Travis: Sohn eines Vampirs

von Zyves
GeschichteFantasy / P16
Vampire
29.06.2019
10.10.2019
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Als sie auf die Bühne ging, erkannte ich Ester, das Mädchen mit dem Vampir-Freund. Sie hielt ihm die Hand hin und er nahm sie, dann schloss er die Augen. Als er sie wieder öffnete wirkte er sehr weit weg und seine Augen waren nicht mehr blau, sondern rot. Dabei erschreckte mich nicht die Tatsache, dass seine Augen nun rot waren, sondern das ich es erkannte. Seine Augen flackerten und ich hatte das Gefühl, dass seine Aura sich verändert hatte. Nach einiger Zeit, es konnten Sekunden, aber auch Minuten sein, blinzelte er und sah wieder aus wie vorher, nur das er etwas bedrückt aussah. „Du hast einen Freund, er ist ein Vampir und du wirst ihn irgendwann erwischen, während er dich betrügt“ Ester starrte ihn an, ungläubig, verletzt. Er seufzte, bevor sie etwas sagen konnte. „Ich habe dir gesagt, dass es sein kann, das es dir nicht gefällt. Aber das ist nicht alles was ich gesehen habe. Ich habe auch noch etwas positives, freue dich auf einen Maskenball, denn dort wirst du deine große Liebe treffen“, nun lächelte und Ester wirkte doch tatsächlich skeptisch. „Das ist ziemlich Klischeehaft“, bemerkte sie und Linus grinste. „Dein Leben ist nun mal so, da kann ich nichts für“ Damit sah er in den Saal, deutete Ester dabei beiläufig sich wieder zu setzten.
„Möchte noch wer?“, fragte er und fixierte mich. Ich ahnte nichts Gutes, denn obwohl sich ein paar Andere meldeten, hörte ich meinen Namen. „Travis, bitte komm doch nach vorne. Ich habe schon einiges von dir gehört“ Es wurde wieder getuschelt. Ich hörte immer wieder meinen Namen aus verschiedenen Mündern, während ich nach vorne ging. Ich hasste dieses Gefühl. Es erinnerte mich an einen Talentwettbewerb bei dem Hannah mich angemeldet hatte ohne es mir zu sagen. Ich war so aufgeregt, dass ich keinen Ton spielen oder singen konnte. Josh und ich tauschten als ich auf die Bühne ging einen Blick, irgendwie hatte ich das Gefühl er war gerade der Einzige, der mich verstehen konnte. Linus riss sich meine Hand schon fast unter den Nagel und mir wurde noch mulmiger zu mute. Seine Augen wurden wieder rot und flackerten, sein Griff wurde schon fast schmerzhaft und mir schnürte sich die Kehle zu. Egal was er sah, ich wollte es nicht wissen. Doch als er wieder da war, blickten seine blauen Augen mich undeutbar an.

„Bist stets in Gefahr,
der Tod ist dir nah.
Du bist was geschah,
fast unbesiegbar.
Ist die Liebe klar,
Veränderung wird wahr“

Ich hörte die Worte und wusste nicht was ich dazu sagen sollte. Es war ein Gedicht und kein Beruhigendes. Unsicher sah ich ihn an, doch es schien nicht als würde er seine Wort erklären wollen und nach einigen Schock Sekunden fing das Gemurmel an. Ich sah wie Paulus etwas zu Josh sagte und der das Gesicht verzog, dann jedoch nickte. Josh stand auf und kam ebenfalls auf die Treppe. „Alle außer Jasper, Lex, Paulus und Veronika, vergesst das Travis auf die Bühne geholt wurde und was gesagt wurde“ Er deutete mir, mich wieder zu setzten und ich ging schnell wieder auf meinen Platz, Jasper und ich tauschten einen Blick aus, er wirkte ähnlich beunruhigt wie ich. Dann setzte Linus wieder da ein, wo er eigentlich mich aufgerufen hatte. „Du, in dem blauen T-shirt“, er deutete auf ein weiteres Mädchen, das sich vorhin wahrscheinlich gemeldet hatte. Ich hörte nicht zu was er ihr sagte, zu sehr beschäftigten mich seine Worte. Ich sagte es in Gedanken immer wieder auf. Bist stets in Gefahr, der Tod ist dir nah. Das war irgendwie ziemlich eindeutig, wenn auch die wohl beängstigendste Passage. Du bist was geschah, fast unbesiegbar. Was sollte das bedeuten? Ich bin was geschah? Jeder war doch seine Vergangenheit oder nicht? Aber was sollte dieses „fast unbesiegbar“? Es wurde zwar vermutet das ich besonders stark bin oder werde, aber unbesiegbar? Dieses Wort ist so stark, vielleicht war es Zufall, aber wenn Linus Gabe so stark war, wie er behauptete, dann glaubte ich jedes Wort hatte einen Sinn. Das „fast“ ließ mich erschaudern, jedes Mal. Wieso war mir plötzlich so mulmig das ich irgendwann sterben würde? Früher hatte ich keine Angst vor dem Tod. Ich hatte manchmal sogar die Gefahr gesucht, aber nun… machte mir der Gedanke eine solche Panik, dass ich kurz die Augen schloss um mich zu beunruhigen.
Jasper beugte sich zu mir. „Ich verstehe nur diesen Liebes Part nicht, was soll das bedeuten? Welche Liebe, wieso muss sie klar sein? Was ist damit gemeint? Und welche Veränderung und wie kann eine Veränderung wahr werden?“ Jemand neben mir räusperte sich, Anton. „Kommt ihr Zwei bitte mit?“, sein Ton war nicht freundlich und ich hatte das Gefühl man konnte seine schlechte Laune fast riechen. Wir folgten ihm raus, im Flur standen auch Josh, Lex, Linus und Paulus. Die Stimmung war drückend. „Was ist los?“, fragte ich schließlich und Anton knurrte fast. „Darüber reden wir nicht hier. Lex, du trägst Travis. Paulus, du Jasper“ Wir kamen nicht dazu zu protestieren, denn die Zwei packten uns bereits und schon klammerte ich mich um Lex Hals, nachdem er mir so plötzlich unter die Beine gegriffen hatte. Das letzte Mal, dass mich jemand Huckepack genommen hatte war schon Jahre her und das war so surreal. Josh lächelte. „Haltet euch fest Jungs, es wird windig“ Dann liefen er und die Anderen los, ich sah sie noch vor meinen Augen verschwimmen, ehe ich selber Wind ins Gesicht bekam. Zuerst sah ich gar nichts mehr. Doch dann gewöhnten sich meine Augen daran und mein Kopf schaltete sich aus. Es war schön. Ich mochte die Geschwindigkeit, doch mir wurde mulmig als ich den Palast sah. Erst in einem Raum tief im Palast wurden wir langsamer und schließlich runtergelassen.
Elena, mein Vater und ein Mann den ich nicht kannte, standen mit verschränkten Armen da. Elena wirkte wütend und sie ging stürmisch auf Linus zu. „Was hast du dir dabei gedacht?! Wir hatten besprochen, dass du ihn in Ruhe lässt. Das du deine Neugier zügelst!“ Der Vampir wirkte gelassen. „Du bist zwar die Königin, aber mir hast du nichts zu sagen Elena und das hat nichts mit dir zu tun“ „Womit dann? Kannst du dich nicht einmal raushalten?“, fragte sie energisch und Linus hatte den Gesichtsausdruck, als würde er mit einem Kind diskutieren. „Elena, es ändert nichts, ob ich vorbeikomme oder nicht. Dinge, die ich sehe, passieren. Ich und meine Visionen werden nicht weniger wahr, nur weil du mich nicht siehst“ Ich bekam das Gefühl, dass es hier um weitaus mehr ging als das mit mir gerade. Mein Vater räusperte sich. „Können wir vielleicht auf das Zurückkommen was gerade relevant ist? Mein Cousin hat nur erwähnt, dass es eine Gedicht-Prophezeiung gab, aber nicht wie sie lautet“ Sein Cousin? „Ach dir haben wir das hier zu verdanken, gut gemacht Paulus“, brummte Linus und ich erstarrte. „Warte, Paulus und du sind Cousins?“, fragte ich meinen Vater und der mir fremde Mann, wirkte nun amüsiert. „Paulus verschweigt gerne, dass sein Onkel der Mann der Königin ist. Ich bin John, dein Großvater“, er lächelte mich an und hielt mir eine Hand hin, die ich ergriff. Es kam mir komisch vor das sich ein Mann, der aussah wie Mitte 30, sich als Großvater bezeichnete. Unheimlich wie wenig man Vampiren das Alter ansah. „Gut, da wir das geklärt haben, kommen wir auf das Gedicht zurück“, schnaubte Paulus und ich sagte es wieder auf. „Bist stets in Gefahr, der Tod ist dir nah. Du bist was geschah, fast unbesiegbar. Ist die Liebe klar, Veränderung wird wahr“ Sie starrten mich an. „Was soll das bedeuten?“, fragte mein Vater an Linus gewandt, der mit dem Rücken an eine Wand gelehnt stand. „Das was die Worte sagen. Es ist ziemlich eindeutig“, die Aussage wirkte arrogant, weil er damit sagte, dass wir anderen dumm sind. „Das meinst du nicht ernst“, Anton wirkte etwas wacher und ich meinte Panik in seinen Augen zu sehen, während alle anderen nichts verstanden. Linus lachte auf. „Wieso sollte ich über etwas lügen, auf das ich schon so lange warte?“, er sah nun mir direkt in die Augen. „Es ist schwer in die Zukunft zu sehen, denn du weißt das es passieren wird, aber du wartest immer darauf, wann es denn nun endlich soweit ist“ „Warte worüber sprechen wir hier gerade?“, fragte ich entgeistert und Jasper legte mir beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Das ist nicht wich…“, sagte Elena doch ich unterbrach sie. „Das ist nicht wichtig?! Wie bitte? Es klingt gerade danach, als hätte Linus schon vor sehr langer Zeit eine Vision von mir gehabt und das soll nicht wichtig sein?!“ „Travis, beruhige dich“, meinte Anton, nun plötzlich sehr sanft. „Lasst den Jungen, er hat das Recht wütend zu sein“, ergriff Linus energisch für mich Partei. „Das streitet auch niemand ab“, meinte John diplomatisch und es wurde kurz geschwiegen. „Hattest du wirklich schon vorher Visionen von mir?“, fragte ich schließlich dennoch und Linus schmunzelte. „Vielleicht. Solche Visionen sind nicht eindeutig, zumindest nicht bei mir. Ich habe etwas gesehen, habe aber kein Gesicht dazu. Ich weiß nur, dass es bedeutend war und ein Adliger Halbvampir damit zutun hat“ Er verschwieg etwas. „Wenn es so bedeutend war, dann hast du es nicht vergessen“, stellte ich fest. „Was genau brauchst du nicht wissen, was du aber wissen musst und was meine Worte erklärt, ist die Tatsache, dass es einige alte Vampire gibt, die meine Vision kennen und nicht einverstanden damit sind. Sie dachten sie haben dafür gesorgt, dass meine Vision nicht wahr wird, aber sie haben noch nie verstanden wie Prophezeiungen funktionieren. Wenn sie mitbekommen, dass du eventuell der aus meiner Vision bist, dann werden sie versuchen dich zu töten“ „Also werde ich verfolgt, weil ich eventuell in einer komischen Vision war und ich ein Halbvampir bin, der zum Adel gehört?“ „Travis, verstehst du wieso es so wichtig ist, dass es noch nicht bekannt ist das du existierst?“, fragte Anton und ich schnaubte. „Das wusste ich vorher auch. Aber was ist es was diesen alten Vampiren so sehr widerstrebt?“ „Was ist es das du dir am meisten wünschen würdest in Bezug auf die Vampirwelt?“, fragte mich mein Vater. Die Antwort war einfach. So einfach das ich ihn einfach nur anschwieg. Während mich alle anschwiegen klingelte mein Handy. Es war unangenehm laut und ich kramte es schnell aus der Tasche, nicht ohne mich zu wundern wer mich gegen Mitternacht anrief. Tyres.
Ich nutzte die Chance aus dieser Situation zu flüchten und ging kurz auf den Flur, nicht ohne zu hören, dass sobald die Tür zu ging, große Diskussionen los gingen. „Ty, was gibt’s? Hast du eine Ahnung wie spät es ist?“ „Doch, aber da man dich ansonsten nicht erreicht, dachte ich mir ich ergreife besondere Maßnahmen“, seine Stimme war vorwurfsvoll. „Es tut mir leid, ich hab tagsüber echt keine Zeit, ich hab mein Handy meistens auch nicht bei mir“, log ich und es tat mir unglaublich leid. „Das ist kein Grund mich nicht um 20 Uhr anzurufen… das ist wohl kaum zu spät oder? Ich verstehe doch das du dich aufs Gesundwerden konzentrierst, aber du bist wie ausradiert. Du meldest dich ja nicht nur nicht bei mir, sondern auch nicht bei Timo, Hannah oder deiner Mom“ „Ich hab keinen Grund mich bei Hannah zu melden“, meine Stimme spiegelte den Stich in meinem Herzen wieder und er hörte es auch. „Ich weiß, aber bei uns Anderen solltest du dich melden. Du weißt nicht was hier aktuell los ist“ „Was ist denn los?“, ich hatte eigentlich keine Zeit dafür, aber es kam mir falsch vor nicht zu fragen. „Timo läuft Hannah hinterher und macht den Nice-Guy und Hannah kotzt sich doch tatsächlich bei mir aus! Bei mir! Deine Mutter hat unglaubliche Augenringe, als hätte sie seit du weg bist noch kein bisschen geschlafen“ Mich überkam ein unglaubliches schlechtes Gewissen. „Das hat Mom am Freitag gar nicht erwähnt“, murmelte ich und Ty schnaubte spöttisch. „Natürlich nicht, deine Mom möchte das du dich auf dich konzentrierst“ Ich spürte seine Wut durch das Telefon, es lag in seinem Unterton in der Stimme. „Wie geht es dir, Ty?“, ich hatte das ungute Gefühl bei ihm lief irgendetwas nicht gut. Er schwieg kurz, ehe er anfing zu erzählen. „Mein Vater hat heute Abend die Dreistigkeit gehabt sich wieder an meine Mutter ran zu machen und sie ist auch noch drauf eingegangen. Ich verstehe einfach nicht wie sie das tun kann!“ „Ty, atme erst mal tief durch. Ich verstehe das du wütend bist, dein Dad ist ein Arsch, aber sich darüber aufregen bringt doch nichts“, versuchte ich ihn zu beruhigen und ich hörte seinen Atem zittern. „Ich kann das nicht noch mal, Trav.“ „Rede mit deiner Mom, sag ihr wie du dich damit fühlst. Wie hast du das überhaupt mitbekommen?“, fragte ich und er seufzte. „Ich hab sie gesehen als ich nach dem Training nach Hause gekommen bin… und später gehört. Gott sei Dank ist meine Schwester bei einer Freundin“ „Sprich morgen mit ihr, vielleicht war es auch nur eine einmalige Sache, du weißt Gefühle… machen einiges Kompliziert“, versuchte ich ihn zu besänftigen. „Ja aber ich verstehe es einfach nicht“, jammerte er und ich musste lachen. „Ja, das kenne ich“ Die Tür öffnete sich und Jasper sah mich fragend an. „Du ich muss auflegen“, murmelte ich und bei Tyres schienen die Alarmglocken zu läuten. „Was ist los? Geht’s dir gut?“ „Ja mir geht’s gut, ich bin einfach unglaublich müde. Ich rufe dich morgen an okay?“ Ich hörte ihn tief ein- und ausatmen. „Gut, bis morgen. Gute Nacht“ „Gute Nacht“, sagte ich und legte damit auf.
„Dir ist schon klar, dass du mich da in der Hölle gelassen hast oder?“, fragte Jasper als ich ihm wieder rein folgte und mich alle finster anstarrten. „Ich glaube du musst deine Prioritäten überdenken“, meinte Elena und ich sah sie erstaunt an. „Ich habe noch ein Leben außerhalb von hier und du kannst nicht von mir erwarten, dass ich sie nach etwas über einer Woche komplett ignoriere und vergesse! Es ist schon schlimm genug für mich meine Freunde und meine Mom anlügen zu müssen, aber wenn ich jetzt einer unnötigen Diskussion beiwohnen muss, die eh zu nichts führen wird, anstelle fünf Minuten mit einem Freund zu telefonieren, dann tut es mir leid. Dann braucht ihr mich gar nicht erst zu so etwas dazu ziehen. Ihr verschweigt mir Dinge, Dinge die eventuell mein ganzes unsterbliches Leben betreffen. Wenn ihr nicht mit offenen Karten spielt, dann könnt ihr von mir keine ganze Hingabe erwarten. Mal abgesehen von der Tatsache das ich gerade mal eine Woche hier bin.“ „Das erwartet auch niemand“, sagte mein Vater, doch ich sah in seinen Augen, das er wusste das er lügt, denn danach sah er strafend seine Mutter an. Sie seufzte. „Es ist aktuell alles sehr kompliziert“, sagte sie und Linus lachte. „Das ist nichts neues, an der Spitze ist es immer schwierig. Aber kein Grund einen 16 jährigen darunter leiden zu lassen. Ich bin mir sicher der Junge gibt sein Bestes um eure Erwartungen gerecht zu werden“ Anton schnaubte. „Jetzt halt doch mal den Rand! Tu nicht so als wärst du der Heilige, der ihn versteht“ Ich sah wie Josh amüsiert den Kopf schüttelte. „Ihr seid wirklich lächerlich, uralt und trotzdem wird hier noch wie im Kindergarten gestritten“, sagte er und es erstaunte mich, dass er sich so einen Kommentar mit 19 erlauben konnte. „Josh hat Recht, das hier ist etwas anderes“, sagte John und mein Vater strich sich mit der Hand durchs Gesicht. „Was müssen wir denn überhaupt noch besprechen? Wir wissen nicht ob Travis der aus der Prophezeiung ist und seine eigene klingt in der Situation nicht ungewöhnlich. In Gefahr schwebt er eh“ „Travis, Jasper, ihr könnt mir Josh und Lex gerne nach Hause“, sagte Elena und dann wand sie sich nochmal an Linus. „Mit dir habe ich aber dennoch noch ein Hühnchen zu rupfen“ Er grinste breit. „Versuchs nur Elli, Versuchs nur“ Ihre Augen glühten rot auf, was sein Lächeln noch breiter werden ließ. Mein Vater folgte uns aus dem Raum.
„Travis kann ich noch einmal kurz mit dir sprechen?“, fragte er und ich folgte ihm in einen leeren Raum. „Was ist denn?“ „Ich widersetzte mich jetzt sowohl meiner Mutter als auch Anton, aber ich möchte das du verstehst wieso diese Stimmung geherrscht hat. Wie du schon weißt ist Linus ein sehr alter Vampir. In dem Alter bilden sich manche Vampire ein, eine besondere Stellung und damit besondere Rechte zu haben, andere Alte haben sie auch wirklich. Zu denen gehört Linus. Er macht schon lange das was ihm gefällt und gesellt sich immer wieder dann zum Adel, wenn es ihm gerade passt. Das vorletzte Mal, war kurz vor Marcellus Tod“ „Marcellus ist Elenas Vater oder? Der ehemalige König?“, fragte ich und Antonius nickte. „Linus sagt, er habe Marcellus gewarnt. Doch er hat nicht gehört, viele mächtige Vampire haben Linus unterschätzt. Marcellus hat nicht auf ihn gehört und ist zusammen mit seiner Frau in einen Hinterhalt geraten. Meine Mutter war damals frisch 18. Sie und Anton sind Linus gegenüber nicht sehr neutral. Sie kriegen es nicht aus ihrem Kopf und geben irgendwo ihm die Schuld dafür, obwohl er nur der Bote war. Anton weiß, dass ohne ihn unsere gesamte Blutlinie tot wäre. Eigentlich hatte Marcellus vor auch all seine Kinder mit zu nehmen, hat es aber doch gelassen“ „Aber wieso hasst Anton ihn dann so? Er ist doch sonst nicht so irrational, oder? So hatte ich ihn nicht eingeschätzt“, wollte ich wissen und mein Vater seufzte erneut. „Anton war anfangs in einer ähnlichen Situation wie du, wie du ja schon weißt hat Anton den Thron abgelehnt. Das hatte mehrere Gründe, unteranderem spielte eine Frau eine Rolle dabei“ „Sie haben sich um eine Frau gestritten?“, ich runzelte die Stirn, auch das war komisch, wenn das nach so langer Zeit immer noch Ärger hervorruft. „Nicht direkt, aber eine Vision von Linus soll Schuld gehabt haben, warum die Frau an die Anton interessiert war, ihm keine Chance gegeben hat“, erzählte er und ich seufzte. „Der Mann hat aufgrund seiner Visionen viele Feinde“ „Ja und er nutzt sie gekonnt um einen zu manipulieren. Im Adel fragen sich nicht wenige, ob seine Manipulation nicht der Grund dafür ist, dass seine Visionen immer stimmen“, er verdrehte die Augen. „Manche unterschätzen und andere überschätzen ihn“, stellte ich fest und er lachte kurz. „Ja, er ist sehr verhasst aber ein kluger Kopf und hat Interesse an dir. Also bitte sag mir, was er alles außer dieses Gedichtes zu dir gesagt hat“ „Er hat was von Blut vermischen geredet und einer großen Wende. Was passieren würde, wenn sich alle großen Familien wieder vereinen oder so, verstehst du was davon?“, fragte ich nach und er schüttelte den Kopf. „Mir wurden viele Sachen auch noch nicht gesagt, aber Linus weiß es sehr genau, er verheimlicht uns etwas und das gefällt mir nicht“ „Das denke ich auch und mein Verdacht das sich das alles wirklich um mich dreht wird immer stärker. Weißt du irgendwas über diese adliger Halbvampir Prophezeiung, oder zumindest mehr als du vor den anderen hast durchblicken lassen?“ „Es geht um einen adeligen Halbvampir, der König wird und die Vampirwelt verändert, Gleichberechtigung zwischen Vampiren und Halbvampiren, offenes Leben vor den Menschen“ „Gab es damals den Verdacht, dass Anton der Halbvampir ist?“, hakte ich nach und Antonius entglitt das Gesicht. „Nein, weil er nicht von allen großen Familien abstammt. Wahrscheinlich meinte Linus das“ „Warte und das tue ich?“, fragte ich nach und er deutete mir zu folgen.
Jasper, Josh und Lex saßen mitten aufm Flur, auf dem Boden. Es sah lächerlich aus. Mein Vater sah mich an und dann meine Freunde. „Entweder ihr kommt mit oder ihr geht alleine. Das kann noch dauern“, sagte er und die drei standen direkt auf und wir folgten meinem Vater in einen großen Salon, einem Salon an dem eine Wand mit einem riesigen Stammbaum bemalt worden ist. Eine Stelle noch ganz Farbintensiv, dort stand mein Name. „Worum geht es?“, fragte Jasper, doch mein Vater ignorierte ihn. „Ich habe eben nicht daran gedacht, was mit dem Blut vermischen gemeint sein kann, aber nun ist mir doch etwas eingefallen. Es gab im Adel kaum eine Regel bei der Partnerwahl, bis auf eine besonders wichtige. Ein von Cartin darf keine Vision oder einen Affek heiraten“ „Habe ich die Geschlechtsvarianten richtig gehört?“, fragte Jasper und mein Vater nickte. „Man wusste früher nicht wie Genetik funktioniert und Visionen traten hauptsächlich bei Frauen auf und die Manipulation bei den Männern. Sie sind nicht davon ausgegangen, dass das andere Geschlecht die Gaben übertragen kann, weshalb sich schon vor Königin Dora das Affek Blut in unsere Gene gemischt hat, man sieht es auf dem Stammbaum nicht, aber ihre Mutter war eine Affek. Das ist übrigens wohl auch der Grund, warum wir gegen Josh immun sind. Naja, Anton besitzt nur das Blut von zwei großen Familien. Wir dagegen haben auch das Blut der Visions in uns. Antons Onkel Petrus hat Käthe Blann geheiratet, was wohl das Naivste war, was sie bei der Regel hätten tun können. Ihre Mutter war eine Vision, aber da sie keine Gabe hatte, trug sie den Nachnamen ihres Vaters und man dachte nicht daran, dass sie die Gabe in unsere Familie bringen könnte“ „Bisher gab es auch noch keinen Fall oder? Ich kenne zumindest keine Geschichte von einer solchen Gabe unterm Adel“, meinte Lex mit gerunzelter Stirn. „Bisher ist nichts bekannt, aber das heißt nichts. Das von-Cartin-Blut kann Gaben ändern, es kann sich anders äußern oder die Gaben sind so klein das man sie nicht bemerkt. Travis ist allerdings der erste Halbvampir der von allen Blutlinien abstammt.“, erklärte Antonius und sah mich besorgt an. „Damit bist du auf jeden Fall jemand den die Alten versucht haben zu verhindern. Ich hasse es, dass du meinetwegen so in Gefahr schwebst“ „Ohne dich wäre er aber auch nicht existent“, verdrehte Jasper die Augen und wir sahen ihn an etwas perplex an. Ich seufzte. „Man kann es eh nicht ändern. Aber wenn wir davon ausgehen, dass ich aus Linus Vision bin, dann werde ich nicht sterben“ „Aber nur weil du alle Bedingungen erfüllst heißt es nicht das du es bist. Wir dürfen nicht davon ausgehen und müssen deshalb alles für deine Sicherheit tun“, meldete sich Lex zu Wort und die Anderen nickten zustimmend. Wir sahen uns einige Momente erschöpft an, das Thema war anstrengend und wir wussten alle nicht so ganz wie wir damit umgehen sollen. Jasper betrachtete den Stammbaum. „So, aber habe ich das nun richtig verstanden, wenn man es genau nimmt ist Travis sowohl mit allen aus den bedeutenden Familien verwandt. Ich meine Paulus ist sein Großcousin und mit Linus und Veronika ist der dann ja auch entfernt verwandt, wenn ihr von jemanden aus der Vision-Linie abstammt und Josh dann auch noch!“ „Vampire sind gefühlt alle entfernt mit einander verwandt, das darf man nicht so genau betrachten, vor allem wenn man überlegt über wie viele Generationen das geht. Außerdem leben wir hier alle in einer Stadt in der Vampire leben, die gerne unter sich sind, da bleiben auch die Familien größtenteils unter sich. Um Jemanden zu finden der keinerlei Familie hier hat muss man unter den Einzelgängern oder in anderen Ländern suchen, oder sich an die Verwandelten wenden, aber sogar da könnte man darüber grübeln, wenn ihr Erschaffer Verknüpfungen hier hat“
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