Nos Âmes Sont

GeschichteDrama / P18 Slash
29.06.2019
09.11.2019
35
94420
40
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Dieses Kapitel
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Herzlich Willkommen zu meiner neuesten Geschichte „Nos âmes sont“.
Lange habe ich nichts von mir hören lassen...

Diese Geschichte ist eines meiner Herzensprojekte, daher bin ich auch etwas nervös sie hier zu präsentieren.
Dennoch möchte ich sagen: Sie ist reine Fiktion. Einiges stimmt exakt mit den Ereignissen der damaligen Zeit überein, anderes habe ich aufgrund der Dramaturgie kurzerhand geändert. Falls jemand ein geschichtlich exaktes Werk sucht, kann er mich anschreiben, ich kann auf jeden Fall einige Bücher nennen, aber bei meiner Geschichte ist er oder sie leider falsch.

„Nos âmes sont“ handelt primär nicht vom Krieg. Auf keinen Fall möchte ich Kriegsgeschehnisse oder das Naziregime verherrlichen und auch Ausdrücke, die verwendet werden, sind nur dazu gedacht, eine möglichst realistische Situation für den Leser/die Leserin zu schaffen.

Sie handelt vielmehr von Menschen. Von den 40.000 Soldaten, die in engen Blechbüchsen in den Krieg geschickt wurden, die meisten nicht älter als 25 Jahre. Von den Umständen, die sie ertragen mussten, immer in dem Wissen, dass sie vermutlich nie wieder in die Heimat zurückkehren würden – 32.000 Männer starben.
Und vor allem handelt es von einer unmöglichen Liebe, die trotzig alle Grenzen überschreitet.

Ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben. Da die ganzen Bezeichnungen und Kommandos der Marine doch recht kompliziert sind und sehr viele Personen in dieser Geschichte auftreten, werde ich immer ein kleines Lexikon anhängen, das laufend erneuert wird.

Viel Spaß,
Mia



Prolog:

1941

Es war ein warmer Dienstag, Ende März des Jahres 1941, als Paul Winter Joachim Jensen zum ersten Mal traf. Ein kurzes Salutieren, ein warmer, fester Händedruck, ein Blick aus eisblauen Augen, der ihn aufmerksam taxierte, nicht unfreundlich. "Sie werden also ab jetzt zur U 130 gehören", stellte der U-Boot-Kapitän Jensen fest, seine Stimme war ruhig, hatte eine angenehme Wärme und ließ Pauls anfängliche leichte Nervosität verfliegen.

Kein Vergleich zu seinem alten Kapitän Wilhelm Schulte, einem grob gebauten Mann, mit einem nervösen Zucken des linken Augenlids, der dafür bekannt war, Frachtschiffe bis zum bitteren Ende zu verfolgen und zu versenken. An Land hatte Paul ihn nie nüchtern erlebt, auf seinem Boot ließ er sich selbst und seiner Mannschaft nicht einen Fehltritt durchgehen. Doch sein eisernes Verfahren zeugte von großem Erfolg - im vorherigen Monat hatte ihm der Befehlshaber deutscher U-Boote das Ritterkreuz verliehen.

Dieser kam jetzt zu ihnen herüber, seine laute Stimme röhrte schon aus fünfzig Metern Entfernung: "Joachim!", Paul konnte sehen, dass ihm die letzten zwei Monate an Land nicht gut bekommen waren - Schulte hatte einiges zugelegt, seine Nase zeugte durch zahlreiche geplatzte Äderchen vom wahrscheinlich durchgehenden Saufgelage, dass der U-Boot Kommandant durchgeführt hatte.

"Passen's mir ja gut auf den Jungen auf", er schlug mit seiner großen Pranke auf Pauls Schulter. Kapitänleutnant Jensen begrüßte ihn mit einem freundlichen Lächeln: "Wilhelm, schön, dass wir gemeinsam auslaufen." Dieser überging seine Begrüßung komplett: "Das is echt 'n Guter! Ohren wie ein Luchs, der Bursche. Hat uns schon einige Male den Arsch gerettet!" "Wir sind sehr froh, Sie an Bord zu haben", schloss Jensen sich an und sah Paul in die Augen. Dieser lächelte ein wenig, ordnete seine Uniform und nickte in Richtung des U-Bootes U 130. "Ich sollte dann mal...  Herr Kaleun", richtete er das Wort noch einmal an seinen alten Kommandanten und salutierte. "Alles Gute, Winter", Schulte blickte ihm fast wehmütig nach.

Sie beide verband eine lange Zeit an Bord des U-Bootes U 157, zwei Jahre lang hatten sie zahlreiche Schlachten durchgestanden und waren immer heiler Haut rausgekommen. Doch nun hatte der Befehlshaber deutscher U-Boote den Wechsel zum Boot U 130 persönlich veranlasst, da dessen Kapitänleutnant – kurz „Kaleun“ - Jensen auf seiner letzten Ausfahrt zwei seiner Besatzungsmitglieder auf tragische Weise verloren hatte.

Nun würden U 130 und U 157 gemeinsam auslaufen und auf Amerikakurs gehen - doch Paul würde an Bord der U 130 seiner Arbeit nachgehen.

"Na, dann wollen wir mal", meinte Kaleun Jensen leise hinter Paul und trat neben ihm auf sein Boot, wo seine Männer schon strammstehend warteten.

"Morgen Männer!", er schritt die Reihe ab. Paul bemerkte eine Bewegung an seiner Seite und erblickte einen jungen Mann in tadelloser dunkelblauer Uniform, die die goldene Stickerei eines Unteroffizieres zeichnete. Das musste der andere Neue an Bord sein.

"Wir haben zwei neue Männer in unserer Mannschaft. Das sind Obersteuermann Arno Wolff und unser neuer Funkermaat Paul Winter."

Die Männer schwiegen, vereinzelt sah man interessierte Blicke zu ihnen wandern, die Aufmerksamkeit war aber ihrem Kaleun sicher.

"Klar zum Ablegen?" "Jawoll Herr Kaleun!", die Männer antworteten wie aus einem Mund. "Auf Manöverstation!"



1962

Jeder kannte Joschi Ströbele. Groß gewachsen, die blonden, leicht gelockten Haare kunstvoll in alle Richtungen frisiert, hatte er schon in seinem ersten Studienjahr 1959 zu den Musterstudenten der Freien Universität Berlin gehört. Doch seine wirkliche Bekanntheit, seinen wahren Ruhm, hatte ihm seine Flucht aus der DDR im letzten Jahr gebracht, eine Geschichte, die bei jedem Erzählen noch spannender, noch heldenhafter wurden.

Kurz gesagt – Joschi Ströbele war Annelie Winter von Anfang ihres Studiums ein Begriff. Oft sah sie ihn in der Mensa auf einem Tisch sitzen, im Kreis seiner Bewunderer, die nicht nur weiblich, sondern durchaus auch männlichen Geschlechtes waren. „Jesus beim Abendmahl“, lachte ihre Freundin Marlies sehr oft, wenn sie ihn so sitzen sah, dennoch hatten auch sie beide eins ums andere Mal an seinem Tisch gesessen und wieder und wieder seine Flucht miterlebt – wie er ganz allein mit 20 Jahren beschlossen hatte Vater und Mutter in der DDR zurückzulassen, staatstreue Bürger, die eigentlich nichts zu fürchten hatten und sich dann im Kofferraum eines westlichen Käfers versteckt hatte und so heimlich über die Grenze gebracht worden war. Manchmal war von Spürhunden die Rede, ein anderes Mal von peinlichen Toilettengängen – dennoch, sie alle sogen seine Geschichten auf.

Joschi Ströbele war für Annelie eine dieser unnahbaren Gestalten, die in ihrer eigenen Welt lebten und mit ihr selbst nichts zu tun hatten.

Bis er eines Tages direkt vor ihr in der Mensa stand, die Hände locker in die Hosentaschen gesteckt: „Du bist Annelie Winter, nicht wahr? Ich glaube, ich habe etwas, das für dich von Bedeutung sein könnte.“





LEXIKON

Offiziere:

Kapitänleutnant – höchste Instanz an Bord, verantwortlich für alle Entscheidungen, auch: „Kaleun“, „Kommandant“, „Kapitän“

U 130: Joachim Jensen
U 157: Wilhelm Schulte

Unteroffiziere:

Obersteuermann – Steuermann des U-Bootes, Berater des Kaleuns in seemännischen Fragen, hält über Wasser mit drei anderen Männern die dritte Wache, um feindliche Flugzeuge oder Frachtschiffe (Geleitzüge) frühzeitig zu erkennen, für die Beladung des Bootes zuständig

U 130: Arno Wolff

Funkermaat – „Ohr“ des U-Bootes, unerlässlich zum Aufspüren von Schiffen und in Gefahrensituationen, empfängt und versendet alle Funksprüche, legt Musik und Platten auf, zuständig für Enigma

U 130: Paul Winter

Mannschaft:

Technisches und seemännisches Personal, Smutje (Koch)



BdU: Befehlshaber der deutschen U-Bootflotte, 2. Weltkrieg: Karl Dönitz
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