Zu früh von ihnen gegangen

von BlindFate
OneshotDrama, Schmerz/Trost / P12
John Gage Roy DeSoto
01.07.2019
01.07.2019
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Hey,

soeben ist auf die schnelle aus einem Gedanken eine Idee
und aus dieser Idee ein OneShot entstanden.
Er ist höchstwahrscheinlich bei Weitem nicht perfekt und dennoch möchte ich ihn,
zumindest vorerst, so belassen.
Denn ich habe Angst, dass, wenn ich ihn jetzt noch einmal durchlese,
er das, was er in diesem Moment für mich bedeutet, verliert.
Daher bitte ich bei etwaigen Fehlern schon jetzt um Vergebung.

Nichts desto trotz wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.

Bis dahin,
BlindFate

         *****                         *****                         *****                         *****                         *****                         *****                        
Es war ein Morgen wie jeder Andere und dennoch war etwas anders.
An diesem Morgen fühlte sich der junge Paramedic John Gage nicht sonderlich wohl.

Obwohl er schon seit Wochen von dieser ständig auftretenden Übelkeit und kleineren Schwächeanfällen heimgesucht wurde, hatte es dennoch noch niemand seiner Kollegen bemerkt.
Hatte er es bis heute gekonnt vor ihnen verbergen können.
Doch damit, dass wusste er, war ab heute, so wie es aussah, wohl Schluss.

Ein Blick in den Spiegel genügte Johnny, um zu wissen, dass er es nicht mehr lange verbergen konnte, das etwas nicht mit ihm stimmte. Doch was das war, wusste er bis heute selbst nicht.
Hatte er, wie so viele Male zuvor, den Besuch beim Arzt immer weiter hinaus gezögert.

Obwohl er sich darüber bewusst war, dass er sich eigentlich hätte krankmelden und langsam wirklich mal zum Arzt gehen müssen, schob Johnny diesen Gedanken ganz schnell wieder bei Seite und machte sich stattdessen für seinen Dienst fertig.

Sein Frühstück bestand, wie die letzten Tage auch, wenn überhaupt, nur aus einem einzigen Glas Milch.
Kaffee bekam ihm schon lange nicht mehr und bei allem Anderen fing sein Magen ebenfalls schon nach relativ kurzer Zeit an zu rebellieren, weshalb er sich hauptsächlich, fast nur noch, von dieser weißen Flüssigkeit ernährte.
Zwar machte auch sie ihm inzwischen immer öfters zu schaffen, doch bei weitem nicht so sehr, wie sämtliche anderen, magenschonenden Lebensmittel, die er bereits ausprobiert hatte.

Schon kurz nach dem Frühstück, wenn man es dann wirklich als ein solches bezeichnen könnte, machte Johnny sich auf dem Weg zur Station.
Doch gestaltete sich bereits dieser als einen einzigen Kampf.
Denn entweder wurde es  Johnny zwischendurch, immer mal wieder, für den Bruchteil einer Sekunde schwarz vor Augen, oder aber seine Sicht verschwand, so, dass er dann jedes Mal seine Augen schließen und kaum merklich mit dem Kopf schütteln musste um wieder klar sehen zu können.


An der Station angekommen, führte sein Weg ihn, kaum nachdem er ausgestiegen war und er seinen Wagen verriegelt hatte, auch schon in die Umkleide, wo er, wie so oft in den vergangenen Wochen, als Erster eintraf und sich sogleich auch schon, bevor auch nur einer der anderen Jungs eintraf, sich umgehend daran machte sich umzuziehen.
Wollte er nicht, dass sie sahen, dass er an Gewicht verloren hatte.
War er vorher schon schlank gewesen, so kam nun fast schon jede einzelne seiner Rippen zum Vorschein. Dazu brauchte er sich noch nicht einmal zu Strecken. Zeichneten sie sich auch so schon, wenn er normal da stand, deutlich unter seiner Haut ab.

Als Johnny, während er sich seinen Pullover über den Kopf und gleich darauf von den Armen zog, für einen flüchtigen Moment an sich herunter sah, wurde seine Miene steif und sein Blick leer.
Erkannte er sich selbst kaum mehr wieder. Glich er fast schon nur noch Haut und Knochen.
Doch graute es ihm davor zum Arzt zu gehen und die Diagnose zu bekommen, die ihn höchstwahrscheinlich erwartete.
Denn sämtliche Symptome, die er in den letzten Wochen an sich selbst bemerkt hatte, deuteten auf nichts gutes hin.

Angefangen bei den immer wiederkehrenden Schmerzen im oberen Teil des Bauches, welche vor allem dann auftraten, wenn er aß, über die immer häufiger werdenden Schluck Beschwerden beim Essen hinweg, bis hin zu dem anhaltenden Apetitt Mangel, und ganz zu schweigen von der, inzwischen, fast dauerhaft anhaltenden Übelkeit mit immer häufiger auftretende Erbrechen und dem nicht zu übersehen den Gewichtsverlust, deutete alles auf eine doch eher gravierende Magenerkrankung hin.

Doch war seine Angst vor der Diagnose, und der daraus resultierenden Endgültigkeit, einfach zu groß, weshalb er sich sträubt zum Arzt zu gehen und sein Leben lieber im Einsatz riskierte.
Wenn er schon, seiner Vermutung nach zum Tode verurteilt war, dann wollte er lieber freiwillig bei einem Einsatz und in Ehren ums Leben kommen, als einen langsamen und qualvollen Tod zu sterben.


Gerade als Johnny dabei war den letzten Kopf seines Uniformhemdes zu zuknöpfen, wurde er von seinem besten Freund und Partner aus seinen Gedanken gerissen.
„Morgen, Kleiner... Mein ich das nur, oder bist du in letzter Zeit immer früher hier?“ scherzte Roy mit einem Lächeln auf den Lippen, während er flüchtig aus dem Augenwinkel heraus zu ihm herüber sah.
Gleichzeitig öffnete er jedoch mit einer Hand seinen Schrank und machte sich nun selbst daran sich umzuziehen.
„Ich konnte nich mehr schlafen.“ war alles, was Johnny ihm daraufhin, mit müde, auf gewisse Art und Weise, kraftlos wirkender Stimme, erwiderte.
Im Anschluss an seine Worte schloss er seinen Schrank, ließ anschließend von ihm ab und wandte sich gleich darauf, eine Hand in der Hosentasche ruhen, zum Gehen.

Genau in dem Moment, in dem er die Tür zur großen Halle aufdrückte, kamen Chet und Marco ihm entgegen.
„Morgen, Gage. Na, wieder aus dem Bett gefallen?“ wurde er sogleich auch schon von Ersterem, mit dem Versuch ihn zu necken, begrüßt, während der Letztere ihm zur Begrüßung nur knapp zu nickte.
Doch ging Johnny gar nicht erst großartig auf den Versuch seitens Chet, ihn zu ärgern, ein.
„Nein, Chet, bin ich nicht.“ war alles, was er seinem Kollege, mit leicht gereizter, fast schon bissig klingender Stimme daraufhin zu sagen hatte und setzte seinen Weg, während er sprach, lediglich aus dem Augenwinkel heraus, zu ihm herüber sehend, unbeirrt fort.

„Was ist denn mit dem los?“ wollte Chet es nun von Roy wissen. Wusste dieser, da sie auch außerhalb ihres Dienstes viel Kontakt zueinander hatten, in der Regel über alles bescheid.
Doch in diesem Fall musste Roy seinen neugierigen Kollegen enttäuschen.
Denn Johnny hatte sich in den letzten Wochen immer mehr von ihm zurückgezogen, bis ihr Kontakt sich schließlich, mit der Ausnahme von ein paar, doch recht kurzgehaltenen Telefonaten, nur noch auf ihre Dienste beschränkte.


Nachdem sich auch die Anderen Jungs alle umgezogen hatten, versammelten sie sich, nach und nach, zur morgendlichen Aufgabeneinteilung in der Küche.

Während sie alle beisammen da saßen, fiel Roy auf, dass sein Partner weder Kaffee, noch etwas anderes, trinkbares, vor sich stehen hatte.
„Willst du gar keinen Kaffee?“ erkundigte er sich daher leise bei ihm, während Hank gerade dabei war Mike und Marco ihre Aufgabe für den heutigen Tag mitzuteilen.
„Nein, ich glaub ich hab mir gestern den Magen verdorben.“ merkte Johnny sofort, dass Roy sich begann Sorgen um ihn zu machen, weshalb er ihm, wie so oft, in den letzten Wochen, etwas vorgaukelte.
„Okay,... Aber wenn es nicht besser wird, sagst du bescheid.“ sah Roy ihm, von der Seite her, von unten herauf, in die Augen.
„Ja, ja.“ gab Johnny daraufhin genervt von sich, wodurch Hank nun auf die Beiden aufmerksam wurde.
„Geht es ihnen nicht gut, John?“ merkte auch Captain Stanley ihm sofort an, dass etwas nicht stimmte.
„Ich hab mir nur den Magen gestern etwas verdorben. Es geht aber schon wieder, Cap.“ versuchte er auch ihn mit der selben Ausrede zu besänftigen, was allem Anschein auch zu funktionieren schien. Denn Hank ließ nach einem kurzen Moment, in dem er sein jüngstes Teammitglied, mit skeptischen Blick, einmal von oben bis unten betrachtet hatte auch schon wieder von ihm ab.
„Na schön, aber wenn es nicht besser wird sagen sie bescheid und gehen zum Arzt.“ war nicht nur Hank's Blick, sondern auch seine Stimme ernst.

„Ja, Cap.“ nickte Johnny ihm daraufhin knapp zu und lauschte anschließend weiter den Worten seines Vorgesetzten.


Im Laufe des Vormittags wurde Johnny, obwohl er immer noch nichts gegessen hatte, erneut von Übelkeit geplagt. Jedoch war sie dieses Mal weit aus heftiger, als die Tage zuvor, weshalb Johnny umgehend alles stehen und liegen ließ und in den Waschraum eilte.
Da Roy in diesem Moment, zum Glück, damit beschäftigt war, den Schlafsaal zu wischen, bekam er nicht mit wie Johnny, vom Umkleideraum regelrecht in den angrenzenden Waschraum hechtete und sich dort vor eine der beiden Toiletten auf die Knie warf und sich übergab.
Doch das, was er da er brach, war nichts weiter als pure Magensäure, gepaart mit etwas Blut.

Zu seinem Glück war er zu diesem Zeitpunkt alleine in dem Raum. Waren die anderen Jungs irgendwo in der Station verteilt und gingen ebenfalls, genau wie sein Partner, ihrer Arbeit nach.


Johnny brauchte einen Moment, um sich, von der plötzlichen Brechattacke, zu erholen. Wurde es ihm jetzt im Nachhinein, nachdem er sich mit dem Oberkörper wieder etwas aufgerichtet hatte, abermals schwindelig.

Gerade als er sich schließlich wieder aufgerafft hatte und wieder zurück in den Umkleideraum getreten war, ging ein Alarm auf der Station ein, welcher die gesamte Einheit 51 forderte.
Doch davon, dass dies ihr letzter gemeinsamer Einsatz werden sollte, davon ahnte zu diesem Zeitpunkt weder einer der Jungs, noch Johnny selbst etwas.


Am Einsatzort angekommen, gingen sie, wie immer, routiniert vor.
Während Chet und Marco die C-Rohre verlegte, machte Mike die Pumpen startklar.
Zur selben Zeit verschaffte Hank sich einen Überblick über die derzeitige Lage, während Johnny und Roy sich, neben ihrer Schutzkleidung, ihre Sauerstoff Ausrüstung anlegten.

Damit fertig eilten sie zu ihrem Captain, um von ihm die nächsten Befehle entgegen zu nehmen. Doch schon da fiel Johnny hinter Roy zurück.
Doch spielte er seinen Zustand, als er von Hank darauf angesprochen wurde, abermals herunter und tat so, als wenn nichts wäre.
Dabei ging es ihm in Wirklichkeit miserabel. Doch ging ihm das Wohl der Anderen, in diesem Falle das der Opfer, welche sich noch in dem brennenden Gebäude befanden vor.
Daher unterdrückte er die immer stärker werdenden Schmerzen in seinem Oberbauch und ging stattdessen seiner Aufgabe nach, die daraus bestand, die Opfer heil aus dem brennen Gebäude heraus zu holen.

Immer und immer wieder eilten Roy und Johnny in das Gebäude herein, während ihre Kollegen versuchten, die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Schließlich hatten sie die letzte vermisste Person, bei der es sich um ein kleines Kind handelte, gefunden und waren gerade dabei dieses nach draußen zu bringen, als Roy hinter sich nur einen dumpfen Aufschlag vernahm.
Sofort hielt er in der Bewegung inne und drehte sich, das Kind auf dem Arm haltend, abrupt zu seinem Partner, welcher sich eigentlich hätte direkt hinter ihm befinden müssen um.
Doch stattdessen erblickte er Johnny, wie er reglos, von Flammen umringt, auf dem Boden des, vom Einsturz gefährdeten, Gebäudes lag.
„Johnny!“ drang es voller Entsetzen aus seiner Kehle, doch reagierte sein bester Freund und Partner nicht auf seine Worte.

Roy zögerte nicht lange.
Ohne großartig darüber nachzudenken eilte er zu Johnny zurück, warf ihn sich irge die über die Schulter und eilte anschließend, dass Kind nach wie vor in einem Arm haltend, nach draußen.

Dort angekommen kümmerte er sich umgehend um seinen Partner während das Kind von den Jungs einer anderen, von Captain Stanley zur Unterstützung angeforderten, Einheit behandelt wurde.


So schnell es nur irgendwie ging wurde Johnny innerhalb kürzester Zeit ins Rampert gebracht. Doch das Einzige was sie dort noch für ihn tun konnten war, nach gescheiterter Behandlung, herauszufinden, warum er so früh hatte von ihnen gehen müssen. Warum er so früh hatte sein Leben lassen müssen.

„Es tut mir leid, Roy,... Ich wünschte, wir hätten mehr für ihn tun können...“ war es Dr. Bracketts, äußerst gefasste, Stimme, die schließlich ertönte und somit die vorherrschende Stille im Aufenthaltsraum durchbrach.

„Woran ist er gestorben, Doc?“ war Roy's Stimme zwar bedeckt, dennoch fast schon tonlos. Konnte er es, ebenso wie die restlichen Jungs der Einheit 51, welche sich ebenfalls dort, in diesem Raum, versammelt hatte, noch immer nicht fassen, dass sein bester Freund und Partner, dass ihr aller Freund und Kollege vor wenigen Stunden, von jetzt auf gleich, gestorben war.

„So wie es aussieht, hatte Johnny Magenkrebs im Endstadium. Der Tumor ist, allem Anschein nach, durch die Magenwand gebrochen und hat eines der Hauptblutgefäße umschlungen. Dieses ist wohl perforiert, so dass...“ konnte Kel seinen Satz nicht beenden, wurde er von Roy unterbrochen.
„Er ist innerlich verblutet.“ kam es daraufhin, fast schon, trocken aus seiner Kehle. Stand er nach wie vor unter Schock, so, dass er es, genau wie die Anderen, noch nicht richtig realisierte was geschehen war.
„Ja...“ drang es, als Antwort auf die Worte des erfahrenen Paramedics hin, einem Seufzen gleich, aus Kel's Kehle. „... Sie sollten zur Station zurück, oder nach Hause fahren... Ich habe Sie für den Rest der Schicht freistellen lassen... Sobald sein Leichnam freigegeben ist, lasse ich es sie wissen...“ damit ließ der Arzt seinen Blick einmal quer durch die Runde schweifen, ehe er sich, eine Hand in die Tasche seines Kittels steckend, zum Gehen wandte.

Kurz darauf verließ er auch schon den Raum, während die Jungs, in Unglaube und nur langsam zu ihnen durchdringend Trauer, alleine zurück blieben.



Es dauerte einige Tage, doch dann war es schließlich soweit. Die Beerdigung des viel zu früh verstorbenen Paramedics John Gage stand bevor.
Für die Jungs war es, nach wie vor, schwer zu verstehen, nahezu unbegreiflich, wie es dazu hatte kommen können, dass sie nun versammelt an dem Grab ihres Freundes und Kollegen standen.
Doch ändern konnten sie es nicht. Sie mussten sich irgendwie mit dem Verlust abfinden. Und das Einzige was ihnen dabei half, war die Gewissheit, dass Johnny im Einsatz und somit mit Ehren gestorben war.

„Lebe wohl, mein Freund... Eines Tages werden wir uns wieder sehen, da bin ich mir sicher...“ verabschiedete Roy sich, im Namen Aller, von ihrem Freund und Kollegen, der viel zu früh von ihnen gegangen war.
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