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But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
04.10.2020 1.068
 
4 Wochen später.

Felipe saß abends auf seinem Sofa bei einem Glas Wein und zappte sich lustlos durch die Kanäle. Es gab einfach nichts, was ihn momentan fesselte. Immer wieder ging sein Blick zu seine Smartphone neben ihm, in der Hoffnung eine Nachricht zu erhalten. Aber das Display blieb schwarz. Wie die letzten Tage auch. In den ersten Wochen hatten er und Christoph sich oft abends geschrieben, nicht wirklich intensiv, sondern nur wie um sich zu versichern, dass der jeweils andere immer noch da war. Doch vor ein paar Tagen hatte Felipe keine Antwort mehr bekommen. Er hatte danach nur noch eine Nachricht geschrieben, und nachgefragt, ob alles in Ordnung sei. Doch auch diese zweite Nachricht blieb leider unbeantwortet. Er wurde unruhig. Was war los? Hatte Christoph sich von ihm losgesagt, bevor es überhaupt richtig losging? Hatte Christoph bei seiner Therapie – Felipe war sich sicher, dass Christoph sich in therapeutische Behandlung begeben hatte – vielleicht festgestellt, dass er doch nicht auf Männer, oder speziell auf Felipe stand, und einen Schlussstrich gezogen? Was, wenn Christoph morgen – den Termin hatte er Felipe genannt - zurückkommen, und sich von ihm trennen würde? Konnte man es überhaupt trennen nennen? Waren sie überhaupt ein Paar? Für einen kleinen, widerlichen Moment dachte Felipe auch daran, dass Christoph jemand anderes kennengelernt hatte, aber diesen Übelkeit erregenden Gedanken verwarf er schnell wieder – so war Christoph nicht…oder?

Er zuckte zusammen, als sein Handy klingelte. Er nahm es zur Hand. Christophs Name. Sein Herz rutschte in die Hose. Was würde ihn erwarten? Er nahm das Gespräch an, und hob das Telefon langsam an sein Ohr.
„Dígame?“, meldete er sich.
„Felipe?“, meldet Christoph sich knapp.
„Christoph, was für eine Überraschung.“
Das klang sarkastischer, als Felipe gewollt hatte, aber er konnte seine Emotionen einfach nicht verbergen, nicht vor ihm.
„Stör ich dich gerade?“, wollte Christoph wissen.
Felipe sah kurz zu dem Bildschirm. Irgendein Krimi, der wohl in Barcelona spielte, was die Sagrada Familia belegte. Ein Verdächtiger gerade von einem gut aussehenden Kommissar verhört wurde. „Xavi“ wurde eben von seiner Partnerin aus dem Verhör geholt.
„Nein.“, meinte Felipe schließlich.
„Okay.“
Einen Moment Schweigen. Felipe wusste nicht wirklich, was er sagen sollte.
„Warum hast du dich nicht gemeldet?“, klang ziemlich klammernd.
„Entschuldige, dass ich mich die letzte Woche nicht gemeldet habe, aber die Therapie war ziemlich intensiv, und ich war einfach…nicht in der Lage.“
„Schon okay!“, beschwichtige Felipe ihn – und auch sich selbst.
„Hauptsache, es geht dir besser.“, fügte er hinzu.
„Das tut es, ich sehe einiges klarer.“
„Schön.“, meinte Felipe verhalten.
Da klingelte es an der Tür.
„Erwartest du Besuch?“, fragte Christoph.
Felipe rollte mit den Augen als er sich erhob.
„Eigentlich nicht…einen Moment“
Felipe ging zur Tür, das Handy hatte er auch seinen Brustkorb gedrückt, um die Geräusche zu dimmen. Als er sich öffnete traute er seinen Augen nicht.
Vor seiner Tür stand Christoph mit einem triumphalen Grinsen, das Handy am Ohr.
„Überraschung!“, meinte er und lachte Felipe entgegen.
„Was zum…?“, fing Felipe an.
Doch dann fiel er Christoph in die Arme. Der torkelte überrumpelt einen Schritt zurück, bevor er seine Arme um den Latino schlang. Nach ein paar Sekunden löste Felipe sich aus der Umarmung, und schlug Christoph mit der Faust auf den Brustkorb.
„Au! Wofür war das denn?“
Christoph rieb sich die Brust.
„Dafür dass du mich hast zappeln lassen. Ich habe mir schon wer weiß was ausgemalt.“
Felipe verschränkte die Arme. Christoph grinste.
„Du lässt mich also nicht rein?“, fragte er.
Verdammt, wann hatte Christoph sich diesen herzschmelzenden Dackelblick zugelegt?
„Na gut!“, meinte Felipe schließlich und ließ Christoph mit seinen beiden Koffern an ihn vorbei in seine Wohnung.
Als er sich zu Christoph umdrehte wurde er von ihm mit einem Kuss überrascht.
„Das wollte ich schon so lange machen.“, meinte Christoph und streichelte über Felipes Schultern.
„Ich dachte, du kommst erst morgen?“, fragte Felipe.
„Ich habe meine Therapie um einen Tag verkürzt. Ich wollte unbedingt ein bisschen ungestört mit dir sein, bevor ich an den Fürstenhof zurückkehre.“
„Aber, ist das in Ordnung?“
„Mein Arzt meinte, ja. Wenn ich dazu bereit bin.“
Felipe und Christoph gingen zum Sofa und ließen sich sinken. Sie sahen sich an, einen Moment waren sie wie Teenies und fingen an zu kichern.
„Also, dir geht es gut?“, fragte Felipe.
„Ja, es war schwer, über das alles zu reden, aber es geht mir sehr gut. Ich hab meine Gedanken geordnet, einigen Ballast hinter mir gelassen und bin bereit, ein neues Leben zu beginnen.“
Chris nahm Felipes Hand.
„Ich habe dich vermisst.“, hauchte Christoph.
„Ich dich auch!“, gab Felipe zu.
Felipe näherte sich Christoph, langsam, vorsichtig. Christoph wusste, was Felipe wollte, und er wollte es auch, und er legte seine Hand um Felipes Hinterkopf und zog ihn langsam zu sich. Ihre Lippen trafen sich. Sie ließen sich in den Moment sinken, auf den sie so lange gewartet hatten, und Felipe merkte, spürte, dass es anders war, dass Christoph anders war. Da war kein Zögern, kein Widerwillen mehr. Christoph war okay mit…dem Hier und Jetzt. Atemlos sahen sich die beiden in die Augen, Stirn an Stirn.
„Ich will dich.“, flüsterte Christoph.
Felipe wurde warm ums Herz. Er wollte ihn. Wirklich und richtig. Felipe gab Christoph noch einen kurzen Kuss, bevor er aufstand und Christoph die Hand hinhielt. Christoph nahm sie und ließ sich von Felipe ins Schlafzimmer führen.
„Oh, ein Doppelbett.“, meinte Christoph amüsiert.
„Ja, du weißt ja, falls ich mal…Besuch haben sollte, und…“
Nun war es an Christoph, ihn zu boxen.
„Aua!“
Die beiden lachten, und Christoph zog Felipe in eine weitere Umarmung.
„Ab sofort bist du belegt!“, stellte Christoph klar und zog Felipe an sich.
Er spürte den bebenden Körper auf seinem, er spürte, dass Felipe erregt war, genau wie er, und er wusste, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, ihnen beiden diesen Abend, und diese Nacht zu geben. Der Rest seines neuen alten Lebens würde noch früh genug kommen, aber er wusste, mit Felipe an seiner Seite, mit seiner neuen Einstellung zu seinem Leben, konnte nichts ihm etwas anhaben.
Er hatte lange nachgedacht und überlegt, was wohl seine Kinder zu seinem neuen Leben sagen würden. Vor allem das bevorstehende Gespräch mit Boris lag ihm schwer im Magen. Wie sollte er ihm erklären, was in ihm vorgegangen war, was jetzt anders war?
Doch für diese Nacht war das alles nicht wichtig. Wichtig war Felipe. Und er. Sie beide. Zwei Männer, die sich liebten.  Und das war das wichtigste.
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