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But I'm A Creep

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
31
31.809
10
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Dieses Kapitel
1 Review
 
22.06.2020 983
 
Wasser prasselte auf den in der Dusche kauernden Christoph herunter. Es war schon lange kalt geworden, und so zitterte er, hatte jedoch nicht die Kraft, sich aufzurichten und die Dusche auszuschalten.

Wie konnte ich es nur so weit kommen lassen und mit de la Cruz schlafen? Es war, als würde eine unsichtbare Macht Besitz von mir ergreifen, mich mitreißen und mich lenken. Mit ihm schien genau dasselbe zu passieren. Wir hatten Sex. Es war so schön. Doch dann, danach… ich habe mich so geekelt. Als er geschlafen hat, habe ich mich herausgeschlichen, ganz leise, damit er ja nicht aufwacht. Ich hätte nicht gewusst, wie ich mich verhalten hätte, wenn er mich erwischt hätte. Einerseits wäre ich am liebsten die ganze Nacht bei ihm geblieben. Aber…ich kann das nicht. Ich stehe nicht auf Männer. Diese Tiere. Mein Trainer damals. Und jetzt das mit Felipe. Es kann nicht sein. Ich muss verhindern, dass es wieder passiert. Ich muss mich am Riemen reißen. Ich fühle mich immer noch so schmutzig. Was habe ich nur an mir, dass…

Christoph musste würgen, immer wieder, aber es kam nichts hoch.

Enttäuscht öffnete Felipe die Augen. Tatsächlich, das Bett war leer. Er seufzte. Es war so ein schöner Traum gewesen. Nach all den Wochen der Strapazen, der Ungewissheit, des Nachdenkens, waren er und Christoph Saalfeld endlich eins geworden. Es war so schön gewesen. Christoph war auf einmal ganz anders gewesen. Nicht so kalt, nicht so hart, nicht so…böse. Er war einfach ein Mann gewesen, der sich seine Gefühlen hingegeben hatte, und so hatten sie sich geliebt. In diesem Moment waren sie zwei liebende Seelen gewesen, deren Herzen im selben Takt geschlagen hatten.

Leider, leider, leider war es nur ein Traum. Wie heißt es in diesem einen Disneysong? A dream is a wish your heart makes. Ja, das stimmt. Ich habe Gefühle für Christoph, und ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als das er dieselben Gefühle für mich haben würde. Aber nicht Christoph Saalfeld. Er selbst hatte mehrfach abfällig über Homosexuelle gesprochen, und wer homophob ist, kann nicht selbst homosexuell sein, oder? Christoph Saalfeld ist homophob und ein Soziopath. Ich sollte mich von jetzt an von ihm fernhalten. Das tut mir nicht gut. Liebe tut weh, wenn sie nur aus einer Richtung kommt.

Mit diesem Gedanken schwang sich Felipe aus dem Bett und ging ins Badezimmer. Er warf sich als aller erstes drei Hände voll eiskaltes Wasser ins Gesicht, bevor er sich im Spiegel betrachtete. Nanu, was war das da an seinem Hals? Ein dunkler Fleck hatte sich da gebildet. Felipe legte den Kopf schief, um mehr Licht zu bekommen. Das war doch nicht etwas ein…Knutschfleck? Sollte das bedeuten, dass es vielleicht gar kein Traum war? Felipes Herz schlug höher. Wenn es wirklich wahr war, wenn sie wirklich miteinander…Warum war Christoph dann nicht am Morgen an seiner Seite? Fragen über Fragen. Felipes Beschluss von eben, sich von Christoph fernzuhalten, geriet nun schon wieder ins Wanken. Wenn sie wirklich Sex gehabt hatten, sollte er Christoph nicht dann darauf ansprechen? Vielleicht hatten sie eine Chance? War es dieser Knutschfleck wert, zu Kämpfen?

Im Laufe des Tages versuchte Felipe mehrfach, das Gespräch mit Christoph zu suchen, aber jedes Mal schien dieser Reißaus vor ihm zu nehmen, so konnte Felipe nur seiner Arbeit nachgehen. Dann sollte es eben nicht so sein, vielleicht war es auch gut, Christoph ein wenig Zeit zu geben, vielleicht musste der das Ganze auch erst einmal für sich sortiert bekommen. Und so dachte Felipe sich nichts Böses, als er am Abend in die öffentlichen Begebenheiten des Fürstenhofs kam, wo Christoph sich gerade die Hände trocknete. Ihre Blicke trafen sich kurz, aber keiner wollte der erste sein, der etwas sagte. So ging Felipe seinem Geschäft nach, und Christoph trocknete sich weiter die Hände. Schließlich warf er das Handtuch in den dafür vorgesehenen Behälter und war bereits an der Tür.
„Christoph, warte mal kurz!“
Es durchfuhr ihn wie einen Blitz. Wie angewurzelt blieb er stehen und drehte sich zu Felipe herum, der sich gerade die Hände gewaschen hatte.
„Findest du nicht, wir sollten darüber reden?“
Christoph kniff die Augen bedrohlich zusammen.
„Ich wüsste nicht, was es zu bereden gibt!“, stellte er unmissverständlich klar.
„Also haben wir gestern Abend nicht miteinander…“
„Halt den Mund…“
Christoph hatte sich nun direkt vor ihm aufgebaut, und panisch über die Schulter gesehen, ob auch wirklich niemand gerade reingekommen war und diesen verhängnisvollen Halbsatz mitangehört hatte.
„Also doch.“
Felipe lächelte nicht, es war nur eine Feststellung. So aufgebracht wie Christoph ihn gerade anfunkelte, war es besser, nicht zu viele Gefühle zu zeigen.
„Christoph, ich dachte…“
„Was auch immer Sie…“, er betonte das Sie besonders.
„…gedacht haben, ist falsch, HERR Pereira de la Cruz.“
„Zwischen uns ist nichts, rein gar nichts, passiert. Und nur eine noch so kleine Andeutung Ihrerseits in diese Richtung und ich mach Ihnen Ihr mickriges Leben zur Hölle. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?“
Felipe war geschockt. Er war die Drohungen von Christoph ja schon gewohnt. Aber nun hatten sie eine tiefere, boshaftere Bedeutung, und er wusste, Christoph war nun zu allem fähig. Was auch immer Christoph so werden ließ, es wurde durch das, was sie letzte Nacht getan hatten, noch um ein vielfaches verstärkt.
„Natürlich, Herr Saalfeld.“, erwiderte er monoton.
„Gut. Und nun gehen Sie wieder an Ihre Arbeit. Wir bezahlen Sie nicht dafür, dass Sie sich in diesem Räumlichkeiten…vergnügen.“
Autsch, das hatte gesessen. Felipe wusste, Christoph wollte ihn verletzen, und so nahm er diese abfällige Bemerkung einfach hin, ohne etwas zu sagen, und er sag Christophs Rücken dabei zu, wie er durch die Tür verschwand.

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Also haben wir doch miteinander geschlafen, und es scheint ihn fertig zu machen. Christoph Saalfeld, wer auch immer du unter all diesem Hass bist, ich hoffe, du findest irgendwann deinen Seelenfrieden. Ich muss dich ziehen lassen, ich kann dir nicht helfen. Ich würde nur selbst daran kaputt gehen.
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