But I'm A Creep

GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Christoph Saalfeld OC (Own Character)
28.06.2019
04.10.2020
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28.06.2019 849
 
Die Hochzeitsfeier von Denise Saalfeld und Joshua Winter war in vollem Gange. Es war ein rauschendes Fest geworden, und der ganze Fürstenhof feierte mit. Nach langem Hin und Her, nach vielen Irrungen und Wirrungen hatten sich die beiden endlich gefunden. Es war nicht leicht gewesen, war doch Joshua zuerst mit Denises Schwester Annabelle zusammen gewesen. Annabelle hatte das Ihrige dazugetan, dass die beiden sich nicht bekommen würden, nachdem sie die Gefühle, die die beiden für einander hatten, bemerkt hatte. Letztendlich hatte sie jedoch den Kürzeren gezogen, und Joshua hatte sie verlassen, um endlich mit Denise glücklich zu werden.

Denises Vater Christoph Saalfeld lehnte etwas abseits an einer Säule, nippte am prickelnden Champagner und sah seiner einzig noch verbliebenen Tochter zu, wie sie lachte, wie sie tanzte, wie sie einfach glücklich war. Er war bestimmt nicht der beste Vater gewesen – seine beiden Söhne konnten ein Lied davon singen. Insbesondere Viktor Saalfeld hatte einiges von ihm aushalten müssen, vor allem, als dieser sich in seine, Christophs, Ehefrau Alicia Lindbergh verliebt hatte – und sie diese Gefühle erwiderte. Und als Christoph erfahren hatte, dass sein zweiter Sohn Boris homosexuell war, hatte er Rot gesehen. Denn, was keiner wusste, war, dass Christoph in seiner Jugend einem Missbrauch zum Opfer gefallen war. Und als er mitbekommen hatte, das Boris mit einem anderen Mann zusammen war, da kam das alles wieder hoch. Er hatte blind vor Wut um sich geschlagen, er hatte gedacht, er müsse Boris beschützen, dass Boris nicht wissen würde, was er da machte. Christoph Saalfeld war bis zum Äußersten gegangen, um Boris und seinen späteren Ehemann Tobias Ehrlinger auseinander zu bringen, so weit, dass es fast zu spät war. Erst durch das eindringliche Zureden seiner Exfrau Alicia war seine harte Front aufgeweicht, und er war einen Schritt auf seinen Sohn zugegangen. Schließlich konnten sie Frieden schließen, bevor Boris seine Ehe mit Tobias in Hamburg startete.  Nein, Christoph war kein guter Mensch, das wusste er selbst. Alle um ihn herum hatte er vergrault. Er konnte keine gesunde Beziehung führen. Sein Blick wanderte zu Eva Saalfeld, mit der er bis vor wenigen Tagen eine leidenschaftliche Affäre hatte, bis ihr Mann Robert dahinter kam. Es hatte einen riesigen Eklat gegeben, der damit geendet hatte, dass Christoph und Robert übereinander hergefallen und gemeinsam im Rosenteich im Park gelandet waren, untermalt von Evas verzweifelten Rufen, sie mögen doch bitte damit aufhören.

Christoph war so sehr in Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, dass Alicia zu ihm herüberkam und sich neben ihn an die Wand lehnte.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie einfühlsam.
Christoph zuckte zusammen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ihn jemand ansprach, und doch, da stand Alicia, ausgerechnet Alicia neben ihm und sah ihn mit ihren großen Augen an. Und da waren sie auch wieder, diese Gewissensbisse, die er immer hatte, wenn er Alicia sah. Alicia war ein weiterer der vielen Menschen, denen er Leid zugefügt hatte, aber sie hatte ihm das alles verziehen und gab sich trotzdem noch mit ihm ab. Christoph rang einen Moment um Fassung, bevor er ihr antwortete.
„Ja, natürlich, alles in Ordnung.“
Alicia folgte Christophs Blick.
„Ich habe gehört was passiert ist.“
Christoph sah betroffen zu Boden. Er hatte sie wieder enttäuscht.
„Ja, ich, das…“
„Christoph, ich weiß, dass irgendwo da drin ein guter Mensch ist, der weiß, was richtig und was falsch ist. Und irgendwann kommt dieser Mensch zu Vorschein. Auch für dich gibt es das ganz große Glück!“
„Das glaube ich nicht. Nicht mehr!“, stellte Christoph nüchtern fest.
„Ich habs verspielt, das ganz große Glück!“, er sah Alicia an.
„Aber Danke für den Versuch!“
Christoph leerte sein Glas in einem Zug.
„Entschuldige mich bitte…“, meinte er zu Alicia, und ließ sie stehen.
Alicia drehte sich um und sah Christoph nach. Sie alleine wusste, was Christoph immer noch schwer auf der Seele lastete, und sie ahnte, dass er nicht glücklich werden konnte, ehe er das nicht ein für allemal verarbeitet hatte. Und bis dahin würde es ein langer, langer Weg werden.

Christoph durschritt den Festsaal, in der Hoffnung, dass niemand ihn ansprechen würde. Als er im Foyer des Fürstenhofes war, löste er mit fahrigen Fingern seine Krawatte und öffnete den obersten Knopf seines Hemdes. Er musste hier raus. Diese Wände, von denen er sich geschworen hatte, dass sie einst ihm alleine gehören würden, fühlten sich auf einmal wie ein Gefängnis an. Er stemmte sich gegen die Drehtür nach draußen. Es war eine laue Sommernacht. Er ging ein paar Schritte über den knirschenden Kies, bevor er stehen blieb, und den Kopf in den Nacken legte. Es war eine klare Sternenacht.

Ja, ich habe es verspielt. Alicia habe ich verloren. Eva habe ich verloren. Meine Kinder wollen nichts mehr von mir wissen. Weil ich ein soziopathisches Monster bin. Ich habe es nicht anders verdient. Es ist besser, wenn ich von jetzt an alleine bleibe. Ich richte ja eh nur mehr Schaden an als das ich gutes tue. Danke, Alicia, dass du immer noch an mich glaubst. Aber es ist vergebene Lebensmühe. Die Liebe und ich, wir kommen nicht zueinander. In diesem Leben nicht mehr. Das ist vorbei!
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