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GeschichteAllgemein / P18 Slash
Bryce Walker Hannah Baker Jeff Atkins Montgomery de la Cruz OC (Own Character) Sheri Holland
01.07.2019
23.09.2019
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01.07.2019 2.349
 
⚜ Kapitel 1. - Liberty High ⚜

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Meister Eckhart


„Jasper, wirklich... ich kann auch alleine gehen.“, aufmunternd lächelte ich meinen Bruder an, doch er wirkte wenig überzeugt; Wir waren gerade erst neu in die Stadt gezogen und kannten beide niemanden an der Liberty High. Auf eine neue Schule zugehen war immer wie russisches Roulette, entweder man wurde gemocht oder gehasst.

„Die High School ist hart.“, sagte er und knuffte mir in die Schulter.
„Ich weiß, ich war schon mal auf einer.“
„Wir sollten zusammen halten.“
„Also begleitest nicht du mich in den ersten Tag, sondern ich dich?“, lachte ich und zwinkerte meinem Zwillingsbruder zu.
„Wir begleiten einander.“
„Ich hab dich lieb. Und nun... lass es uns anpacken.“, zusammen liefen wir über den Schulhof direkt auf das alte Gemäuer zu.

Wären wir in irgend so einem billigen High-School-Film gewesen, dann wären die verschiedenen Charaktere links und rechts neben uns in Slow-Motion zu Under Pressure von David Bowie gelaufen; die Sportler, die Einzelgänger, die hübschen Mädchen und die Jungs aus dem Matheclub.
Ich spürte förmlich, wie wir von allen Seiten angestarrt wurden. Es gab so viele Schüler an der High School und doch fiel man jedem sofort auf, wie ein Fremdkörper in der homogenen Masse.

„Ich habe etwas Angst.“, flüsterte ich meinem Bruder aus den Mundwinkeln zu.
„Ich würde dir ja gerne sagen, dass du keinen Grund hast, aber das hier ist eine Löwenhöhle.“
„Wie soll ich hier jemals meinen Spind finden?“, sagte ich eher zu mir selber als zu Jas und versuchte einen Zettel zu entknüllen, auf dem die Nummer meines Spinds und eine Kombination stand.
„Ich würde dir ja gerne helfen aber ich muss vor dem Unterricht noch zu Coach Patrick, ich will unbedingt in die Basketballmannschaft und mich informieren wann das Training ist. "
„Hab gehört Basketball soll hier ne ganz schön große Nummer sein.“, sagte ich ohne von meinem Zettel aufzublicken.
„Das ist es.“
„Die können froh sein, wenn du bei ihnen spielst.“, ich verpasste Jasper einen Schlag auf den Oberarm und er tat, als hätte es ihm weh getan.
„Danke, Mae.“, mit einem Kuss auf den Haaransatz verließ er mich und ich fühlte mich in dem gewaltigen Meer aus Schülern etwas verloren.

„Okay, ganz ruhig, nicht nervös aussehen ... die können Angst riechen.“
Ich packte mein Scrunchie und band meinen blonden Bob in einem kurzen Dutt im Nacken zusammen.
„Hey!“, mist. Irgendjemand hatte mich als hilflose Neue im Gang durchschaut.
„Ehm hey.“,  antwortete ich mit einem gezwungenem Lächeln und schob mich weiter durch den Geruch von CK1 und irgendwelchen billigen Männer-Deodorants.
„Mein Name ist Jeffrey, du bist neu oder?“
„Ist es doch so offensichtlich?“
„Naja, du siehst etwas... verloren aus.“
Ich zuckte mit der Augenbraue und schenkte „Jeffrey“ ein verpeiltes Lächeln, dann versuchte ich mich weiter durch die Schüler zu schieben.
„Was hast du da?“, er blieb weiter neben mir und deutete auf den Zettel in meiner Hand.
„Das ist die Nummer meines Spinds, ich versuche ihn zu finden.“
„Zeig mal... ach du bist schon vorbei. Beim letzen Korridor musstest du nach rechts, an der Treppe müsste es sein.“
„Oh, danke.“, ich nahm ihm den Zettel aus der Hand und machte eine Bewegung die so viel heißen sollte wie „man sieht sich“.
„Warte.“
Ich pfiff kurz durch meine Zähne. Es war nicht so, dass ich niemanden kennenlernen wollte, doch gerade am Anfang wollte ich Zeit haben, mich in meiner neuen Umgebung zu orientieren.
„Wie ist dein Name?“
„Maeby. Aber das klingt immer wie vielleicht... deshalb - einfach Mae.“, peinlich berührt biss ich mir auf die Lippe.
„Man sieht sich, Mae“

Ich versuchte den Weg zu gehen, den Jeffrey mir erklärt hatte. Doch irgendwie konnte mein Kopf eins und eins nicht zusammen zählen. Mittlerweile war ich sogar an der Treppe angekommen und blickte mich orientierungslos um. 107, wo war die beschissene 107. Ich war gerade kurz davor, einen Schrei der Verzweiflung auszustoßen, als eine Gruppe von Schülern auseinander ging und den Blick auf meinen Spind frei legte.
„Danke, danke, danke!“, flüsterte ich und lief direkt darauf zu. Die Kombination war einfach, 3232.
Ich musste ein paar Mal an der Tür ruckeln bevor sie sich öffnete, doch schließlich erleichterte ich mich ein paar meiner Bücher. Hastig suchte ich ein paar Bilder von mir und Jasper zusammen, die ich an die Innenseite des Schranks klebte um ihn ein bisschen mehr zu personalisieren.

Bis auf mein Geschichtsbuch und einen Roman aus dem achtzehnten Jahrhundert ließ ich alles im Spind zurück. Ich kannte niemanden außer meinem Bruder und ich wusste nicht, ob er in der Pause in die Cafeteria kommen würde. Aus diesem Grund brauchte ich ein Buch zur Beschäftigung.

Den Klassenraum fand ich überraschend schnell; als ich mir einen Platz in der letzten Reihe suchte waren erst drei weitere Schüler anwesend. Einer hatte eine blaue Jacke von einem der Sportteams an, seine Haare waren schwarz und ein bisschen nach oben gestylt. Direkt neben mir saß ein Mädchen mit langen lockigen Haaren und einer sehr schönen Jeansjacke. Die letzte Person im Raum war sehr groß und schlaksig, er hatte sich in der ersten Reihe nieder gelassen; unverkennbar ein Nerd.

„Hi, ich bin Hannah.“, das Mädchen neben mir hatte mir die Hand entgegengestreckt und lächelte mich an.
„Ich bin Mae.“
„Bist du auch neu hier, du siehst nicht aus als kämst du von hier.“
„Schuldig.“, ich zuckte mit den Schultern.
„Bin gerade aus Seattle hergezogen.“
„Ich bin auch neu, wir sind vor einem Supermarktgiganten geflohen.“
Etwas verdattert starrte ich sie an. Keine Ahnung, wie sie das meinte.
„Meine Eltern haben einen kleinen Drugstore, weißt du.“
„Ah.“ , ich begann zu verstehen und betrachtete den Raum, der sich immer mehr füllte. Ein paar mehr Sportler, ein paar mehr Beautys und ein paar mehr Nerds, wenig Individuen.
„Nächste Woche ist eine Party bei mir zu Hause, meine Freundin Kat, sie zieht weg. Vielleicht magst du ja kommen?“

In Seattle wurde ich wenig zu Partys eingeladen. Meistens wurde Jasper eingeladen und hatte mich dann mitgenommen. Es war nicht so, dass ich unbeliebt gewesen war, doch die Leute wussten, dass ich gerne für mich blieb.

„Ja, sehr gerne. Kann ich vielleicht jemanden mitbringen?“
„Du scheinst ja ran zu gehen, hast du gleich am ersten Tag wen kennengelernt?“; lachte sie und ich mochte ihren Humor.
„Nein, so jemand bin ich nicht.“
„Das dachte ich eigentlich auch nicht. Wer ist es dann?“
„Mein Zwillingsbruder Jasper.“
„Oh wie cool, dich gibt’s auch in männlich! Ist er hier?“
„Oh nein, er hat jetzt Mathe oder sowas bei Mr. Crawford, aber glaub mir, ihn würdest du nicht als neuen erkennen, er ist ein blonder Sportler-Typ, ich geb ihm zwei Woche, dann ist er von dieser Schule nicht mehr weg zu denken.“
„Ich wollte schon immer mal mit einem Zwillingspärchen befreundet sein, sagt ihr auch immer alles doppelt und vervollständigt eure Sätze und sowas?“
„Nein, wir sind nicht so ein Henry und Heriette Zwillingspärchen. Das wäre ja grausam.“

Die Lehrerin betrat den Klassenraum und klatschte zwei Mal in die Hände; sie trug einen knielangen Rock und rosa Absatzschuhe. Einer der Jungs pfiff durch die Zähne, „Mrs. D! Sie sind in den Ferien locker fünf Jahre jünger geworden.“
„Danke Mr. Foley, sehr aufmerksam. Sie sind leider auch kein Stück erwachsener geworden.“
Die Stunde zog sich wie Kaugummi. Wie sich herausstellte hatte Mrs. Dowlan eine sehr monotone Art zu reden und versuchte nicht wirklich, den Unterricht spannend zu gestalten. Ich liebte amerikanische Geschichte, doch bei ihr klang es, als hätte sie nach all den Jahren des Unterrichtens die Lust am Thema verloren.
„Und weil es viele neue Gesichter in dieser Klasse gibt, möchte ich gleich zu Beginn mit einer kleinen Partnerarbeit starten.“, ein Stöhnen ging durch den Raum.
Hannah lächelte mich von der Seite an und ich zwinkerte ihr zu, Partnerarbeit mit ihr konnte sicherlich ganz lustig werden.
„Dafür lose ich euch in Paaren zusammen.“
„Hätte ja klappen können.“, flüsterte Hannah und reichte mir einen Zettel auf den sie gekritzelt hatte „DIE ROSA SCHUHE GEHEN GAR NICHT!“
Ich nickte leicht, löste meine Haare aus dem Knoten und fuhr durch meine schulterlange Mähne.

Mrs. Dowlan begann laut die gelosten Pärchen vorzulesen, „Fowley – Dempsey!“, sie kräuselte die Lippen, „Ich lass euch das mal durchgehen“, sie blickte die beiden Jungs in den blauen Sportlerjacken streng an.
„Das Los hat entschieden.“, sagte der Junge mit den schwarzen Haaren, der bereits in der Klasse saß, als ich hinein kam.  
„Walker – Atkins, Baker – Shaver, Holland – Jensen.“, sie warf mit Nachnamen um sich, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte, bis ich meinen hörte, „Allen – de la Cruz“
Ich hätte mich freuen können, oder mich ärgern, doch ich wusste nicht einmal, wer de la Cruz sein sollte. Ich versuchte zu erspähen ob sich jemand suchend nach mir umblickte, doch der Person schien es egal zu sein, wem sie zu gelost worden ist.
„Kommt bitte am Ende der Stunde nach vorne und holt euch eure Projektthemen ab, ich erwarte fünfzehn Seiten ausgearbeiteten Text und eine Präsentation für die Klasse von euch, ihr habt ab heute 4 Wochen dafür Zeit.“, ein paar der Schüler wollten gerade zum Protest ansetzen als sie, „Und sportliche Events sind keine Entschuldigung“ hinzusetzte.

☆☆☆


Als der Gong ertönte standen alle auf und gruppierten sich um den Lehrerpult, um sich ihre Themen abzuholen. Hannah hatte sich mit einem Jungen zusammengetan, der sofort versuchte, sie für die Schülerzeitung zu begeistern.
Ich hielt weiter Ausschau nach meinem Projektpartner, als mir ein großer Junge ins Auge fiel, der mit ziemlich viel Desinteresse und verschränkten Armen dastand.
Zögerlich ging ich auf ihn zu und blieb kurz vor ihm stehen; er musterte mich von oben bis unten, zog eine Braue in die Höhe und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
„Bist du de la Cruz?“
„Wer will das wissen?“
„Ich ehm, tut mir leid, ich bin Mae, Mae Allen, ich glaube wir sind Projektpartner.“
„Ah ja, okay, dann sage ich dir mal gleich wie das läuft; ich stecke nicht allzu viel Zeit in Schule und sowas, also wird deine Note in diesem Fall wohl auch von dir abhängen und bau nicht auf meine Mitarbeit.“
„Glaub mir, man sieht dir an, dass du nicht gerade vor Intelligenz sprühst.“, antwortete ich ohne großartig darüber nachzudenken, dass ich mir nicht gleich am ersten Tag Feinde machen sollte.

„Monty, sei mal etwas netter.“, lachte der Junge, der mir heute Morgen den Weg zu meinem Spind gezeigt und sich als Jeffrey vorgestellt hatte.  
„Nimms dir nicht zu Herzen.“, flüsterte er mir im Vorbeigehen ins Ohr.
„Allen – De la Cruz?“, sagte Mrs. Dowlan und fuhr mit ihrem Finger eine Liste entlang, „Ah hier, Amerikanischer Bürgerkrieg, wie hätte er vermieden werden können?“, „Oh Mrs. Dow-“, „Nicht meckern de la Cruz, machen! Hier sind ihre Materialien.“, sie drückte ihm einen Haufen an Blättern in die Hand.
„Hier sind deine Materialien.“, zusammengerollt  schlug er sie mir geradewegs vor die Brust. Ich musste leicht husten; mit einem so heftigen Schlag hätte ich nicht gerechnet, „Sehr aufmerksam.“  

Vor der Tür traf ich wieder auf Hannah, die auf mich gewartete hatte.
„Kommst du mit in die Cafeteria? Ich will nicht alleine sitzen und vielleicht ist Kat auch noch da.“      
„Ja, gerne. Vielleicht finde ich ja Jasper.“
„Stimmt, du musst mir dein männliches Ich unbedingt vorstellen.“, fröhlich stolzierte sie neben mir her und ihre Haare wippten.
„Hast du schon mal irgendwas von diesem de la Cruz gehört?“
„Mh nein, nicht wirklich, wir können mal Kat fragen.“
„Irgendwie macht er mir etwas Angst.“
„Die ganze High School macht mir Angst.“
„Da hast du wohl Recht.“
☆☆☆


Wir setzten uns an einen Tisch in der Ecke der Cafeteria; auch hier konnte man wieder sehr gut erkennen, welche Charaktere zu welcher Gruppe gehörten. De la Cruz gehörte eindeutig zu den beliebten Sportlern oder auch den „Jocks“. Ebenso, wie ein paar andere meines Geschichtskurses. Ich konnte noch Walker, Fowley und Dempsey erspähen.

„Hallo My Lady!“, eine Hand verpasste mir einen leichten Schlag in den Nacken, der nicht annähernd mit dem von de la Cruz zu vergleichen war.
„Jasper!“, mein Bruder ließ sich neben mir und gegenüber von Hannah nieder. Ein weiteres Mädchen kam dazu, und begann von Hannahs Lunch zu essen.
„Hannah, das ist mein Bruder. Jasper Allen.“, sagte ich über den Tisch hinweg.
„Sehr erfreut - ihr seht euch wirklich verdammt ähnlich. Ach ja, und das ist Kat.“, sie deutete auf das Mädchen neben ihr. „Glaubt mir, sie ist netter als sie aussieht.“
„Isch bin schuper nett, nur wirklisch hungrisch.“, sagte sie mit vollem Mund und bemühte sich, einen großen Bissen hinunter zu schlucken. Nachdem sie ausgekaut hatte, reichte sie meinem Bruder und mir die Hand.
„Ihr werdet euch an dieser Schule super einfinden, bemüht und engagiert euch ein bisschen und ihr werdet die Sagen umwogenden Allen-Zwillinge, das wird klasse.“
„Scheint als muss man an dieser Schule dem Kind nur einen Namen geben.“, sagte mein Bruder von der Seite zu mir.
„Wie ist es gelaufen mit Coach Patrick?“
„Ich kann zum nächsten Training kommen, dann wird geguckt auf welcher Position ich spielen kann.“  
„Oh Jasper, das ist ja klasse.“
„Jaa aber pass auf ihn auf, nicht, dass er in zwei drei Wochen bei den Jocks am Tisch sitzt.“, Kat nickte zum Sportlertisch.
„Was ist falsch daran?“, fragte Jasper etwas verdattert; in Seattle hätte er definitiv an diesem Tisch gesessen.
„Naja, du scheinst mir ja nicht auf den Kopf gefallen zu sein und sie sehen ja auch alle gut aus uns so, aber irgendwie verblödet man in dieser Gruppe ein bisschen. Ist nichts Persönliches.“
Hannah musste lachen und ich begann auch etwas zu schmunzeln.
„Und wie sieht’s aus? Hat euch Hannah schon zu meiner Abschiedsparty eingeladen nächste Woche?“
„Abschiedsparty?“, fragte Jasper und biss in sein Sandwich.
„Jaa, ich ziehe hier weg, endlich. Raus in die Welt. Aber nicht ohne eine letzte Party. Sie ist bei Hannah zu Hause.“
„Mae hat schon zugesagt, ihr männliches Ich ist bestimmt auch dabei!“, bestätigte Hannah.
„Sehr gut, dann sieht man sich ja nochmal!“, trötete Kat, nahm sich ein paar Möhren und einen Schokoriegel aus Hannahs Lunchpaket und eilte davon.

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