Travis: Sohn eines Vampirs

von Zyves
GeschichteFantasy / P16
Vampire
29.06.2019
15.09.2019
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Ich wälzte mich im Bett hin und her, in letzter Zeit konnte ich nachts einfach nicht mehr schlafen und mittags, kurz bevor die Schule endete, schlief ich dann fast ein. Mein Körper war unruhig, voller Energie und gleichzeitig hatte ich Schmerzen. Mein Kopf dröhnte und ich hatte höllische Zahnschmerzen.
Ich stand also auf und nahm direkt zwei Schmerztabletten. Wenn es nicht schon 5 Uhr morgens gewesen wäre, hätte ich gleichzeitig auch noch eine Schlaftablette genommen. Aber in 1,5 Stunden musste ich wieder aufstehen, also lohnte es sich nicht. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, die Hoffnung auf Schlaf hatte ich vollkommen aufgegeben. Seufzend startete ich meine  PC und fing an zu googlen.
Also entweder hatte ich psychische Probleme oder hatte einen Hirntumor und die letzte Möglichkeit kam mir am unwahrscheinlichsten vor. Eine Schlafstörung, gekoppelt mit Zähne knirschen würde zwar alles erklären, jedoch hatten die Kopfschmerzen schon vor den Schlafproblemen angefangen.
Verzweifelt lehnte ich mich zurück, das Ganze beeinflusste inzwischen meinen ganzen Alttag, meine Aufmerksamkeit in der Schule wurde schlechter, ich war leichter gereizt, weshalb ich andauernd Streit mit meiner Freundin hatte. Im Kampftraining schwankte meine Leistung zwischen außergewöhnlich und absolut scheiße. Ich fluchte als die Schmerzen noch stärker wurden, kurz darauf klopfte es an meiner Tür. „Schatz, ist alles in Ordnung?“, fragte meine Mutter durch die geschlossene Tür.
Ich stand auf und öffnete sie. Meine Mom sah mich mit wachen und besorgten braunen Augen an. Ihre Hand schoss nach oben und legte sich auf meine Stirn. Sie seufzte.
„Du hast Fieber“, stellte sie fest und schob mich damit mit bestimmenden Händen ins Bett.
„Ich kann eh nicht schlafen, Mama“  
„Versuch es wenigstens, ich melde dich in der Schule krank“, sie zog meine Vorhänge zu und ließ mich wieder alleine. Ich legte mich richtig hin und nahm mein Handy.
„Ich hab Fieber, meine Mom lässt mich nicht zur Schule. Sorry Schatz, Ich liebe dich“, schrieb ich meiner Freundin Hannah.
Damit legte ich es bei Seite und schloss die Augen. Ich bewegte mich nicht, solange bis die Sonne aufging, ab diesem Moment erschlug mich plötzlich eine Müdigkeit.

Erst gegen späten Nachmittag, als die Sonne schon dabei war wieder unterzugehen wachte ich auf. Ich hatte das Gefühl zu verhungern und war komplett verschweißt, also ging ich erst duschen und machte mich fertig. Als ich mit immer noch zittrigen Beinen die Treppe runter ging, hörte ich Stimmen. Hannah und mein Freund Timo saßen bei meiner Mutter im Wohnzimmer.
„Hey“, grüßte ich sie, meine Stimme ganz rau. Hannah sprang auf und gab mir, bevor ich sie dran hindern konnte, einen Kuss.
„Ich hab dich vermisst“, schnurrte sie an mein Ohr. Ich räusperte mich verlegen, ich war nicht der Typ, der so was vor anderen sagte.
„Gehts dir wieder gut?“, fragte Timo und ich zuckte mit den Schultern.
„Gerade geht’s, aber keine Ahnung“
Meine Mom stand auf und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Du hast sicher Hunger“, stellte sie fest und ging schon in die Küche. Hannah und ich setzten uns zu Timo.
„Was hast du eigentlich genau?“, fragte er und ich seufzte.
„Wenn ich das nur wüsste“
„Wissen Sie denn nichts, Sabine? Sie sind doch Krankenschwester“, meinte Hannah und meine Mom gab mir einen Teller mit Kartoffelsuppe.
„Ich weiß auch nichts konkretes, aber wenn es noch länger anhält, werde ich mich nach einem Spezialisten informieren“
„Vielleicht sollten wir Tyres Mom fragen?“, warf ich zwischen zwei Löffeln Suppe ein und meine Mom nickte.
„Dr. Geller ist eine gute Ärztin, du hast recht ich werde sie fragen“
Hannah machte ein grimmiges Gesicht. Sie mochte nichts was mit meinem besten Freund Tyres zu tun hatte. Doch sie sagte nichts.
„Ich hoffe einfach das es dir bald wieder gut geht“, meinte Timo und sah mich besorgt an. Ich nickte.
„Angesteckt scheint sich noch niemand zu haben“, stellte meine Mutter fest, doch ich sah ihr an, dass sie es nicht beruhigte.
„Welche Krankheiten sind nicht ansteckend?“, fragte Hannah und meine Mutter seufzte.
„Naja, es könnte auch einfach sein, dass sich die Symptome bei noch keinem gezeigt haben, oder nur auf ganz bestimmte weise ansteckend. Das bedeutet also nicht unbedingt etwas“
„Ich will nicht unhöflich sein, aber könnte es nicht eine genetische Krankheit sein?“, fragte Timo und meine Mutter schien kurz nicht zu wissen was sie sagen soll, meinte dann jedoch: „Von meiner Seite aus nicht, aber wir sollten keine solchen Vermutungen anstellen“
Ich wusste das sie nichts über meinen Vater sagen wollte, einem Mann mit dem sie ein paar Dates hatte und nachdem sie eine Nacht miteinander hatten, war er am nächsten Morgen nicht mehr da. Da war nur noch ein Brief von ihm, in dem er erklärte, dass sie ihm viel bedeutete, er aber nicht mit ihr zusammen sein durfte. Sie hatte nie wieder etwas von ihm gehört und hatte keinen ganzen Namen, keine Telefonnummer und keine Adresse. Nichts. Hannah und Timo wussten das, doch Hannah war nicht immer die mitfühlenste Person.
„Vielleicht kommt es ja von Travis Vater?“ Meine Mutter sah sie finster an.
„Wenn es so sein sollte, dann müssen uns die Ärzte das sagen“
„Ich meine ja nur“, hob meine Freundin beschwichtigend die Arme. Es klingelte, meine Mutter ging zur Tür und Tyres stürmte auf mich zu. Er umarmte mich. Dann sah er mich genau an.
„Du siehst gar nicht krank aus“, stellte Ty fest und ich verdrehte die Augen.
„Jetzt gerade geht’s mir auch wieder gut“
„Sowas hätte ich auch gerne, morgens krank sein, damit man nicht zur Schule muss und dann geht’s einem wieder gut“, witzelte er.
So war Tyres, er wusste das es ernst war, aber er war eben ein Spaßvogel und wollte gute Laune verbreiten. Hannah schnaubte.
„Wenn du dann diese Schmerzen erleidest und nicht Travis, könnt ihr ja sehr gerne tauschen!“ Ty grinste sie mit seinem besten Lächeln an.
„Ach Süße, man du musst auch mal Spaß verstehen. Man muss das Beste darin sehen“ Sie schnaubte.
„Ich sehe darin nichts gutes“ Ich seufzte schließlich.
„Könntet ihr euch mal bitte vertragen, ich kriege davon schon wieder Kopfschmerzen!“ Ty zuckte mit den Schultern und sah mich fragend an.
„Meinst du, du kommst morgen zum Kampftraining?“
„Frag mich nicht, meine Tagesverfassung ist schwankend und unberechenbar“ Doch meine Mutter schüttelte den Kopf.
„Garantiert nicht, solange du nicht gesund bist, wirst du nicht trainieren. Bei einem Schwächeanfall könnte sonst was passieren“
„Das sehe ich genauso, außerdem traue ich Tyres nicht zu das er seine Kraft einschätzen kann“, pflichtete Hannah bei und ich funkelte sie nun wütend an.
„Kannst du damit mal aufhören? Ty ist einer meiner besten Freunde. Akzeptiere das und hör auf ihn schlecht zu machen!“ Sie wollte erst etwas sagen, schwieg dann jedoch. Der Dumpfe Schmerz in meinem Kopf wurde noch stärker und glich inzwischen eher einer Migräneattacke. Erst war es nur ein Druck an den Schläfen, doch inzwischen fühlte es sich an wie ein Presslufthammer. Das Licht wurde außerdem zu hell für meinen Augen und die Gerüche waren so unglaublich stark, dass mir übel davon wurde.
Ich hielt mir den Kopf, sofort sahen mich alle beunruhigt an.
„Soll ich dir eine Tablette holen? Möchtest du ins Bett?“, fragte meine Mutter und ich schüttelte den Kopf. Bereute es aber sofort,der Schmerz wurde noch doller. Ich stand langsam auf. Ich musste an die frische Luft, zum Glück war es draußen schon dunkel.
„Ich geh etwas raus, ok?“ Da niemand etwas sagte, zog ich mir eine Jacke über und ging los. Kaum war ich zur Tür raus, folgte Hannah mir.
„Ich möchte etwas alleine sein, ok?“, versuchte ich sie dazu zubewegen wieder rein zu gehen.
„Du solltest nicht alleine sein“, bestand sie und ich blieb vor ihr stehen. Sie sah mich mit großen braunen Augen an.
„Ich komme schon klar, bitte. Ich brauche etwas Ruhe“ Ihre Augen wurden traurig.
„Ich hab das Gefühl, du willst mich nicht mehr bei dir haben Travis“ Ich seufzte, ich hatte das gefühl sie verstand nicht, dass es hierbei nicht um sie ging..
„So ist das nicht. Mir geht’s einfach nicht gut“
„Sicher?“ Ich nickte und küsste sie.
„Ich liebe dich“, versicherte ich ihr und ging damit alleine los. Ich spürte ihren Blick in meinem Rücken.
Die kühle Luft tat gut, ich beeilte mich um in die ruhige Ecke in einem Park zu kommen. Schließlich setzte ich mich auf eine Parkbank und starrte in den Himmel. Der Himmel war klar und man konnte schon ein Teil des Mondes sehen. Ich hätte es genossen, wäre mein Kopf nicht wie in einem Käfig gewesen. Dennoch tat die Stille gut. Nur das Rauschen der Blätter im Wind und die Schritte eines Pärchens, dass den Weg entlang schlenderten.
Sie lachte über etwas das er gesagt hatte und deutete auf die Sitzbank neben mir. Ich meinte zu hören wie sie ihn fragte, ob sie sich dahin setzen können, da ihr die Füße so weh taten. So saß ich also schon bald nicht mehr alleine da. Die Beiden plauderten etwas, banale Dinge, den Sternenhimmel und dann erzählte die Frau etwas für mich interessantes.
„Hab ich dir eigentlich schon erzählt, dass der Sohn von meiner Freundin Veronika eine ganz komische Krankheit zu haben scheint? Sie haben zig verschiedene Ärzte besucht bis sie bei Dr. Heller waren“
„Was hatte er denn nun?“, fragte ihr Freund.
„Ich erinnere mich nicht an den Namen der Krankheit. Aber er soll andauernd Schwächeanfälle gehabt haben, Kopfschmerzen, sowohl Heißhunger als auch Appetitlosigkeit“  Das klang fast was ich hatte. Ich räusperte mich.
„Entschuldigen Sie, ich wollte nicht lauschen, aber wissen Sie was dem Jungen verschrieben wurde?“ Die rothaarige Frau sah mich überrascht an und musterte mich neugierig.
„Es soll ein Gendefekt sein, aber er wurde auf eine Kur geschickt mit einer Speziellen Therapie, dass soll wohl helfen. Mehr weiß ich aber nicht“ Der Mann sah mich durchdringend und aufmerksam an. Sagte aber nichts.
Ich stand auf und meine Beine knickten unter mir weg. Doch meine Knie berührten nicht den Boden, der Mann hatte mich aufgefangen und setzte mich wieder hin. Ich hielt mir den Kopf, dass war mir gerade zu schnell.
„Entschuldige, dass ist mega peinlich“, nuschelte ich und die Frau hockte sich vor mich.
„Kann es sein, dass du die gleichen Symptome hast?“ Ich nickte.
„Ich denke schon“
„Wie lange geht das schon so?“, fragte sie.
„Angefangen schon vor einigen Monaten, aber nicht so stark, seit ein paar Wochen hab ich aber keinen Tag ohne eines der Symptome, meistens sind es mehrere auf einmal“ Die Beiden tauschten einen kurzen Blick.
„Was ist?“
„Das klingt fast so, als hättest du diese Kur auch ganz dringend nötig. Hast du dich schon mal durchchecken lassen?“, fragte sie und ich schüttelte den Kopf.
„Ich bin in dem Zeitraum auch sehr stark gewachsen, wir dachten das hätte damit zu tun, aber inzwischen glauben wir das auch nicht mehr. Meine Mom wollte sich nach Ärzten erkundigen“
„Wenn du möchtest kann ich gucken, ob ich dir schnell einen Termin bei Dr. Heller verschaffen kann. Sie schiebt dich sicher ein, wenn sie hört wie ernst es bei dir ist“, sie strahlte mich hilfsbereit an, doch irgendwas hinterließ ein komisches Gefühl.
„Nein Danke, meine Mutter und ich schaffen das schon alleine, ich kann ihr die Ärztin ja vorschlagen“ Sie zuckte mit den Schultern.
„Gut, aber zur Not, sag Dr. Heller einfach Veronika hat dich geschickt“ Ich nickte und stand langsam wieder auf, diesmal gaben meine Beine nicht nach. Interessanterweise fiel mir jetzt erst auf, dass meine Kopfschmerzen komplett weg waren.
„Schaffst du es nach Hause?“, fragte mich der Mann und ich nickte erneut.
„Ja, vielen Dank“ Er lachte.
„Man sieht sich immer zwei mal im Leben. Komm gut nachhause“

Zuhause angekommen, waren meine Freunde weg und meine Mutter lag schlafend auf dem Sofa. Ich deckte sie zu und nahm mir aus der Küche einen Apfel mit. Ich legte mich ins Bett und warf den Apfel ein paar mal in die Höhe, nur um ihn wieder aufzufangen. Was sollte ich bloß tun? Ich fühlte mich verloren, ich war zu unruhig um eine Serie zu gucken oder etwas zu lesen, aber Sport konnte ich auch nicht machen. Ich sah den Apfel an und irgendwie hatte ich keinen Appetit mehr. Seufzend sah ich mich um und entdeckte meine Gitarre. Seit Ewigkeiten hatte ich mal wieder das Bedürfnis zu spielen. Also fing ich an meine Seiten zu stimmen.
Es war Monate, wenn nicht sogar Jahre, her das ich gespielt hatte. Seit ich mit Hannah zusammen war und diese... Krankheit hatte, hatte ich einfach keine Zeit mehr dafür. Ich fing an zu spielen, ein Lied das ich selbst geschrieben hatte.
Leise sag ich zu der Melodie einen Text, der sich darum handelte. Wer ich war und wo ich hingehöre, denn schon bevor ich krank geworden bin, hatte ich das Gefühl nicht hier herzugehören. Ich stand immer zwischen den Stühlen. Es tat weh und jetzt in diesem Moment fühlte ich mich so einsam und nirgends zugehörig. Ich hasste dieses Gefühl.
Meine Lied wurde lauter, genau wie meine Stimme. Mehr Kraft, den Schmerz in die Stimme gelegt. Es tat gut, die Gefühle raus zu lassen. Ich bemerkte, dass meine Mutter in der Tür stand und mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge ansah.
Ich ließ es ausklingen und hielt den Blick.
„Ich wünschte ich könnte dir das alles abnehmen mein Schatz“, murmelte sie und setzte sich neben mich.
„Ist schon okay, Mom“, versuchte ich sie zu beruhigen, doch sie schüttelte den Kopf und zog mich in eine Umarmung.
„Nein, ich hatte wenig Zeit. Vielleicht wärst du schon wieder gesund, wenn du mir früher davon hättest erzählen können. Oder vielleicht würde es dir besser gehen, wenn ich dir mehr über deinen Vater erzählen könnte“ Ich schob sie von mir.
„Mama, das hat nichts damit zu tun“, versuchte ich sie zu überzeugen, doch ich wusste selber nicht ob ich das dachte. Sie lächelte traurig.
„Jeder wünscht sich etwas über seine Wurzeln zu erfahren und nur meine bringen eben nichts, auch wenn du deinen Vater nicht kennst. Er steckt in dir und du würdest dich besser verstehen, wenn du ihn kennen würdest... Du ähnelst ihm in einigen Punkten sehr“ Ich sah sie überrascht an.
„Das hast du noch nie erzählt“ Ihr Lächeln wurde trauriger.
„Manchmal tut es noch immer weh“
„Du liebst ihn immer noch“, stellte ich fest und sie strich über meine Wange.
„Ja, ich schätze schon, aber wenn du möchtest erzähle ich dir alles was ich über ihn weiß“ Ich wusste nicht was ich sagen sollte, also nickte ich nur. Dann sah sie nachdenklich in die Luft.
„Ich hatte dir ja erzählt, dass wir uns auf einer Studentenfeier kennengelernt haben, aber ich hatte nie erwähnt, dass ich ihn auf den ersten Moment nicht ausstehen konnte“ Ich sah sie überrascht an.
„Was? Wieso?“
„Er war mit einem Freund da, ich glaube er hieß Anton... ist ja auch nicht so wichtig. Die Beiden waren total die Frauenmagneten. Alle Mädels in der Umgebung waren hinter ihnen her. Sein Freund war sehr extrovertiert. Ein richtiger Entertainer, er erzählte einige Witze, Geschichten, Anekdoten aus der Geschichte. Sie waren Beide sehr intelligent. Dein Vater stand eher nebenbei, ein wenig abseits als wäre er dort falsch. Ich hielt es für eine Show, er sprach kaum mit den Mädchen die an seinen Armen hingen. Sein Blick schweifte andauernd durch den Raum und ich bemühte mich nicht darauf zu achten, dass er mich jedes Mal länger ansah“
„Mochtest du die Aufmerksamkeit von ihm oder nicht?“, fragte ich neugierig. Ich hatte noch nie davon gehört und meine Mutter wirkte immer so, als würde sie keinen Mann in ihrem Leben brauchen, als wäre ihr die Aufmerksamkeit der Männer sogar unangenehm und meine Mom war eine sehr hübsche Frau. Sie hatte ein kleines Lächeln auf den Lippen.
„Sowohl als auch. Es ist immer schön zu sehen, dass man attraktiv gefunden wird, aber ich dachte dass er mich nur beachtete, weil ich ihn versuchte zu Ignorieren. Das ich seinen Jagdtrieb geweckt hätte. Irgendwann hat er sich dann neben mich gesetzt, meine Freundinnen sind direkt verschwunden, es war fast so als hätte seine Ausstrahlung sie dazu gebracht zu gehen. Ohne das er etwas sagen musste.
Ich wollte eigentlich auch gehen, aber sein Blick, seine Augen, die Augen die du auch hast, haben mich nicht gehen lassen. Dein Vater kann nicht sonderlich gut mit Worten umgehen, er ist eher der Mann für Taten, also waren die ersten paar Minuten sehr... still und peinlich. Irgendwann habe ich ihn angefahren, dass er doch mal etwas sagen soll. Er hatte mich wirklich nur angestarrt und auf meine Reaktion gewartet“
„Was hat er dann gemacht?“, ich stellte mir die Situation sehr... eigenartig vor.
„Er hat angefangen zu lachen. Ein lautes herzliches Lachen, ich weiß nicht ob ich davon ein so.. ehrliches Lachen gehört habe. Er war sehr amüsiert darüber und meinte das ich süß sein. Ich erinnere mich noch, wie peinlich mir das war und wir fingen an zu streiten“
„Das ist nicht dein Ernst? Ihr habt euch gestritten, weil er dich süß genannt hat?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen, das war filmreif.
„Es hatte sich irgendwie hochgeschaukelt, aber der Streit verwandelte sich irgendwie in einen Schlagabtausch aus Metaphern und Analogien. Er war nicht nur ein gut aussehender Sportler. Er war intelligent und irgendwann sprachen wir einfach nur noch über Gott und die Welt. Kurz bevor der Morgen angebrochen ist, hat er mich geküsst. Mir einen Ort und eine Zeit genannt und meinte das er mich da gerne wiedersehen würde. Bevor ich antworten konnte, war er auch schon weg“
„Und du bist hingegangen“ Sie lachte.
„Natürlich. Wir waren Essen, im Park spazieren. Einmal waren wir in einer Karaoke Bar. Aber Singen... das kann er nicht, es klang grausam. Aber er war sehr lieb und hatte etwas an sich, weshalb die Menschen auf ihn hörten. Er hatte seine eigene Art von Charisma, gleichzeitig war er unglaublich dickköpfig. Er sprach nicht gerne über seine Familie, ich meine mal rausgehört zu haben, dass es eine Art Familienunternehmen gibt und das seine Familie sehr streng ist. Das hat er aber nie konkret gesagt. Er sprach nicht viel über sich, er wollte aber alles über mich wissen“
Sie schwieg gedankenverloren und ich wagte es nicht, etwas zu sagen.  Sie strich mir durchs Haar.
„Ich weiß, dass er einen kleinen Bruder hat mit dem er sich nicht gut versteht und das, ja er hieß Anton, dass Anton sein bester Freund war. Der Einzige dem er wirklich vertraute. Er war ein Einzelgänger und einsam. Dein ernstes Wesen hast du von ihm, er war sehr pflichtbewusst“ Ich schluckte.
„Der Grund warum er dich verlassen hat“ Sie zuckte mit den Schultern.
„In dem Brief klang es so, ja“ Ich sah das es ihr weh tat, aber ich musste trotzdem fragen.
„Glaubst du, dass er dich auch geliebt hat?“ Sie sah mich überrascht an, lächelte aber.
„Ich glaube, ja. Vielleicht wollte er es nicht, aber wenn ich ihm nichts bedeutet hätte, dann wäre er nicht gegangen und hätte den Brief da gelassen“ Ich umarmte sie.
„Ich wünschte, du könntest ihn kennen lernen“, murmelte sie in mein Ohr.
„Ich weiß“, ich drückte sie noch fester an mich. Als sie mich wieder los ließ, sah sie mich fragend an.
„Wie war eigentlich dein Spaziergang?“
„Er tat gut, ich bin dabei einem Pärchen begegnet. Die Frau erzählte von einem Jungen, der die gleichen Symptome hat wie ich. Er war wohl bei einer Dr. Heller, sagt sie dir was?“ Meine Mutter sah mich erstaunt an und überlegte.
„Dr. Heller? Sie ist recht neu in der Stadt und ist auf genetische Krankheiten spezialisiert. Ich kenne sie nicht persönlich, aber ich hab bisher nur Gutes gehört“
„Vielleicht sollten wir bei ihr einen Termin machen?“, fragte ich und meine Mutter nickte.
„Ich werde morgen bei ihr anrufen“
„Achja, die Frau meinte, wenn sie uns erst einen Termin in ein paar Monaten geben möchte, sollen wir sagen, Veronika hat uns sie empfohlen. Keine Ahnung ob das was hilft. Aber ein versuch ist es wert“ Meine Mom nickte.
„Ja, wenn das klappt und wenn Dr Heller uns helfen kann, sind wir dieser Veronika zu großem Dank verpflichtet“
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