Auf Liebe, Freundschaft und Glück

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Alea der Bescheidene Jean Méchant der Tambour Luzi das L
29.06.2019
14.02.2020
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Heute zum Valentinstag gibt es mal ein Kapitel in etwas länger. Ich hoffe, das stört nicht, hihi. ;)

In diesem Sinne, möchte ich auch nicht viele Worte verlieren. Habt noch einen schönen Tag und auch ein schönes (und hoffentlich sturmfreies) Wochenende und natürlich viel Spaß beim Lesen.
Vergesst nicht, eine Review zu hinterlassen, hihi. ^^

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Durch die Wucht schnellte Luzis Kopf zu Seite. Auch ließ er einen überraschten und gleichzeitig schmerzverzerrten Laut von sich ertönen. Heiße Tränen stiegen in seinen Augen auf, doch sie waren nur zum Teil von dem Schmerz und dem unangenehmen Pochen in seinem Gesicht. Zu allem Überfluss schmeckte er auch noch Blut in seinem Mund, das hieß, dass er sich auch noch auf die Zunge gebissen hatte.
Er wich zwei Schritte nach hinten aus und seine Hand legte er automatisch auf seine schmerzende, sich warm anfühlende und außerdem fies pochende Gesichtshälfte. Er schluckte, schmeckte dadurch noch mehr Blut und sah dann mit weit aufgerissenen und ungläubigen Augen zu Alea auf. Er konnte nicht fassen, dass der Sänger, sein ihn angeblich liebender Ehemann, ihn gerade geschlagen hatte. Natürlich hatte er den Blondschopf mit seinen Worten provoziert und auch verletzt, aber schlagen… und das von einem Buddhisten und einem Kampfsportler… Mit Mühe und Not schluckte er ein Schluchzen runter. Ein Wimmern konnte er aber nicht aufhalten.

„Was ist jetzt?“, Alea zeigte keine Reue und auch sonst keine Emotionen außer Wut. Es ähnelte fast schon purem Hass. „Los! Dann renn doch zu deinem Jean!“ Er schrie auch immer noch.
Doch Luzi war nicht im Stande zu antworten. Abgesehen davon, dass ihm langsam schlecht wurde – zum einen wegen dem Blut aber ganz sicher auch wegen der Aufregung und der Tatsache, dass sein eigener Ehemann ihm gerade eine gewischt hatte – er traute auch gerader seiner Stimme nicht. Wenn er überhaupt einen Ton rauskriegen würde, dann würde seine Stimme gebrochen klingen und das wollte er gerade nicht. Nicht noch schwächer wirken, als er ohnehin schon war. Zumal es den Sänger auch gar nicht zu interessieren schien.
„Geh jetzt endlich! Erzähl ihm doch, wie böse dein Ehemann ist. Jetzt hast du wenigstens einen Grund dazu!“, wetterte der Blondschopf ohne Rücksicht auf Verluste weiter. Er merkte gar nicht, dass der emotionale Schmerz und die Gewissheit, dass das hier gerade wirklich geschehen war, schlimmer für das kleine L waren, als der Schmerz von Schlag. Natürlich tat sein Gesicht weh. Es hatte ja auch laut geknallt und seine Ohren rangen sogar leicht mit. Aber der Schmerz in seiner Brust war um ein Vielfaches schlimmer. Er fühlte sich hintergangen, betrogen vielleicht sogar.

„Oder soll ich dir noch einen Grund verpassen?!“
Diese angriffslustige Frage, hinter der wahrscheinlich auch noch die Wahrheit steckte, ließ zumindest zum Teil aus seiner Schockstarre erwachen. Soweit, dass er noch ein weiteres Wimmern heraus brachte und sich noch weiter von seinem eigentlichen Ehemann entfernte.
„Komm, hau doch ab. Ich bin dir doch eh zuwider!“, immerhin machte Alea keine Anstalten, ihm zu folgen, oder ihm noch eine zu verpassen. Zumindest für den Moment nicht.
Aber wieder konnte Luzi nicht antworten. Er blinzelte gegen die Tränen an. Inzwischen hatte sich ein Schleier in seinem Sichtfeld gebildet und er konnte kaum noch etwas erkennen. Die Wand in seinem Rücken spürte er aber. Einen Fluchtweg hatte er nicht. Also schüttelte er nur den Kopf und ließ sich an der Wand hinab rutschen, bis er auf dem Boden kauerte, wo er sich so klein wie irgendwie möglich machte. Auch betete er, zu wem auch immer, dass man ihn endlich in Ruhe ließ…
„Dann bleib eben da“, fauchte der Sänger unbarmherzig. „Ich gehe!“
Luzi hörte, wie er seine Sachen zusammenpackte. Kurz traute er sich auch, zwischen seine Arme hindurch einen Blick zu riskieren. Doch er erkannte, dass Alea nur joggen gehen würde.
Die Haustür fiel laut ins Schloss und es blieb erst einmal Stille zurück. Es dauerte eine ganz Weile, doch dann kamen seine zwei Vierbeiner wieder. Die hatten sich still und heimlich davon gemacht, als ihre zwei Besitzer angefangen hatten, sich zu streiten. Und jetzt, kuschelten sie sich an den schwarzhaarigen Dudelsackspieler an und gaben ihm den Halt, den er so sehr brauchte. Er war dankbar, dass er sie hatte. Für Johannes und für Salome.
Als es dann zu schluchzen begann, drängte sich seine rothaarige Katze so an ihn und zwischen seine Beine und Arme, dass sie mit dem Kopf an seine Wange strich. Glücklicherweise traf sie die nicht in Mitleidenschaft gezogene Seite. Und Luzi, der verharrte so erst einmal eine ganze Zeit lang.

Als er schließlich langsam die Beine streckte, fühlte er sich gänzlich ausgelaugt. Seine Beine taten weh von der Haltung, sein Gesicht tat auch noch weh und pochte, aber immerhin hatte seine Zunge wohl aufgehört zu bluten. Auch weinte er nicht mehr. Die Tränen waren irgendwann versiegt, er hatte einfach keine meine.
Fahrig strich er sich übers Gesicht. Er wollte aufstehen, aber das klappte auch nicht. Seine Beine wollten noch nicht so, wie er. Also kroch er erst einmal erbärmlich auf allen Vieren aus dem Hausflur raus ins Wohnzimmer, die zwei Katzen dicht hinter ihm. Er hievte sich auf die Couch, wo er das nächstbeste Kissen nahm und es ganz fest an seine Brust drückte. Die Katzen schmiegten sich auch hier wieder an ihren Besitzer. Sie spürten natürlich, dass ihr Herrchen emotional am Ende war und auch, dass etwas Schlimmes passiert war. Aber sie waren Katzen, sie wussten nicht, was genau passierte, sie wollten einfach nur Trost spenden. Dafür war Luzi auch unendlich dankbar.
Aber… er selbst war keine Katze und doch verstand er auch nicht so ganz, was hier gerade geschehen war. Natürlich, Alea hatte ihn geschlagen. Der Mann, dem er sein Herz und sein Leben anvertraut hatte, hatte ihn geschlagen. Und wie war das, jemand der einmal zuschlug, machte es auch wieder. Luzi schluckte.
Unter normalen Umständen hätte er seine Sachen gepackt und wäre weg gewesen. Oder zumindest hätte er das getan, sobald er seine Extremitäten wieder unter Kontrolle gehabt hätte. Aber… das hier war anders. Es war auch tatsächlich nicht die Angst, die ihn davon abhielt, das Weite zu suchen. Und ja, er hatte Angst vor Alea. Die Frage, die er gestern Jean noch mit ‚nein‘ beantwortet hatte, würde er heute mit ‚ja‘ beantworten. Er hatte Angst. Aber das war nicht der Grund, warum er nicht ging.

Mit bebenden Händen zog Luzi sein Handy aus seiner Hosentasche. Er brauchte dein Anläufe um das Muster richtig hin zu bekommen, damit sich sein Mobiltelefon entsperrte. Er atmete auch fast schon erleichtert auf, als es dann endlich klappte. Schnell war dann die Galerie geöffnet und er scrollte ein bisschen durch, bis er ein Bild antippte und es öffnete. Es war ein Bild von einem strahlenden Alea, der nicht einmal bemerkt hatte, dass Luzi gerade von ihm ein Bild machte. Aber das war nicht der Punkt.
Das kleine L schloss die Augen, lehnte den Kopf in den Nacken und atmete tief ein, während er sich noch einmal seinen Mann vor Augen rief, wie er gerade eben ausgesehen hatte. Das half seinem emotionalen Zustand natürlich nicht, aber es musste jetzt sein. Dann öffnete er die Augen wieder und sah auf das Bild, wobei er auf den Bildschirm tippen musste, da dieser bereits auszugehen drohte. Er wollte das Muster auch kein zweites Mal malen müssen.
Dann verglich er. Das Bild aus seiner Erinnerung mit dieser Momentaufnahme und seine Vermutung, seine Beobachtung… bestätigte sich nur noch mehr, verfestigte sich sogar. Der Blick, die Haltung, die Mimik, das Gemüt und die Ausstrahlung. Es war, als wären es zwei komplett verschiedene Menschen. Sein Alea und der Alea, der nun joggen war. Würde er es nicht besser wissen, hätte Luzi gesagt, sein Mann hätte einen bösen Zwilling.
Er kaute einen Moment auf seiner Unterlippe herum, dann schloss er die Galerie und öffnete stattdessen Google, um zu recherchieren. Wenn er sich richtig erinnerte, dann hatte er seine Mutter mal erzählen hören, dass eine gute Bekannte von ihr so etwas wie eine gespaltene Persönlichkeit gehabt hatte. Von heute auf morgen. Niemand hatte den Auslöser herausgefunden. Aber manchmal war es dann eben so gewesen, dass diese Bekannte die netteste und hilfsbereiteste Person der Welt gewesen war, aber an anderen Tagen wirkte sie wie ausgetauscht und war zynisch und egoistisch bis zum geht nicht mehr. Und bei Alea… zumindest wäre es eine Erklärung für den plötzlichen und krassen Wandel und… es gab ja Tage, da war er fast wieder er selbst. Und dann gab es so Tage wie heute… wobei kein Tag bisher so ausgeartet war. Es würde auch den veränderten Charakter und die anderen Verhaltensmuster erklären. Aber… bevor er voreilige Schlüsse zog, sollte er sich vielleicht erst einmal in die Materie einlesen. Also gab er in der Suchmaschine unter anderem ‚Schizophrenie‘ und ‚gespaltene Persönlichkeit‘ ein. Mal sehen, was er finden würde. Aber bei einem, da war er sich absolut sicher. Lasterbalks und Jeans Hilfe, die wollte er jetzt nicht mehr. Denn wenn die erfahren würden, was heute geschehen war… ganz zu schweigen davon, dass Alea wohl auch nicht sonderlich glücklich darüber sein würde, wenn sich einer der beiden Trommler in ihre Beziehung einmischen würde. Er schluckte. Er sollte in nächster Zukunft wohl wirklich lieber den Mund halten und auch mehr darauf Acht geben, wer denn da gerade vor ihm stand…

Luzi war zwar kein Psychologe und er wollte er auch nicht werden, aber nach seiner Recherche war er sich inzwischen ziemlich sicher, dass Alea eine zweite Persönlichkeit oder zumindest etwas Ähnliches hatte. Anders konnte er sich das Alles nicht erklären. Denn selbst wenn der Sänger ihn nicht mehr als Ehemann sehen oder wollen würde, dann würde der Blondschopf es ihm sagen und nicht so eine Show, geschweige denn so ein Drama darum machen.
Jetzt stand das L aber dennoch vor noch genug Problemen, auch wenn er den vermeidlichen Grund für Aleas Aussetzer nun kannte… was sollte er tun? Sollte er so tun als wüsste er nichts? Sollte er den braven Ehemann spielen, vielleicht ein wenig nachbohren und hoffen, dass SEIN Ehemann noch da drin steckte und wieder hervorkommen würde? Denn… man schien ihn ja herauslocken zu können. Als es ihm nach dem Albtraum so schlecht gegangen war, war Alea auch für ihn da gewesen. Als er jedoch während der Show gekotzt hatte und von der Bühne geflogen war, war der andere Alea zur Stelle gewesen. Es war doch wirklich zum Mäuse melken.

Das kleine L machte sich auf jeden Fall eine Menge Gedanken darum, während er dann doch brav die Wäsche machte. Er wollte seinem Mann bloß keinen Grund geben, sich noch weiter aufzuregen. Das war auch der einzige Grund, warum er heute etwas kochte, denn Hunger, den hatte er definitiv nicht. Zumal seine Zunge immer noch weh tat. Er hatte in der ganzen Aufregung auch vergessen zu kühlen. Deshalb waren inzwischen sein Handgelenk und sein Gesicht blau. Hätte er sich mal doch lieber zurückgehalten, dann wäre es nie soweit gekommen…
Sein Handy hatte auch geklingelt. Lasterbalk war wohl wieder ins Reich der Wachen gelangt. Er hatte tatsächlich geschlafen. Der Bandpapa hatte sich auch erkundigt, ob alles in Ordnung sei, oder ob etwas geschehen wäre. Doch der Dudelsackspieler hatte ihm nur mehrfach beteuert, dass sich sein Problem bereits von selbst gelöst hatte. Das war gelogen und Luzi war sich auch nicht sicher, ob der Lästerliche ihm geglaubt hatte. Aber er wollte seine Hilfe nicht. Auch wenn ein kleines Stimmchen ganz hinten in seinem Kopf einer anderen Meinung war. Diese Stimme ignorierte er getrost. Er wollte Lasterbalks Hilfe nicht… er musste selber erst einmal alles für sich ordnen und das Geschehene und seine Vermutung verarbeiten. Außerdem… das würde alles nur noch schlimmer machen. Er und Alea würde das sicher auch so hinbekommen… Sie mussten einfach. Andernfalls… wusste er auch nicht mehr weiter…

Er war sich nicht mehr so sicher über diesen Gedankengang, als der Blonde dann endlich nach Hause kam. Ohne ein Wort mit Luzi zu wechseln, begab er sich ins Bad um zu duschen und aß dann, was man ihm gekocht hatte. Er bedankte sich nicht, wirkte immer noch finster und sauer und das kleine L traute sich auch nicht, ihn anzusprechen. Um genau zu sein, traute er sich auch nicht, in einem Raum mit ihm zu bleiben und so verschwand er wieder im Waschraum, wo er die Wäsche aus der Waschmaschine nahm, um sie aufzuhängen. Denn solange er etwas zu tun hatte, rasten seine Gedanken nicht so schlimm. Solange konnte er auch so tun, als wäre alles in Ordnung.
Glücklicherweise ging Alea auch seiner eigenen Routine nach und suchte nicht den Kontakt zu ihm. So konnte Luzi sich auch früh bettfertig machen und sich auf seiner Betthälfte klein unter die Decke einrollen. Das kühle Kissen unter seiner geschundenen Wange tat unbeschreiblich gut. Aber er schlief nicht, das konnte er nicht. Nicht mit den rasenden Gedanken und der immer noch präsenten Angst. Vor allem, als Alea dann auch zu Bett kam irgendwann. Doch der Blondschopf beachtete ihn gar nicht, sondern drehte sich nur mit dem Rücken zu ihm und schlief seinerseits überraschend schnell ein. Darüber wiederum, war der Schwarzhaarige mehr als erleichtert. Dennoch fand er keinen Schlaf.

Alea wachte jedoch mitten in der Nacht auf und tapste auf leisen Sohlen noch einmal Richtung Badezimmer. Luzi hatte einen kurzen Blick riskiert, doch nun wusste er nicht, ob er sich im Dunkeln verguckt hatte, oder ob Aleas Haltung wirklich gelassener und lockerer gewirkt hatte. Wenn dies der Fall wäre, dann wäre das wirklich ein gutes Zeichen… hoffte er.
Er kaute wieder auf seiner Unterlippe herum und bemerkte nicht, als sein Mann wieder zurück ins Bett kam. Erst, als sich ein Arm um ihn legte, sprang das kleine L fast schon erschrocken auf. Auf jeden Fall zuckte er sehr heftig zusammen und riss seine Augen auf, während er panisch zu dem Mann hinter ihm schaute.
Doch der hatte abwehrend seine Hände gehoben und hatte seinerseits ebenfalls einen erschrockenen Blick auf dem Gesicht.
„Shhh, ich bin es nur Schatz… verzeih“, nuschelte der Ziegenbärtige und er klang verlegen. „Ich hatte dich nicht wecken wollen.“
Luzi hörte seinen eigenen Puls in den Ohren und es dauerte, bis er auch seine hektische Atmung wieder einigermaßen im Griff hatte. Dann schluckte er und musterte seinen Gegenüber etwas genauer. Da war Sorge auf den bärtigen Zügen und Aleas Augen… doch, da war sie. Die Wärme war wieder da. Es war… wie ausgetauscht. Wenn man ihm mit dem Mann verglich, der ihn geschlagen hatte.
„Schon… schon gut…“, brachte Luzi zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Nichts war gut, aber das konnte er unmöglich sagen. Er legte sich stattdessen wieder hin. Auf die Seite. Aber er lauschte darauf, was der Sänger tat.
„Okay… entschuldige trotzdem. Ich wollte dich nicht erschrecken“, entschuldigte Alea sich direkt wieder. Auch kam er wieder, deutlich vorsichtiger und langsamer, und legte den Arm um das kleine L. Dieser zwang sich dazu wenigstens einigermaßen entspannt zu bleiben. „Mach wieder die Augen zu, Schatz. Und schlaf gut.“
Luzi spürte, wie ihm ein sanfter Kuss in den Nacken gedrückt wurde, dann vergrub sich eine Nase in seinen Haaren. Unter normalen Umständen hätte er diese Position geliebt, aber jetzt würde er lieber auf Abstand gehen.
„Danke… dir auch schöne Träume“, gab er zurück und er versteckte seine bebenden Hände unter der Decke, während er darauf wartete, dass sein Bettgenosse wieder tief und fest schlief. Glücklicherweise ging das schnell.

Ihm wurde in diesem Moment auch bewusst, dass er sich eigentlich nur etwas vor machte. Sie brauchten professionelle Hilfe, ALEA brauchte professionelle Hilfe. Aber er würde sie nicht annehmen. Und Luzi selbst… er wusste doch auch nicht weiter. Er konnte doch auch nicht mehr als hoffen…
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