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But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
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Dieses Kapitel
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02.07.2019 978
 
Felipe lag eineinhalb Stunden auf dem Bett in seinem Zimmer und las im Internet über Bichlheim und den Fürstenhof. Die Bewertungen des Hotels waren sehr gut gewesen; nicht uninteressant fand Felipe allerdings auch einiges Zeitungsartikel aus der Vergangenheit des Hotels. Anscheinend war die Familie Saalfeld, die das Hotel leitete, weit verzweigt. Doch die Resonanz auf das Hotel war alles in allem sehr positiv, selbst das Wort „Märchenschloss“ fiel in einer der Bewertungen. Also genau das, was er jetzt brauchte. Ein Ort, an dem die Zeit, das Leben, still stand, damit er zur Ruhe kommen konnte. Und doch, vom Starren auf den Bildschirm erfuhr er eben nur Fakten und Meinungen. Er musste es selbst erleben. Also schwang er sich aus dem Bett, suchte seine alte, verwaschene Lieblingsjeans, die an einem der beiden Knie durchlöchert war, und das dunkle Polohemd, das er am liebsten trug, heraus und zog sich um.

Zehn Minuten später betrat Felipe das Foyer. Aus der Ferne sah er den betagten Mann, der ihn so nett empfangen hatte, hinter dem Empfangstresen stehen und etwas mit einem Mann, der etwas älter sein musste als Felipe, besprechen. Das musste der Mehrheitseigner des Fürstenhofs sein. Felipe hatte ihn auf einem Bild im Internet gesehen, und er versuchte, sich an den Namen zu erinnern…Boris war der Name seines Sohnes gewesen, Felipe hatte das Hochzeitsfoto gesehen, Boris und sein Ehemann waren ein schönes Paar gewesen. Felipe hatte es sich angesehen, allerdings hatte es nur einen Moment gedauert, bis er daran erinnert wurde, dass er in zwei Monaten eigentlich hätte genauso posieren müssen. Doch wie hieß dieser Mann. Felipe erinnerte sich nur, dass er ihn attraktiv fand. Nun fiel der Groschen. Christoph. Christoph Saalfeld, genau, das war er. Felipe kam langsam an den Empfang, er wollte das, zweifellos wichtige Gespräch nicht stören.
„…ja, für das Feuerwerk heute Abend ist alles vorbereitet!“, versicherte Herr Sonnbichler erneut.
Christoph nickte.
„Wunderbar. Heute Abend darf nichts schief gehen, die Presse wird anwesend sein.“
Mit einem flüchtigen Seitenblick auf Felipe, der geduldig vor dem Tresen wartete, ging Christoph zurück in sein Büro. Alfons Sonnbichler sah Christoph einen Moment hinterher, bevor er sich, zuvorkommen lächelnd, Felipe zuwand.
„Herr Pereira de la Cruz, was kann ich für sie tun?“
„Entschuldigen Sie, habe ich da richtig gehört, ein Feuerwerk?“
Alfons nickte.
„Ja, heute Abend. Es wird ein kleines Konzert von unserer Bar-Chefin Frau Natascha Schweitzer in unserer Piano-Bar geben, und als Abschluss des Abends gibt es ein Feuerwerk. Sie sind gerne herzlich dazu eingeladen.“
„Danke, ich werde darüber nachdenken.“, erwiderte Felipe.
„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“
Felipe erinnerte sich wieder, warum er eigentlich an den Empfang gekommen war.
„Ja, ich brauche ein paar Informationen…“

Christoph ließ sich hinter seinem Schreibtisch auf seinen Stuhl sinken. Der heutige Abend war wichtig für den Fürstenhof. Er hoffte, dass, nach all den turbulenten Monaten, endlich wieder bessere Zeiten für das Hotel anbrechen würden.

„Einen Tequila Sunrise bitte!“, bestellte Felipe. Nachdem er sich das Dorf angesehen hatte, war er noch einmal in sein Zimmer gegangen und hatte sich für den Abend fertig gemacht. Seine Jeans hatte er gegen eine helle Hose eingetauscht, dazu ein zartrosa Hemd und ein legeres Sportsakko.
„Sehr gerne!“, entgegnete die junge, zierliche Kellnerin freundlich und wuselte davon.
In diesem Moment kam eine großgewachsene, blond gelockte Frau in einem schwarzen Kleid, das ihre Figur an genau den richtigen Stellen betonte, in den Raum und schritt unter dem Applaus der Gäste auf eine kleine Bühne rechts neben der Bar, auf der auch ein Konzertflügel stand.
„Vielen Dank, vielen Dank!“
Die Dame machte eine kleine Verbeugung.
„Es freut uns, dass sie heute zu uns gekommen sind. Ich hoffe, wir schenken Ihnen einen unvergesslichen, magischen Abend.“
Mit einem Seitenblick zu dem Pianisten setzte die Musik ein, und die Dame begann, „Summer Wine“ zu singen.
Es wurde ein schöner Abend, Felipe konnte für ein paar Stunden vergessen, was vorgefallen war. Natascha Schweitzer hatte eine wundervolle, angenehme Stimme und schaffte es, ihn damit zu erreichen. Gerade hatte sie ihr letztes Lied „I’ve never been to me“ beendet und badete im Applaus.
„Danke schön, danke schön. Nun ist es Zeit, diesen magischen Abend ausklingen zu lassen. Dazu bitte ich sie, mit mir nach draußen auf den Vorhof des Fürstenhofs zu kommen. Wenn Sie wollen, nehmen Sie ein Glas Champagner mit, welches unser Personal für Sie am Ausgang bereithalten. Vielen Dank, sie waren ein wundervolles Publikum. Gute Nacht.“
Die Gäste erhoben sich und gingen nach draußen. Felipe wartete noch einen Moment, bevor er sich erhob und der Menge folgte. Als er draußen ankam, hatten die Kellner bereits alle Gläser vergeben, doch das machte ihm nichts aus. Er stellte sich etwas abseits von der Menge und wartete auf das versprochene Himmelsspektakel.
„Haben Sie kein Glas bekommen?“
Felipe fuhr herum. Christoph Saalfeld war zu ihm herüber gekommen, mit einem Glas in der Hand.
„Nein, ich war leider etwas zu spät. Aber das ist in Ordnung.“
„Hier, nehmen Sie doch meines! Es ist noch unbenutzt“, bot Christoph an und hielt Felipe sein Glas hin.
Felipe streckte die Hand aus, um das angebotene Glas von Herrn Saalfeld entgegenzunehmen. Dabei streifte seine Hand die Christophs und es durchfuhr Felipe wie ein Blitz. Christoph zuckte erschrocken zusammen. Das Glas glitt ihm aus der Hand und fiel scheppernd zu Boden, wo es in viele Scherben zerbrach.
„Entschuldigen Sie…“, kam es von beiden gleichzeitig.
„Ich weiß nicht, was…“, setzte Christoph zu einer Erklärung an.
„Ich habe nicht…“, probierte es Felipe zeitgleich.
Beide gingen gleichzeitig in die Knie um die Scherben aufzuheben. Und beide waren dabei so forsch, dass sie mit den Köpfen zusammenstießen. Einen Moment betasteten sie die Stelle, an der sie zusammengestoßen waren, dann sahen sie sich an, keiner wusste, was er jetzt sagen sollte. In diesem Moment ging das Feuerwerk los, und die Menge stöhnte überrascht auf und klatschte, doch Christoph und Felipe schienen es nicht zu hören.
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