Free until dawn

GeschichteAllgemein / P16
Black Widow / Natasha Romanoff Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark OC (Own Character) Quicksilver / Pietro Maximoff Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
01.07.2019
10.10.2019
11
36944
7
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Wahnsinn, vielen lieben Dank für die vielen neuen Favo-Einträge und ein weiteres tolles Review von Alanda00 :D


________________________________________________________________________


Er ist ein überraschend angenehmer Zeitgenosse und redet nicht viel. Was mir sehr entgegen kommt, denn noch immer bin ich mit den Gedanken bei der Straftat, die mir vorgeworfen wird.
Wir erreichen meine Wohnung nach fünfzehnminütiger und herrlich schweigsamer Fahrt.
Da ich ihn nicht im Auto warten lassen will, nehme ich ihn mit in meine bescheidene Wohnung. Eigentlich dauert es ja nicht lange ein paar Sachen zusammen zu packen. Trotzdem hätte ich es unhöflich gefunden ihn einfach im Auto sitzen zu lassen.
Womit ich allerdings nicht gerechnet habe ist, dass ausgerechnet heute meine Mutter vor meiner Wohnungstür auf mich wartet. Sonst kam sie mich nie Besuchen, außer natürlich sie wollte etwas. Wahrscheinlich hätte ich damit rechnen sollen, dass ausgerechnet heute einer dieser seltenen Tage ist.
Anscheinend bleibt mir heute wirklich nichts erspart, denke ich bei mir und stöhne innerlich auf.
„Mom“ begrüße ich sie genauso wenig gefühlvoll wie sie mich sonst auch und gehe, mit meinem Schlüssel bewaffnet, einfach an ihr vorbei.
„Hallo. Wer ist das?“ will sie natürlich gleich wissen und deutet auf meine männliche Begleitung.
Tja, Männer hatten sie schon immer interessiert.
„Ein Bekannter.“ Antworte ich schlicht, während ich meine Wohnungstür aufschließe.
Sofort nachdem ich eingetreten bin, gehe ich in mein Schlafzimmer um einige Sachen zu packen, während meine Mom dem armen Mann eine Frage nach der nächsten stellt. Nach zirka fünf Minuten habe ich das nötigste zusammen und brauche nur noch meine Badezimmerartikel. Aber um ins Badezimmer zu gelangen, musste ich am Wohnzimmer, und somit auch an meiner Mutter vorbei. Ich tue erst so, als wäre sie nicht da und gehe schnurstracks ins Bad. Dort packe ich schnell zusammen was ich brauche, bevor ich tief einatme und mich innerlich wappne um mich ihr endlich zustellen.
„Was ist es dieses Mal, Mom?“ frage ich ohne Umschweife als ich aus dem Bad komme.
Uns beiden war es lieber, wenn wir diese Begegnungen so kurz wie möglich hielten. Aber ihr Blick geht zu meinem Besucher. Aha, sie will also allein mit mir reden.
„Ich warte unten. Kann ich deinen Koffer schon mitnehmen?“ fragt er mich höfflich und wohlerzogen.
„Nein danke, nicht nötig. Den nehme ich dann allein, er ist nicht schwer.“ Das war eine Lüge, er wog einiges, aber alte Gewohnheiten legt man schwer ab und ich hatte schon als Kind lernen müssen allein zurecht zu kommen. Ich lächle ihn leicht an, als Zeichen meiner Dankbarkeit und das ich das nette Angebot zu schätzen weiß.
Er nickt kurz bevor er die Wohnung verlässt.
„Einen netten jungen Mann hast du da.“
Diese Aussage ignoriere ich, schließlich stehe ich in keinerlei Verbindung zu ihm. Und selbst wenn, würde ich dieses Thema bestimmt nicht mit meiner Mutter erörtern.
„Was willst du? Brauchst du wieder Geld?“ frage ich stattdessen direkt.
Es ging immer um Geld wenn sie unangemeldet hier auftaucht. Eigentlich sah ich sie sowieso nur wenn sie mal wieder Geld braucht oder um sich etwas zu borgen, was ich letztlich nie wiedersah.
„Ich habe dir gestern auf den Anrufbeantworter gesprochen.“
„So ein Pech, ich war nicht zuhause und hatte noch keine Zeit ihn abzuhören. Du hättest es auf dem Handy probieren können.“
Sie rief mich nie auf dem Handy an.
„Wo warst du denn die ganze Zeit?“
Im Ernst? Nach fünfundzwanzig Jahren kehrt sie jetzt die Mutter raus? Ich schaue die Frau mir gegenüber an. Die äußere Ähnlichkeit zwischen uns ist unverkennbar, auch wenn sie etwas kleiner ist als ich und ihre Haare lockiger und mehr braun als rot sind. Wir haben die gleiche leicht Ovale Gesichtsform, und auch die gleiche, leicht Geschwungene Augenform, obwohl ihre Augen blassblau sind, während meine stahlgrau sind- waren. Meine Körperform weißt, genau wie ihre, diese typische X-Form auf, doch während bei mir alles ziemlich durchschnittlich normal schlank ist, wirkt ihrer ziemlich dünn. Zwar noch nicht direkt ausgemergelt, trotzdem hat der langjährige Drogen- und Alkoholkonsum schon seine Spuren hinterlassen.
Wenn man sich Fotos von ihr ansieht, als sie in meinem Alter war, könnten wir glatt als Zwillinge durchgehen.
„Was willst du, Mom?“ übergehe ich ihre Frage.
„Ich brauche die Amulett Halskette die Mutter dir vererbt hat.“ Kommt sie endlich mal auf den Punkt.
„Wofür?“ – ich weiß genau wofür sie sie braucht!
„Sie passt ganz wunderbar zu meinem neuen Kleid und ich möchte heute Abend bei der Vernissage einen guten Eindruck machen.“
Von wegen Vernissage und neues Kleid…
„Tut mir leid aber nein.“ Antworte ich ohne mit der Wimper zu zucken und ohne schlechtes Gewissen.
„Sie ist ein altes Familienerbstück und ich habe genauso ein Recht…“
In diesem Moment platzt mir der Kragen und ich fahre meiner Mutter über den Mund.
Ja, sie ist ein Familienerbstück und damit sie das auch bleibt hat Granny sie mir vererbt.“
„Du bekommst sie ja wieder.“
Ich kann mir das ironische Lachen nicht verkneifen. Diese Frau ist einfach unglaublich.
„Gewiss, genauso wie das Auto, welches Granny mir ebenfalls vererbt hatte und welches du dir keine vier Monate später für zwei Tage ausleihen wollest und welches ich seitdem nie wiedergesehen habe?“ frage ich knallhart nach.
Selbst meine Anrufe wurden damals von ihr gekonnt ignorierten. Nach einer Woche war mir schließlich klar, dass ich dieses Auto nie wiedersehen würde. Noch heute kann ich nur spekulieren, dass sie es einfach verkauft hat. Trotzdem war dies der Punkt, der für mich das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Diese Frau würde von mir nichts mehr bekommen was sich veräußern lies und schon gar nichts, was vorher Granny gehört hat.
Wenigstens hat sie den Anstand, betreten dreinzuschauen.
„Ich gebe es dir wirklich zurück.“ Versucht sie mich erneut einzulullen ohne überhaupt auf die Bemerkung mit dem Auto einzugehen.
„Nein! Und wenn es dir nichts ausmacht muss ich jetzt los. Ich werde erwartet.“ Es fällt mir nicht annährend so leicht hart zu bleiben wie es sich anhört. Schließlich ist sie immer noch meine Mutter, und ob ich wollte oder nicht, ich liebte sie trotz allem irgendwie.
„Wohin geht denn die Reise?“
„Weg.“ Ihr Interesse ist, wie sonst auch, nur geheuchelt, dass weiß ich mittlerweile. Mein Tag war ohnehin schon schlimm genug, auch ohne mir diesen Emotionalen Ballast auch noch aufladen zu müssen. Sonst machte sie auch nie Small Talk, warum dann also heute? Nicht mal nach der Sache mit der Entführung hatte sie sich gemeldet um sich nach mir oder gar meinen Wohlbefinden zu erkundigen.
Sie lächelt mich mit ihrem unehrlichen Katzenlächeln an.
„Du bist heute schlecht drauf, oder Liebes?“
Liebes? Heiliger Bimbam, so hat sie mich noch nie genannt. Anscheinend brauch sie mehr von mir als nur das Amulett, vielleicht eine meiner Nieren oder einen Teil meiner Leber? Wobei die Leber bei ihrem Lebensstiel wahrscheinlicher ist.
„Welches Körperteil oder Organ brauchst du von mir?“ frage ich deshalb wieder direkt nach.
Sie lacht übertrieben.
„Nichts dergleichen, ich erfreue mich bester Gesundheit.“
Trotzdem macht sie keine Anstalten zugehen. Gut dann eben anders…
„Mom, bitte…ich muss los. Wenn du möchtest, dann ruf mich doch auf dem Handy an und wir verabreden uns mal zu einer Tasse Kaffee.“ Sage ich zu ihr- wohl wissend, dass das eher nie passieren wird, da sie nicht anrufen wird-, während ich sie nebenbei aus der Wohnung schiebe. „Schön, dass du da warst.“ Bringe ich noch heraus, während ich schon dabei bin, die Tür vor ihrer Nase zu schließen. Kurz lehne ich mich von innen dagegen und atme tief durch. Ich hatte meine Mutter zuvor noch nie aus meiner Wohnung geschmissen, aber noch offensichtlicher kann man einen Rausschmiss auch nicht verdeutlichen. Ich habe meine Emotionale Belastungsgrenze für heute einfach erreicht.
Ich stoße mich von der Tür ab und kehre in mein Schlafzimmer zurück um die Amulett Halskette zu holen und mache sie mir um. Ich verschwinde nochmal kurz im Bad, bevor ich entschieden nach meinem Koffer greife und die Wohnungstür öffne.

Als ich endlich unten ankomme steht der Avenger entspannt, mit verschränkten Armen, wartend ans Auto gelehnt. Als er mich sieht öffnet er den Kofferraum und nimmt mir meinen Koffer ab um ihn zu verstauen.
„Tut mir leid für die Verzögerung.“ sage ich, während ich mich zielsicher in Richtung Beifahrertür bewege und einsteige. Ich sehe meine Mutter noch immer in der Nähe der Haustür stehen und in meine Richtung schauen. Nur schwer kann ich dem Drang wiederstehen die Autotür von innen zu verriegeln.
Wahrscheinlich wartet sie nur bis wir wirklich weg sind, bevor sie sich beim Hausmeister einen Ersatzschlüssel holt und ungehindert meine Wohnung plündert. Nicht, dass es da wirklich noch etwas Wertvolles zu holen geben würde, jetzt nachdem ich die Halskette trage.
Mein Begleiter öffnet die Fahrertür und steigt ein, zögert aber etwas bevor er die Tür schließt.
„Bist du sicher, dass ich fahren darf?“ fragt er mich und schaut mich unsicher von der Seite an.
Ich nicke lediglich. Diese Treffen mit meiner Mom schlauchen mich emotional immer. Und davon abgesehen kennt er den Weg den wir fahren müssen besser als ich.


----



Die Fahrt verläuft anfangs weiterhin schweigend. Aber ganz so angenehm wie zuvor fühlt es sich nicht mehr an, da sie in grübelnde Gedanken versunken zu sein schien. Die Spannungen zwischen ihr und ihrer Mutter waren unübersehbar.
Hin und wieder schaute er zu ihr rüber, war sich aber nicht wirklich sicher ob, oder was er überhaupt sagen sollte. Natürlich könnte er einfach typischer Weise eine Bemerkung über das Wetter machen, aber ehrlich gesagt konnte er diesem Thema noch nie viel abgewinnen.
„Du wohnst in einer schönen Gegend.“ Sagte er also schließlich.
Sie nahm ihren Blick von der Straße und er merkte, wie sie kurz sein Profil anschaute. Anscheinend wusste sie, dass er versuchte nett zu sein.
„Danke… und auch danke dafür, dass du nicht angefangen hast über das Wetter zu reden. Tut mir wirklich leid, dass meine Mutter dir so viele Fragen gestellt hat. So etwas wie Privatsphäre kennt sie nicht. Ich weiß zwar nicht genau welche Fragen sie dir direkt gestellt hat, aber ich kann mir denken, dass eine sicher unangenehmer war als die nächste.“ Entschuldigte sie sich unnötigerweise für ihre Mutter. Familie konnte man sich nun mal nicht aussuchen. Ob sie wusste, wie ähnlich sich die beiden optisch sahen?
„Schon okay. Aber sie scheint nicht gerade ein einfacher Mensch zu sein.“ Formulierte er seine Antwort vorsichtig, aber deutlich. Sie nickte leicht schmunzelnd, während sie wieder auf die Straße schaute.
„Ja, so kann man das auch ausdrücken.“
Er war nicht wirklich verwundert, als sie plötzlich das Thema wechselte.
„Und du heißt also James, ja?“
Er lächelte leicht. Stimmt, offiziell hatten sie sich noch nicht vorgestellt.
„Im Grunde schon, aber nenn mich Bucky.“
„Bucky? Das klingt ja genauso bescheuert wie Gin.“ Murmelte sie gerade so laut, dass er es gut verstehen konnte. Wieder lächelte er verhalten. Er mochte Menschen, die mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg hielten.
Und als wäre nichts gewesen, fuhr sie schließlich mit dem nächsten Thema fort.
„Haben sie dich geschickt, weil du von euch der überzeugendste Lügner bist?“ fragte sie schließlich.
Er holte einmal tief Luft bevor er sich schließlich auf den Spießrutenlauf einließ.
„Nein, ich habe nur den Kürzeren gezogen und eigentlich bin ich nicht sehr gut im Lügen.“
Er war erleichtert, als er ihr lachen hörte. Kurz hatte er befürchtet, sie würde auf den ersten Teil der Aussage eingehen.
„Sehr witzig. Du bist vorhin nicht mal rot geworden dabei. Ein Wunder, dass mein Gesichtsausdruck uns nicht verraten hat.“
Jetzt war es an ihm zu lachen. Es war leicht zu lügen, wenn man eigentlich die Wahrheit sagte. Auch, wenn er diese hier und da etwas ausschmücken musste, aber ihr Gesicht war vorhin wirklich Gold wert.
„Ja, die Überraschung war dir pur ins Gesicht geschrieben. Genau wie das Unbehagen als ich deine Hand genommen habe.“
Er registrierte, wie sie wieder in sein Lachen mit einfiel. Vor wenigen Minuten hatte es nicht so ausgesehen, als wäre ihr in nächster Zeit zum Lachen gewesen.
„Ich hätte gerne dein Gesicht gesehen, wenn du an meiner Stelle gewesen wärst. Wenn man verhaftet wurde und in einem Verhörraum sitzt, rechnet man nicht damit, dass als nächstes ein fremder Kerl reinkommt und sich als dein Freund ausgibt.“
Er zuckt, immer noch grinsend, die Schultern. Was hätte er sonst sagen sollen? Ein Groupie One-Night- Stand konnte er nicht als Ausrede nehmen, denn wie hätte er sonst von ihren Problemen erfahren sollen?
„Du brauchtest ein Alibi für die zeitigen morgen Stunden, da bleibt nicht viel anderes übrig.“
Sie lächelt zu ihm rüber.
„Danke…aber du weißt schon, dass du dich meinetwegen strafbar gemacht hast, oder?“
Er schaute voll konzentriert auf die Straße. Er war nicht gut im Lügen, und er machte so etwas auch nicht gerne. Aber wieder blieb ihm nichts anderes übrig.
„Mach dir darüber keine Gedanken.“ Rang er sich kurz als Antwort ab, in der Hoffnung, dass damit dieses Thema beendet war.
Tatsächlich trat wieder schweigen ein, bis ihr die nächste Frage einfiel.
„Du hast vorhin von einer schwierigen Vergangenheit gesprochen, und Andeutungen gemacht, dass du dir eine Falschaussage nicht erlauben kannst. Was meinst du damit?“
Diese Frage war noch schlimmer.
Er versteifte sich und seine Hände, eine davon aus Metall, schlossen sich fester um das Lenkrad. Wahrscheinlich würde er einige Fingerabdrücke der linken Hand in diesem Lenkrad hinterlassen. Ohne den Blick von der Straße zu nehmen, sagte er leise:
„Vielleicht reden wir da auch einander mal drüber, wenn du nicht gerade allein mit mir im Auto sitzt…“
Den letzten Teil hat er eher nur vor sich hingemurmelt. Sie wäre sicher alles andere als erbaut, wenn sie wüsste, mit was für einem gefährlichen Mann sie sich gerade auf engstem Raum befand. Zum Glück kam schon im nächsten Moment das riesige Avengers Gebäude in Sicht.
Als er den Wagen direkt davor zum Stehen brachte, beugte sie sich in ihrem Sitz vor und späte durch die Windschutzscheibe auf den Gebäudekomplex.


-----




„Ich habe ganz vergessen wie groß das Gebäude ist. Ist es schon zu spät um irgendwo noch ein Brot kaufen zu können, damit ich mir eine Brotkrumenspur zu meinem Zimmer legen kann?“ Ich werde mich bestimmt noch öfter gnadenlos verlaufen. Oder ich versuche mein Glück bei Google Maps. Bei der Größe dieses Hauses dürfte das auch beinahe funktionieren.
Während ich beim Aussteigen immer noch etwas sprachlos das Haus anstarre, hat mein Begleiter bereits meinen Koffer ausgeladen. Jetzt ist mir natürlich völlig klar wie all diese Räume hier drin Platz finden. Als ich mich weiter auf dem Grundstück umschaue, sehe ich diesen unglaublich grünen Rasen um das Gebäude. Er ist so grün, dass er beinahe wie im Hochsommer zu leuchten scheint. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen das Gras ist angemalt. Anscheinend wurde hier ein sehr guter Gärtner beschäftigt, der sich sogar die Zeit nimmt den Rasen zu düngen.
„Da seid ihr ja. Wir hatten schon etwas eher mit euch gerechnet.“ Begrüßt uns der Captain und reißt mich aus meinen Gedanken. Sofort greift er nach meinem Koffer, der unbemerkt neben mir auf dem Boden abgestellt worden ist.
Erst jetzt wird mir bewusst, dass es schon beinahe fünf Uhr nachmittags ist.
„Los komm rein. Rumführen brauche ich dich ja nicht mehr und ein paar von uns kennst du auch schon.“ Übernimmt der Captain jetzt.
„Ach, nur ein paar?“ frage ich entgeistert und schaue, während ich vorwärts geführt werden, hilfesuchend über meine Schulter zu dem Mann, der mir nicht mehr gänzlich fremd ist. Ich mochte das Gefühl ‚die Neue‘ zu sein nicht. Zumal ich als ‚Normalo‘ hier der bunte Hund bin. Alle anderen kennen sich und sind locker und unverkrampft untereinander, was ich heute früh ja schon bemerken durfte, aber als Außenseiter kenne ich die Regeln und Gewohnheiten hier nicht. Dazu kommt, dass ich es nicht gewohnt bin mit anderen Menschen auf so eine WG-Art zusammen zu leben.
Aber welche Wahl habe ich denn? Die Alternative heißt Untersuchungshaft und da ist es mit der mangelnden Privatsphäre noch schlimmer, also ist dies hier definitiv das kleinere Übel.
„Ja, den Rest wirst du später beim Abendessen kennen lernen. Du isst doch mit uns zusammen, oder?“
„Ähm…“ das würde sicher eine Katastrophe werden. Aber ich hatte heute noch nicht wirklich viel gegessen. Nur ein Sandwich vorhin zwischendrin auf der Arbeit und das ist eindeutig zu wenig.
Steve scheint mein Unbehagen zu merken.
„Du musst natürlich nicht, wenn du nicht willst. Wir können dir auch gerne etwas auf dein Zimmer bringen, wenn dir das lieber ist.“
„Ich überlege es mir.“ Sage ich ausweichend. Eigentlich habe ich nur wenig Lust mit den gesamten Avengers zu Abend zu essen. Die Sache heute Morgen war schon verkrampft genug, aber abzulehnen wäre mehr als unhöflich, weswegen essen auf dem Zimmer nicht in Frage kam. Also muss ich mich wohl entscheiden was das größere Übel wird: mit einem Haufen Fremder Menschen essen oder hungrig schlafenzugehen. Schon wieder wünsche ich mir sehnlichst das Brot herbei.

Wir sind kurz davor den Eingang zu erreichen als uns eine Stimme aufhält.
„Schön, dass du meine Einladung so wörtlich genommen hast, schnell wie du wieder da bist. Ich hoffe du hast vor deiner Abreise zu Hause daran gedacht, deine Pflanzen zu gießen.“
Eigentlich müsste ich mich nicht umdrehen um zu wissen, dass diese Aussage von Tony Stark kommt. Tue es aber trotzdem und grinse ihn an. Ich finde es irgendwie charmant, dass er mir mit meiner Ausrede von heute früh kommt und beschließe ehrlich zu sein.
„Eigentlich habe ich gar keine Pflanzen. Die sind mir schon vor neun Monaten“- während meiner unfreiwilligen Abwesenheit durch die Entführung- „eingegangen und ich habe es noch nicht geschafft mir neue zu kaufen. Und bevor ichs vergesse: Vielen Dank für den Spitzenanwalt.“
Erst jetzt fällt mir der große Schwarzhaarige an seiner Seite auf und mir bleibt für einen Moment die Spucke weg. Wahnsinn, sind diese Augen Blau. Ob die Farbe echt ist? Seine Hände sind hinter seinem Rücken verschränkt, aber er ist ohne Frage durch und durch attraktiv. Seine gerade Körperhaltung, seine schlanke aber nicht schmächtig wirkende Figur. Und auch sein Gesicht sieht aus, wie das Meisterwerk eines Bildhauers.
Allerdings büßt er sehr schnell an Attraktivität ein, als mir sein mehr als kritischer und vielleicht auch leicht abwertender Gesichtsausdruck auf meine Person auffällt.
„Das ist Loki aus Asgard.“ Stellt Steve mir den Fremden vor und ich nicke kurz.
„Loki, das ist Gin…“
„…aus Hell´s Kitchen.“ Ergänze ich frech die Aussage des Blonden Soldaten. Wenn dieser Loki so geschwollen vorgestellt wurde, steht mir das gleiche zu.
„Er wohnt ebenfalls hier, allerdings im Keller.“ Setzt mich der Supersoldat ins Bild.
Ich nicke wieder in mäßiger Geschwindigkeit. Sein Name kommt mir irgendwie bekannt vor und mich interessiert wahnsinnig warum er ausgerechnet im Keller wohnt, aber mein Stolz verbietet es mir, diese Frage während seiner Anwesenheit zu stellen.
„Im Keller…wie gemütlich.“ Sage ich daher nur während ich immer noch leicht nicke. Wieso klingelt bei seinem Namen etwas bei mir?
Ich will mich gerade wieder abwenden als mir klar wird, wer dieser Kerl wirklich ist. Er war für den Angriff auf New York vor zwei Jahren verantwortlich. An dem Tag, als meine Oma den tödlichen Schlaganfall erlitten hatte und es, durch das Ganze von ihm verursachte Chaos, nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus geschafft hatte.
Sofort, und bevor ich noch wirklich darüber nachdenken kann, habe ich mich ihm wieder zu gedreht und verpasse ihm mit meiner Faust und ordentlich Schwung einen rechten Haken.
Schmerzhaftes einatmen und zischendes Luftholen der umstehenden Personen, sprich Steve, Bucky und Tony, zeugen davon, dass der Schlag genauso heftig aussah, wie er sich in meiner Hand, und hoffentlich auch auf dem Kiefer des Opfers, anfühlen.
Kurz bin ich selbst über mich schockiert. Normalerweise war Körperliche Gewalt überhaupt nicht mein Ding.
Der Schwarzhaarige, dessen Kopf nur ganz leicht zur Seite katapultiert wurde, richtete seinen Blick wieder auf mich. Nur ein kurzes Aufflackern in seinen blauen Augen deutet darauf hin, dass ihn mein Kinnhaken vielleicht auch nur annährend in irgendeiner Weise gejuckt hat.
Im Gegensatz zu mir, denn nur mit größter Mühe unterdrücke ich den Impuls meine schmerzende Hand auszuschütteln und zu pusten. Trotzdem fühle ich mich jetzt irgendwie besser. Vielleicht weil ich durch den Fausthieb, endlich etwas von dem aufgestauten Frust des Tages loswerden konnte. Trotzdem sollte ich besser nächstes Mal einen der dafür vorgesehenen Boxsäcke verwenden.
Bei seinem überheblichen grinsen, welches er jetzt zur Schau trägt, geht mir gleich schon wieder der Hut hoch. Wieso kann er überhaupt noch grinsen? War mein Schlag nicht hart genug für einen Gott?
„Du verdammter, asischer Dreckskerl!“ setze ich nach, merke aber, dass meine Stimme nicht so fest klingt wie ich es gerne hätte, und verstumme wieder. Ungewollt merke ich Tränen in mir aufsteigen und wende mich ab, bevor dies vielleicht noch jemandem auffällt.
„Eigentlich ist er gebürtiger… Wo kommst du nochmal her?“ fragt Tony seinen Nebenmann, als er sich auch schon gleich wieder mir zuwendet, ohne die Antwort des Halbgottes abzuwarten, und einfach weiterredet. „Ist ja eigentlich auch egal, wir wollen ja nicht kleinlich sein, oder?“
Anschließen beugt sich Tony Stark wieder etwas mehr zu seinem Nachbarn, welcher mich im übrigen immer noch mustert, und setzte seinen Redeschwall fort. „Ich würde sagen, sie hat schon von dir gehört und dich wiedererkannt. Vielleicht sollten wir deinen Ausflug für heute etwas verkürzen. Nicht traurig sein, schließlich war ich sowieso nur deine zweite Wahl, weil eine gewisse attraktive Schwarzhaarige nicht da ist.“ Wendet sich der Milliardär an den Halbgott, als sich auch schon eines der oberen Fenster öffnet und Natashas Kopf erscheint.
„Steve! Fury hat sich gemeldet, die Avengers werden gebraucht.“
„Oh Mann, ausgerechnet an deinem ersten Abend. Kommst du allein zurecht?“ fragt dieser mich gleich, während Tony, sein schwarzhaariger Freund und mein vorheriger Belgleiter schon ins Gebäude gehen. Es ist mir erfolgreich gelungen meine Tränen zurück Zudrängen. Ich lächle ihn kurz an. Nichts zeugt davon, wie aufgebracht ich innerlich bin.
„Sicher, ich bin schon groß, aber… vielleicht kannst du mir schnell nochmal den Weg zu meinem Zimmer erklären?“

Tatsächlich nimmt er sich die Zeit mir den Weg noch einmal persönlich zu zeigen.  Und natürlich besteht er darauf, meinen Koffer zutragen. Ganz die Alte Schule eben. Nach kurzer Zeit kommen wir an und er stellt meinen Koffer in dem gleichen Zimmer ab, in dem ich schon die letzte Nacht verbracht habe.
„Vielleicht sollte ich mir einen Lageplan malen, damit ich nicht noch öfter in Fremde Zimmer stürme.“ Scherze ich über mich selbst. Er lacht.
„Natasha und Wanda wohnen neben dir, falls du fragen hast oder hilfe bei der Orientierung brauchst. Aber für absolute Notfälle, oder wenn wir wegmüssen, so wie jetzt, gibt es auch noch Friday. Sie kann dir auch alle Fragen beantworten.“
„Ahja, wunderbar und wo kann ich diese Friday finden?“ Ihre Hilfe werde ich heute ganz sicher öfter noch brauchen, denn ich habe nicht vor den gesamten Abend in meinem neuen Zimmer zu hocken.
„Ich bin hier Miss Nolan.“ Kann ich plötzlich eine weiblich Klingende Stimme auf dem Flur, wo ich noch stehe, vernehmen, doch als ich mich suchend umschaue, kann ich niemanden entdecken. Also beuge ich mich etwas näher zu Steve, als könnte meine peinliche Frage noch irgendjemand mitbekommen, obwohl keiner weiter da ist.
„Und wo ist ‚hier‘ genau? Ich sehe keinen.“ Meine ich leise und schaue mich erneut um.
Er lächelt mich nachsichtig an.
„Du kannst sie nicht sehen. Sie ist eine künstliche Intelligenz die Tony entwickelt hat.“
Ich nicke einfach mal verstehend und tue so, als würden seine Worte für mich wirklich Sinn ergeben. Wahrscheinlich würden sie das auch in wenigen Tagen.
„Oh… und noch etwas: Vielleicht ist es besser, wenn du heute nicht in den Keller gehst solange wir nicht da sind.“ Ist das letzte was Steve sagt, bevor er mich endgültig allein lässt.
Review schreiben