleicht sogar an diesem Tag und dem Abend etwas Anderes erlebt habt. Heute kommt nur der erste Teil. Der zweite folgt nächsten Dienstag :)
Besonderen Dank meiner wunderbaren Betaleserin Amy. Ohne sie wäre nicht nur diese Geschichte entstanden, sie war einfach die Tollste :), weil sie micht ermutig hat, dran geblieben ist, als ich unzufrieben war...danke!
Hugs uni



Es war schon eine Weile her, dass mich meine Freundinnen Mia, Judith und Anna fragten, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen nach Mailand zu fliegen, um eines der letzten Konzerte unserer Helden von 30 Seconds to Mars zu sehen. Da ich mit ihnen schon nach Prag und Dresden fahren wollte, zwischenzeitlich auch das Konzert in Berlin zu besuchen gedachte, und leider nicht über die Reichtümer verfüge, um zu jedem Konzert zu reisen, nach dem mir der Sinn steht, musste ich leider seufzend ablehnen. Zumal ich kurze Zeit später meinen sechzigsten Geburtstag mit einer großen Party zu feiern beabsichtigte.


Nachdem ich meinen drei lieben Freundinnen nun diese Absage erteilt hatte, verschwendete ich keinen Gedanken mehr an Milano Rocks. Dafür freute ich mich auf Prag. Viel schneller, als gedacht, fand ich mich dann eines Abends nur noch eine Nacht entfernt davon. Todesmutig hatten Anna, Mia und ich Tickets bei Flixbus gekauft, der seine Fahrt sozusagen schon lange vor dem Aufstehen beginnen sollte. Um das Abenteuer noch ein wenig zu steigern… oder um die Hotelkosten zu sparen…wollten wir noch in der folgenden Nacht zurück fahren. Das war sicher eine Mammutaufgabe, der wir aber mutig und sehr motiviert entgegen sahen. Ich persönlich freute mich schon sehr, hatte ich die Jungs doch bis jetzt nur vor etwas mehr als einem Jahr beim von der Telekom gesponserten Kurzkonzert im Postbahnhof Berlin gesehen, und war entsprechend scharf auf mehr. Zumal meine beiden besten Freundinnen unsere Lieblingsband zuvor schon in Antwerpen gesehen hatten und unglaublich beeindruckt gewesen waren. Denn der Name Monolith Tour war eindeutig Programm. Alles kam wesentlich wuchtiger, dramatischer daher, als bei einer Marstour je zuvor. Anna und Mia konnten fast über nichts Anderes mehr reden.

Also stürmten wir in aller Herrgottsfrühe den Flixbus nach Prag. Dankbar ergatterten wir eine Vierersitzgruppe mit Tisch. Neben uns ließ sich eine Gruppe junger Männer nieder, die uns umgehend warnten und erklärten, sie seien die absoluten Oberchaoten und wenn es uns mit ihnen als Nachbarn zu viel würde, sollten wir uns melden… Lachend erklärten wir ihnen, sie würden uns noch nicht kennen. Trotz unserer bunten Haare und wohl vor allem weil wir eindeutig wesentlich älter waren als sie, glaubten sie uns offensichtlich nicht. Schnell würden wir sie eines Besseren belehren... wenn auch nicht absichtlich.

Schuld daran war der Umstand, dass es uns viel zu früh gewesen war, um daheim zu frühstücken. So hatten wir verabredet, dass jeder etwas mitbringen sollte, so das wir im Bus essen könnten. Ich erklärte mich bereit, für Kaffee zu sorgen, weil wir eine große Thermoskanne besaßen. Was ich, kaum hatte ich mich in meine Kleider geworfen und geschminkt, mit Eifer in Angriff nahm. Kaffee mahlen, Wasser aufgießen, Milch dazu, ab in die Thermoskanne… Eigentlich kein Ding. Allerdings war ich noch so müde, dass ich den Wasserkocher entgegen meiner sonstigen Gewohnheit nicht zuerst ausgoss, neu befüllte und dann in den Kaffeefilter schüttete. Irgendwie schlief ich wohl noch ein wenig. Aber wer hätte auch ahnen können, dass uns diese kleine Unaufmerksamkeit das Frühstück vermiesen würde?

Also packten wir guter Dinge unsere Brote aus, gossen das Heißgetränk in unsere mitgebrachten Becher. Für meine Freundinnen war es wohl Glück, dass ich so durstig war und zuerst trank, als sie noch mit dem Auspacken ihres Proviants beschäftigt waren. Wie auch immer, ich nahm einen großen Schluck – und spuckte das Gebräu über das gesamte Tischchen. Zum Glück saß mir niemand gegenüber. Aber die Tischplatte schwamm, zumal ich dabei auch noch einen Gutteil meines Kaffees verschüttete. So war ich kurze Zeit später sehr froh ob der erhöhten Umrandung des Tischchens, die glücklicherweise verhinderte, dass der Kaffee uns auch noch auf die Kleidung tropfte. Gerade noch rechtzeitig rissen meine beiden Mitfahrerinnen das Essen hoch.

Die Jungs am Nachbartisch weiteten erschrocken die Augen und beobachteten die Szene ungläubig. Jedoch hatten Mia, Anne und ich uns noch gar nicht gefasst, als sie sich schon ganz gentlemanlike darum kümmerten, Küchenkrep und einen Müllsack beim Busbeifahrer zu organisieren. Sie halfen uns auch, dass Chaos auf unserem Tisch zu beseitigen, drückten jeder von uns ein Bier in die Hand, sowie einen Schokoladenriegel… eine verdammt liebe Geste… und redeten beruhigend auf uns ein.
So frühstückten wir letztlich und spülten das Essen noch vor acht Uhr in der Frühe mit einem Bier herunter. Das hatten wir so auch noch nicht gehabt. Gemeinsam fanden wir auch durch Geruchstests heraus, mein Kaffee schmeckte nach Essig und ein Anruf bei meiner Mitbewohnerin förderte zu Tage, die hatte spät am Vorabend – ich lag da schon lange im Bett und versuchte vorzuschlafen – beschlossen, den Wasserkocher zu entkalken. Leider konnte sie mir nicht mehr bescheid sagen und durch meine morgendliche Unaufmerksamkeit hatte ich unseren Kaffee mit dem dazu genutzten Essigwasser aufgegossen.

Das führte zu freundlichem Spott und gemeinsamem Lachen, lustigen Gesprächen mit den jungen Männern, die zwischenzeitlich weiter dem Bier zusprachen, dann recht schnell zu härteren Getränken wechselten. Sie waren mehr als bereit, ihre Vorräte mit uns zu teilen. Doch außer dem frühen Bier nahmen wir ihnen nur Kekse und Süßigkeiten ab. Neidlos kürten die Jungen - alle zwischen dem achtzehnten und vielleicht fünfundzwanzigsten Lebensjahr - uns als Chaosqueens des Busses. Der Müllbeute wurde ökonomisch auch für ihre Abfälle genutzt und füllte sich schnell. Letztlich waren unsere Nachbarn liebe Jungs, die einen Boystrip unternahmen, mit der Absicht, sich übers Wochenende in Prag heillos zu betrinken und dann wieder heim zu fahren. Ähnlich der Ballermanntrips nach Malle. Nur war Prag näher und dafür bekannt, das bessere Bier…, nein, ein legendäres Bier zu angenehmen Preisen, zu verkaufen.

So verging die Zeit bis zur Tschechischen Hauptstadt wie im Fluge. Leider torkelten unsere Freunde beim ersten Stopp dort aus dem Bus und wir waren uns sicher, sie würden einige Schwierigkeiten haben, sich zu ihrem Hotel im Zentrum der Stadt durchzuschlagen, vor allem in ihrem etwas desolaten Zustand. Allerdings ging alles so schnell, dass wir sie nicht rechtzeitig wieder einfangen konnten, zumal die Buscrew nicht bereit war, noch einmal vor der Endhaltestelle zu halten. Zu allem Überfluss hatte einer der Jungs auch noch seine eindeutig nicht billige Lederjacke vergessen. Wir ärgerten uns deshalb, dass wir bis auf die Vornamen nichts über die Truppe wussten. So konnten wir sie nicht einmal benachrichtigen, wo sie sich am besten nach dem wertvollen Kleidungsstück erkundigen könnten. Bestimmt erinnerten sie sich dank ihres Zustandes später nicht mehr, wo das gute Stück verloren gegangen war. Es tat uns sehr leid.

Am Prager Hauptbahnhof waren dann auch wir an unserem Ziel und wir freuten uns auf den Tag, der mit dem Mars Konzert gekrönt werden sollte. Jeder von uns war vor langer Zeit schon einmal hier gewesen und wusste um die herrliche Architektur der Stadt. Auch das hervorragende Bier und das gute Essen waren uns lebhaft in Erinnerung geblieben. Allerdings konnten wir uns offensichtlich nicht mehr daran erinnern, wie der Prager an sich seinen Gästen entgegen trat. Das erwies sich als befremdliche Überraschung.

Schon bei der Suche nach den Gepäckschließfächern mussten wir die Erfahrung machen, niemand sprach Englisch oder gar – wie bei früheren Besuchen – Deutsch. Oder keiner war dazu bereit. So liefen wir von Pontius zu Pilatus, bis wir endlich auf eine nette englischsprechende Bankmitarbeiterin trafen, die uns weiter half. So konnten wir letztlich unser Gepäck doch noch einschließen und mussten nicht den ganzen Tag damit durch die Hitze laufen. Allerdings stellten wir fest, wenn wir es nicht in Prag lassen wollten, mussten wir gegen Mitternacht wieder am Bahnhof sein, um die Rucksäcke auszulösen. Denn bis um zwei Uhr Nachts schloss der Schließfächertrakt, um dort Reinigungsarbeiten vorzunehmen. Ja, der ganze Bahnhof machte dann dicht. Natürlich fuhr unser Bus genau während dieser Schließzeit. Aber wir waren natürlich guter Dinge, das Gepäck nach dem Konzert auslösen zu können. Dann würden wir noch eineinhalb Stunden warten müssen, bis unser Bus aus Wien eintraf – wenn der dann pünktlich war.

Nachdem wir nun nur noch unsere Jacken und Taschen tragen mussten, machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Zuerst deckten sich Anna und Mia jedoch mit Tabak ein. Dann besahen wir uns die prächtige Synagoge. Anna fotografierte uns, die herrlichen Gebäude und endlich stellte sich die Freude wieder ein, hier zu sein. Bis Anna feststellte, ihr gesamtes getauschtes Geld war verschwunden. Nachdem wir uns ein wenig beruhigt hatten, kehrten wir zu dem lebhaft frequentierten Kiosk zurück und machten die erstaunliche Entdeckung: Annas Geld lag noch immer auf dem Ladentisch. Die Besitzerin des Kiosk, eine junge Asiaten, erinnerte sich natürlich an uns, wir bekamen unsere Kohle zurück und erleichtert zogen wir weiter.

Inzwischen war es früher Nachmittag und uns gelüstete es nach einem typisch Tschechischen oder Böhmischen Essen. Danach wollten wir einen Blick auf die weltberühmte Uhr am Wenzels Platz werfen. Aber erst einmal enterten wir das erste entsprechende Restaurant, das vielleicht nicht nur eine Tourifalle war und dessen Preise erschwinglich. Erst war auch alles so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Das Bier schmeckte köstlich, ebenso die Knödel und der Braten. Zwar war der Kellner schon bei der Bestellung nicht die Freundlichkeit in Person gewesen. Doch hatten wir es großzügig übersehen, da wir voller Vorfreude und sehr hungrig waren. Nun reagierte er äußerst brüsk, als wir monierten, dass er uns die Rechnung gab, auf der außer unseren Essen auch die Dinge standen, die eine junge Frau bestellt hatte, die sich an unsren Tisch setzte, weil es der letzte frei Platz gewesen war. Unsere Bitte, jeden einzeln bezahlen zu lassen, beantworte er mit Beschimpfungen. Des Weiteren verschwand er, und ward erst einmal nicht mehr gesehen.

Nachdem wir eine weitere halbe Stunde gewartet hatten und niemand sich im uns kümmerte, gingen wir dann auf die Suche nach dem Herren im Inneren des Restaurants – wir hatten im Außenbereich gesessen. Endlich konnten wir dann doch bezahlen und wurden erneut mit unfreundlichen Worten bedacht, als wir wohl nicht das erwartete Trinkgeld gaben. Natürlich nicht! Das war nun das zweite nicht sehr angenehme Erlebnis in der tschechischen Hauptstadt heute. Dennoch machten wir uns guten Mutes auf unseren weiteren Weg. Nach wie vor schien es jedoch niemanden zu geben, der uns auf Englisch oder gar deutsch weiterhelfen konnte, um schließlich die richtige Tram zu finden, die uns zur Konzertveranstaltungshalle bringen sollte.

Doch selbst ist die Frau und wir schlugen uns erfolgreich durch. Glücklich stiegen wir in die (hübsch anzusehende) Straßenbahn, die allerdings recht voll war. So mussten wir, wie viele andere Passagiere, stehen. Da Mia sehr stark sehbehindert ist, übersah sie letztlich einen Fahrgast, der dem Ausgang eine paar Stationen weiter mit vehementer Zielstrebigkeit zustrebte. Was er auf Tschechisch sagte, verstanden wir auch nicht. Darum waren wir ziemlich entsetzt, als der Kerl, nachdem Mia nicht schnell genug zur Seite trat, ihr aggressiv in den Bauch boxte. Langsam festigte sich unsere Meinung, die Prager waren – zumindest zu Touristen – nicht die freundlichsten Mitmenschen. Dazu passte, dass viele von ihnen mit verkniffen Gesichtern durch die Straßen liefen, müde und erschöpft aussahen. Bei manchen war uns gar das Wort ‚verhärmt‘ in den Kopf gekommen.

Unsere Halle befand sich… wie sagt man so schön?… JWD, und wurde wohl hauptsächlich als Sportarena genutzt. Natürlich war es eigentlich viel zu früh, als wir dort eintrafen. Wir hatten keine Idee zum Veranstaltungsort gehabt – es war nichts im Internet zu finden gewesen. Oder davon, wie viele Leute hier so zum Konzert wollten. Auch hatten wir keine Ahnung, wie lange wir bis zu der Arena brauchen würden. So waren wir, nach dem wir schließlich die richtige Bahn gefunden hatten, dorthin aufgebrochen und mussten nun in der Sonne warten. Wir ärgerten uns sehr, dass wir unterwegs kein kleines Café gesehen hatten. Unser Plan war gewesen, dort einen Zwischenstopp einzulegen, um uns an Kaffee und einem Stück Kuchen zu laben. Kein Café – kein erholsames Päuschen. An der Halle angekommen, waren wir ein wenig frustriert, Mia hatte immer noch leichte Beschwerden nach dem Schlag des Tramflegels und vor allem waren wir genug gelaufen, um müde zu sein. Ganz abgesehen davon, wie lange wir nun schon unterwegs waren. Trotzdem hatten wir Kaffeedurst. So machte ich mich auf den Weg, uns einen solchen zu jagen. Ein kleines Café lag nun erstaunlicherweise fast unserer Wartestelle gegenüber. Dumm nur, dass ich mindestens zweihundertfünfzig Meter bis zur nächsten Ampel laufen musste, auf der anderen Straßenseite wieder zurück…und nach dem Erwerb dreier Café Latte war der Weg zu wiederholen. Dafür sprachen die Cafébesitzer fließend Englisch und spendierten uns sogar für jede noch kleine Küchlein. Welch Balsam für meine Seele und die meiner Freundinnen! Und der Latte war köstlich. Es gab offenbar doch den einen oder anderen netten und kompetenten Tschechen.

Etwas erholt warteten wir weiter, beobachteten Jareds Securitychef, der uns an einen gemeinsamen Freund erinnerte und flohen immer wieder vor der unseren Schatten fressenden Sonne. Auch hier wirkte ein Teil des mit uns wartenden Publikums unerwartet verkniffen, erschöpft und unentusiastisch. Vielleicht lag es ja an der großen Hitze.

Endlich konnten wir in die Halle. Und fanden uns umgehend in den siebziger Jahren wieder. Zumindest, wenn man von den unbequemen Bänken ausging. Sie wirkten wie von einer lokalen alten Freilichtbühne entwendet. Letztlich saßen wir gequetscht neben Leuten, die so schauten, als seien sie auf einer Beerdigung und nicht kurz vor einem Marskonzert. Natürlich versuchten wir, unsere gute Laune nicht endgültig zu verlieren. Bis wir auf die Bühne sahen. Nichts mit Centerstage. Es gab eine Minibühne, auf der nur die Hälfte von Shannons Schlagzeug aufgebaut war. Zu allem Überfluss rannten die Crewmitglieder aufgescheucht um dessen Podest herum und versuchten „Christine“, wie er sein Drumkit liebevoll zu nennen pflegte, bespielbar zu machen.

Das zog sich. Das Publikum reagierte erstaunlicherweise nicht einmal darauf, dass der Sänger und besagter Schlagzeuger immer wieder auf dem Bühnchen auftauchten, ratlos schauten und wieder verschwanden. Überall in Europa hätten die Fans mit Jubel darauf reagiert, hätte sich die Wartezeit damit vertrieben und so die Saalstimmung aufgelockert. Auch Jamie Reed und seine DJ Performance kamen offensichtlich beim Publikum nicht gut an

Als Jared zwanzig Minuten nach dem offiziellen Konzertbeginn noch nicht seiner Jobbeschreibung nachkam – eine für 30 Seconds to Mars recht übliche Verzögerung – begannen die ersten Pfeifkonzerte. Niemand hatte ihn und seinen Bruder wohl im Hintergrund der Bühne herumlaufen sehen, wo sie wahrscheinlich mit ihrem Team berieten, was zu tun war, um die technischen Probleme, wie auch die Sache mit der unglaublich kleinen Bühne in Griff zubekommen – außer uns und einigen ganz wenigen Anderen, welche die Stimmung auch nicht drehen konnten. Es hatte dieses Mal zum Glück nicht einmal einen öffentlichen Soundcheck gegeben. Offenbar arbeitete die Crew schon den ganzen Nachmittag ununterbrochen daran, trotz der erschwerten Bedingungen ein halbwegs vernünftiges Konzert abliefern zu können.

Wir selbst kämpften immer noch mit den Holzbänken der Halle, um halbwegs bequem zu sitzen – ziemlich eng im Übrigen, obwohl die Halle nicht allzu doll gefüllt war. Was sich die Veranstalter nur dabei gedacht hatten, die Ränge, von denen man eine halbwegs gute Sicht hatte, zu sperren – bzw diese Plätze nicht verkauft zu haben, dafür jedoch einen Rang, von dem aus die darauf platzierten Zuschauer auch garantiert nichts sehen konnten, erschloss sich uns nicht. Wir wunderten uns nur ein wenig.

Allerdings hatten wir genug damit zu tun, uns weiterhin über das seltsame und ungewohnt unfreundliche Publikum zu wundern. Alle Leute um uns herum sahen aus, als freue sich kaum einer von ihnen auf die nächsten zwei Stunden. Jamie Reed war, wie gesagt, schon ausgebuht worden… oder wurde mit stoischer Langeweile ertragen. Es war auf jeden Fall verwirrend und selbst für meine beiden Freundinnen ein sehr ungewohntes Erlebnis, die schon alles an Mars Publikum gesehen zu haben glaubten. Da wir kein Tschechisch verstanden, wussten wir auch nicht, was um uns herum gesprochen wurde. Versuche, auf Englisch mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen und so das gewohnte „Wir – Erlebnis“ mit den anderen Fans herzustellen, schlug leider fehl. Entweder verstand uns niemand oder man war nicht interessiert. Ob es daran lag, dass wir aus Deutschland kamen oder die Tschechischen Fans generell lieber unter sich blieben, erschloss sich uns nicht. Allerdings war es uns ja im Laufe des Tages mehr als einmal passiert, dass wir entweder nicht verstanden wurden oder man einfach nur unfreundlich zu uns war. Das drückte inzwischen schon auf die Stimmung.