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But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
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03.07.2019 648
 
„Entschuldigung!“, brach Felipe schließlich das Eis.
Um sie herum ebbte der Applaus langsam ab, die letzten Ausläufer des Feuerwerks tauchten den Himmel noch in buntes Licht, das auf den verdutzten Gesichtern der beiden Männer ein Schattenspiel vollführte.
Christoph winkte fahrig ab.
„Ich bitte Sie, es ist ja nichts passiert.“
Christoph griff nach einer der Scherben, aber ein schneidender Schmerz ließ ihn die Hand mit einem schmerzerfüllten Zischen zurückziehen. An der Kuppe seines Zeigefingers hatte sich eine kleine Wunde geöffnet. Ein winziges Rinnsal Blut sickerte aus ihr hervor.
„Zeigen Sie mal!“, bot Felipe an und wollte nach Christophs Hand greifen, doch der winkte ab.
„Das wird nicht nötig sein!“, warf er barsch ein und erhob sich endlich.
Felipe folgte ihm.
„Ich werde das vom Personal beseitigen lassen. Bitte verzeihen Sie diesen Zwischenfall!“, bat Christoph, und, ohne eine Antwort abzuwarten, ging er an Felipe vorbei und lief zum Hotel.
Felipe wand sich um und sah Christoph nach. Er versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Was war da gerade nur passiert? Und warum war er so übermäßig besorgt um einen wildfremden Mann, der sich eine kleine, fast alltägliche Wunde zugefügt hatte? Mit schwirrendem Kopf machte Felipe ein paar Schritte auf den Fürstenhof zu.

Christoph betrat das Hotel, durchquerte die Lobby, stieß die Tür zum Waschraum für Herren auf, und ging zum Waschbecken. Er drehte den Wasserhahn auf und ließ kaltes Wasser über den blutgetränkten Finger fließen. Für einen Moment brannte es, bevor das kalte Nass den Schmerz linderte. Und dann trugen Christophs Gedanken ihn zurück zu dem, was gerade passiert war. So ungehalten war er eigentlich nicht vor den Gästen gewesen, und er kannte es auch nicht an sich selbst, dass er so unprofessionell sein konnte. Die Hand dieses Herrn hatte die seine nur eine Millisekunde lang gestreift, doch bei Christoph hatten sich sämtliche Haare aufgestellt, als er diese raue, männliche Haut auf seiner eigenen gespürt hatte. Ein angenehmes Kribbeln hatte sich von dieser Stelle ausgebreitet, doch  es wurde von einem kurzen, unterdrückten Bild von jenem schicksalhaften Tag zu Nichte gemacht. Dieses Bild hatte sich an die Oberfläche seines Bewusstseins zurückgekämpft und ließ sich nun nicht so einfach abschütteln. Christophs Atem stockte, er konnte nicht mehr durchatmen, da war er wieder, dieser ekelhafte Biergeruch, wie als würde es gerade passieren. Panisch hielt er seine zitternden Hände unter den noch laufenden Wasserstrahl, und, als sie sich mit etwas Wasser gefüllt hatten, warf er sich den Schwall in das Gesicht. Er nahm eines der bereitliegenden Fließhandtücher, und presste sein Gesicht hinein. Er musste diese Gedanken unterdrücken. Er atmete durch. Er musste sich zusammenreißen.

Felipe schloss die Tür seines Hotelzimmers hinter sich, und drückte auf den Lichtschalter. Christoph Saalfelds Gesicht ließ ihn nicht los. Diese kleine Berührung hatte sich so gut angefühlt, aber anscheinend dachte Christoph Saalfeld da anders, irgendwie war der sonst so souverän wirkende Hotelier ins Schwimmen gekommen. Felipe ließ sich auf das Bett sinken und starrte die Zimmerdecke an. Dieses Kribbeln im Bauch, das er verspürte, sein Herz, das schneller pochte. Konnte das wirklich sein…hatte er sich etwa ein bisschen in Herrn Saalfeld verknallt? Nein, das konnte nicht sein. Schon lange hatte er nicht mehr solche Gefühle gehabt, auch, wenn sie keinesfalls neu für ihn waren. Schon als Teenager hatte er gemerkt, dass er sich nicht nur für Mädchen interessierte, und ja, er war auch schon mit anderen Männern zusammen gewesen, sowohl körperlich als auch emotional. Er hatte sich nie eines dieser veralteten, bigotten Labels aufdrängen lassen. Wenn es passte, passte es eben. Egal mit wem. Aber Felipe war sich sicher, dass aus diesem Strohfeuer wohl nur eine Urlaubserinnerung bleiben würde. Mit einem resignierten Stöhnen schwang sich Felipe von seinem Bett auf, wischte sich den Schweiß der schwülen Sommernacht von der Stirn, legte seine Kleidung Stück für Stück ab, und ging ins Bad. Was er jetzt brauchte, war eine Dusche, und dann würde er versuchen, etwas zu schlafen.
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