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Auf Liebe, Freundschaft und Glück

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Alea der Bescheidene Jean Méchant der Tambour Luzi das L
29.06.2019
10.02.2021
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20.02.2020 2.077
 
Die vergangenen Tage waren… interessant gewesen, um es nett auszudrücken. Im Grunde waren sie eine Achterbahnfahrt für das kleine L gewesen. Zwischendurch war sein Ehemann immer mal wieder hervor gekommen. Oft hatte er es aber auch mit dem ‚falschen‘ Alea zu tun gehabt.  Dieser war glücklicherweise weitaus weniger angriffslustig gewesen als bei ihrer letzten Auseinandersetzung. Er schien wohl zufrieden damit zu sein, dass das kleine L den hörigen Ehemann spielte, der sich brav um den Haushalt und sonst alles kümmerte und der nicht meckerte, sondern eben sprang.
Der richtige Alea war besorgt gewesen wegen der blauen Flecken. Luzi hatte ihm schnell eine Lüge aufgetischt und gesagt, dass er einfach nur tollpatschig gewesen war und dass das passierte, wenn man beim Spielen mit den Katzen nicht aufpasste. Genaueres hatte er nicht gesagt. Netterweise hatte Alea ihm dann eine Salbe zur Linderung mitgebracht.
Dennoch, oder eher, gerade deswegen war es mehr als seltsam für das kleine L. Er hatte das Gefühl, dass er zeitweise mit zwei Männern unter einem Dach wohnte. Er wollte auch immer noch keine Hilfe von außen. Er bezweifelte, dass jemand ihn verstehen würde. Außerdem wurde er langsam gut darin, also im Lesen, welchen Mann er gerade vor sich hatte und dementsprechend passte er sich dann eben an. Auffällig war auch, dass der Sänger nach langen Arbeitstagen eher dazu neigte, sein gemeines Ich zu präsentieren und Luzi kam langsam der Verdacht, dass es eben doch etwas mit seiner Arbeitsstelle zu tun hatte. Aber er war sich eben nicht sicher und er konnte auch schlecht fragen. Der richtige Alea würde sich nicht öffnen, er tat ja von sich aus schon nicht. Der falsche Alea würde erst recht nichts dazu sagen, vermutlich nur wieder ausrasten. Also versuchte das kleine L sein Glück erst einmal nicht.

Er spielte einfach den hörigen und braven Ehemann… auch wenn es in ihm teilweise kochte. Genau deswegen war er auch gerade daran, die frisch gewaschenen und teils gebügelten Sachen seines Ehemannes zurück in dessen Schrank zu packen. Würde er sie ihm einfach aufs Bett legen, wäre der Blonde genervt. Vorausgesetzt er kam früh genug nach Hause, sodass Luzi nicht schon im Bett lag. ..
Als hätte er ihn herbeigerufen, hörte das kleine L die Haustüre. Sein Mann war also wieder zu Hause. Und das zu so einer humanen Uhrzeit. Das war selten. Aber immerhin standen so die Chancen gut, dass er gut gelaunt war und dementsprechend der ‚richtige‘ Alea anwesend sein würde. Dann könnten sie vielleicht sogar ein paar nette Stündchen haben… oder zumindest würden sie sich nicht gegenseitig nerven oder Schlimmeres.

Es war in genau diesem Moment, dass der Blonde das Schlafzimmer betrat. Seine Augen landeten auf dem kleinen L, der auf dem Boden kniete zum Einräumen, damit er sich nicht so oft bücken müsste.
Luzi musterte den Großen nur einen kleinen Augenblick lang aus den Augenwinkeln. Er hielt sich schon wieder komisch, aber… das mochte noch nichts heißen.
„Ehm… hi“, begann Alea leiser und ruhiger wie sonst.
Luzi schluckte innerlich. Die Stimme war minimal tiefer wie sonst. Er musste Vorsicht walten lassen. Er spannte sich prompt wegen diesem Gedanken an. „Hi…“
„Luzi?“, fragte er leise.
„Ja?“, man sah die Schelle die er kassiert hatte immer noch. Die Stelle war nur noch leicht rötlich, aber seine Zunge tat ab und an noch etwas weh, da wo er sich drauf gebissen hatte.
„Hast du einen Moment?“
Dem Dudelsackspieler gefror beinahe das Blut zu Eis. Was würde jetzt kommen. Bei so einem Satz erwartete man eine Hiobsbotschaft. „Ja“, atmete er rief ein, zur Beruhigung. Dann drehte er sich mehr zu dem Größeren.
„Komm… wir setzen uns“, er deutete zum Bett und Luzi, wie der brave Ehemann, den er ja spielen sollte und wollte, stand auch prompt nickend auf. Er setzte sich ans Fußende und faltete seine Hände in seinem Schoß und wartete. „Es…“, ergriff Alea wieder das Wort. Er hatte sich inzwischen neben ihn gesetzt. „Es… tut mir leid. Was ich getan habe.“
Luzi musste nicht nachfragen, was der Größere meinte. Er wurde momentan täglich daran erinnert, wenn er in den Spiegel sah. Auch, wenn es inzwischen fast weg war. Zum Glück. Immerhin war Freitag und morgen müssten sie wieder für einen Auftritt los. Und da er keine Lust auf irgendwelche Fragen hatte… „Mir auch“, antwortete er leise und er sah dabei auf den Ring. Weshalb tat er das hier? Weil er Alea liebte, das wusste er ganz klar. Er liebte seinen Alea. Und er wagte auch immer noch zu hoffen, dass diese schlimme Zeit einfach an ihnen vorbeiziehen und dass alles wieder normal werden würde.
„Dir muss es aber nicht leid tun. Du hast keinen Fehler gemacht“, schüttelte der Blonde direkt den Kopf. Doch das bekam Luzi nur aus den Augenwinkeln mit.
„Mhm…“, er selber war aber immer noch nicht davon überzeugt. Vor allem war er aber auch nicht davon überzeugt, dass Alea das wirklich so meinte. „Ich habe ‚dabei‘ nie… an Jean gedacht… und betrogen habe ich doch auch nicht.“ Den Teil sprach er leise. Das hatte auch noch auf seiner Seele gebrannt. Er hatte Alea damit, also als er es ausgesprochen hatte, verletzen wollen. Ob er das geschafft hatte, da war er sich nicht sicher. Provoziert hatte er den Sänger damit auf jeden Fall. Das hatte er zu spüren bekommen.
„Ich weiß“, gab der Blondschopf leise zu. „Ich habe übertrieben und bin durchgedreht.“
„Ich habe auch Sachen gesagt, die ich nicht so meinte…“
„Ich war viel schlimmer und habe dich mir Absicht in die Ecke gedrängt“, er spielte mit seinen Fingern. Der Schwarzhaarige konnte indes nur als Antwort nicken und krallte sich in sein eigenes Handgelenk, damit er nicht zitterte. In das, welches nicht blaue Flecken wegen dem Festhalten hatte. Und er krallte sich so fest, dass es schon weh tat. „Es tut mir leid.“
Luzi hörte die Worte, aber er war sich immer noch nicht sicher, ob sie ernst gemeint waren und von Herzen kamen. Er traute sich aber auch nicht, aufzusehen um zu gucken, welchen Alea er denn da vor sich hatte, oder um die Wahrheit dieser Aussage fest zu stellen. So konnte er immer noch nicht mehr als Nicken und schwer schlucken. Es hatte ihm die Sprache verschlagen. Zum Teil auch, weil er Angst hatte, etwas Falsches zu sagen.

„Kann ich das wieder gut machen?“, bohrte der Größere schließlich nach.
Das kleine L atmete tief durch: „Ich… ich… weiß es nicht…“ Wenigstens war er immer noch ehrlich. Denn für ihn, hatte dieses Tabuverhalten eine Menge kaputt gemacht. Vertrauen vor allem. Und das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.
„Das Vertrauen ist weg, oder?“, sprach der Kampfsportler dann das aus, was dem Kleineren gerade durch den Kopf gegangen war. Dieser nickte auch nur, nach einem weiteren tiefen Atemzug. Was dazu führte, dass der Sänger nickend zu Boden sah. Dieses Mal war auch er es, der mit dem Ring an seinem Finger fast schon gedankenverloren spielte.
„Das… Festhalten war schon zu viel“, ganz Luzi irgendwann zum Besten. Ja, er mochte es nicht gegen seinen Willen festgehalten zu werden. Vor allem nicht in so einer angespannten Situation. Das grenzte ja schon fast an Freiheitsberaubung.
„Und dann hab ich dich noch…“, er brach ab.
Der Gepiercte nahm all seinen Mut zusammen. Es fiel ihm wirklich alles andere als leicht, aber es musste gesagt werden und wenn nicht jetzt… dann würde er es nie tun. „Geschlagen… du hast mich… geschlagen“, dieses Mal hatte seine Stimme gezittert. Es laut auszusprechen, machte es nur noch realer und dementsprechend umso schlimmer.
„Ja“, antwortete der Ziegenbärtige mit gebrochener Stimme. Auch war es kaum mehr als ein Hauch gewesen und somit kaum hörbar. „Es tut mir so leid.“
Das kleine L hatte seine Arme schützend um sich selber geschlungen. Er fühlte sich im Moment wirklich klein. Klein und schwach und hilflos. Weil… es war alles außer Kontrolle geraten. Sein gesamtes Leben geriet gerade aus der Bahn und er wusste nicht, was er dagegen tun konnte. Denn der einzige Mensch, der es gerade rücken könnte, war die Ursache für das anstehende Zugunglück. Er zog die Nase hoch und kämpfte gegen die Tränen. Was sollte er nur tun? Was?
„Das wollte ich nicht…“
„Sicher?“, wollte er mit erstickter Stimme vom Blondschopf wissen.
„Ja“, zumindest klang er ehrlich und sicher.
„Und es… passiert nie wieder?“, hörte Luzi sich sagen. Es war raus, bevor er sich hatte stoppen können. Er war selber doch auch verwirrt. Er wollte doch nur Frieden und Geborgenheit haben… und er wusste doch, dass es eigentlich nicht sein Alea gewesen war, der diese Schandtat begannen hatte. So schwer es auch fiel, er musste also differenzieren.
„Nein. Niemals mehr“, schwor der Größere, der wieder zu seinem Mann sah.
„Versprochen?“, fragte er leise.
„Versprochen!“, er nickte als Antwort.
„Okay…“ Er liebte seinen Alea doch. So sehr. Außerdem hatte doch jeder eine zweite Chance verdient… oder?“
„Wirklich. Das kommt nie mehr vor. Nie mehr! Ich war total dumm. Jean ist doch dein bester Freund und war für dich da, als ich dich einfach liegen gelassen habe… ich war wirklich der größte Depp!“
Luzi überraschten diese Worte. Er riskierte auch einen kurzen Blick. Der Mann neben ihm, wirkte mit jedem Moment mehr, wie sein geliebter Ehemann und seine Worte sprachen auch für sich. Dennoch… er war misstrauisch. „Ich habe sogar nach dir gerufen… also als ich da lag… Und glauben, dass ich mir nicht die Birne weggesoffen habe, tust du auch nicht.“ Das belastete ihn dann auch noch zusätzlich zu dem ganzen anderen Kram. Es wurde langsam wirklich zu viel. Er stieß an seine Grenzen. Allerdings wollte er nicht wissen, was geschehen würde, hätte er sie erreicht oder würde er sie überschreiten.
„Doch, jetzt schon“, nuschelte der Ziegenbartträger in eben jenen.
„Wieso jetzt auf einmal?“, das war wiederum sehr verdächtig. Sagte er das alles nur, um gut da zu stehen? Aber wieso sollte er das tun?
„Weil ich zur Ruhe gekommen bin und ordentlich nachgedacht habe“, seufzte der größere der beiden Spielmänner.
„Oh…“
„Ja…“, er räusperte sich.
„Okay… und… nun?“, ratlos wie er war, wusste er keine andere Frage mehr zu stellen.
Alea hingegen schien genau zu wissen, was er sagen wollte. Denn prompt kam von ihm die Frage: „Verzeihst du mir?“ Doch wieder zögerte der tätowierte Dudelsackspieler. Ja, jeder hatte eine zweite Chance verdient. Dennoch hatte er Angst, wieder einmal verletzt zu werden. Körperlich, wie seelisch. Aber… dieses Risiko ging man doch immer ein. In jeder Art von Beziehung. Also tat er das, seiner Meinung nach, einzig Richtige. Er nickte.
„Ich bessere mich. Wirklich. Das verspreche ich dir. Hoch und heilig!“, kam es sogleich vom Sänger.
„Okay“, er traute sich nun auch, wieder vorsichtig zu dem Blonden aufzusehen. Er selbst war sich nicht bewusst, dass er gerade wohl wie ein getretener Welpe wirken musste. Alea hingegen sah auch fertig und müde aus. Das passte irgendwie nicht zu dem Mann, den er seit ein paar Tagen sah… und auch nicht zu dem Mann, den er vor Jahren geheiratet hatte. Alea war immer stark und selbstbewusst und präsent gewesen. Aber nie im negativen Sinne. Eher im Gegenteil. Er war immer der Fels in der Brandung gewesen. Doch seit einiger Zeit, bröckelte dieser Fels.
Ihre Blicke trafen sich. Meerblaue Augen trafen auf rehbraune und sie verhakten sich.
„Verzeih mir… bitte“, versuchte Alea es noch ein weiteres Mal. In seiner Stimme lag ein Flehen, das vorher ganz sicher nicht da gewesen war.
Aber das war nicht das Einzige, was dem Dudelsackspieler auffiel und was ihn erstaunte. Die steife und falsche Haltung war so gut wie verschwunden. Seine Mimik stimmte wieder. Sein Mann wirkte authentisch und wieder, wie er selbst. Wie ausgetauscht. Als hätte jemand einen Hebel umgelegt. Es war wirklich so verwirrend und durcheinander und somit auch belastend. Aber irgendwie… trotz allem… sie waren verheiratet. Sie waren gemeinsam den Bund der Ehe eingegangen. In guten, wie in schlechten Tagen. Die Schlechten hatten sie zwar auslassen wollen… aber das Leben war nun mal kein Ponyhof und schon gar kein Wunschkonzert. Das wussten sie beide. Es gab immer mal Reibungspunkte. Das Wichtige war, dass man aus Fehlern und Reibungspunkten lernte und dass man es beim nächsten Mal besser machte. Das konnte man aber nur, wenn es ein nächstes Mal gab, sprich wenn es eine zweite Chance gab.
Und da das so war, hatte das kleine L eigentlich nur eine mögliche Antwort auf Aleas Bitte. Wenn er ehrlich war, dann hatte er die Antwort eh schon gekannt. Sein Kopf hatte sie nicht gekannt, aber sein Herz eben schon. Aber inzwischen… Er öffnete also seinen Mund um zu antworten.
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