Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.07.2020 1.203
 
Er küsste ihn zärtlich auf die Lippen. Jede Berührung jagte ein 100.000 Volt Kribbeln durch seine Nervenbahnen. Nackt lagen sie eng umschlungen auf dem Bett und berührten sich überall, ihre hitzig bebenden Körper von einem feucht glänzenden Schweißfilm überzogen. Er wollte ihn fühlen, ihn spüren, ganz nah, noch näher. Er spürte seine Hand auf seiner Pobacke, wie sie zupackte. Fragend, fordernd. Er brach aus dem Kuss aus und warf mit einem lustvollen Stöhnen den Kopf in den Nacken. Dann sah er ihm in die Augen, für einen Moment verständigten sie sich ohne Worte, bevor er nickte und sich auf den Bauch dreht. Er spürte, wie sein Gewicht sich verlagerte, wie er mit seinem Körper langsam seinen eigenen bedeckte, fühlte die Männlichkeit, seinen Atem in seinem Nacken, ein Flüstern in seinem Ohr…

Schweißgebadet für Christoph hoch und sah sich in seinem dunklen, abgesehen von ihm leeren Schlafzimmer einen Moment verwirrt um, bevor er wusste, wo er war. Seine nackte Brust hob und senkte sich rasch. Dieser Traum, er war so…real gewesen. Christoph spürte weiter unten noch genau, wie real. Außerdem war es nicht nur ein Traum, sondern auch eine Erinnerung an dieses eine Mal, als er alle Zweifel, all den Ekel, all die Zurückhaltung über Bord geworfen hatte. Sein Atem beruhigte sich langsam wieder. Christoph stand auf, und ging zum Fenster. Es war eine sternenklare Vollmondnacht. Der Mond schien ihn still anzulachen, ihn zu bestätigen, dass es eigentlich ein sehr schöner Traum war. Träume logen nicht. Träume zeigten immer die Wahrheit, vor allem über sich selbst. Aber er…und ein Mann?? Er fasste sich an das wieder schneller schlagende Herz. Die Panik stieg in ihm hoch…Verdammt noch mal, warum war das alles nur so kompliziert?

Am nächsten Tag hatte Christoph das Handy am Ohr. Er hatte einen Plan gefasst. So konnte es einfach nicht weitergehen.
„Ja?“, kam es nur vom anderen Ende der Leitung.
Kein Name.
„Ich habe einen Auftrag für Sie. Es muss so schnell wie möglich passieren. Wann haben Sie Zeit? Wunderbar, dann erwarte ich Sie heute Nachmittag.“

„Bist du dir sicher, dass wir hier sein sollten?“, fragte Viktor Saalfeld noch einmal skeptisch, als er und seine Frau Alicia in den Fürstenhof kamen.
„Ja, Viktor. Ich habe dummes Gefühl, dass bald etwas passieren wird.“
„Und es hat mit meinem Vater zu tun?“, hakte Viktor noch einmal nach.
„Das habe ich dir doch schon gesagt!“, meinte Alicia nun etwas ungeduldig.
„Schon gut. Ich denke nur, wenn mein Vater in irgendeinem Drama verwickelt ist, sollte man eher in die andere Richtung fahren, nicht drauf zu. Und zwar so weit weg wie es nur geht.“
Die beiden traten zu Alfons, der die beiden anstrahlte.
„Herr Saalfeld, Frau Saalfeld. Was für eine Überraschung. Wir haben ja gar nicht mit Ihnen gerechnet!“
„Hallo Herr Sonnbichler. Ja, es war ein spontaner Beschluss, dass wir den Fürstenhof besuchen wollen. Haben Sie eine Unterkunft für uns?“
Der Hotelier sah kurz in seinem Computer nach.
„Ja, wir haben tatsächlich ein Doppelzimmer frei.“
Alicia lachte freundlich.
„Wundervoll. Sagen Sie, ist Christoph Saalfeld zu sprechen?“, fragte Alicia.
„Ich gehe mal zum Gestüt!“, gab Viktor von Ihnen zu verstehen.
Alicia nickte.
„Ist gut, ich komme nachher nach.“
„Er ist in seinem Büro.“

Felipe stellte die letzte Kiste ab und wischte sie über die schweißnasse Stirn. Endlich war er mit dem Umzug fertig gewesen. Seine Freunde hatten ihm geholfen, und er hatte auch nicht viel, aber es hatte sich einfach so lange hingezogen. Oder kam ihm das nur so lange vor, weil der Großteil seiner Gedanken immer noch um Christoph kreiste? Zwei Wochen war es jetzt her, dass sie das letzte Mal miteinander gesprochen hatten. Sie waren unterkühlt professionell miteinander umgegangen, wenn es denn sein musste, aber beiden war es lieber, die Kommunikation zwischen Mitarbeiter und Chefetage über Robert Saalfeld laufen zu lassen, so, wie Felipe es ursprünglich ausgehandelt hatte.

Felipe dachte immer noch gerne an diese eine Nacht zurück. Es war so schön gewesen. Doch mit der Erinnerung an diese Nacht kam auch die Erinnerung an den Morgen danach und an all das Drama, dass diese Beziehung – so es denn je eine war – so toxisch gemacht hatte. Es half ja nichts, er musste nach vorne schauen.

„Alicia!“
Christoph war überrascht aufgestanden und kam um den Schreibtisch herum. Er nahm seine Schwiegertochter in den Arm und gab ihr ein Küsschen links, ein Küsschen rechts.
„Was machst du denn hier?“
„Viktor und ich wollten uns mal ein paar Tage Ruhe gönnen.“, meinte Alicia, und setzte sich gegenüber von Christoph, der wieder hinter seinem Schreibtisch Platz nahm.
„Ist Viktor auch hier?“, fragte Christoph.
„Ja, er ist auch hier.“
Alicia sah Christoph an, Sollte sie es wagen und ihn einfach drauf ansprechen.
„Wie geht es dir, Christoph?“, wollte Alicia wissen.
„Ich habe ziemlich viel um die Ohren, das Hotel läuft gut, und…“
„Das meinte ich nicht, Christoph, und das weißt du…“, schnitt Alicia ihm das Wort ab.
Christoph wurde Ernst.
„Wenn du deswegen hergekommen bist, kannst du gleich wieder abreisen!“, schnarrte er.
Alicia zeigte sich unbeeindruckt.
„Also?“, fragte sie weiter.
Sie wusste, Christoph würde es ihr irgendwann sagen müssen. Ein paar Sekunden vergingen.
„Ich habe mit ihm geschlafen!“
Es war tonlos, neutral. Weder euphorisch, noch angewidert. Neutral. Alicias Augen wurden größer.
„Sag doch was!“, meinte Christoph, dem die Stille zusetzte.
Alicia dachte nach. Die nächsten Worte mussten wohlüberlegt sein.
„Wie war es für dich?“, fragte sie leise.
Christoph schnaubte auf. Genau das fragte er sich auch schon die ganze Zeit, er konnte es einfach nicht abschütteln. Er vermied es, Alicia anzuschauen und versuchte, sein Chaos im Inneren in Worte zu fassen.
„Für diese eine Stunde war es…unglaublich schön…“
Er stockte.
„Er war so zärtlich, so liebevoll, so sorgsam, weißt du?“, flüsterte er.
Er räusperte sich.
„Aber danach…Er ist sofort eingeschlafen. Ich habe ihm ein paar Momente zugesehen, er hat gelächelt, meinen Namen geflüstert. Er muss von mir geträumt haben…er hat so zufrieden geseufzt. Und ich, ich habe Panik bekommen. Da lag ein nackter Mann neben mir ihm Bett, mit dem ich gerade Sex gehabt hatte, ohne es zu wollen…Das heißt, ich weiß nicht, ob ich es gewollt hatte. Es war schön, aber…Und da war auf einmal mein Trainer in meinem Kopf, und…ich habe mich rausgeschlichen. Gott sei Dank waren Frau Schweitzer und ihr Mann nicht daheim. Mitten in der Nacht hab ich ihn sitzen lassen, und…“
Er verstummte. Es fühlte sich für ihn so an, als habe er den Text wie ein Nachrichtensprecher von einem Teleprompter abgelesen. Er konnte es immer noch nicht einordnen, gefühlstechnisch.
„Christoph…vielleicht solltest du es ihm erzählen, was damals mit dir passiert ist, was man dir angetan hat. Und wenn es nur dafür ist, dass er es versteht.“
„Auf keinen Fall, Alicia. Das kann ich nicht. Ich will das nicht, diese Demütigung, das Mitleid. Das ertrage ich nicht.“
„Aber so kann es doch auch nicht weitergehen, oder? Sag mir nicht, du willst deine Gefühle jetzt für immer unterdrücken.“
„Vielleicht hat sich das bald eh erledigt…“, murmelte er.
Alicia sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Aber jetzt zu dir. Wie geht es dir, was macht die Schwangerschaft?“
Christoph hörte Alicia interessiert zu, als diese erzählte, wie es Ihnen die letzten Wochen ergangen war.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast