Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
12.07.2020 1.261
 
28.     Breaking Bones
Christoph hatte Felipes Bewerbungsfoto aus dessen Akte abfotografiert und betrachtete es ein paar Momente lang. Sollte er seinen Plan wirklich durchziehen? Bilder der Nacht, die sie miteinander verbracht hatten, fluteten seine Gedanken. All die Streitereien, die sie hatten, seine Intrigen, die er gesponnen hatte, um Felipe das Leben schwer zu machen. Dieses Mal hatte er ein schlechtes Gewissen gehabt bei seinen perfiden Plänen gegen Felipe Pereira de la Cruz.
„Grins nicht so triumphal!“, zischte er seinem Bildschirm zu, von dem ihm dieser Mann anlächelte.
Er fasste sich ein Herz und sendete das Bild wie abgemacht an seinen Handlanger Schulz. Der würde den Rest schon für ihn erledigen, dessen war er sich sicher.

Nachdem er das Foto abgesandt hatte, wusste er nicht, wohin mit sich. Er stand auf, und ging zum Fenster.

Es geht nicht anders. Das ist die letzte Chance, ihn loszuwerden. Sonst weiß ich nicht, was mit mir passiert. Er muss verschwinden! Ich hoffe nur, Schulz geht nicht zu weit, sonst…

Alicia kam in die Pianobar, wo sie bereits von ihrem jüngeren Bruder Paul erwartet wurde, der, als er sie sah, freudig aufsprang und sie an sich drückte.
„Schwesterherz! Schön, dass du da bist!“
„Paul, schön, dich zu sehen!“
„Wie geht es euch, was macht das Baby?“
„Dem geht es gut soweit, uns auch.“
„Warum seid ihr hier?“, wollte Paul wissen.
Nun zögerte Alicia einen Moment.
„Christoph hat Probleme…“
Paul verdrehte die Augen.
„Wann hat er die mal nicht…“
Paul sah hinüber zu Felipe. Das Personal hatte bemerkt, dass es zwischen Christoph und ihm einige Spannungen gab, die beiden Hitzköpfe waren immer wieder aufeinandergetroffen. Alicia folgte seinem Blick zu einem gut aussehenden Mann, in etwa in Christophs Alter. Er sah etwas südländisch aus. Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Das war doch nicht etwa er? Sie wand sich Paul zu.
„Arbeitet Frau Schweitzer nicht mehr hier?“, wollte sie wissen.
„Nur noch Teilzeit. Bandscheibenvorfall.“, erzählte er.
„Das ist Felipe Pereira de la Cruz, er kam vor ein paar Wochen aus Lübeck zu uns.“
Paul deutete rüber zur Bar.
„Komm, ich will dich ihm vorstellen. Wir sind befreundet.“
Alicia nickte und Paul winkte Felipe, der sofort herüberkam und Alicia freundlich ansah.
„Hallo Paul, wer ist denn diese schöne Dame?“
„Felipe, das ist meine große Schwester Alicia. Alicia, das ist Felipe Pereira de la Cruz!“
Alicia reichte Felipe die Hand.
„Encantado, Señora!“
Felipe beugte sich leicht nach vorne, so als wollte er Alicias Handrücken küssen.
„Freut mich sehr, Herr Pereira de la Cruz.“
„Nennen Sie mich einfach Felipe bitte. Das geht leichter von der Zunge!“

Zwei Stunden später spazierten Alicia und Viktor durch das Dorf.
„Schon irgendwie komisch, wieder hier zu sein…“, meinte Alicia nachdenklich.
„Nur ein Wort, und wir reisen wieder ab!“, stellt Viktor klar, und Alicia, wusste, er meinte es nur gut, aber sie schüttelte den Kopf.
„Dein Vater braucht mich…vielleicht sogar uns…jetzt mehr denn je…“
„Willst du mir nicht endlich sagen, was mit ihm los ist?“
„Nein, vertrau mir einfach…“
Alicia sah in der Ferne Felipe Sachen in ein Haus bringen.
„Du, ich muss noch etwas erledigen. Wolltest du nicht sowieso nochmal zum Gestüt?“
Viktor nickte und die beiden verabschiedeten sich mit einem Kuss, bevor Alicia langsam auf das Haus zuging, in dem Felipe soeben verschwunden war. Nicht sicher, ob sie das Richtige tat, wartete sie, bis Felipe aus dem Haus kam.
„Felipe!“
Felipe blieb sofort stehen und lächelte.
„Frau Lindbergh!“
„Bitte, Alicia.“
„Gut, Alicia! Was kann ich für Sie tun?“
„Haben Sie vielleicht ein paar Minuten Zeit? Ich würde gerne über etwas mit Ihnen sprechen?“, fragte Alicia.
Felipe sah sie neugierig an. Worüber sie wohl mit ihm sprechen wollte?
„Gerne, geben Sie mir fünf Minuten!“

Fünf Minuten später gingen die beiden nebeneinander her.
„Also, Sie wollten mit mir über etwas sprechen.“, brach Felipe schließlich das Eis.
Alicia sagte erst einmal nichts.
Dann…
„Sie sind der Mann, mit dem Christoph Saalfeld geschlafen hat, richtig?“
Stille. Felipe blieb stehen und sah Alicia an. Eigentlich musste er für diesen Übergriff böse sein, aber irgendwie hatte sie etwas Entwaffnendes, das ihn einfach nur perplex werden ließ.
Er nickte. Alicia sagte erst einmal nichts, und so fing er an, zu erzählen.
„Ich hatte schon lange keine Gefühle mehr für einen anderen Mann, aber er…Und er sendet mir ständig gemischte Signale, ich weiß nie, woran ich bei ihm bin. Im einen Moment küssen wir uns, im anderen schickt er mich zum Teufel. Das ist krass, wie schnell das bei ihm umschlägt. Nachdem wir miteinander geschlafen haben, dachte ich eigentlich, wir hätten einen Chance zusammen, weil dass da von ihm auch mehr ist, das spüre ich einfach, aber…“
Ja, aber. Was aber? Er wusste nicht, was aber.
Nun ergriff Alicia das Wort.
„Felipe, Christoph ist ein komplexer, vielschichtiger Mensch. Niemand weiß das besser als ich. Ich war immerhin mit ihm verheiratet. Ich kann Ihnen nur raten, engen Sie ihn nicht ein, und geben Sie auf sich selbst Acht. Das soll nicht heißen, dass Sie mit dem Thema abschließen sollen, nur, dass es sehr, sehr schwierig ist…Christoph kann sehr liebevoll sein. Aber er ist nun einmal geprägt und kann nur sehr, sehr schwer raus aus seiner Haut.“

Felipe sah Alicia lange an.
„Weiß er, dass Sie mit mir reden?“, wollte er wissen.
„Nein, und es würde ihm wohl auch nicht wirklich gefallen. Aber er steht sich einfach meistens selbst im Weg…Trotz allem, was er mir angetan hat, glaube ich, dass er unter all den Narben, die er geschlagen hat und die ihm geschlagen wurden, ein wunderbarer Mensch sein kann.“

Christoph kam nicht zur Ruhe. Er sah auf seine Uhr. Gleich musste es passieren. Wie sehr Schulz Felipe wohl zusetzen würde? Bilder von einem blutüberströmten Felipe kam ihm in den Sinn, auf dem Boden liegend, über ihm ein Notarzt und ein Sanitäter kniend, ein weißes Laken, dass von unten über ihn gelegt wurde… Nein!

Ich muss Schulz zurückpfeiffen. Felipe darf nichts passieren!

Christoph nahm sein Handy und wählte die Nummer seines Handlangers, aber es ging niemand hin.
„Verflucht!“, zischte Christoph und ging schnellen Schrittes aus dem Büro.

Schulz hatte auf sein Handy gesehen und Christoph Saalfelds Namen gelesen, aber er hatte nicht die Zeit, jetzt zu telefonieren. Er hatte beobachtet, wie Alicia Lindbergh sich mit seinem Ziel getroffen hatte und nun verfolgte er die beiden aus sicherer Entfernung, darauf wartend, dass sie sich trennten und er Felipe alleine auflauern konnte.

„Es tut mir Leid, dass ich Sie so überfallen habe, aber ich dachte, ich muss ihnen einige Dinge über Christoph erklären.“
Felipe nickte.
„Ich bin froh, dass Sie es getan haben. Ich denke, ich sehe jetzt einiges klarer.“
„Was auch immer Sie jetzt vorhaben…Ich wünsche Ihnen viel Glück!“

Christoph hastete aus dem Fürstenhof heraus. Hoffentlich kam er nicht zu spät, hoffentlich war Felipe noch nichts zugestoßen. Er musste ihn finden. Und zwar schnell

Felipe schlenderte ziellos über einen Wiesenweg und dachte über das Gespräch mit Alicia nach. Selten hatte er eine so bedachte junge Frau gesehen. Und das war sie ihm gesagt hatte, beschäftigte ihn. Sollte er um Christoph kämpfen? Wie konnte er das tun, ohne sich selbst zu verlieren? Plötzlich spürte er einen Stoß im Rücken. Er konnte sich nicht abfangen und fiel zu Boden. Gerade, als er sich wieder aufrichten wollte, spürte er einen Tritt in die Magengegen.

Kracks!

Ein zweiter ging direkt auf die Rippen, mindestens 2 brachen. Den dritten sah er kommen, spürte, wie der Schuh auf sein Gesicht traf, und dann…
hüllte ihn eine einladende, schmerzlindernde Finsternis ein.

Felipe Pereira de la Cruz war ohnmächtig.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast