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But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
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Dieses Kapitel
1 Review
 
26.07.2020 971
 
Das erste, was Pepe wahrnahm, als er langsam wieder zu Bewusstsein kam, war das Brummens seines Kopfes und der pochenden Schmerz in seinen Rippen. Er hielt seine Augen noch einen Moment geschlossen. Er konnte sich nicht erinnern, was passiert war. Er hatte über Christoph nachgedacht, und dann war da dieser Stoß, der näherkommende Boden und…Nichts.  Er stöhnte auf und öffnete blinzend die Augen. Das kalte Neonlicht an der Decke blendete ihn. Neben ihm eine vertraute Stimme.
Doktor Michael Niederbühl trat an sein Bett.
„Felipe, da bist du ja wieder.“
Dr Niederbühl besah sich die Monitore. Alles war soweit in Ordnung. Dann wand er sich wieder Felipe zu.
„Du hast und ja einen ganz schönen Schrecken eingejagt.“
„Wo bin ich?“, fragte Felipe leise.
„Im Krankenhaus. Du wurdest bewusstlos aufgefunden, und dann hierhergebracht.“
„Ich erinnere mich an nichts mehr…“
„Du hast vier gebrochene Rippen und eine Gott sei Dank nur leichte Gehirnerschütterung. Ich hole Doktor Metzger, er hat dich operiert.“

Im Fürstenhof hatte der Überfall auf Felipe Pereira de la Cruz bereits die Runde gemacht, und war aktuell das Thema Nummer 1 unter den Angestellten. Christoph Saalfeld versuchte, das alles auszublenden. Er hatte ganz Bichlheim nach Felipe abgesucht, gebetet und gehofft, dass er noch nicht zu spät kam, wohin auch immer. Und als er ihm dann gefunden hatte, er hatte ihn dort liegen sehen, zusammengekauert, bewusstlos und Blut sickerte aus seinem Kopf. Er hatte anonym einen Krankenwagen gerufen und in sicherer Entfernung gewartet, bis die Sanitäter eingetroffen waren. Dann hatte er sich davongestohlen. Zwei Tage war das nun her.

Plötzlich stand Schulz vor ihm, und Christoph konnte es nicht fassen.
„Sind Sie wahnsinnig, hier aufzutauchen?“, fauchte er.
„Warum, es weiß doch keiner, dass Sie etwas damit zu tun haben…“
Schulze hatte das „Sie“ besonders betont.
„Machen Sie, dass Sie hier rauskommen. Ich benötige Sie nicht mehr. Scheren Sie sich zum Teufel!“
„Vorsicht, Herr Saalfeld! Ich reagiere nicht gut auf Drohungen!“
„Ich auch nicht!“, meinte Christoph leise, aber bedrohlich.

Alicia, die sich gerade mit Herrn Sonnbichler über den Vorfall unterhalten hatte, sah, wie Schulz aus Christophs Büro kam und hastig die Eingangshalle Richtung Ausgang verließ. Irgendwas stimmte doch hier nicht.
„Herr Sonnbilcher, Sie entschuldigen mich?“, fragte sie.
„Aber natürlich!“, meinte der betagte Herr höflich.
Alicia klopfte an Christophs Tür und trat ein.
„Habe ich mich nicht deutlich…ach, Alicia, du bists!“, lenkte Christoph hastig ein.
Christoph wand sich wieder seinen Papieren zu. Alicia baute sich vor seinem Schreibtisch auf und schaute ihn an.
„Üble Sache, das was deinem Felipe passiert ist…“
Alicia hatte ihre Worte mit bedacht gewählt.
„Er ist nicht mein Felipe…“, meinte Christoph dumpf.
„Christoph, schau mich an!“
Nun war Alicia sehr bestimmt. Christoph hob den blick und sah Alicia an wie ein Hund, der gerade das größte Chaos angerichtet hatte.
„Hast du etwas damit zu tun?“, wollte Alicia wissen.
„Nein!“, log Christoph.
Aber Alicia hatte ihn durchschaut.
„Ich fasse es nicht. Du lässt ihn einfach so halb tot prügeln??? Ich dachte, du hast dich geändert. Und ich Idiot leg bei ihm auch noch ein gutes Wort für dich ein.“
Moment, was hatte Alicia da eben gesagt? Sie hatte mit Felipe gesprochen? Sie hatte für ihn, Christoph, Partei ergriffen?
„Was hast du ihm gesagt?“, fragte er.
„Keine Sorge, ich habe ihm nicht gesagt, was die angetan wurde…“
Christoph war etwas erleichtert.
„…aber wenn du jetzt noch irgendetwas zwischen euch retten willst, wirst du es ihm sagen müssen, Christoph. Ich weiß nicht, ob das jetzt noch etwas bringt, aber es ist deine einzige Chance.“
Christoph nickte niedergeschlagen.
„Ich habe versucht, Schulz zurück zu pfeiffen, aber ich habe ihn nicht erreicht. Ich habe ganz Bichlheim abgesucht, aber…und als er dann da so lag…ich habe einen Krankenwagen geholt, und als sie bei ihm waren bin ich abgehauen…“
Er verstummte.
Alicias Blick weichte etwas auf.
„Christoph, du wirst jetzt nicht mehr weglaufen können. Jetzt wirst du dich deiner Vergangenheit stellen müssen. Sonst war es das endgültig.“

Am Abend klopfte es an Felipes Krankenzimmertür. Felipe wachte auf, blinzelte kurz.
„Ja?“, kam es schläfrig.
Die Tür ging auf und Christoph kam, sich umsehend, herein.
„Herr Saalfeld…was machen Sie denn hier?“, fragte Felipe unverbindlich.
„Ich wollte nach dir sehen…“, meinte Christoph.
„Keine Sorge, Unkraut vergeht nicht.“, meinte Felipe.
Christoph schloss die Tür hinter sich und trat an Felipes Bett. Felipe so zu sehen, das Gesicht zerschlagen und geschwollen, versetzte ihm einen Stich.
„Das ist meine Schuld!“, dachte er bei sich.
Er griff nach Felipes Hand und drückte sie. Felipe sah ihn überrascht an.
„Christoph, wenn das wieder eines deiner Spielchen ist…“
„Nein, das ist es nicht, es ist…es tut mir so leid!“, flüsterte Christoph, und er spürte, dass seine Emotionen ihn zu übermannen drohten.
Er ließ Felipes Hand los.
„Ich wollte das nicht.“, fügte er hinzu.
Felipe sah Christoph an. Meinte Christoph wirklich, was er dachte, dass er meinte?
„Soll das heißen, das hier…“
Felipe machte eine schwere Bewegung mit der Hand.
„…habe ich Dir zu verdanken?“
Christoph nickte.
„Raus!“, forderte Felipe.
„Felipe, bitte, lass mich dir alles erklären, ich liebe…“
„Ich will kein Wort mehr von dir hören, Christoph. Ich bin es leid. Jedes Wort aus deinem Mund ist eine verdammte Lüge. Du küsst mich, du stößt mich weg, du schläfst mit mir, du stößt mich weg. Macht dir das eigentlich Spaß, andere Menschen zu zerstören? Bist du so klein, dass du dich auf Koste anderer stark machen musst? Was bist du nur für ein Mensch?“, spie Felipe, und hielt sich daraufhin die Rippen.
Er sank kraftlos ins Kissen.
„Geh, Christoph. Geh einfach!“
Felipe drehte sich auf die Seite, von Christoph weg. Einen Moment sah Christoph auf Felipes Rücken.
„Es tut mir leid!“, flüsterte er noch einmal.
Dann verließ er mit hängenden Schultern das Zimmer. Er hatte es gefühlt, und am Ende verspielt, das wusste er. Diese Tür war endgültig zu…
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